Der Arzt und die Teufel

  • Informationen zum Film
  • Der Arzt und die Teufel

  • Originaltitel:
    The Flesh and the Fiends
    Produktionsjahr:
    1960
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Edinburgh im 19.Jahrhundert: Der Arzt Dr. Knox (Peter Cushing) kann seine Anatomiestudien nur hinderlich fortführen, da ihm das Gesetz nur die Arbeit mit den Leichen Hingerichteter erlaubt. Also engagiert er still und leise zwei dubiose Kerle namens Burke und Hare (George Rose, Donald Pleasence), die als Leichenräuber bald ein gutes Geschäft machen. Als ihnen das nicht mehr genügt, beginnen sie, 'unwichtige' Leute zu ermorden, um weiter Geld zu verdienen. Doch schließlich kommt die Wahrheit ans Licht und alle werden verhaftet. Die Sache wird zu einem großen Prozess...

Userkritik zu Der Arzt und die Teufel

doobee
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Bewertung: 9/10 Punkte

Edinburgh 1828: Dr. Robert Knox (Peter Cushing) ist Anatomie-Professor an der angesehenen Medizinischen Akademie. Seine Studien werden behindert duch ein Gesetz welches besagt dass nur die Leichen von hingerichteten Verbrechern zu Sezierzwecken an die Akademie geliefert werden dürfen. Das sind viel zu wenige und zudem sind sie nicht frisch genug. Also nimmt er die Dienste von Leichendieben in Anspruch, welche auf Friedhöfen frisch Bestattete wieder ausgraben. Dabei erweisen sich die beiden finsteren Gesellen William Hare (Donald Pleasance) und William Burke (George Rose) als besonders zuverlässige Lieferanten von sehr frischem Material. Kein Wunder, denn die beiden begnügen sich nicht damit, Tote wieder auszugraben. Denn sie haben längst damit begonnen den Nachschub mit Morden sicherzustellen. Sie finden ihre Opfer auf der Strasse und in den versifften Kneipen. Säufer, Huren und Taglöhner, die keiner vermissen wird. Dem Kollegen von Knox, Dr. Geoffrey Mitchell (Dermot Walsh) kommen erste Bedenken ob die angelieferten Toten wirklich alle eines natürlichen Todes gestorben sind. Aber Dr. Knox will davon nichts wissen. Er ist lediglich interessiert an dem vorzüglichen Material welches ihm die beiden liefern. Eines Tages aber begehen diese einen grossen Fehler. Hare ermordet die Prostituierte Mary Patterson (Billie Whitelaw) bei dem Versuch, sie zu vergewaltigen. Auch sie landet bei Dr. Knox. Mary war die Freundin von Medizin-Student Chris Jackson (John Cairney), welcher Dr. Knox bei der Annahme des Materials behilflich ist. Als er realisert dass die angelieferte Leiche seine Mary ist dreht er durch und will Burke und Hare zur Rede stellen. Diesen Versuch überlebt er nicht. Doch nun sind die beiden Verbrecher endgültig zu weit gegangen, zumal sie vom geistig zurückgebliebenen Jamie (Melvyn Hayes) beobachtet werden, als sie die Leiche von Chris auf der Strasse entsorgen. Die Schlinge um die beiden zieht sich immer enger zu und sie werden ihrer gerechten Strafe nicht entgehen können. Und in ihrem Sog könnte auch Dr. Knox in Ungnade fallen und sein ganzes Lebenswerk zerstört werden…..

Ein überaus gelungenes kleines Meisterstück, welches uns Regisseur John Gilling hier serviert. Er hatte auch gleich das intelligente und sich ziemlich fest an die historischen Fakten haltende Drehbuch verfasst. Gilling ist den Genrefreunden kein Unbekannter. In den 60er Jahren führte er Regie in einigen Hammer-Klassikern, wie z.B. „Nächte des Grauens“ oder „Das schwarze Reptil“. Er war ein begnadeter Regisseur, und auch hier beweist er ein feines Gespür für Dramaturgie und Spannungsaubau. Man ist von der ersten Minute an gefesselt von der Geschichte, welche immer mehr Fahrt aufnimmt und auch mit Gewaltszenen und etwas nacktem Busen nicht geizt. Eher ungewöhnlich für einen Film aus dem Jahre 1960, als die britische Zensur gnadenlos alles herausschnitt was auch nur annähernd sittenverrohend hätte sein können. Ich vermute deshalb stark dass dem Publikum damals nur eine - zumindet um die Nacktszene im Bordell gekürzte - Version vorgesetzt worden war. Weitere Pluspunkte kann der Film mit den hervorragenden Kulissen und Requisiten sammeln. Sie führen uns zurück ins Edinburgh des frühen 19. Jahrhunderts, wo die Kluft zwischen arm und reich meilenweit aufklaffte. Auf der einen Seite die mondäne Welt der Upperclass, zu welcher auch Dr. Knox und seine ihm verhassten Arztkollegen zählen. Auf der anderen Seite die dreckstarrenden, von trostlosen Gestalten bevölkerten Elendsviertel mit ihren schmierigen Spelunken und verruchten Bordellen. All dies ist sehr gut in Szene gesetzt durch Kameramann Monty Berman, welcher uns in atmosphärischen s/w-Bildern geradezu schwelgen lässt. Untermalt wird das Ganze von einem eindringlichen, dramatischen Score von Stanley Black. Und endgültig zum Meisterwerk wird der Film durch die exzellenten schauspielerischen Leistungen. Da wäre der wiederum überragende Peter Cushing. Wie schon im drei Jahre zuvor entstandenen „Frankensteins Fluch“ glänzt er hier als fanatischer Arzt, welcher sämtliche ethischen und moralischen Bedenken der Wissenschaft zuliebe über Bord wirft. Er ist ein genialer Exzentriker, welcher für seine Kollegen nur Hohn und Spott übrig hat und diese regelmässig aufs Uebelste beleidigt. Er fühlt sich unantastbar, die Wissenschaft ist ihm Legitimation genug auch mit den schlimmsten Verbrechern zusammen zu arbeiten, Hauptsache er bekommt genügend frisches Material um seine Studien fortsetzen zu können. Erst am Ende des Films wird ihm bewusst, wie viel Schuld er auf sich geladen hat. Keiner kann einen derart komplexen Charakter so brillant verkörpern wie Peter Cushing. Da sind die Figuren von Burke und Hare doch um einiges einfacher gestrickt. Beide sind notorische Trinker, Diebe und Taugenichtse, welche mit den Leichenlieferungen an Knox das grosse Geschäft wittern und dabei alle Grenzen überschreiten. Donald Pleasence als William Hare liefert eine grossartige Performance ab. Er ist der Rädelsführer, ein durchtriebener, gewissenloser Lump, der am Schluss sogar seinen Kumpel verrät, nur um ungeschoren aus der Geschichte rauszukommen. Aber auch George Rose als William Burke läuft zur Bestform auf. Burke ist der Einfältigere der beiden, er macht alles was ihm sein Gefährte sagt, inklusive der Morde an den unglücklichen, zukünftigen Anatomie-Exponaten. Auch die übrigen Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie, hier wurde aus dem Vollen geschöpft.

Fazit: Eine äusserst unterhaltsame, teilweise bestürzend realistische Perle des britischen Genrekinos, welche auf historischen Begebenheiten beruht. Es ist erstaunlich dass ein derartiger Klassefilm praktisch in Vergessenheit geraten ist. Unbedingt ansehen! 9/10

geschrieben am 11.06.2018 um 05:53

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