Hitman 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 26.11.2018 um 10:34

 

Attentäter mit Tradition

 

Die „Hitman“-Reihe fand im Jahr 2000 ihren Anfang auf dem PC bevor man dann mit „Hitman 2“ auch auf die damals aktuellen Konsolen PS2 und Xbox übersiedelte. Seitdem ist die Marke recht rasant gewachsen. Sogar zwei Kino-Adaptionen brachte die Reihe um Agent 47 hervor.

Mit dem letzten, schlicht „Hitman“ getauften Spiel, verfolgte Entwickler IO Interactive ein gänzlich neues Veröffentlichungskonzept für Spiele solcher Größe. Denn statt einem Release in Komplettform auf einer Disc, wurden die einzelnen Level als Episoden zum Download angeboten. Gerade aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten, eine Mission zu lösen und dem damit verbundenen, hohen Wiederspielwert, war dieses Konzept logisch und wurde auch von den Spielerinnen und Spielern gut aufgenommen.

Doch leider war Publisher Square Enix anscheinend nicht ganz so zufrieden und so trennte man sich von dem dänischen Entwicklerstudio. Glücklicherweise erklärte sich Warner Bros. bereit, künftig den Vertrieb zu übernehmen und somit war „Hitman 2“ gesichert. Im Gegensatz zum letzten Teil erscheint das aktuelle Spiel aber wieder in Komplettform auf einer Disc. Wie sich „Hitman 2“ spielerisch schlägt, lest ihr nun in unserem Test.

 

Agent 47 auf Weltreise

 

Die Geschichte von „Hitman 2“ knüpft eigentlich direkt an die Ereignisse aus dem Vorgänger an und so befindet sich Agent 47 immer noch auf der Jagd nach dem Shadow Client. Nachdem er sich in Teil 1 schon quer über den Erdball gemeuchelt hat, bringt ihn das aktuelle Spiel wieder an sechs unterschiedliche Schauplätze an denen man ein oder mehrere Ziele ausschalten muss.

Wie ihr das anstellt, bleibt weitestgehend euch überlassen und da die Spielwelt einiges an Optionen bereitstellt, kann jeder Durchgang einer Episode anders verlaufen. Die Missionen bringen euch dabei an Orte wie Miami, den kolumbianischen Dschungel oder die indische Großstadt Mumbai. 

 

 

Lautlos, hinterhältig oder lieber mit Karacho?

 

Im Grunde handelt es sich bei „Hitman 2“ um ein klassisches Sandbox-Spiel in der Thirdperson-Perspektive. Um euch aber die einzelnen Spielmechaniken besser verdeutlichen zu können, erklären wir euch den Ablauf einer Mission anhand des zweiten Levels in Miami.

Unsere beiden Ziele in der beliebten Stadt in Florida sind Technik-Mogul Robert Knox und seine Tochter und Rennfahrerin Sierra. Während des jährlichen Renn-Events vor Ort stellt Mr. Knox nicht nur seine neuesten Erfindungen vor, Töchterchen Sierra liefert sich außerdem ein rasantes Duell auf der Rennstrecke.

In einem unauffälligen Urlauber-Outfit starten wir als Agent 47 vor den Toren der Rennbahn und haben nun die Wahl wie wir bei dem Auftragsmord vorgehen wollen. Wir entscheiden uns zunächst für das Erkunden des Levels und treffen so nach einer Fußgänger-Unterführung auf Miliz-Chef Ted Mendez, der sich von Mr. Knox eine neuartige Waffe zeigen lassen will. Getarnt mit einer Zeitung setzen wir uns auf eine Bank neben ihn und belauschen sein Telefonat. Dadurch wird eine Story-Mission aktiviert, die uns – abhängig vom Schwierigkeitsgrad – anzeigt, was wir für das Erfüllen dieser Mission als nächstes erledigen müssen.

In einer ruhigen Ecke überwältigen wir Mendez und legen seine Kleidung an, die Leiche lassen wir in einem Garten verschwinden. Durch den Haupteingang eines Aquariums kommen wir in die oberen Räumlichkeiten, in denen Knox seine technischen Spielereien vorstellt. Glücklicherweise haben wir uns vor der eigentlichen Präsentation der vollautomatischen Söldner etwas genauer umgesehen und dadurch ein Foto von Knox gefunden. Denn die neuen Hightech-Soldaten töten Feinde anhand von eingescannten Bildern. Während Mr. Knox also stolz vor uns steht und seine Tötungsmaschinen in den Himmel lobt, scannen wir sein Foto bei dem Prototypen ein. Dieser erkennt Knox als Feind und erschießt ihn. Ziel Nr. 1 erledigt. Und das sogar unbemerkt und als Unfall deklariert.

