Forgotten Anne [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 11.05.2018 um 18:00

 

Square Enix und seine Indies

 

Nachdem wir bereits vor kurzem „Fear Effect Sedna“ getestet haben, kommt nun mit „Forgotten Anne“ das nächste größere Spiel aus der Square Enix Collective-Initiative auf den Markt. Dieses wurde bereits im Vorfeld mit einigen Preisen ausgezeichnet und bekam in der Fachpresse durchaus schon recht viele Vorschusslorbeeren.

Das dänische Entwicklerstudio Throughline Games kombiniert in diesem Spiel eine wunderschöne Cartoon-Optik im Stil eines Studio Ghibli-Films mit einem sehr puzzellastigen Gameplay. Ob „Forgotten Anne“, das für PS4, Xbox One und PC erscheint, ebenso qualitativ hochwertig ist wie die Anime aus dem besagten Animationsstudio, verraten wir euch in unserem Test.

 

Die Welt der Vergessenen

 

Jeder kennt das doch: plötzlich ist nur noch eine Socke eines Paars übrig oder ein anderes Kleidungsstück verschwindet spurlos. Doch auch Koffer oder andere Alltagsgegenstände können dieses Schicksal ereilen und sind von einem auf den anderen Tag weg. Doch wo gehen alle diese Gegenstände hin?

„Forgotten Anne“ löst diese Frage schon zu Beginn auf, denn alle vergessenen Gegenstände kommen in das Vergessene Land. Dort herrscht Meister Bonku über die Gegenstände, die für ihn arbeiten und Energie für das Land erzeugen. Im Gegenzug dafür dürfen sie irgendwann nach Hause zurückkehren. Hilfe bekommt er von der Hüterin Anne, die für die Ordnung im Land zuständig ist. Doch als eines Tages Rebellen die Stadt angreifen, sieht sie ihre Rückkehr in die Menschenwelt gefährdet.

 

 

Kopfnuss

 

„Forgotten Anne“ präsentiert sich als klassischer 2,5D-Sidescroller. So könnt ihr an einigen Stellen in den Vorder- oder Hintergrund laufen und auch der Übergang von Außen in die Gebäude selbst bleibt diesem Stil treu. Neben Laufen steht aber auch viel Hüpfen auf dem Programm, das zwar nicht sonderlich anspruchsvoll ist, aber dennoch etwas Timing verlangt.

Ein wichtiges Gadget von Anne ist ihr Acra am Handgelenk mit dem sie Energie, die sogenannte Anima aufnehmen kann. Diese ist vor allem für Rätsel ein wichtiger Rohstoff, dazu aber später mehr. Mit dem Acra kann sie außerdem die Animavision aktivieren, die euch einen Röntgenblick ermöglicht und ihr so zum Beispiel Stromkabel o.ä. verfolgen könnt. Die Anima-Energie gewinnt ihr aus bestimmten, in den Levels verteilten Energiecontainern oder aus Gegnern, die ihr mit dem Acra destillieren könnt.

Ein Großteil des Spiels verbringt ihr aber mit Puzzeln und Rätseln, die eure grauen Zellen fördern wollen. Dies klappt auch ganz gut, denn das Spiel selbst erklärt selbst nur wenig und gibt meist nur eine grobe Richtung vor, wie das Rätsel nun gelöst werden muss. Dank Animavision und eurer Anima-Energie müsst ihr so zum Beispiel Strom auf Schalter umleiten oder eine Bahn zum bremsen bringen.

Auch einen kleinen Metroidvania-Einschlag hat der Titel, denn in der Welt findet ihr immer wieder Gadgets, die es euch ermöglichen, eure Fähigkeiten zu verbessern. So könnt ihr zum Beispiel dank energiebetriebener Flügel weiter und höher springen.

 

Tagebücher und Erinnerungen

 

Neben euren Hauptaufgaben findet ihr immer wieder interessante Sachen in der Spielwelt. So trefft ihr auf die unterschiedlichsten vergessenen Gegenstände, die alle ihre Geschichte haben, außerdem könnt ihr noch tiefer in das Universum von „Forgotten Anne“ abtauchen indem ihr Tagebucheinträge freischaltet oder Erinnerungsstücke findet.

Bei Gesprächen mit anderen Charakteren habt ihr meist die Wahl aus mehreren Dialogoptionen und könnt so eher nett oder streng sein. Dank der sehr gut englisch vertonten Dialoge mit den unterschiedlichsten Dialekten sind diese Konversationen ein echtes Highlight, dauern aber recht häufig ein bißchen zu lange. Ab und an wird das Spielgeschehen durch Zwischensequenzen unterbrochen, die sich kaum von der tollen Spielegrafik unterscheiden, aber mal eine andere Perspektive bieten.

 

 

Wunderschöne Anne!

 

Das absolute Highlight von „Forgotten Anne“ ist die Optik! Die, leicht vom Steampunk angehauchte Welt, strahlt durch die Vergessenen eine ganz besondere Mystik aus und die Optik erinnert wirklich an einen Studio Ghibli-Film wie „Das Wandelnde Schloss“. Auch wenn man bei Nahaufnahmen etwas mehr Details erwarten könnte, ist die Grafik einfach wunderschön und stimmig. Einziger Kritikpunkt sind die teils etwas hakeligen Animationen, die nicht so ganz zum Gesamteindruck passen wollen. Manche Animationsphasen sind so zum Beispiel zu lang oder zu langsam. Dadurch fühlt sich das Spiel etwas träge an und die Optik leidet eben.

Die Kamera zeigt das Spielgeschehen dabei immer aus der Seitenansicht und zoomt stufenlos und flüssig je nach Situation in oder aus dem Spiel heraus. Auch die klassische, orchestrale Musikuntermalung fühlt sich nach einem echten Hollywood-Blockbuster an. Einen großen Kritikpunkt gibt es allerdings, denn die Steuerung ist alles andere als gelungen. Die Tasten sind zwar sinnvoll belegt, aber gerade bei Rätseln, die ein gutes Timing verlangen, ist die etwas schwammige Steuerung von Anne sehr ärgerlich. So muss sie immer exakt vor den Hebeln, Schaltern oder Knöpfen positioniert werden, damit sie diese bewegen kann. Einen Millimeter zu weit und ihr könnt diese nicht nutzen.

 

FAZIT: Würde ich gerne als Film sehen!

 

„Forgotten Anne“ ist ein zweischneidiges Schwert. So begeistern auf der einen Seite die tolle Inszenierung, die wunderschöne Optik und die mystische Geschichte mit echtem Inhalt, auf der anderen Seite ärgert man sich über die schwammige Steuerung, die einen unter Zeitdruck echt nerven kann und die recht eintönigen Rätsel die oftmals aufgrund ihrer Länge auch einfach nur noch nerven.

Dennoch kann man das Spiel eigentlich recht bedenkenlos empfehlen, denn was Throughline Games hier auf die Beine gestellt haben, ist schon toll geworden. So etwas hätte durchaus als abendfüllender Animationsfilm seine Freunde gefunden, auch abseits der Anime- und Manga-Fanboys.

Nachdem „Fear Effect Sedna“ als einer der größeren Titel des Square Enix Collective nicht so ganz überzeugen konnte, macht „Forgotten Anne“ Mut und Lust auf mehrere solcher hochwertigen Indie-Spiele.