Little Nightmares II [PlayStation4]

Die kleinen Ängste

Als Bandai Namco auf der gamescom 2016 den Horror-Titel „Little Nightmares“ vorstellte, konnte man nicht nur mit einem fantasievollen Stand auf der Messe begeistern, auch das gezeigte Material fand sofort zahlreiche Fans und sorgte für Aufsehen. Dabei war der Entwickler dahinter, Tarsier Studios, bis zu diesem Zeitpunkt ein eher unbeschriebenes Blatt und durfte sich vornehmlich um Ports von Spielen wie „Little Big Planet“ oder „Tearaway Unfolded“ kümmern. Und auch wenn „Little Nightmares“ nicht ganz rund war und ein paar kleine Macken hatte, war es sowohl bei Kritikern als auch Endkunden ein echter Erfolg. 

Daher war die Freude über die Ankündigung eines Nachfolgers zum Puzzle-Plattformer, der nun für PlayStation4, Xbox One, PC und Switch erschienen ist, recht groß. Wir haben uns die Version für die Sony-Konsole mal genauer angeschaut und werden euch unsere Eindrücke im folgenden Test schildern.

Six, Mono und die seltsamen Fernseher

Die Geschichte von „Little Nightmares II“ wird recht kryptisch erzählt, außerdem sollte man eigentlich so wenig wie möglich über die Hintergründe des Geschehens wissen. Daher nur in kurzer Form: 

In der Rolle des Jungen Mono, der eine Papiertüte über dem Kopf trägt, schlüpfen wir in einem dunklen Wald aus einem Fernsehgerät und wissen erst einmal nicht, was eigentlich passiert ist. Nach einiger Metern und einem kurzen Tutorial, kommen wir an ein Haus und treffen dort auf die Protagonistin aus dem Erstling, Six. Zusammen mit ihr fliehen wir nun durch hohe Gräser, miefige Gewässer und eine dunkle Scheune und werden dabei von einem seltsamen Jäger verfolgt, der auch immer wieder Gebrauch von seiner Schrottflinte macht. 

Mehr sollte an dieser Stelle nicht erzählt werden, den Rest des Spiels müsst ihr einfach selber erleben und euch eure eigene Version des Geschehens zusammenreimen.

 

 

Rätseln, fliehen und ein paar Kämpfe

Bei „Little Nightmares II“ erwartet euch ein 2,5D-Sidescroller mit Rätseleinlagen und Abschnitten, in denen ihr vor einem vermeintlich übermächtigen Feind fliehen müsst. Das fasst eigentlich schon das gesamte Gameplay zusammen. Neben einigen Sprungpassagen und Klettereinlagen, müsst ihr meist irgendein Rätsel lösen, um in dem jeweiligen Level voranzukommen. So sucht ihr mal einen Schlüssel, der durch das Lösen einen Schachrätsels erhältlich ist, mal langt es einfach bestimmte Teile einer Wand zu zerstören, um in den nächsten Raum zu kommen.

Wie weiter oben schon erwähnt, pro Level gibt es einen größeren Feind, der euch verfolgt und durch einzelne Abschnitte jagt. Hier müsst ihr entweder schnell weg laufen und dabei Hindernissen aus dem Weg gehen oder ihr versteckt euch vor ihm und huscht dann zum Beispiel vom hohen Gras hinter eine Holzbox, um nicht gesehen zu werden.

Auch ein paar Kämpfe sind hin und wieder eingestreut, meist dann aber gegen kleinere Gegner und mit Gegenständen, die ihr in den Level findet. So stellt ihr euch euren Widersachern mit Suppenkellen oder Hämmern entgegen, die aber aufgrund ihrer Größe recht schwer für Mono zu handeln sind. 

Tim Burton meets The Cure

Der Grafikstil von „Little Nightmares II“ ist, wie schon beim Erstling, eine grandiose Leistung des Entwicklerstudios. So sind die verschiedenen Settings in Krankenhaus, Wald oder Schule schon aufgrund ihrer Gestaltung gruselig, dank der seltsamen Kreaturen, die dort aber herumstreunen, wird das ganze nochmal wesentlich unheimlicher. Vor allem diese Wesen sind an Absurdität kaum zu übertreffen und wirken als wären sie echten Alpträumen entsprungen. Das beginnt schon bei dem Jäger im Wald, von der Lehrerin in der Schule mal ganz abgesehen…brrrr…da läuft es euch wirklich kalt dem Rücken runter.

Musik setzt „Little Nightmares II“ eigentlich kaum ein, sondern setzt mehr auf den wirksamen Einsatz von Soundeffekten und Geräuschen. Das unterstreicht die Horror-Atmosphäre nochmal wesentlich und lässt euch in den Momenten ohne Six an eurer Seite nochmal einsamer fühlen als ihr eh schon seid. Stark!

In technischer Hinsicht gibt es bei „Little Nightmares II“ eigentlich auch nichts zu meckern. Es waren keinerlei Ruckler oder Abstürze in unserem Testzeitraum auszumachen, hin und wieder gab es aber etwas Clipping bei dem Teile von Feinden mitten im Raum hängen blieben. Unsere Testversion lief dank Abwärtskompatibilität auf der PlayStation5. 

Die Steuerung hingegen ist leider sehr träge und nervt mit ihrer Tastenbelegung. Rennen, dann springen und dann noch den Button zum Greifen drücken, ist in manchen Spielsequenzen einfach zu viel des Guten, wodurch dann Flüchtigkeitsfehler zum Tod von Mono führen. 

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
3.9

FAZIT: Hammer Atmosphäre, spielerisch mit Luft nach oben

In Sachen Atmosphäre und Stimmung macht „Little Nightmares II“ so schnell kein anderes Spiel was vor. Egal ob in den ruhigen Momenten, in denen ihr ein Rätsel oder ein Puzzle erledigt, oder den Phasen in denen ihr voller Panik vor einem Feind flüchtet, das Spiel trifft immer den richtigen Ton und wirkt in dieser Hinsicht ziemlich rund und perfekt.

Was etwas nervt, sind die träge Steuerung und vor allem die vielen Trial & Error-Stellen, die manchmal zeitlich schon sehr knapp bemessen sind und euch keinen Fehler verzeihen. Ja, die Rücksetzpunkte sind fair und lassen euch meistens kurz vor dem jeweiligen Abschnitt wieder anfangen, dennoch nervten einige Passagen wirklich extrem. Auch die Kämpfe sind recht rumpelig und zäh, Mono braucht einfach viel zu lang, um die Waffen zu nutzen, was auch für einige unnötige Bildschirmtode sorgte.

Wie auch schon der Erstling ist „Little Nightmares II“ recht kurz und kann locker an einem Nachmittag beendet werden. Das Spiel ist sehr linear und bietet euch eigentlich keinerlei Anreiz, es mehrere Male durchzuspielen. Da ändern auch sammelbare Kopfbedeckungen und die Seelen verlorener Kinder nichts dran. 

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Über Christian Suessmeier 1006 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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