Retro-Handheld RK2020 im Hardware-Review

Der totale Hype!

Vor gut zehn Jahren wurde in der Videospielszene ein Hype losgetreten wie man ihn zuvor eigentlich kaum erlebte. Denn plötzlich entdeckten viele Spielerinnen und Spieler wieder vergessene Perlen aus 8 und 16 Bit-Zeiten und bescherten diesen Titeln plötzlich eine Aufmerksamkeit in ungewohnten Dimensionen.

Dieser Hype gipfelte schließlich in dem Kampf um das NES Mini, das zum Verkaufsstart nirgendwo zu bekommen war und bei diversen Auktionsseiten das Vielfache seines eigentlichen Preises einbrachte. Doch auch abseits dieser Mainstream-Retrokonsolen konnte man immer mehr Plattformen finden, die zum Abspielen von alten Klassikern dienten. Angefangen bei der klassischen Emulation über den PC bis hin zu Voll-Flops wie der Ouya…es gab zahlreiche Möglichkeiten seine alten Lieblingsspiele auf einer modernen Plattform zu genießen.

Mittlerweile hat sich der Markt extrem auf Android-basierte Geräte konzentriert, aber auch Kleinst-Computer wie der Raspberry Pi sind perfekt dafür geeignet und finden zahlreiche Abnehmer. Aus China kommen derweil viele Handhelds, die damit beworben werden welch zahlreiche Systeme sie emulieren können. Dass dabei nicht immer alles ganz so legal abläuft und viele Coypright-Verletzungen passieren, ist hier allerdings die Schattenseite. 

Ganz aktuell hoch im Kurs bei Retro-Fans ist der RK2020, der sich auch in solch einer Grauzone bewegt. Denn eigentlich basiert dessen Konzept auf dem Odroid Go Advance, der aber aktuell eigentlich kaum in Shops zu finden und ständig ausverkauft ist.

Wir haben uns das Gerät einmal genauer für euch angeschaut und verraten euch in unserem Test, was das kleine Powerhouse so alles kann.

 

 

Perfekt für die Hosentasche

Der RK2020 folgt dem Trend der Retro-Handhelds und ist wirklich recht klein. Mit einer Breite von gerade einmal 14,5cm und einer Höhe von 6,5cm entspricht er fast den selben Abmessungen eines Game Boy Advance, das IPS-Display ist mit 3,5 Zoll aber größer als bei Nintendos Gerät.

Die Auflösung liegt bei 320×480 Pixel, außerdem überzeugte es in unserem Test mit einer hohen Strahlkraft und sehr guter Farbwiedergabe. 

In Sachen Buttonlayout gibt es ein D-Pad, einen Analogstick, Start, Select und vier Aktionstasten. An der Oberseite besitzt der RK2020 sogar je zwei Schulterbuttons pro Seite. Dort findet man auch den Powerknopf, einen USB-A-Anschluss, einen Kopfhörerausgang und einen USB-C-Anschluss zum Laden des Handhelds. 

An der Unterseite findet sich ein Lautsprecher und der Slot für die Micro SD-Kart(eine 32GB-Karte ist vom Start weg dabei), mit der ihr neue Firmware oder Spiele auf das Gerät bringt.

Im Lieferumfang des RK2020 befindet sich neben einem USB-C-Kabel noch ein Adapter für die Speicherkarte und eine sehr übersichtliche Anleitung auf Englisch und Chinesisch. Wer sich näher mit der Firmware beschäftigen will und sich nicht unbedingt mit den ganzen Fachbegriffen auskennt, sollte sich also Hilfe aus dem Internet holen.

 

 

Was kann der RK2020 denn nun alles?

Als Betriebssystem hat der Retro-Handheld EmuELEC an Bord, das auch zahlreiche Emulatoren bietet und somit eine große Auswahl an Retro-Spielen möglich macht. Natürlich kann man als Bastler und Tüftler auch andere Firmware auf dem Gerät installieren, wer aber direkt aus der Box heraus mit dem RK2020 spielen will, kann das auch machen.

Denn auf dem Handheld finden sich schon vorinstallierte Emulatoren für Capcom Arcade, Game Boy, Game Boy Advance, Game Boy Color, Sega Master System, Mega Drive, NES, Super Nintendo, N64, PC Engine, PSP, ScummVM, ResidualVM und einige Ports von Freeware wie „DOOM“ oder „Quake“.