 

Defektes Feuerwerk und Chaos am Ende

 

Bleibt also noch seine Tochter Sierra übrig. Diese befindet sich aber gerade noch auf der Rennstrecke, so dass wir ein bisschen Zeit haben, das nächste Attentat zu planen. Da wir zuvor einem anderen Gespräch lauschten in dem es um das Abschlussfeuerwerk bei der Siegerehrung ging, bietet uns das Spiel an, dieses zu manipulieren und Sierra so auszuschalten.

Hierfür müssen wir uns zunächst ein Outfit eines Renn-Marschalls besorgen, den wir an seinem Wagen überfallen und anschließend in einer Kiste verstauen. Jetzt heißt es, sich um den sicheren Sieg von Sierra zu kümmern indem wir ihren Konkurrenten vom Rennen disqualifizieren. Gesagt, getan.

Während wir uns nun um die Manipulation des Gaszugangs des Feuerwerks kümmern und dafür durch den Backstage-Bereich des Rennens spazieren, sehen wir oben rechts wo sich Sierra gerade befindet und wie sich bereits auf den Weg zur Siegerehrung macht. Doch leider verpassen wir das Zeitfenster und plötzlich steht Sierra quasi vor uns. Das heißt, Plan verwerfen und nach einer anderen Lösung suchen. Während wir in unserem Renn-Marschall-Outfit langsam den anderen Leuten auffallen, regiert die Panik. Tödliche Waffen für einen schnellen Überfall sind Fehlanzeige also warten wir erst einmal die Siegerehrung ab. Nach einem Interview und einer Fotosession verlässt Sierra das Gebäude Richtung Party und somit hängen wir uns an ihre Fersen. Als wir die Situation für geeignet halten, wollen wir sie von hinten überwältigen, übersehen dabei aber einen NPC und schlagen diesen aus Versehen bewusstlos. Das bekommt Sierra mit, wir können sie aber noch rechtzeitig stoppen und erledigen so auch dieses Ziel. Doch leider sind wir mittlerweile aufgeflogen und müssen uns nun flott zum Ausgang des Levels bewegen. Glücklicherweise befindet sich einer davon nur knapp 30 Meter von uns entfernt, dort angekommen verwehrt uns das Spiel aber den Zugang zum Krankenwagen mit dem wir fliehen könnte. Wir benötigen dafür ein Arzt-Outfit. 

Also heißt es ab in die nahegelegene Krankenstation, schnell einen Mitarbeiter des Notdienstes überwältigt und dessen Outfit angelegt. Beim Verlassen des Gebäudes entdeckt uns aber schon wieder ein Sicherheitsmann, zum Glück sind wir aber schnell am Krankenwagen und können somit die Mission erfolgreich abschließen.

 

Missions-Vielfalt

 

Dieses Beispiel ist nur einer von mehreren Lösungswegen. Neben sechs vorgegebenen Story-Missionen könnt ihr aber natürlich auch völlig frei über euer Vorgehen und Handeln entscheiden. „Hitman 2“ belohnt dabei eure Kreativität bei der Abrechnung nach Abschluss eines Levels mit viel Erfahrungspunkten. 

Mit diesen XP schaltet ihr dann die sogenannten Meisterschaften frei, so dass ihr zum Beispiel an anderen Startpunkten im Level beginnen könnt oder eine feste Grundausrüstung schon von Anfang an dabei habt. 

Aber auch durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade bekommt „Hitman 2“ häufig einen anderen Anstrich, so erkennen euch zum Beispiel andere Personen in euren Verkleidungen leichter oder Überwachungskameras machen euch das Leben schwer. 

Während ihr für einige Missionsziele bestimmte Items wie Dietriche, Schraubenzieher oder Zugangskarten benötigt, könnt ihr viele dieser Dinge auch als Waffe gebrauchen. Auch auf Schusswaffen könnt ihr zurückgreifen und die Missionen lassen sich sicherlich auch mit reiner Waffengewalt lösen, allerdings ruft das schnell die Gegner herbei und diese sind meist in der Überzahl. Dazu kommt dass Agent 47 leider nur sehr wenig einstecken kann und man daher direkte Konfrontationen eher vermeiden sollte.

