Dolmen [PlayStation5 – Review]

Ein Hype sie zu knechten…

Als im Jahre 2009 „Demon’s Souls“ für die PlayStation3 erschien, rechnete wohl niemand damit wie From Software mit seinen fordernden Action-Rollenspielen das kommende Jahrzehnt bestimmen wird. Mit „Elden Ring“ erreichte dieser Hype erst vor einigen Monaten seinen Höhepunkt und zeigte eindrucksvoll wie revolutionär man das Soulsborne-Genre noch ausbauen kann.

Neben From Softwares Spielen gibt es aber auch zahlreiche Entwicklungen anderer Studios, die gerne ein Stück vom Erfolg ab hätten und so fanden sich in den vergangenen Jahren unzählige Titel in den Regalen, die auf ein ähnliches Konzept setzten. Zu nennen sind hier die deutschen Produktionen „Lords of the Fallen“ oder „The Surge“, das japanophile „Nioh“ und EAs Singleplayer-Auferstehung „Star Wars Jedi: Fallen Order“.

Man sieht also…egal ob großes AAA-Studio oder kleinerer Indie-Entwickler, das Genre ist beliebter denn je. Das dachte sich auch Massive Work Studio aus Brasilien und setzte sich an „Dolmen“, das nun für PlayStation, Xbox und PC erschienen ist. Wir haben uns die PlayStation5-Fassung mal genauer angeschaut und verraten euch in unserem Test, ob man nach „Elden Ring“ nun beruhigt zu dem SciFi-Horror „Dolmen“ greifen kann.

Willkommen auf Revion Prime!

Der Planet Revion Prime steht im Mittelpunkt der Geschichte von „Dolmen“ und wäre jetzt nicht unbedingt das Reiseziel Nummer 1 im galaktischen Reiseführer. Denn der Planet wird von zahlreichen Monstern und unheimlichen Kreaturen bewohnt. Blöd nur, dass es ausgerechnet auf Revion Prime die titelgebenden Kristalle namens Dolmen gibt, die für die Forschung unverzichtbar sind.

Also liegt es nun an euch – in der Form eines weiblichen oder männlichen Commanders – in der feindlichen Umgebung zurecht zu kommen und den begehrten Rohstoff zu sammeln. Neben dem Geschlecht könnt ihr euch im Editor auch verschiedene Farben für eure Rüstung aussuchen und letztlich auch die Klasse eurer Spielfigur. Diese unterscheidet sich in den Werten für Rüstung und Kampf und kann somit schon mal den Einstieg in das Spiel leichter oder schwerer machen.

Zugegeben…die Story ist – ähnlich wie bei anderen Genre-Vertretern – kaum relevant und dient lediglich als Aufhänger für saftige SciFi-Kämpfe mit allerlei Untieren. 

 

 

Bekannte Mechaniken

Jeder der schon mal „Dark Souls“ oder ähnliches gespielt hat, wird sich in „Dolmen“ schnell zurecht finden. Eine Taste für einen schweren und einen leichteren Schlag, zum Aktivieren des Schildes und zum Ausweichen vor feindlichen Attacken. Die ganzen Mänover sind stets vom Stand einer Ausdauerleiste abhängig, müssen also gut ausbalanciert sein. So weit, so bekannt. Da wir uns hier aber nicht im trüben Mittelalter befinden, verfügt der Held beziehungsweise die Heldin über eine Pistole, mit der ihr eure Feinde aus der Ferne attackieren könnt. Um jetzt aber nicht zum reinen Shooter zu verkommen, leert ihr mit dem Nutzen der Pistole auch eure blaue Energieleiste am oberen Bildschirmrand…es kann also nicht blind drauf losgeballert werden.

Und genau mit dieser blauen Leiste spielt Massive Work recht gut und bringt einen neuen Kniff in die Spielmechanik. Denn die Energie kann nicht nur für eure Schusswaffen genutzt werden, sondern auch zum Aufladen eurer Lebensenergie. Glücklicherweise kann man die Leiste mit Hilfe von Batterien wieder komplett aufladen, welches in etwa der Funktion der Flasks in „Dark Souls“ entspricht.

Zu guter Letzt könnt ihr eure Rüstung und die Waffen mit dem Energiemodus auch noch mit verschiedenen Element-Kräften versehen und somit noch besser auf die Schwächen der Feinde reagieren. So können Gegner mit Eis zum Beispiel verlangsamt werden und sind dann anfälliger für Nahkampf-Attacken.

