´

Inland Empire

  • Informationen zum Film
  • Inland Empire

  • Originaltitel:
    Inland Empire
    Genre:
    Thriller, Mystery, Drama
    Produktionsländer:
    Frankreich, USA, Polen
    Produktionsjahr:
    2006
    Kinostart Deutschland:
    26.04.2007
  • Inhalt
  • A Story of a mystery... A mystery inside worlds within worlds... Unfolding around a woman... A woman in love and in trouble.

    Nikki Grace (Laura Dern), eine ehemals gefeierte Schauspielerin, wird für die Hauptrolle im neuen Film von Regisseur Kingsley Stewart (Jeremy Irons) engagiert. Kurz vor Beginn der Dreharbeiten erfahren sie und ihr Co-Star Devon Berk (Justin Theroux), dass der Film ein Remake ist: Er wurde vor einigen Jahren schon einmal gedreht, allerdings nie fertiggestellt, weil die beiden Hauptdarsteller vor Beendigung der Dreharbeiten zu Tode kamen. Immer mehr Rätsel umgeben Nikki, während sie in die Rolle von Susan Blue schlüpft und Fiktion und Realität, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander zu verschmelzen beginnen...
  • Filmkritik
  • An audience in love and in trouble -----
    Die Nadel eines Plattenspielers senkt sich in bedrohlichen S/W-Bildern auf den Tonträger. Ein polnischer Song erklingt. Eine Frau und ein Mann, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden betreten einen Raum. Im Fernsehen läuft eine bizarre Sitcom, in welcher alle Darsteller mit Hasenmasken auftreten. Hierbei handelt es sich übrigens um RABBITS (2002), eine ursprünglich 9-teilige Serie, welche Regisseur David Lynch für die Ausstrahlung auf seiner Website konzipierte. Szenenwechsel. Nikki Grace erhält Besuch von ihrer Nachbarin (Grace Zabriskie). Die Frau verhält sich äußerst seltsam, wirkt zeitweise verwirrt, scheint aber über Ereignisse Bescheid zu wissen, die sich erst zukünftig ereignen werden. Die Nachbarin spricht über einen mysteriösen Mord ("Brutal fucking murder!"), der passieren wird und Nikki bekommt es mit der Angst zu tun. So beginnt David Lynch's neuer, surrealer Mindtrip INLAND EMPIRE, der bislang mit Abstand komplexeste Film des ohnehin schon nicht einfachen Regisseurs.

    Reductio ad absurdum -----
    Zunächst baut INLAND EMPIRE eine (mehr oder weniger) nachvollziehbare Handlung auf, mit zunehmender Laufzeit gerät der Film jedoch völlig aus den Fugen. Zeitlich linear erscheinende Abfolgen werden zusehends aufgebrochen, untergraben und letztendlich ad absurdum geführt. Dies passiert einerseits innerhalb der Erzählstruktur, die sich nicht davor scheut zu beliebig anmutenden Zeitpunkten mit nur einer einzigen, kurzen Szene alle bisherigen Ereignisse in einen völlig anderen Kontext erscheinen zu lassen, bisherige Anhaltspunkte und vermeintliche Erkenntnisse radikal über den Haufen wirft und dem Zuseher damit kontinuierlich den Boden unter den Füßen entzieht. Andererseits findet die systematische Demontage zeitlich linearer Wahrnehmungsmuster über den Text der Figuren statt. In den kryptischen Sätzen der Nachbarin (Grace Zabriskie) finden sich die ersten Hinweise auf das immanente zeitliche Paradoxon des Films. Sie verkehrt gestern mit morgen und impliziert damit gleichzeitig die spannende Frage, welche Konsequenzen sich daraus wohl für das Heute ergeben. Es finden sich noch viele weitere Indizien zum gebrochenen Zeitkontinuum des Films in den Dialogen. Zum Beispiel wird mehrfach angedeutet, dass 9:45 Uhr und Mitternacht de facto denselben Zeitpunkt darstellen, das Phänomen einer Gleichzeitigkeit bilden. Versierte Kenner des Regisseurs haben bereits in TWIN PEAKS - FIRE WALK WITH ME (1992) und LOST HIGHWAY (1997) Erfahrungen mit den Lynch'schen Zeitschleifen machen können. Die benötigt man auch um an der komplexen Methodik von INLAND EMPIRE nicht völlig zu verzweifeln...

