NEO: The World Ends With You [PlayStation4 – Review]

Rollenspiel-Innovation

Rollenspiele folgen im groben eigentlich zwei Konzepten: entweder zieht man gegen seine Feinde in Echtzeitkämpfen in die Schlacht oder man greift auf ein rundenbasiertes System zurück, bei dem Spieler und Computer abwechselnd agieren. Angelegt ist das Setting zu einem großen Teil in einer mittelalterlich-geprägten Welt und seine Figuren ordnet man Klassen wie Zauberer, Krieger oder Dieb zu. Soweit so klassisch…

Natürlich ist das gerade nur überspitzt zusammengefasst und eine Darstellung wie man sie von außen vielleicht häufig wahrnimmt. Doch gerade Rollenspiele aus dem Land der aufgehenden Sonne haben meist irgendeinen gewissen Kniff, die sie zu etwas Besonderem machen. So war es zum Beispiel bei dem Nintendo DS-Titel „The World Ends With You“, der 2007 für den kreativen Handheld erschien und der sowohl in Sachen Kampfsystem als auch Artstyle komplett neue Wege ging.

Nach einem Switch-Port vor einigen Jahren – der die Touch-Steuerung eher mittelmäßig umsetzen konnte – wurden die Stimmen nach einer Fortsetzung immer lauter und so erschien nun Ende Juli mit „NEO: The World Ends With You“ endlich ein zweiter Teil aus dem Hause Square Enix.

Spielen wir ein Spiel?

An einem beschaulichen Sommertag treffen sich die Freunde Rindo und Fret im angesagten Szene-Viertel Shibuya, Tokyo. Ersterer reagiert etwas verärgert auf Frets erneute Verspätung, doch dieser musste unbedingt welche der angesagten Reaper-Pins kaufen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wird Rindo von einer seltsamen Vision heimgesucht, in der nicht nur sein Freund stirbt, sondern auch ein seltsames Licht auf die Erde stürzt.

Als dann noch mysteriöse Wesen auftauchen, die andere Menschen angreifen, sind sie plötzlich schon mittendrin. Das sogenannte Spiel der Reaper hat begonnen! In diesem treten mehrere Mannschaften gegeneinander an und sammeln durch das Erledigen von Aufgaben Punkte. Das alles findet in einer Zwischendimension statt, dem Underground. Die Letztplatzierten nach sieben Tagen verlieren nicht nur das Spiel, sondern endgültig auch ihr Leben. 

Zum Glück bekommen die beiden relativ schnell Hilfe von mehreren Mitspielerinnen und Mitspielern, die sie mit Tipps versorgen. Vor allem die Pins, die Fret zu Beginn noch so stolz vorgezeigt hat, sind in dieser Welt von großer Bedeutung und im Kampf gegen die Reaper essentiell.

 

 

Der Groove muss passen!

In Sachen Kampfsystem bietet „NEO: The World Ends With You“ im Vergleich zum Vorgänger ein paar neue Elemente. Zwar startet ihr Kämpfe immer noch auf die gleiche Weise – das heißt ihr scannt die Umgebung mittels Druck auf R1 und bewegt euch dann auf die roten Tribal-Symbole zu – doch die Kämpfe laufen komplett anders ab und sind mittlerweile voll und ganz auf Controller angepasst. Da jedes eurer vier Party-Mitglieder mit einem Pin ausgestattet ist, der wiederum einem Button(Dreieck, Quadrat, L1 und R1) zugeordnet ist, sind das auch eure Tasten zur Kommandoeingabe. Natürlich könnt ihr euren Protagonisten frei durch die Kampfareale bewegen und mit X gegnerischen Attacken ausweichen, elementar sind aber die vier Buttons zum Kämpfen. Und hier wird das Spiel recht taktisch, denn eure Angriffe verfügen über eine Energieleiste, die sich erst immer wieder aufladen muss. Also müsst ihr die Attacken gut planen, euren Protagonisten genügend Zeit zum Erholen geben und auf ein ausgewogenes Arsenal an Fähigkeiten achten. So gibt es Pins mit Nahkampfangriffen, Distanzwaffen oder sogar aufladbaren Attacken, die umso stärker werden je länger ihr den Button gedrückt haltet. 

Bringt ihr die Angriffe in einem guten Rhythmus an den Feind steigt außerdem eine Prozentzahl in der oberen Mitte des Bildschirms. Erreicht diese 100% könnt ihr mit dem O-Button einen vernichtenden Groove-Angriff starten. 

Damit das ganze nicht allzu chaotisch wird, fokussiert die Kamera die Feinde immer automatisch an so dass ihr euch nicht auch noch darum kümmern müsst. Nach dem Kampf wird eure Leistung in einem Notensystem bewertet und dementsprechend erhaltet ihr Erfahrungspunkte, neue Pins, Geld und andere Items. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad belohnt euch das Spiel, das heißt auf Normal gibt es schon mal mehr XP als auf der leichtesten Stufe. Zum Glück kann man diesen ab einem gewissen Zeitpunkt im Spiel jederzeit ändern und somit seinem Geschick anpassen.

