Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen Tokyo 2020 [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 15.11.2019 um 14:35

 

Zwei Erzfeinde kommen zusammen!

 

Nach dem Niedergang Segas als Konsolenhersteller gingen seltsame Dinge vor sich. Denn zum Überleben musste der Sonic-Konzern viele seiner Spiele auf andere Konsolen portieren und somit fand man sich als Kind der 80er und 90er recht schnell in der seltsamen Situation, dass Sega-Marken plötzlich auf Nintendo-Hardware spielbar ist. Besonders bei Titeln mit dem blaue Igel saß man kopfschüttelnd vor dem TV.
Doch Sega tat der Absprung vom Konsolenbusiness recht gut, mittlerweile kann man auf einige erfolgreiche Marken blicken und ist wieder ein finanziell stabiles Unternehmen. 

Im Jahr 2007 war die Bewegungssteuerung der Wii der letzte Schrei und auch Sega wollte da natürlich ein Wörtchen mitreden. Also entwickelte man das bis zur Jahrtausendwende Unfassbare: Mario und Sonic treten in einem gemeinsamen Spiel auf. „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen“ war geboren.
Neben den Sommer- wurden auch die Winterspiele von Jahr zu Jahr abgedeckt und einige Monate vor dem Start der Spiele in Tokyo 2020 erscheint nun der aktuelle Ableger für die Nintendo Switch. Ob Bewegungssteuerung im Jahr 2019 immer noch Spaß macht, verraten wir euch in unserem Test.  

 

Back in time!

 

Anlässlich der Olympischen Spiele in Tokyo hat Dr. Eggman einen teuflischen Plan ausgeheckt. Damit er und Bowser endlich die lästigen Helden Sonic und Mario loswerden können, entwickelte er eine Spielkonsole, die die beiden einsaugen und nicht mehr freilassen soll.
Doch wie so häufig will der Plan nicht ganz so funktionieren wie er es sich ausgedacht hatte. Letztlich landen Dr. Eggman, Bowser, Mario und Sonic in der Konsole, die die Vier in das Jahr 1964 zurücktransportiert. Wie es der Zufall so will, finden dort auch gerade die Olympischen Spiele in Tokyo statt.

Währenddessen wurden Luigi & Co. in der Gegenwart auf das Verschwinden der Freunde aufmerksam und versuchen einen Weg zu finden, diese zurückzubringen. Doch dafür müssen sie nicht nur in allerlei olympischen Wettbewerben antreten, sondern auch verschiedenste Minispiele erfolgreich absolvieren. Aber auch 1964 tut sich etwas! Bowser und Dr. Eggman finden nämlich heraus, dass sie Goldmedaillen brauchen, um wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Lasset die Spiele also beginnen!

 


 

Modern und Retro

 

Der Story-Modus deutet es schon an. Auch die vergangenen Spiele im Jahr 1964 in Tokyo thematisiert der Switch-exklusive Titel und zwar auf eine ganz besondere Art und Weise. Denn während die aktuellen Disziplinen in traditioneller 3D-Optik umgesetzt sind, setzt das Jahr 1964 komplett auf 2D-Optik. Und zwar werden hier die originalen Charakter-Modelle aus „Mario Bros.“  vom NES und „Sonic the Hedgehog“ vom Mega Drive genutzt. 

Auch die Steuerung hat man angepasst, so dass die 2D-Disziplinen eher Wert auf das schnelle oder das rechtzeitige Drücken eines Buttons legen, während die modernen Wettbewerbe viel auf die Bewegungssteuerung setzen. 

In insgesamt 21 Disziplinen wie dem 100m-Lauf, Klettern, Rugby oder Surfen plus drei Traum-Varianten geht es also auf Medaillenjagd, der 2D-Modus bietet euch insgesamt zehn Disziplinen, u.a. Turmspringen, Kajak oder Volleyball.

In Sachen Modi gibt es wie schon erwähnt den Story-Modus, ein schnelles Spiel für bis zu vier Spieler, und lokalen wie auch Online-Multiplayer. Unter dem Menüpunkt „Meine Daten“ findet ihr außerdem zahlreiche Infos zu den Olympischen Spielen und Minispiele, die ihr während der Story freischalten könnt.

 

Reiseführer für Tokyo!

 

Schon von der ersten Sekunde des Vorspanns an, ist klar: „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen“ will Werbung für Tokyo machen. Besonders merkt man das beim Spielen des Story-Modus’, denn dort bewegt man sich über eine Karte der japanischen Hauptstadt zwischen Austragungsorten und Sehenswürdigkeiten hin und her.