    Identitätsbewusstsein redux -----
    Ein prominentes, wiederkehrendes Thema im Lynch'schen Œuvre ist das Spiel mit der Identität seiner Hauptfiguren, die auch in INLAND EMPIRE (gelinde ausgedrückt) keine Konstante darstellt. Identität setzt Gedächtnis und Erinnerung voraus, beides wird in INLAND EMPIRE nachhaltig untergraben. Gedächtnis und Erinnerung sind bei Nikki Grace zwar rudimentär vorhanden, jedoch gänzlich dysfunktional. Sie ist nicht in der Lage die Basis für einen kohärenten Kontext herzustellen. Vielmehr scheint sie sich im Zentrum eines destruktiven Strudels zu befinden, eng umkreist von fragmentarischen Erlebnissen und Satzfetzen, die sich scheinbar permanent neu konstituieren, oftmals in völlig anderen Zusammenhängen wiederkehren, nur um sich gleich darauf wieder aufzulösen und ins Unscharfe verblassen. Nikki's Persönlichkeit hat tiefe Risse, sie strauchelt verwirrt an ihren inneren Abgründen entlang und ihr Identitätsverlust wird immer offenkundiger. In den multiplen Wahrnehmungswelten des Films verliert sie sich in verschiedenen Identitäten. Die Frage für den Betrachter ist demnach nicht nur "Wo ist sie gerade?", sondern vor allem "Wer ist sie gerade?". Ihre Aufforderung "Look at me, and tell me if you've known me before." scheint sich direkt an den Betrachter zu richten. Sag mir wer ich bin und die mannigfaltigen Rätsel des Films scheinen (zumindest teilweise) durchschaubar zu werden. So gesehen ist Nikki die perfekte Identifikationsfigur dieses subjektiv erzählten Films. Der Betrachter muss sich Zusammenhänge ebenso mühsam erkämpfen wie die Hauptfigur selbst, die im Zuge ihrer Identitäts(neu)bestimmung zunächst ihre multiplen Persönlichkeiten konfrontieren, sich mit ihnen arrangieren, oder sie überwinden muss.

    Worlds within worlds -----
    Eine weitere Komplexitätsebene in INLAND EMPIRE bilden die verschiedenen "Welten innerhalb von Welten", wie der Regisseur es zu bezeichnen pflegt. Gemeint sind damit die unterschiedlichen Settings, in welchen sich der Film abspielt. Sozusagen die verschiedenen Wahrnehmungsebenen der Hauptfigur. Da wäre zunächst die Film-im-Film "Welt" in welcher die Schauspielerin Nikki im Liebesdrama "On High in Blue Tomorrows" in der Rolle von Susan Blue auftritt. Während der Dreharbeiten beginnt sich die "reale" Welt der Schauspielerin Nikki jedoch immer mehr mit der "fiktiven" Welt der Filmfigur Susan zu vermischen, bis die Realität letztendlich nicht mehr klar bestimmbar wird, sich in Unschärfe auflöst. Weitere Wahrnehmungswelten sind z. B. das Umfeld des Straßenstrichs am Hollywood Boulevard, die nächtlichen Straßen einer nicht näher bezeichneten polnischen Stadt, ein kleines Vorstadthaus inklusive prügelnden Ehemann, illustrer weiblicher Freundesrunde und skurriler Grillparties im Vorgarten.. Der Film führt Nikki / Susan durch all diese Szenarien, und noch einige mehr, wobei diese verschiedenen Wahrnehmungswelten sich gegenseitig überlappen, auf mysteriöse Weise miteinander korrespondieren, sich manchmal aber auch gleichzeitig ergänzen und gegenseitig ausschließen. Keine davon erhebt jedoch nachhaltig den offensichtlichen Anspruch die allgemeingültige Realität zu repräsentieren. Vielmehr muss man Augen und Ohren für die von Lynch platzieren, textlichen wie bildlichen Akzentuierungen haben, anhand derer man sich die wesentlichsten Fragmente herauspicken kann, um daraus einen kausalen Zusammenhang bilden zu können. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Aussagen bzw. Aktionen in Traumwelten, spröden Erinnerungsfetzen, oder in handlungstechnisch völlig isolierten Bereichen des Films passieren. In INLAND EMPIRE ist wahr, was sich richtig anfühlt und nicht was sich in rationale Deutungsmuster einordnen läßt!

