Ultra Street Fighter II: The Final Challengers [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.06.2017 um 16:09

 

Capcoms Erfolgsgeschichte

 

 „Street Fighter II“. Was für eine Marke! Nachdem Capcom das Prügelspiel vor über 26 Jahren von der Spielhalle zum ersten mal auch ins heimische Wohnzimmer brachte, fegte ein wahrer Beat’em Up-Hype über den Videospielmarkt. Doch nachdem man lange Jahre der Marktführer unter den 2D-Prüglern war, verschlief man den 3D-Trend irgendwie und so versank die Marke auch dank solcher Nieten wie „Street Fighter Ex“ in der Versenkung. Erst mit dem vierten Teil der Reihe konnte man auch wieder Spieler außerhalb des harten Kerns erreichen und vermischte klassisches 2D-Gameplay mit einer grandiosen 3D-Optik. Doch zurück zu „Street Fighter II“. Sicherlich ist es eines der Spiele, von dem es die meisten Variationen gibt. Ob es das überragende „Super Street Fighter II“ ist oder „Street Fighter II Turbo“ oder „Hyper Street Fighter II“, die Veröffentlichungen des Spiels sind zahlreich und verwirrend. Und nun kommt mit „Ultra Street Fighter II – The Final Challengers“ eine weitere Version des Spiels und das ausgerechnet für die Switch. Warum man sich bei Capcom ausgerechnet für diesen Titel entschied, wissen wohl nur die dortigen Angestellten. Vermutlich ist so ein kleiner Hauch Retro-Romantik mit im Spiel, denn schließlich kam „Street Fighter II“ vor allem durch die SNES-Fassung zu solch einem Ruhm. Ob die neue Variante etwas taugt und auch auf Nintendos jüngstem Spross eine gute Figur macht, klären wir in unserem Test.

 

 Alles beim Alten?

 

 Wie auch schon die anderen Variationen von „Street Fighter II“ unterscheidet sich die Switch-Version auch nur in Details vom Ausgangsprodukt. Neben drei neuen Charakteren, Akuma, Evil Ryu und Violent Ken, hat man außerdem die Option in eine schickere HD-Optik zu wechseln, die dann aber leider den Bildausschnitt beschneidet. Außerdem integrierte man exklusiv für die Switch eine Bildergalerie und den „Weg des Hado“-Modus, den wir euch später noch ausführlicher erklären werden. So ist zunächst klar, dass man mit „Ultra Street Fighter II“ einen klassischen Prügler bekommt, der sich wie das Meisterstück von vor über 25 Jahren spielt. Also ein traditionelles 1 vs 1, das über maximal drei Runden geht und das Kampfgeschehen mit allerlei Spezialattacken würzt.

 

 

Klassisch vs. Spielerei

 

 Natürlich besteht das Herzstück von „Ultra Street Fighter II“ aus dem typischen Worldtour-Modus, der euch gegen die fast komplette Kämpferriege samt Endbossen antreten lässt. Wie oben schon erwähnt gibt es aber auch einige Switch-exklusive Features. Eine skurrile Spielerei ist sicherlich der Kumpelkampf, in dem ihr euch mit einem CPU-Kämpfer oder einem Mitspieler eine Lebensleiste teilt und damit gegen Kontrahenten antretet. Noch skurriler wird es aber beim „Weg des Hado“. Denn in dieser Spielart schlüpft ihr in die Rolle von Ryu und wehrt in der Egoansicht mit allerlei Spezialattacken die bösen Schergen des Shadaloo-Konzerns ab. Nach und nach werden nicht nur eure Gegner stärker, auch Ryu kann aufgelevelt werden. Die Angriffe aktiviert ihr mit Hilfe der JoyCons und verteilt so durch die typische Hadoken-Bewegung entsprechende Feuerbälle. Leider ist weder die Bewegungsabfrage sehr präzise, noch kann der Modus an sich länger als einen Durchgang lang unterhalten.

 

 Alt vs. Neu

 

 Eines der Hauptmerkmale von „Ultra Street Fighter II“ ist sicherlich die HD-Optik, die man bereits in ähnlicher Form für „Super Street Fighter II HD Remix“ verwendet hat. Die schönen großen Sprites wirken auf Standbildern aber wesentlich besser als in Bewegung, da man leider auf eine Überarbeitung der Animationen verzichtet hat. So sind diese oft etwas abgehakt und wollen nicht so ganz zum Gesamtbild passen. Ebenso ärgerlich ist die Beschneidung des Bilds bei aktivierter HD-Option, die so manch ikonisches Level aus dem Ur-„Street Fighter II“ nicht mehr ganz so stimmungsvoll wirken lässt. Neben der Grafik wurde auch die Musik überarbeitet und kann bei Bedarf im Optionsmenü umgestellt werden. Und die ist nach wie vor klasse, egal ob im Original oder in der neuen Mischung.

 

 

Ich brech mir die Finger!

 

 Eines ist bei Prügelspielen essentiell: die Steuerung muss einfach und leicht von der Hand gehen und auch komplizierteste Manöver sollten mit dem Steuerkreuz des Controllers machbar sein. Und da kommen wir zum Problem von „Ultra Street Fighter II“ auf der Switch. Denn ähnlich wie auch auf der Xbox ist das Ausführen bekannter Spezialattacken dank des nicht gerade optimalen D-Pads der JoyCons kein großer Spaß. Im Idealfall solltet ihr also zwei Pro Controller zur Hand haben, wenn ihr euch spannende Kämpfe mit Kollegen liefern wollt. In den Offlinemodi und für ein schnelles Match zwischendurch mag die Steuerungsvariante mit den JoyCons mal ok sein, aber spätestens in den Onlinematches sollte man doch auf den bessern Controller zurückgreifen. Denn dort kommt es einfach besonders auf ein gutes Timing und Präzision an. Während der Testphase verliefen die Onlinekämpfe übrigens sehr sauber und ohne große Verzögerungen.

 

 FAZIT: Zeitloser Prügelklassiker für zu viel Geld

 

 „Super Street Fighter II Turbo“, die Version auf der die neue Switch-Fassung basiert, ist und bleibt ein zeitloser Klassiker, den man immer wieder mal zwischendurch spielen kann. Ob alleine oder zu zweit ist dabei egal, Spaß macht es auf jeden Fall. Dennoch muss man sich fragen, warum Capcom für solch eine Neuauflage 39,99€ haben will. Denn die Switch-exklusiven Features rechtfertigen den hohen Anschaffungspreis auf keinen Fall. Hinzu kommt, dass man als echter Fan der Serie definitiv einen Pro Controller zur ordentlichen Steuerung haben sollte. Oder man greift gleich zu einer der Downloadfassungen des Originals, die es auf mehreren Plattformen gibt und die auch wesentlich günstiger sind. Hinzu kommen Ärgernisse wie das beschnitten Bild im HD-Modus oder das umständliche Umschalten zwischen klassischer und neuer Optik bzw. der Musik. Da könnte man von solch einem erfahrenen Konzern wie Capcom eigentlich mehr erwarten. Dennoch versprüht „Ultra Street Fighter II“ einen gewissen Charme. Jeder, der sich damals das SNES-Bundle mit „Street Fighter II“ gekauft hat, wird wissen was ich meine. Und im Endeffekt ist das Spiel wohl genau für diese Zielgruppe gedacht. Alle anderen warten auf einen Angebotspreis und freuen sich dann über einen Klassiker, über den man auch noch in zwanzig Jahren reden wird.