Planet der Affen: Prevolution

  • Informationen zum Film
  • Planet der Affen: Prevolution

  • Originaltitel:
    Rise of the Planet of the Apes
    Genre:
    Action, Thriller, Sci-Fi, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2011
    Kinostart Österreich:
    11.08.2011
    Kinostart Deutschland:
    11.08.2011
    Kinostart USA:
    05.08.2011
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Will Rodman (James Franco) ist ein junger, engagierter Wissenschaftler, der zusammen mit seinem Vater (John Lithgow), ebenfalls ein Forscher, Heilmittel für Menschen erforscht. Ein vielversprechendes Mittel, in das Will viele Hoffnungen setzt, testet er in einem hoch-modernen Labor an Affen. Ein besonderer Affe namens Caesar (Andy Serkis) wächst ihm dabei ans Herz. Das Mittel scheint zu funktionieren. Doch plötzlich ruft es noch ganz andere, unerwartete Reaktionen hervor…
    Die Primatenforscherin Caroline (Freida Pinto) unterstützt Will auf der Suche nach den Ursachen – und den Folgen!

Userkritik zu Planet der Affen: Prevolution

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Bewertung: 6/10 Punkte

Lasst uns zu Beginn gleich mal eins klarstellen: "Planet der Affen: Prevolution" ist – trotz meiner gleich folgenden, ausführlichen Kritik – beileibe kein schlechter Film. Er bietet gute Unterhaltung, und ist im Gegensatz zu den meisten Sommer-Blockbustern weder adrenalingesteuert noch hirntot. "Prevolution" hat tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, die auch in den Vordergrund gestellt wird und nicht einfach nur als Ausrede für massig Action dient. Dies ist definitiv ein großer, nicht zu unterschätzender Pluspunkt. Ein weiterer ist Andy Serkis, der gemeinsam mit den Effekt-Zauberern von WETA Caesar Leben einhaucht und zum ersten Mal in der Filmgeschichte eine CGI-Kreation in einem Realfilm nicht einfach "nur" zum Hauptprotagonisten, sondern zum emotionalen Dreh- und Angelpunkt eines Films macht. Leider jedoch hat man vielen anderen Aspekten der Produktion nicht einmal ansatzweise ähnlich viel Aufmerksamkeit geschenkt, wodurch sich doch auch einige Schwächen eingeschlichen haben.

Das beginnt schon bei den anderen Darstellern: Die "menschlichen" Schauspieler machen ihre Sache zwar grundsätzlich gut, werden aber – so wie die Figuren, die sie verkörpern – zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Tatsächlich fällt es mir offen gestanden schwer, die menschlichen Figuren des Films ernsthaft als "Charaktere" zu bezeichnen, da sie sich nur über die Funktionen definieren bzw. voneinander unterscheiden, die sie für die Handlung haben. Was sie jedoch nicht haben, ist eine Persönlichkeit. James Franco spielt den Auslöser der ganzen Misere: Den Wissenschaftler, der das Serum entwickelt hat. Er ist zwar keinesfalls schlecht, kann jedoch mit seiner Leistung hier in keinster Weise an "127 Hours" anschließen. Ich muss gestehen, ihn generell eher in Komödien vorzuziehen, da es ihm diese erlauben, sich gehen zu lassen, und er dann viel befreiter aufspielt. Hier wirkt er vergleichsweise zurückhaltend, kontrolliert, eingezäunt, in einen Käfig gesperrt – wie die Affen aus dem Film. Er ist nicht schlecht, erwacht aber auch nie so recht zum Leben. Nicht, dass ihm die Rolle viel zu tun geben würde. Was mir an Will u.a. unangenehm aufstößt ist die hier wieder einmal zuschlagende Unart Hollywoods, Wissenschaftlern unbedingt noch ein persönliches Motiv für ihr Handeln auf den Weg geben zu müssen – so als wäre die Suche nach einem Heilmittel für eine Krankheit, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt plagt, allein nicht genug.