    Strange what love does -----
    Über INLAND EMPIRE läßt sich Vieles sagen, aber nur Weniges mit Sicherheit. Fix ist jedenfalls, dass INLAND EMPIRE in keiner Beziehung ein einfacher Film ist. Rückblickend könnte man fast meinen, dass die ohnehin schon komplexen Werke LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DR. lediglich Fingerübungen für die noch weitaus anspruchsvolleren Inszenierungen im verschachtelten Psychopuzzle INLAND EMPIRE waren. Speziell die Kombination der verschiedenen Elemente (Zeitparadoxon, multiple Identitäten und Wahrnehmungswelten) machen den Film überaus unübersichtlich und in seiner Gesamtheit schwer zu erfassen. Selbst geübten David Lynch Aficionados, die mit dem eigenwilligen Werken des Regisseurs bestens vertraut sind, zieht der Film oftmals den Boden unter den Füßen weg. Mitten in den daraus resultierenden Freiraum aus Orientierungslosigkeit und Verstörung inszeniert der Regisseur überaus eindringlich die fragile Gefühlslandschaft seiner Hauptfigur. All das macht INLAND EMPIRE zu einem ungemein intensiven Filmerlebnis, das selbst dann noch andauert wenn man das Kino schon lange verlassen hat... ein Film zum mit nach Hause nehmen! Ein abgründiges Meisterwerk!
  • Wertungen
  • Story
    5,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    2,0
    Anspruch:
    5,0
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    5,0
    Verfasst von:
    Bestellen bei:
    Jetzt auf Amazon bestellen

Komentare (0)

Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.

 

Weitere Diskussionen zu diesem und vielen anderen Themen findest du im Forum von DVD-Forum.at.

Rechtliche Hinweise:
Die in den Kommentaren geäußerten Meinungen geben ausschließlich die Ansichten der User wieder, von denen sie gepostet wurden. Diese müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion von DVD-Forum.at sowie deren Partnern decken. Wir behalten uns vor, Kommentare die gegen unsere Nutzungsbedingungen oder gegen straf- oder zivilrechtliche Normen verstoßen bzw. dem Ansehen von DVD-Forum.at schaden können auch ohne Angabe von Gründen zu löschen. Gegen diese Schritte können keine Ansprüche geltend gemacht werden. Bei wiederholten Verstößen ist mit einem Ausschluss aus unserer Community zu rechnen, weiters behält sich DVD-Forum.at bei schwerwiegenden Verstößen wie strafrechtlich relevanten Tatbeständen vor Anzeige zu erstatten und/oder Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Userkritiken

Userkritiken

Um eine Kritik auf DVD-Forum.at abzugeben musst du angemeldet sein.

Manche Filme machen es nicht Einfach.


Die Handlung von „Inland Empire“ nun wenn ich sie irgendwann zusammen Puzzeln kann, werde ich sie bestimmt hier ergänzen, sprich also nie. Selbst David Lynch gibt zu das der Film kaum eine erkennbare Ha...

Weiterlesen...

geschrieben am 26.07.2011 um 11:26

Cover

Cover

Bewerte den Film!

Meine Wertung:


Community Wertung:

ø Wertung: 5,5/10 | Wertungen: 4 | Kritiken: 1