Live A Live [Nintendo Switch – Review]

Squares große Zeit

Schon viele Jahre bevor Square mit seinem einstigen Konkurrenten Enix fusionierte, war das Unternehmen aus Tokyo für seine Rollenspiele bekannt. Allen voran natürlich „Final Fantasy“, aber auch andere Werke wie „Secret of Evermore“ und „Front Mission“ sorgten für großes Aufsehen unter den Fans des Super Nintendo. Doch auch wenn diese Zeit als goldene Ära für Square gilt, kamen bei weitem nicht alle dieser Spiele in den Westen und in den Genuss einer Lokalisierung.

Neben dem schon erwähnten „Font Mission“ gehörte auch „Live A Live“ zu einem dieser Titel, der exklusiv in Japan bleiben sollte und erst Jahre später dank Fan-Übersetzungen spielbar wurde. Dadurch baute sich natürlich ein gewisser Kult um den Titel auf, der in Sachen Gameplay einiges anders macht als Genre-Kollegen und so natürlich auch die Neugier auf sich zog.

Im Zuge seiner vielen Neuauflagen und der Aufarbeitung alter Klassiker hat Square Enix nun „Live A Live“ aber in modernisierter Version für die Switch veröffentlicht. In unserem Review erfahrt ihr, ob sich ein Blick auf dieses JRPG lohnt.

Sieben Freunde müsst ihr sein

Wie oben schon erwähnt, „Live A Live“ macht einiges anders als die Konkurrenz und das beginnt schon nach dem Titelbildschirm. Denn hier habt ihr gleich zu Beginn die Wahl, welches der sieben Kapitel ihr als erstes spielen und in welche Rolle ihr zunächst schlüpfen wollt.

Die einzelnen Abschnitte richten sich dabei nach unterschiedlichen Epochen der Menschheitsgeschichte und somit könnt ihr sowohl ein Abenteuer in der Steinzeit aber auch in der fernen Zukunft erleben. Weitere Zeitabschnitte sind das feudale Japan, der Wilde Westen, das China zu Zeiten der großen Kaiser, die Gegenwart und die nahe Zukunft.  

Und je nachdem unterscheiden sich auch die Geschichten voneinander. In der fernen Zukunft seid ihr zum Beispiel in der Rolle des Wartungsroboters Würfel unterwegs und begleitet ein Raumschiff mit gefährlicher Fracht, während ihr in der Steinzeit in die Rolle von Pogo schlüpft und Frieden zwischen zwei Stämmen schließen wollt.

 

 

Spielerische Vielfalt

So unterschiedlich die eigentlichen Kapitel in Sachen Setting sind, so sehr unterscheiden sie sich auch in ihrem tatsächlichen Gameplay voneinander. Zwar handelt es sich bei „Live A Live“ im Ansatz um ein Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen, doch spielen sich diese recht unterschiedlich und haben mal mehr, mal weniger Gewichtung. 

So schlüpft ihr zum Beispiel in der Gegenwart in die Rolle von Masaru Takahara und wollt der stärkste Mensch der Welt werden. Was macht ihr also? Ihr tretet – ähnlich wie in „Street Fighter“ – in je einer Runde gegen einen anderen Kämpfer an, lernt dessen Skills und besiegt damit die anderen Konkurrenten. 

Andere Epochen wie zum Beispiel das feudale Japan stellen euch eine Stealth-Mechanik zur Seite, die ihr dringend den Kämpfen vorziehen solltet. Ganz skurril sind dann zum Beispiel die Steinzeit, in der ihr nur mit Symbolen kommuniziert und Feinde erschnüffeln könnt oder der Wilde Westen, in dem der Held ein Dorf vor dem Angriff des Bösewichts O. Dio schützen soll. In der Folge sucht ihr allerlei Material zusammen, um Fallen zu bauen, die die Bewohner dann im richtigen Moment auslösen. Tower Defense lässt grüßen!

Doch wie spiel ich das jetzt?

Abhängig von der Mechanik des jeweiligen Kapitels sind dann auch Erfahrungspunkte, Ausrüstung und Items mal mehr und mal weniger wichtig für das eigentliche Spiel. In einigen Abschnitten levelt eure Figur gar nicht oder hat keine Heil-Gegenstände zur Verfügung. Entweder kann sich euer Charakter nämlich per Technik selber heilen oder nutzt einfach die Auto-Heil-Funktion nach den Kämpfen.