Dennoch steckt in den unterschiedlichen Lösungsansätzen von „Hitman 2“ der meiste Spielspaß. So lassen sich viele Items, die man in der Spielwelt findet zu interessanten Möglichkeiten kombinieren. Eine Explosion aufgrund einer defekten Autobatterie und einer Flasche Propangas zum Beispiel lässt sich prima als Ablenkungsmanöver nutzen oder um Gegner anzulocken. Das Experimentieren macht einfach Spaß.

 

 

Nebenaufträge

 

Während ihr also mit den sechs Hauptmissionen – vorausgesetzt ihr wollt mehrere Lösungswege probieren – schon lange beschäftigt seid, gibt es noch weitere Modi für Hobby-Auftragskiller.

So müsst ihr bei den Elusive Targets besonders schwer zu fassende Ziele ausschalten, die aber nur für eine bestimmte Zeit verfügbar sind. Aktuell ist dies noch Sean Bean in einer Gastrolle, die Missionen werden in regelmäßigen Abständen ausgetauscht. Auch für Freunde von Online-Modi ist etwas geboten. So könnt ihr nicht nur eigene Aufträge erstellen, sondern auch Missionen von anderen Spielern angehen, die diese hochgeladen haben. Im Ghost Mode tretet ihr in einen Wettstreit mit einem anderen Spieler und bekommt fünf Missionsziele vorgegeben. Diese müssen anständig erledigt werden und werden jeweils mit einem Punkt belohnt. Für falsches Vorgehen gibt es Punktabzüge.

Bereits von einem mobilen Ableger und dem Preorder-Bonus für „Hitman Absolution“ dürfte der Sniper Assassin-Modus bekannt sein. In diesem seid ihr lediglich als Scharfschütze aktiv und habt in einem vorgegebenen Level mehrere Ziele. So müsst ihr in der ersten Mission im österreichischen Himmelstein drei Personen während einer Hochzeit eliminieren. Hierfür stehen euch unterschiedliche Möglichkeiten zur Wahl und kleine Nebenmissionen wie „Zerstöre alle Tonkrüge“  belohnen euch mit zusätzlichen Erfahrungspunkten.

 

Agent 47 fehlt mindestens ein A

 

„Hitman 2“ ist sicherlich keine AAA-Produktion. Dafür wirkt das Spiel zu ungeschliffen und die Grafik ist stellenweise zu altbacken. Während zum Beispiel die Menschenmassen in Miami noch recht beeindruckend wirken, entgeistern andere Level dann wieder mit recht unspektakulären Licht- oder Spiegelungseffekten. Häufig denkt man eher an ein PS3- als ein PS4-Spiel.

Dazu kommen dann noch die recht hölzernen Animationen, die vor allem Agent 47 sehr unecht wirken lassen. Immerhin sind die Spielwelten recht vielfältig ausgestattet und mit viel Details versehen. Die Steuerung wirkt zu Beginn etwas überladen, daran gewöhnt man sich aber mit der Zeit. Wünschenswert wäre es aber gewesen, wenn man die Karte des Levels schneller einblenden könnte und nicht umständlich über das Pausenmenü gehen müsste. Auch mehr Komfortfunktionen für die Map wären wünschenswert, vor allem mehr Zoomstufen.

In Sachen Musik und Soundeffekten ist das Spiel gut und stimmig unterlegt, die englische Snychro wirkt teilweise aber etwas arg vom Band und nicht gut in die Umgebung integriert. 

 

FAZIT: Gelungene Fortsetzung mit veralteter Technik 

 

Spielerisch kann man über „Hitman 2“ eigentlich nicht meckern. Selten hat man in einem Videospiel so viele unterschiedliche Lösungsansätze für Missionen gehabt und so kann eigentlich jeder Spieler seine favorisierte Spielart auch umsetzen. 

Wer mit der großen Freiheit nicht umgehen kann, bekommt vom Spiel einiges an Support-Möglichkeiten und somit kann man „Hitman 2“ dann auch wie ein klassisches Action-Adventure spielen.

Problematisch könnte der Umfang des Hauptspiels sein, denn mit etwas Geschick kann man die Hauptstory in unter fünf oder sechs Stunden abschließen. Hat man keine Motivation, Level mehrere Male zu spielen, könnte dies durchaus ein Kritikpunkt sein. Besitzer von „Hitman“ können sich übrigens die Level aus dem Vorgänger auch nochmal in „Hitman 2“ herunterladen.

Für einen möglichen dritten Teil sollte man bei IO Interactive definitiv an der Spiele-Engine arbeiten, die das Geschehen zwar ordentlich, aber ohne große Höhepunkte darstellt. Besonders die Animationen wirken mittlerweile recht angestaubt und einfach nicht mehr zeitgemäß.