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Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra
Gomorra
Italien  2008 
Drama | Krimi
12.09.2008  (Österreich)
12.09.2008  (Deutschland)
Fandango | Rai Cinema | Sky | Ministero per i Beni e le Attività Culturali
Polyfilm (Österreich)
PROKINO (Deutschland)
http://www.gomorrha-derfilm.de/
Matteo Garrone
Ugo Chiti; Matteo Garrone; Roberto Saviano; Maurizio Braucci; Gianni Di Gregorio; Massimo Gaudioso
Inhaltsangabe
Im verschmutzten Spiegel des kleinen, italienischen Appartements seiner Mutter betrachtet der halbwüchsige Toto seinen dürren Körper. Mit großen, faszinierten Augen begutachtet der Jugendliche seine Wunde, einen blauen Fleck. Der ganze Stolz seinerseits. Er wurde angeschossen, als er seine kugelsichere Weste trug. Die Feuertaufe in die Mafia. Nicht weit entfernt legt der verunsicherte Don Ciro seine schwere Sicherheitsweste an. Die Zeiten sollten sich ändern in dem Viertel, welches sie Heimat nannten. Nun muss auch Don Ciro als Kurier um sein Leben bangen. Neue Sitten werden begründet, neue Kleinbanden von Jugendlichen, wie etwa jene der Halbstarken Marco und Ciro, terrorisieren die Häupter der Familien. Und dies ist nur die matte Oberfläche der Cosa Nostra …
Film Kritik
Die Mafia. Diese berüchtigte Verbrecherorganisation, welche sich weltweit durch ihre unorthodoxen Methoden zu unehrenhaften Ruhm kam, terrorisiert nicht nur die Leben einiger Leinwand- und Buchseitenhelden. Was dem Durchschnittsbürger aus unseren Stätten manchmal einem Ammenmärchen gleich wirkt, ist in vielen Städten der Welt grausamer Alltag. Eine jener Mafia-Familien ist die dubiose Camorra, welcher die fragwürdige Ehre der meistgetöteten Menschen durch ein Syndikat in den letzten 30 Jahren zukommt. Der renommierte italienische Regisseur Matteo Garrone machte sich nun auf, das berüchtigte Sachbuch von Roberto Saviano über jene Organisation zu verfilmen – und Gomorrha fand seinen Ursprung.

Immer fanden Antihelden der Cosa Nostra ihren Weg auf die Projektionsfläche der Kinohallen. Angefangen mit dem Frühwerk von Howard Hawks, Scarface, über einen der größten Meilensteine der Filmgeschichte, The Godfather, bis hin zu der Entmythifizierung durch dem größten Mafia-Regisseur, Goodfellas. Eine gewisse Faszination ist von der ehrenwerten Gesellschaft ausgegangen – doch dieses Mal nicht. Regisseur Garrone findet für die Cosa Nostra einen ganz eigenen Zugang. Statt den Schönsten aller Kleider, den teuersten Schmuck und den extravaganten Behausungen, findet sich in diesem Film nur eine kalte, raue Stimmung. Garrone schildert sein Epos über die Mafia mit einer unbarmherzigen Tristes, welches den Zuschauer scheinbar aufzufressen versucht. Präzise greift der Italiener die entseelten, herabgekommenen Kulissen auf und komponiert diese um seine herumstreifenden, irrenden Protagonisten. Dieses harte, grausame Gedicht aus wunderschönen, kaltblütigen Versen verzaubert und schockiert das Publikum zugleich. Es sind die Altbauwohnungen, die einem in ihren Bann ziehen. Es ist das tiefrote Blut, welches sich langsam durch den Dreck schlängelt. Es ist die kühle Härte, mit welcher der Filmemacher jede erdenkliche Gräueltat ungeschönt zeigt. Eine beklemmende Atmosphäre, die alles und jeden verschluckt. Garrone fängt wahrlich die dunkle Seele des Milieus ein.

Um einen großen Einblick in das Geschehen der Camorra zu haben, entschloss man sich die Sachbuchvorlage von Saviano in verschiedenen Kurzgeschichten zu erzählen, welche sich nur minimal tangieren. Matteo Garrone zielte nicht darauf ab, ein verworrenes Werk aus unendlich vielen Plotlines zu schaffen, die sich aber immer wieder berühren und beeinflussen. Der Filmemacher wollte vielmehr ein Porträt dieser vielseitigen Organisation kreieren und nicht eine Vereinfachung der Tatsachen. Das Ergebnis ist ein gut geschriebenes, von sechs Drehbuchautoren verfasstes Mosaik. Leider liegt dieser akkuraten Vielfältigkeit auch die größte Problematik zu Grunde. Die Zuseher werden immer wieder aus der Diegese einer packenden Episode gerissen, um sich dann auf eine weitere Story einzulassen, aus welcher das Publikum früher oder später erneut hinausgezogen wird. Der gesamte Geschichtsfluss von Gomorrha wird stets durch die Kreuzungen der verschiedenen Erzählströmungen unterbrochen. Der Zuschauer wird zwar durch die neue Erzählung weggerissen, wird aber erst nach einer gewissen Zeit von dieser auch innerlich „mitgerissen“.

Fazit:
Dem Regisseur Matteo Garrone gelang mit Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra ein packendes, fleckenteppichartiges Mosaik über die Mafia. Kaum ein anderes Werk konnte einen solch realistischen Einblick in den Alltag jener anderen, uns fremden Welt gewähren, wie es eben dieses blutige Gedicht in seinen fesselnden 137 Minuten gelingt.
Kurz Kritik
(4.0/5)
(3.0/5)
(3.0/5)
(4.0/5)
(3.5/5)
(4.0/5)
(3.5/5)
Dieses Film Review wurde von Sebastian Klausner erstellt.


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