The Hunt (2020 – OT: The Hunt)

Im Jahre 2016, während des Wahlkampfes um das Amt des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, wurde auf Wikileaks der E-Mail-Verkehr zwischen Hilary Clintons Walkampagnen-Berater John Podesta und James Alefatis, dem Besitzer der Pizzeria Comet Ping Pong, veröffentlicht. Einige Nutzer der Website 4-Chan meinten, dass es sich bei dem exzessiven Gebrauch von Wörtern wie „Pizza“ und Sauce“ um Codewörter von Pädophilen und Händlern von kinderpornographischem Material handle. Die Verschwörungstheorie „Pizzagate“, die bald auch Clinton selbst sowie den damaligen Präsidenten Barack Obama und Popstar „Lady Gaga“ inkludierte, wurde dann auch vom Radioshowmoderator Alex Jones aufgegriffen, welcher bereits davor dafür bekannt war, unbelegte Thesen zu verbreiten. Das Ganze gipfelte darin, dass ein bewaffneter Zuhörer Jones‘ besagte Pizzeria überfiel und die Angestellten dazu aufforderte, die angeblich gefangen gehaltenen Kinder zu befreien. Verletzt wurde bei der „Rettungsaktion“ Gott sei Dank niemand.

Die beiden Hollywood Drehbuchautoren Damon Lindelof und Nick Curse kamen während der Arbeit am Drehbuch zu „The Leftovers“ auf „Pizzagate“ zu sprechen und blieben bei der Frage hängen, wie sehr wir alle dazu neigen, Verschwörungstheorien bezüglich der „anderen Seite“ (politisch) zu glauben. Geboren wurde „Manorgate“: Eine Gruppe progressiver/linker Oberschichtler, entführt eine Gruppe rechtskonservativer „Deplorables“ (= Erbärmliche; spielt auf eine Rede von Hilary Clinton an, in der sie die Hälfte der Wähler Trumps als einen Haufen erbärmlicher Rassisten und Sexisten bezeichnete). Die Verschleppten werden dann von den „linken Elitisten“ für eine Sadistische Menschenjagt missbraucht.

Eigentlich wäre der internationale Kinostart von „The Hunt“ bereits für den 27. September, vergangenen Jahres angesetzt gewesen. Dieser wurde aber aufgrund von zwei politisch motivierten Amokläufen, die Amerika in jenem Monat erschütterten und der Tatsache, dass der US-Präsident via Twitter seine Missgunst gegenüber dem Projekt geäußert hatte, auf den 13. März verschoben. Infolge des Corona-Lockdowns machte Universalpictures mit „The Hunt“ ein großes Minusgeschäft an den Kinokassen, weshalb das Studio den Streifen bereits im selben Monat per Video on Demand in den Vereinigten Staaten veröffentlichte. Hierzulande kann man sich die Menschenjagd seit vergangenem Donnerstag auf diversen Online-Anbietern ausleihen.

Die wohl größte Stärke des Filmes, liegt in seiner Hauptdarstellerin. Betty Gilpin, welche man aus dem diesjährigen „Grudge“-Reboot kennen könnte, spielt die zynische und taffe Veteranin Crystal mit einem Charme und einer Lässigkeit, wie man sie seit Ewigkeiten in keinem Actionfilm mehr gesehen hat. Ebenso gut meistert sie den südstaatlichen Akzent und die augenscheinlich sehr fordernde Kampf-Choreographie. Die Schauspielerische- Leistung der Antagonistin Hilary Swank zu erwähnen wäre obsolet, da die Oscarpreisträgerin in ihrer über 30 Jahre langen Karriere noch keine schlechte Performance abgeliefert hat.

Auch zu überzeugen wissen die Action Szenen, die neben einer authentischen Choreographie und der kreativen Inszenierung, auch mit einer stilsicheren Kameraarbeit und einem angenehm übersichtlichen Schnitt punkten können. Der Genuss dieser wird aber leider von einem mehr als generischen Score gestört, welcher den meisten „Action Music Compilations“ auf YouTube nachhinken dürfte. Einzig die Inklusion von Mozarts 23. Klavierkonzert (A-Dur, KV 488) wertet den Soundtrack etwas auf.

Splatter-Fans dürften auch auf ihre Kosten kommen, da der Streifen, vor allem in der ersten Hälfte einiges an grausigem Make-up zu bieten hat. Umso enttäuschter dürften sie dann aber von den ebenso zahlreichen, computeranimierten Blutspritzern werden.

7/10

Fazit

Bei Craig Zobels (Z for Zacharia) Neuinterpretation der Kurzgeschichte „Das grausamste Spiel“ handelt es sich um einen spaßigen und kompetent inszenierten Horror-„Actioner“, der sich aber mit dem Versuch eine bissige Satire über Politik im Zeitalter der Sozialen-Medien zu sein, etwas zu hohe Ziele gesetzt hat. Obwohl der Film versucht sich mit Themen wie „Alternative Berichterstattung“, den immer größer werdenden Verlust von Privatsphäre und dem Chauvinismus mancher Progressiver gegenüber Andersdenkenden, in „South Park“-mäßiger „Alle Seiten sind dämlich“ -Manier auseinanderzusetzen, kann er dem Marketing der „kontroversesten Polit-Satire des Jahres“ nicht gerecht werden. Dafür spielt das Drehbuch zu gerne mit Klischees, leuchtet seine Figuren zu wenig aus und endet nach dem finalen Twist etwas zu abrupt.

Zwar dürften Anhänger verschiedenster politischer Ideologien, mit den 90 Minuten von „The Hunt“ eine gute Zeit haben, wirklich schlauer werden sie nach diesen aber nicht sein.

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