Highlight sind hier jedoch die Emulatoren von PlayStation und Dreamcast, die man so auf nur wenigen Handhelds gesehen hat und die deutlich machen, wie viel Power in dem kleinen Gerät steckt. Netterweise sind schon viele Homebrew-Sachen auf der Micro SD-Karte gespeichert, aber auch einige Originalspiele haben sich dorthin verirrt. So kann man den N64-Emulator zum Beispiel mit „Super Mario 64“ ausprobieren, der Dreamcast-Emulator bietet Spiele wie „REZ“ und „Sonic Adventure 2“. 

Als Akku besitzt der Handheld übrigens eine 2600mAh-Batterie an Bord, die für 2,5 bis 3 Stunden Spielevergnügen ausreicht. Die Laufzeit hängt aber auch extrem von den genutzten Emulatoren ab und kann bei 3D-Spielen deutlich kürzer sein.

 

 

Die Möglichkeiten sind unendlich

Neben den vielen Emulatoren bietet der RK2020 auch zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten in den Menüs. Leider sind einige davon recht verwirrend, denn eine eingebaute WLAN-Funktion hat das Gerät zum Beispiel trotz entsprechendem Menüpunkt nicht. Abhilfe kann hier aber mit einem WLAN-Dongle geschaffen werden, den man einfach oben in den USB-Anschluss steckt.

Neben allerlei Einstellungen für die Grafik muss man hier ein dickes Lob für die Konfigurationsmöglichkeiten bei der Steuerung geben. Diese sind bei jedem Emulator voreingestellt und perfekt auf das Gerät abgestimmt. Sollte hier aber etwas für den persönlichen Geschmack dennoch nicht passen, kann man dies einfach beheben.

Dennoch, wie oben schon erwähnt, sind viele Fachbegriffe für den Laien nicht gleich ersichtlich und so benötigt man unter Umständen Hilfe von Doktor Suchmaschine.

Das Übertragen von ROMs eurer Spiele ist relativ einfach. Habt ihr eure Originalspiele ausgelesen und ein entsprechendes ROM zur Verfügung, müsst ihr dies eigentlich nur in den passenden Ordner auf der Micro SD-Karte ablegen. Keine Zauberei also.

FAZIT: Stabiles Gerät mit moralischen Einschränkungen

Eigentlich kann man den RK2020 jedem empfehlen, der seine Retrospiele auch unterwegs in guter Form genießen möchte. Vor allem da er solch moderne Konsolen wie die PlayStation oder den Dreamcast emulieren kann, hebt er sich schon positiv von der Masse der Emulator-Handhelds ab.

Im Grunde lief jedes von uns geteste Spiel in recht guter Qualität, lediglich bei den Dreamcast-Spielen stößt der RK2020 in Sachen Auflösung und Flüssigkeit an seine Grenzen und kann eigentlich nur schlecht die Brillanz der Dreamcast-Grafik wiedergeben. Hier hätte es dann doch ein höher auflösendes Display bzw. mehr Power gebraucht.

Auch die Firmware ist in manchen Teilen etwas undurchsichtig und hält viele Informationen zurück. So kann man per Shortcut-Befehl den Sound leiser und lauter machen, was aufgrund eines fehlenden Buttons hierfür schon praktisch ist. Leider erfährt man aber erst bei genauerer Recherche im Internet von solchen Features.

Was auch nicht so ganz astrein gelungen ist, wäre die Verarbeitung. Zwar liegt das Gerät angenehm in der Hand und hat einen schönen Formfaktor, allerdings fühlt er sich durch sein sehr geringes Gewicht etwas billig an. Auch seltsam: der Kopfhörer-Ausgang wird auf dem Gerät selber als TV-Ausgang bezeichnet. Hier hat man das Gefühl, dass da einfach Teile zusammengeschraubt wurden, die man halt noch irgendwo im Lager hatte. 

Auf der anderen Seite kann man sicherlich von einem Gerät für um die 55,-€ nicht so viel mehr verlangen. Und für den schnellen Retro-Zock zwischendurch ist das RK2020 eigentlich perfekt.

Bleibt eben nur die moralische Seite bei diesen Geräten. Schließlich ist die Ähnlichkeit zum Original sehr hoch, außerdem hatte die Firma noch im Juli einigen Ärger bekommen, weil man sogar dessen Firmware einfach 1:1 auf dem RK2020 übernommen hat. Generell ist das Thema der Emulation, sofern sie nicht auf einem offiziellen Gerät des Herstellers stattfindet, sowieso eher im Graubereich anzusiedeln. Natürlich ist nur der Betrieb von ROMs legal, wenn ihr sie auch wirklich als echtes Spiel besitzt. 

 

Bestellen könnt ihr den RK2020 über die Seite des Vertriebs in England:

 

Über Christian Suessmeier 334 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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