Während ihr also im Olympiastadion an einer Disziplin teilnehmt, trefft ihr am Hauptbahnhof oder der bekannten Shibuya-Kreuzung auf Bekannte, die euch weitere Details über diesen Ort verraten.  Neue Trivia bekommt ihr außerdem an überall verteilten Pokalen zu lesen. Hier geht es entweder um die Olympischen Spiele oder die Charaktere aus den beiden Universen.

In Sachen Reiseführer bzw. Werbung für die Stadt wäre aber noch mehr drin gewesen. Viele Infos bleiben etwas oberflächlich, einige Sehenswürdigkeiten wie den Tokyo Tower sieht man nur in der Stadtkarte und bei dessen Besuch nur den Eingangsbereich.

 


 

Klassisch oder Gefahr für’s Wohnzimmer?

 

Wie schon der erste Teil der Reihe setzt auch „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen Tokyo 2020“ auf die Bewegungssteuerung der Switch. Ihr könnt die meisten Sachen aber auch klassisch im Handheld-Modus mit angedockten JoyCons oder dem Pro Controller am Fernseher spielen.

Und das macht meistens mehr Spaß als mit dem Herumgefuchtel in der Luft. Denn die Bewegungssteuerung einiger Disziplinen ist so rudimentär, dass es kaum Spaß macht dieses Feature wirklich zu nutzen. Während man beim Kanufahren oder dem Klettern die Bewegungen gut nachempfinden kann und die Disziplinen für einige launige Minuten sorgen, gibt es Totalausfälle wie den Dreisprung oder Skateboard. Vor allem letzteres ist an Langeweile kaum zu überbieten und versteckt tiefergehende Steuerung dann auch noch in einem Extramenü.

Generell laufen viele der Disziplinen mit Bewegungssteuerung so ab, dass man einen oder beide JoyCons schnell nach oben und unten bewegen muss. Häufig wird mit der Zeit eine Spezial-Leiste aufgefüllt, die man dann mit einem Druck auf R bzw. L ausgelöst werden kann. Das war es!

 

Saubere B-Note

 

In Sachen Technik kann man dem Spiel nicht viel vorwerfen. Zwar wirken unsichtbare Grenzen in den Wettkampf-Arenen altbacken, aber die Charaktermodelle sind hübsch geworden und die Austragungsorte in einem tollen Comic-Look dem Original nachempfunden.
Das Spiel ist deutsch vertont, dies ist allerdings nur bei den Kommentatoren relevant. Die einzelnen Charaktere sprechen nichts und lassen nur hin und wieder mal ein „Sicher!“ oder ähnliches von sich hören. Das passt bei den Dialogen im Story-Modus nicht immer unbedingt gut auf die Situation, hier liegt aber auch einer der größten Mängel des Spiels. 

Denn so hanebüchen die Story von „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen Tokyo 2020“ ist, man hätte sie wenigstens etwas liebevoller inszenieren können. Zwar sind die 2D-Sequenzen eine schöne Anspielung an frühere Zeiten, aber die Standbilder mit Textboxen nerven auf die Dauer. Vor allem weil man sie auch kaum beschleunigen kann. 

Die Musikuntermalung ist auch nur für starke Nerven gedacht. Zwar hat die Titelmelodie einen gewissen Ohrwurm-Charakter, aber ständig das gleiche Theme zu hören wird auf die Dauer schwierig für die Ohren.

 

FAZIT: Höchstens Bronze!

 

„Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen Tokyo 2020“ ist leider kein Kandidat für die Goldmedaille. Denn auch wenn die Inszenierung der japanischen Hauptstadt recht charmant ist und die Auswahl an Disziplinen groß und vielfältig, fällt man hier vor allem mit der Steuerung auf die Nase. Einige Bewegungsabläufe beim Benutzen der JoyCons sind einfach viel zu ähnlich und lassen Tiefe bei den Sportarten vermissen. Und selbst wenn es mal mehr Moves gibt wie zum Beispiel beim Skateboarding, versteckt man das in einem Untermenü abseits des normalen Tutorials. 

Der 2D-Teil des Spiels und die freispielbaren Minispiele wie die Verfolgungsjagd von Dr. Eggman in einem Shinkansen machen schon Spaß und wirken liebevoll implementiert, aber dafür ist der Storymodus mit seinen vielen Standbildern und Textboxen wiederum so lahm und lieblos inszeniert, dass man sich von Disziplin zu Disziplin quälen muss.

Mit mehr Spieltiefe und einer stärkeren Inszenierung hätte man da wesentlich mehr rausholen können. Auch die Optionen sind minimal gehalten. Warum kann ich zum Beispiel keinen eigenen Wettbewerb erstellen?