Genau dafür – und nur dafür – ist dann John Lithgow da, der Will etwas Persönliches gibt, dass auf dem Spiel steht, nämlich das Wohlergehen seines Vaters. Lithgow holt aus dieser Rolle alles heraus, was herauszuholen ist, doch sowohl Drehbuch als auch Regie zeigen sich enorm undankbar – sobald er seine Funktion erfüllt hat, verschwindet er von einer Szene auf die nächste, ohne dass man uns je über sein weiteres Schicksal aufklären würde. Sobald er seinen Zweck erfüllt hat, wird er links liegen gelassen. Dies verdeutlicht, wie wenig Wert Regisseur und Drehbuchautoren auf die menschlichen Protagonisten gelegt haben. Auch bei Will's Freundin wird dies deutlich. Freida Pinto ist nur dazu da, hübsch auszusehen – was ihr zugegebenermaßen mit einer bestechenden und beneidenswerten Leichtigkeit gelingt, dennoch wirkt sie in dieser Rolle verschwendet. Da hätte man jede noch so hohle Hollywood-Schönheit mit begrenztem schauspielerischen Talent hinstellen können…

Noch schlimmer hat es jedoch aus meiner Sicht Brian Cox erwischt, der gut und gerne eine der sinnlosesten Figuren – und damit undankbarsten Rollen – des Films verkörpert. Er ist der Leiter des Tierheims, und als solcher zwar über einen längeren Zeitraum des Films präsent, spielt jedoch nie eine tragende Rolle in den Ereignissen. Am Ende, (ACHTUNG SPOILER!) als man ihm die Aufzeichnung vom Tod seines Sohnes zeigt (SPOILER ENDE) meint man dann, jetzt wäre es endlich soweit, und sein Sinn für die Handlung würde sich uns nun endlich erschließen – aber nichts dergleichen. Seine Rolle in diesem Film ist 100% "set-up", aber kein "pay-off" – wie ein Witz ohne Pointe. Möglich, dass man sich dies für eine allfällige Fortsetzung aufheben wollte, aber die Art und Weise, wie diese Szene als wichtiger Moment inszeniert wird, nur um dann nirgends mehr hin zu führen (tatsächlich ist Brian Cox danach im Film nicht mehr zu sehen), hat mich doch ziemlich gestört. Um nichts besser hat es übrigens sein Filmsohn Tom Felton erwischt. Zwar kommt diesem tatsächlich eine wichtige Funktion – nämlich des Katalysators – zu, doch auch seine Figur wird allein darauf beschränkt, und ist dadurch enorm eindimensional. Warum be- bzw. misshandelt er diese Affen so? Ist er einfach ein grausamer Mensch, oder steckt mehr dahinter? Wir wissen es nicht, da es die Drehbuchautoren und der Regisseur nicht für wichtig erachten. Wie praktisch alle Figuren hat er nur seinen Zweck zu erfüllen, und abzutreten…

Generell sollte Tom Felton meines Erachtens aufpassen. Er hat jetzt fast 10 Jahre lang Draco Malfoy verkörpert, und Dodge Landon ist diesem so ähnlich, dass er sich nur durch die andere Haarfarbe und den Zweitagebart unterscheidet. Und durch die Tatsache, dass Draco Malfoy in den späteren Filmen durchaus zu einer komplexen Figur wurde, die auch ihre Schwächen und innere Zerrissenheit darstellen durfte. So gesehen ist "Prevolution" ein enormer Schritt zurück für ihn, und wenn ich er wäre, würde ich alle Rollenangebote für Bösewichte in nächster Zeit mal ungelesen ablehnen, ehe er auf derartige Rollen abonniert bleibt. Etwas besser erwischt hat es David Hewlett, der insofern wohl als die komplexeste Figur unter den menschlichen Protagonisten bezeichnet werden kann, als dass ihm sogar ganze zwei Funktionen zukommen! Doppelt so viele wie allen anderen!! Einerseits ist er Auslöser dafür, dass Caesar ins Tierheim muss, andererseits (ACHTUNG SPOILER!) verbreitet er am Ende das Virus (SPOILER ENDE). Darüber hinaus wird jedoch auch seine Figur leider nicht näher beleuchtet…