Visual JRPG

Obwohl die Kämpfe bedeutend für „NEO: The World Ends With You“ sind, bietet euch das Spiel noch wesentlich mehr. So verfügen zwei eurer Party-Mitglieder über besondere Psy-Kräfte mit deren Hilfe sie Menschen Worte oder Erinnerungen ins Gedächtnis bringen können. Diese Fähigkeiten sind oft essentiell für das Lösen von Aufgaben und bringen einen gewissen Knobel-Faktor ins Spiel. Obendrauf könnt ihr bei bestimmten Passant*innen in deren Kopf eintauchen und besonders schwere Kämpfe meistern. 

Doch auch euer Hauptprotagonist verfügt über eine spezielle Kraft, denn er kann durch die Zeit reisen. Dieses Feature bringt nochmal eine komplett neue Ebene mit sich und wird auch in der ein oder anderen Mission ausgiebig genutzt. Dank einer hilfreichen Übersicht weiß man aber immer wo und wann man sich gerade befindet und in welcher Zeitebene es eventuell noch etwas zu erledigen gibt.

Neben den vielen Zwischensequenzen, Dialogen und Textpassagen gibt es im virtuellen Shibuya aber noch einiges zu entdecken. In Restaurants und Fast Food-Läden geht ihr essen, um eure Werte aufzubessern und in den Klamottenläden holt ihr euch neue Kleidung, die ebenfalls für einen Boost eurer Werte sorgt. Nebenbei könnt ihr euch natürlich auch das hippe Stadtviertel genauer anschauen und findet dabei entweder an die Realität angelehnte oder Original-Schauplätze wie eine gewisse Hunde-Statue vor dem Bahnhof oder das bekannte Tower Records-Gebäude. 

Im umfangreichen Pausenmenü kümmert ihr euch außerdem um die Ausstattung eurer Party-Mitglieder, verwaltet Pins oder checkt euer soziales Netzwerk. In diesem könnt ihr erhaltene Freundschaftspunkte investieren, um weitere Optionen wie die Wahl des Schwierigkeitsgrades oder die LP-Anzeige der Feinde freizuschalten.

 

 

Wow-Faktor

„NEO: The World Ends With You“ orientiert sich grafisch am sehr stylischen – wenn auch heute veralteten – Vorgänger. So tragen die Protagonist*innen bunte und auffällige Klamotten, dicke Outlines unterstreichen – zumindest in den Zwischensequenzen – außerdem den Manga-Look des Spiels. Aber das alles passt zu Shibuya, wo bekanntermaßen viele Modetrends gesetzt werden und man auch im echten Leben einige exotische Outfits sieht.

Neben dem außergewöhnlichen Design der regulären Figuren sind auch die Gegner und Monster sehr auffallend gestaltet. So bekämpft ihr Haie, Frösche, Bären und Quallen und dies in einer knallbunten Optik. Die vielen Tribals aus dem Vorgänger sind glücklicherweise nur noch dezent vorhanden.

Passend zur flippigen Optik präsentiert sich auch die Musik ziemlich modern. Während es in den Kämpfen meist recht rockig zugeht, sind bei den Dialogen und in der „Oberwelt“ chillige Tunes angesagt. Somit entsteht eine audiovisuelle Präsentation bei „NEO: The World Ends With You“, die sich wirklich sehen lassen kann und die aus der Masse hervorsticht.

Generell kann man technisch über das JRPG eigentlich nichts meckern. Wir haben es auf der PS5 gespielt und sind sowohl in Sachen Ladezeiten wie auch Flüssigkeit echt begeistert. Top!

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
4.6

FAZIT: Auf der Suche nach einem gelungenen JRPG? Dann holt euch das!

„NEO: The World Ends With You“ lief eigentlich die ganze Zeit etwas unter dem Radar, auch wenn der Erstling einen gewissen Kult-Status unter JRPG-Fans hat. Umso mehr hat uns das Spiel in unserem Test überzeugt, denn neben der außergewöhnlichen Optik und der akustischen Untermalung, sticht auch das Kampf- und Missionsdesign positiv heraus.

Mit dem Fokus auf Abwechslung und Rhythmus sind die Auseinandersetzungen mit den Feinden etwas ganz besonderes und immer wieder spannend. Vor allem weil auch die vielen Pins ein bereits Spektrum an Waffen und Fertigkeiten bieten und somit sehr variable Kämpfe zulassen. Oben drauf kommen Missionen, in denen ihr auch mal eure grauen Zellen anstrengen müsst und nur mit den Psy-Fertigkeiten eurer Protagonisten weiterkommt.

Auch wenn sich die Geschichte zu Beginn – vor allem der recht aktuellen Netflix-Serie „Alice in Borderland“ geschuldet – recht bekannt anfühlt, wird diese durch die vielen Charaktere und die unterschiedlichen Gruppierungen spannend und unterhaltsam erzählt. Auch die detaillierte Abbildung von Shibuya lädt zum ein oder anderen Gang durch das virtuelle Tokyo ein. 

Alles in allem kann man „NEO: The World Ends With You“ nur empfehlen. JRPG-Fans schlagen wohl sowieso blind zu, aber auch jedem anderen Rollenspiel-interessierten sei dieser Titel ans Herz gelegt. Vermutlich eine der größten Sommer-Überraschungen 2021!

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Über Christian Suessmeier 1659 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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