Die „Craft“ der Punkte

Ähnlich wie in den schon genannten Genre-Kollegen, hinterlassen eure Feinde auch in „Dolmen“ wertvolle Punkte. Diese können dann in eurem Hub, dem Raumschiff, zur Verbesserung der Charakterwerte genutzt werden, so dass ihr nach und nach stärker werdet. Euer Schiff erreicht ihr über Terminals, die in der Spielwelt verteilt sind und nach deren Benutzung alle Gegner – außer den Endbossen – wieder an ihrem bekannten Ort sind. 

Doch nicht nur eure Werte lassen euch mit fortschreitender Spieldauer besser werden, auch eure Ausrüstung hilft euch im Kampf gegen die außerirdischen Bestien weiter. Und hierfür setzt „Dolmen“ auf ein Crafting-System, das euch die unterschiedlichsten Items herstellen lässt. Neben Ausrüstungsteilen wie Helmen oder einem Brustpanzer, können aber auch Waffen hergestellt und verbessert werden. So könnt ihr zum Beispiel weitere Elementar-Pistolen zu eurem Inventar hinzufügen oder ändert die Wirkungsweise eures Schildes. Teile für das Crafting findet ihr in der Spielwelt, bekommt sie von NPCs oder als Überbleibsel von Gegnern.

Auch an einen Multiplayer-Modus hat das Studio aus Brasilien gedacht, allerdings beschränkt sich dieser auf die Endbosse und kann auch nur gegen den Einsatz von Punkten aktiviert werden. 

 

 

Grausig!

Eigentlich sollte „Dolmen“ ja durch die gruselige Atmosphäre einen kalten Schauer erzeugen, doch leider sorgt dafür hauptsächlich die technische Seite des Spiels. Schon die ersten Sequenzen des Intros enttäuschen mit einer geringen Auflösung und auch die folgenden Menüs erinnern eher an ein billiges Mobile-Game und nicht an einen PS5-Titel. Es geht aber immer schlimmer und so folgt die nächste Enttäuschung beim Herumprobieren mit den beiden Grafikmodi. So überzeugt der Qualitäts-Modus zwar mit tollen Lichteffekten in der Spielwelt und auf den Charaktermodellen, dafür zwingt dieser aber die Framerate deutlich in die Knie. Angenehmer zu spielen ist da definitiv der Performance-Modus, der aber leider auf tolle Effekte verzichtet und die Spielwelt leider recht trist wirken lässt.

Generell ist „Dolmen“ kein schönes Spiel und entspricht in keiner Form den Screenshots, die man vorab zu sehen bekam. Stimmige Beleuchtung? Fehlanzeige! Geschmeidige Animationen? Kaum zu sehen. Generell wirkt die Optik einfach nicht schön und einige Effekte wie zum Beispiel Spinnweben sehen grauenhaft aus und erinnern fast schon an PlayStation2-Zeiten. 

Immerhin ist die Musik ganz ordentlich gelungen, leider verzichtet das Spiel zum Großteil aber auf eine Vertonung und so muss man mit schnöden Textboxen Vorlieb nehmen.

 

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
2.9

FAZIT: Kein guter Vertreter des Genres!

„Dolmen“ sah in den ersten Trailern richtig gut aus und weckte auch mein Interesse an dem SciFi-Horror aus Brasilien. Doch als ich den Titel zum ersten Mal startete, war ich mir nicht sicher, ob ich jetzt die PS4- oder PS5-Fassung des Spiels installiert habe. Gut, Grafik ist ja nicht alles und so gibt man dem Spiel natürlich eine Chance, aber es wurde mit fortschreitender Spielzeit nicht besser.

Vor allem das Kampfsystem offenbart viele Schwächen und ist alles andere als direkt oder wuchtig. Das Treffer-Feedback ist kaum vorhanden, sowohl bei Einsatz der Pistole als auch mit der Axt. Außerdem kam nie ein solcher Flow auf wie bei anderen Genre-Kollegen und so sind die Kämpfe nur selten wirklich unterhaltsam gewesen. Im Gegenteil…hin und wieder regierte auch echter Frust aufgrund von absolut unfairen Gegner-Positionierungen und viel zu starken Attacken. Dass eure Figur dann auch noch ewig braucht bis sie mal eine der Batterien nutzt, verärgert einen dann nur noch umso mehr.

Obendrauf kommen dann eben die schwache Grafik samt unschöner Animationen und ein User Interface aus der Hölle. Die Handhabung eures Inventars ist grauenhaft gelöst und nervt nicht nur mit kleinteiligen Menüs, sondern auch mit einer umständlichen Auswahl der jeweiligen Punkte.

„Dolmen“ ist eigentlich nur für Genre-Fans interessant, die wirklich alles spielen wollen. Jedem anderen muss man vom Kauf abraten…hier gibt es definitiv bessere Alternativen!

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Über Christian Suessmeier 2574 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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