German Angst

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  • German Angst

  • Originaltitel:
    German Angst
    Produktionsjahr:
    2013

Userkritik zu German Angst

hudeley
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Bewertung: 7/10 Punkte

German Angst

Buttgereit. Kosakowski. Marschall.
Als bekannt wurde, dass diese drei Herren eine Horror Anthologie drehen, haben sich die Fans schnell zusammengerafft und fleißig Geld bei der Crowdfunding Kampagne abgeliefert. Wahrscheinlich weniger aufgrund von Kosakowski und Marschall, sondern eher wegen Jörg Buttgereit, der mit seiner Episode "Final Girl" in diesem Film so gesehen ein kleines Comeback feiert. Lange Zeit hat man den "Nekromantik" Schöpfer etwas an das Theater verloren geglaubt und somit erwies sich der Horrorfan als recht dankbar darüber, dass eine deutsche Underground Legende hiermit ihre Rückkehr feiert.
Liest man sich Kritiken zu "German Angst" durch, findet man außerordentlich zwiespältige Meinungen. Einige feiern Buttgereits Episode am Meisten, andere halten "Make A Wish" von Kosakowski für thematisch äußerst fragwürdig und wieder andere halten Marschalls "Alraune" für esoterischen Quatsch. So oder so: Der Film mit dem politisch recht brisanten und inhaltlich passenden Namen, dessen Episoden übrigens alle in Berlin spielen, polarisiert.

Ich habe gerätselt, wieso Buttgereits "Final Girl" als erste Episode über die Mattscheibe flackert; ist doch Buti der zugkräftigste Name im Bunde. Nach wenigen Augenblicken wird aber klar, dass diese Entscheidung nicht die schlechteste war. Der Kurzfilm ist der kürzeste der drei und wird von der Off-Stimme der Hauptdarstellerin erzählt. Etwas naiv redet sie über Meerschweinchen; zwar stets metaphorisch passend zum Geschehen, aber merkwürdig ist es allemal. Dem ganzen liegt eine klassische Rachestory zugrunde, die in einem - so kam es zumindest mir vor - recht herben, an "Nekromantik 2" erinnernden Finale endet. Ein guter Einstand, aber doch nicht der empfundene Trümmerbruch von Film, den mir Buttgereit sonst verpasst. Die Handlung ist nunmal recht simpel und durch die ruhige, naive Erzählweise auch recht langatmig erzählt. Es geht mir nicht darum, dass ich Action oder (noch) härtere Effekte erwartet oder gebraucht hätte, sondern eher um einen fehlenden Kniff am Ende. Nett, aber nicht mehr.

Episode zwei mit dem Namen "Make A Wish" stammt von Michal Kosakowski, dessen bisher einzigen Langspielfilm "Zero Killed" ich bisher nicht gesehen habe. Wir werden Zeuge eines Nazi Übergriffes an einem taubstummen Pärchen, welche im Besitz eines Amulettes sind, das einen Körper-/ Seelentausch ermöglicht. Somit kann der Mann in den Körper einer der Nazis fahren, diesen an seine eigene fleischliche Hülle bindnen und somit zur Strecke bringen. Für alle elenden Splatterszenen-Zapper: das ist Eure Episode. Der als Rückblende erzählte Nazi Überfall einer Familie während des Dritten Reiches ist fies und übel bis zum Anschlag. Und so effektvoll das Ganze auch sein mag, so flach fällt letzten Endes auch die Episode aus. Der Körpertausch ist ein nettes Gimmick und genau die Art von Kniff auf inhaltlicher Ebene, die ich mir bei "Final Girl" auch erhofft habe, aber wird nicht wirklich ausgenutzt. "Make A Wish" verliert sich in seiner eigenen Perversion und punktet eher aufgrund blutiger Schauwerte und der dargestellten Erbarmungslosigkeit. Als plump würde ich den Teil von "German Angst" nicht titulieren, aber er fällt doch aufgrund seiner Vorhersehbarkeit in Bezug auf seine Absicht etwas aus dem Rahmen. Pluspunkte gibt es für Andreas Pape als Nazi, der wie immer eine tolle Performance abliefert.

Mein absolutes Highlight von "German Angst" folgt dann in Form von Andreas Marschalls "Alraune". Seine Artworks zu "Nekromantik" kennt jeder, seine Arbeiten als Coverdesigner im Metal Bereich eventuell auch. Mit "Tears Of Kali" lieferte er meiner Meinung nach einen Film mit verdammt intensiven Momenten ab, der zwar etwas unter seiner Laufzeit litt, aber dafür mit massenhaft Atmosphäre punkten konnte. Seine bekannteste und gefeiertste Arbeit "Masks" kenne ich hingegen noch nicht. "Alraune" nutzt als erster Film der Reihe das typische Berliner Flair und ist auch die Episode, bei der man sich auf der Storyebene am Meisten gedacht hat. Selbst als Streifen in Spielfilmlänge hätte diese Episode eine top Figur gemacht, denn die Idee des Geheimclubs, in welchem die Mitglieder Drogen zu sich nehmen und äußerst ekstatisch-ejakulative Erfahrungen machen, wurde dermaßen spannend und mysteriös umgesetzt, dass er den anderen Kurzfilmen von "German Angst" deutlich überlegen ist. Diese Episode wirkt nicht wie eine knappe Skizze eines x-beliebigen Ereignisses, sondern baut echte Spannung auf, gipfelt in einem unfassbaren Höhepunkt (Achtung, Wortspiel) und hat dann noch einen interessanten Twist parat, der einen am zuvor Gezeigten zweifeln lässt. Hier hatte man ein fantastisches Drehbuch vorliegen, welches von der Inszenierung her im wertigsten Film der drei Kurzfilme gewürdigt würde. "Alraune" liefert tolle Kamera Aufnahmen ab, punktet mit einer intensiven Farbgebung (Argento, anyone?) und wirkt auf bildsprachlicher Ebene extrem suggestiv und unterschwellig.

Wäre "Alraune" nicht gewesen, wäre "German Angst" für mich eine Enttäuschung geworden. Buttgereit liefert ein nicht zu Ende gedachtes Light-Produkt seiner bisherigen Arbeiten ab und Kosakowski punktet eher mir Krawall und Gewalt und sticht deswegen regelrecht negativ heraus. "Alraune" hingegen rockt gewaltig und ist mit einer der besten Horror(kurz)filme, die ich dieses Jahr vor die Augen bekam. Eine Verbindung zwischen den Kurzfilmen hätte ich mir doch sehr gewünscht, genauso wie der Handlungsort Berlin in zwei der drei Kurzfilmchen vernachlässigt wird und eher beliebig wirkt. Eine Bewertung der einzelnen Episoden erspare ich mir, schließlich besprechen wir hier das Gesamtprodukt. 10 Punkte für "Alraune" *hust* ...

7/10

geschrieben am 28.08.2015 um 07:00

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