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Jesus Christus Erlöser
Jesus Christus Erlöser
Deutschland  2008 
Dokumentation
Klaus Kinski Productions

Peter Geyer
Florian Käppler; Daniel Requardt
Klaus Kinski
Inhaltsangabe
„Gesucht wird Jesus Christus. Angeklagt wegen Verführung, anarchistischer Tendenzen, Verschwörungen gegen die Staatsgewalt. Besondere Kennzeichen: Narben an Händen und Füßen . . .“ Ein Text, der vorgetragen werden soll. Eine Meute, die diese Präsentation mit allen möglichen Mittel zu stören versucht. Ein Künstler im Zentrum des Geschehens – doch am Rande der Verzweiflung. Klaus Kinskis Kampf sein Manuskript aufzuführen …
Film Kritik
„Klaus Kinski ist – ein Faschist“


Der weltbekannte Edelmime Kinski, der auch für seine exzentrischen Ausbrüche berüchtigt ist, gab eine spezielle Bühnenshow am 20. November 1971 in der Berliner Deutschlandhalle – doch das Ergebnis hätte niemand erahnen können. Eigentlich wollte der berühmte Schauspieler und Rezitator nur seinen eigenen, abgewandelten Text zum Leben Jesus vortragen, der sich ganz eindeutig von der konservativen Kirche und der etablierten Institution Christus abgrenzen will. Geplant waren einige Auftritte, die sogar auf internationaler Ebene fortgesetzt werden sollten. Um diese Aktion zu bewerben, wurden Bild- und Tonaufnahmen von der Uraufführung des Vortrages mitgeschnitten – dass diese ein essentielles Dokument der Ideologie der 68er werden würde, hätte sich niemand erahnen können. Regisseur Peter Geyer, seit 9 Jahren der Leiter des Kinski-Nachlasses, schneidet jegliches Material zusammen, das ihm zur Verfügung steht, um daraus einen Diskurs um den ungeschminkten Kinski, aber auch eine Abrechnung mit dem damaligen Publikum zu kreieren.

„Das kannst du nach meinem Tod machen, mich würden sie sowieso wieder ans Kreuz nageln!“ – sprach einst der Performer zu seiner dritten Frau über die Möglichkeit eines Filmes, der diese mehrstündige Veranstaltung dokumentieren würde. Nun nach über 30 Jahren löste Geyer das „Versprechen“ ein und zeigt damit sein unglaubliches Verständnis für Kinski. Obwohl sich dieser Filmemacher trotz seiner Aktivität als Regisseur, Cutter und Produzent bei Jesus Christus Erlöser nicht als ein solcher sieht, macht er seine Sache äußerst gut. Schnitttechnisch kann man kaum eine Klage an dem Kinski-Experten richten. Umso erstaunlicher erscheint einem dieser Fall bei dem Gedanken, dass es von der sechsstündigen Veranstaltung eigentlich nur 134 Minuten Bildmaterial vorhanden ist, und jeglicher O-Ton getrennt von der visuellen Ebene aufgezeichnet wurde. Somit mussten in mühseligster Klein- und Kleinstarbeit dieses „multimediales Puzzle“ wieder zusammengeflickt werden. Geyer gelingt es jedes einzelne Wort, welches von Kinski auf der Bühne abgegeben wurde, in seinem Film aufzunehmen. Erst als der Vortragende tief in der Nacht ermüdet erneut anfangen muss, umkreist von einer kleinen Menschenschar, konnte Geyer nicht mehr auf die Fülle an Videomaterial zurückgreifen. Noch dazu kann man diesem primär als Dokument betrachteten Film auch auf der ästhetischen Ebene loben. Jesus Christus Erlöser bietet trotz seines kaum dramaturgischen Konzepts einen interessanten Aufbau, der durch Zwischentiteln aus Kinskis Autobiografie immer wieder verfeinert, aber auch kommentiert wurde. Ergebnis ist ein interessantes, komplexes Gebilde.

Schon bevor die erste Minuten verstrichen war, schreien jene antiautoritären Kräfte gegen den Vortragenden. Peter Geyer nennt es die „Ideologie der Idioten“, welche die Bühnenshow von einer normalen Veranstaltung zu einer Tortur für Kinski verwandelte. Es ist ein unglaublich interessantes, beinahe extremes Exempel für die 68er Ideologie, die einfach ohne Grund versuchen jegliche Autorität zu bekämpfen. Klaus Kinski, ein Schauspieler, der für seine Wutausbrüche am Set berüchtigt ist, ein Rezitator, der in den 50ern bei dem kleinsten Hustanfall die Bühne verlässt, ringt förmlich darum, seine Fassung zu bewahren. Es ist die enorme Gage, die ihn interessiert. Immer wieder geht er unwillig auf die Bühne zurück und beginnt von neuem. Kinskis Leidensweg führt bis zu der totalen Erschöpfung. Am Schluss des Abends, in der Früh des nächsten Morgens, beginnt der Ausnahmekünstler erschöpft zum allerletzten Mal anzusetzen und erzählt seine Geschichte einer Hand voll Zuschauern. Es ist dieser packende Einblick in die tiefe Seele Kinskis, der mit Spott und Frustration um seine eigene Aufführung kämpft.

Fazit;
„Ich muss mich leider unterbrechen und ein Zitat von Jesus bringen, das heißt: 'Da, wo man zu dumm und borniert ist, euch anzuhören, haltet euch nicht auf, geht weiter’“

Peter Geyers Zusammenschnitt dieses aufregenden Abends in der Deutschlandhalle bietet einen wunderbaren Einblick in die damalige politische Atmosphäre und in Kinskis eigenen Seelenzustand. Dabei scheint der Zuschauer manchmal nur auf einen weiteren wortgewaltigen Ausbruch des exzentrischen Meisters zu warten, der dann einfach nicht kommen mag. Somit können sich auch hier kleine Längen für das normale Publikum auf der kurzen Länge einschleichen. Aber eines ist klar: Jesus Christus Erlöser ist für Kinskifanatiker ein absolutes Muss und für Historiker ein Genuss.
Kurz Kritik
(3.5/5)
(3.0/5)
(3.5/5)
(4.5/5)
(3.5/5)
(4.0/5)
Dieses Film Review wurde von Sebastian Klausner erstellt.


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