Doch wie gestalten sich die Auseinandersetzungen eigentlich? „Live A Live“ schaltet bei diesen immer in einen gesonderten Bildschirm und unterteilt diesen in mehrere Felder. Über den Figuren seht ihr neben der Energie noch eine weitere Anzeige, die quasi angibt wann ihr mit einer Aktion dran seid. Aber Achtung: denn mit jeder Bewegung füllt sich diese Leiste bei eurem Feind, so dass dieser – vorausgesetzt ihr lauft recht weit über das Feld – schon eher mit einer Aktion dran sein kann.

Die Aktionen unterscheiden sich dabei eben von Figur zu Figur. Sundown Kid im Wilden Westen greift natürlich auf sein Schusseisen zurück, Akira aus der nahen Zukunft setzt eher auf Fäuste und seine PSI-Kräfte. Wichtig ist hier auch immer die Reichweite der Attacken und Angriffe, die somit eine gute Planung voraussetzen.

 

 

Wunderschön!

Ähnlich wie „Triangle Strategy“ oder „Octopath Traveler“ setzt „Live A Live“ auf den beliebten HD-2D-Look, den Square Enix aktuell recht gerne einsetzt und der auch hervorragend zu einem Remake dieser Art passt. Denn so bleibt die wunderschöne Pixeloptik des Originals erhalten, wird aber durch ein modernes Interface, einige schönere Effekte und liebevolle Details verschönert. 

Auch der Tilt Shift-Effekt, der viele Szenarien wie ein Diorama im Kinderzimmer wirken lässt, macht eine tolle Arbeit und lässt eine gewisse Tiefe entstehen. 

In Sachen Akustik hat die Komponistin Yoko Shimomura, die auch schon an anderen Werken wie „Xenoblade Chronicles“ oder „Parasite Eve“ mitgewirkt hat, hier eine tolle Arbeit geleistet. Die Kapitel werden jeweils passend zu ihrem Setting mit der entsprechenden Musik begleitet. Neben deutschen Bildschirmtexten habt ihr außerdem die Wahl zwischen der englischen und japanischen Vertonung.

In Sachen Technik kann man bei „Live A Live“ nicht viel bemängeln. Das JRPG lief sowohl im mobilen Modus wie auch auf dem TV im Dock zu jeder Zeit einwandfrei. Dennoch muss man sagen, dass die Grafik auf dem Screen der Switch fast noch einen Tick besser wirkte.

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
3.8

FAZIT: Ein Rollenspiel mit vielen Rollen!

Schön, dass es „Live A Live“ nach fast dreißig Jahren auch in unsere Breitengrade geschafft hat und das in einer so hübschen, modernisierten Version. Und obwohl das Spiel in fast allen Bereichen „Ich bin ein JRPG!!“ schreit, könnte es auch für Spieler*innen interessant sein, die mit dem Genre eigentlich Nichts anfangen können.

Denn die verschiedenen Epochen samt komplett unterschiedlicher, spielerischer Ansätze lassen hier einen zunächst einmal Geschichten erleben, die alle so ihre Besonderheiten haben. Während man gerade noch ein Prügelspiel mit Rundenkämpfen erlebt hat, bekommt man im nächsten Moment Tower Defense im Wilden Westen geboten bei dem man Pferden Karotten vorlegt, damit sie ihre Träger abwerfen.

Mein persönliches Highlight war aber der Abschnitt mit Akira in der nahen Zukunft, der aus jeder Pore pure Anime-Ästhetik der 90er tropfte und mit einem entsprechenden Intro ausgestattet war. Doch „Live A Live“ muss sich auch etwas Kritik gefallen lassen. Denn die Kämpfe sind zunächst recht schwer zu durchschauen und das „Tutorial“ ein Witz. Fängt man dann auch noch mit dem falschen Kapitel an, kann es ganz schnell sehr frustrierend werden. So macht man sich in Abschnitten wie der Steinzeit am besten erst einmal mit dem System vertraut bevor man dann mit Masaru zum stärksten Mann der Welt werden will.

Natürlich gibt es zu den sieben Kapiteln auch noch eine abschließende Geschichte zu der ich aber aus Spoilergründen hier nicht viel verraten will.

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Über Christian Suessmeier 2786 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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