Zuletzt hätten wir dann noch Will's Vorgesetzten David Oyelowo, dargestellt, von Steven Jacobs, der im Endeffekt nur dazu da ist, Will zu entlasten, damit wir unserem menschlichen Hauptprotagonisten all das, was am Ende an schrecklichen Dingen passiert, nicht zur Last legen – obwohl er in Wahrheit natürlich sehr wohl dafür hauptverantwortlich ist. Die Filmemacher wollen wohl, dass wir all die rücksichtslosen Aktionen zuvor vergessen, bloß weil er es sich am Ende anders überlegt und auf die Notbremse steigen will. Damit die Handlung trotzdem voranschreiten kann, muss sein Boss nun an seiner statt treten und dafür sorgen, dass die Forschung vorangetrieben wird. Genau deshalb sollen wir dann auch ihn als Oberverantwortlichen verurteilen, obwohl er danach nichts macht (oder anordnet), was nur ansatzweise so schlimm wäre wie all das, was Will zuvor getan hat. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass Will ja "nur" seinen Vater retten wollte, während David aus reiner Geldgier agiert, keine Ahnung. Und doch war er es, der seinem Vater das erste Mittel in einer ungeschützten, unkontrollierten Umgebung injiziert hat – wer weiß, was da alles hätte passieren können? Was, wenn dieser erste Stamm schon so aggressiv gewesen wäre, wie der zweite (der von ihm entwickelt wird und dem er seinen Vater ebenfalls aussetzen und den Virus damit freisetzen wollte – er macht es nur deshalb nicht, da dieser eine ablehnende Geste macht)? Für mich hat diese Zwangs-Rehabilitierung von Will in letzter Sekunde jedenfalls nicht im Geringsten funktioniert.

Doch nicht nur die Figuren… alles an "Planet der Affen: Prevolution" ist ungemein funktional, und unterminiert damit aus meiner Sicht zumindest teilweise die Message des Films – da man es uns zu leicht macht, mit Caesar und seinen Affen zu sympathisieren und im Gegenzug weite Teile der Menschheit zu verdammen. So hätte es mir besser gefallen, wenn man die Affen im Tierheim besser behandelt und sich stärker auf die Frage konzentriert hätte: Ist es in Ordnung, Tiere einzusperren und an ihnen Experimente durchzuführen, solange wir sie nur gut behandeln? Das wäre zwar immer noch nichts gewesen, was nicht im Original schon um einiges subtiler und zugleich aussagekräftiger thematisiert wurde, wäre jedoch wenigstens von der Aussage her mutiger, interessanter und prägnanter gewesen, und hätte auch mehr zum Nachdenken angeregt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum mich "Prevolution" von der Aussage her nicht so begeistern konnte wie das Original. Im Ur-"Planet der Affen" wird unsere Verdammnis durch unseren Drang, uns gegenseitig zu zerstören, ausgelöst. Hier jedoch ist es der Drang, andere zu heilen; zu helfen, und die Menschheit voranzubringen. Die Anti-Kriegs-Message des ersten Films finde ich dann halt doch ansprechender als die Wissenschafts-Skepsis der "Prevolution", zumal diese nicht gerade vor Originalität strotzt. Ein weiterer Punkt ist, dass zumindest ich damals "Planet der Affen" anders verstanden hatte: Nämlich, dass sich zuerst die Menschheit gegenseitig vernichtet hat, bis nur noch wenige, degenerierte Menschen überlebt haben – und die Affen im daraus entstandenen Machtvakuum die Herrschaft an sich gerissen haben. Zugegeben, dies wird im ersten Teil niemals so dezidiert angesprochen, sondern war lediglich meine Interpretation der Ereignisse – der zudem in den weiteren Fortsetzungen widersprochen wurde (auf die sich "Prevolution" jedoch angesichts der Tatsache, dass man der dort erzählten Geschichte vom Aufstieg der Affen ebenfalls widerspricht, in meinen Augen nicht berufen darf). Und man kann weder erwarten, dass die Filmemacher meine Interpretation kennen, noch meinen, ihr auch folgen zu müssen. Mein Problem ist auch weniger, dass man dieser (meiner) Interpretation nicht folgt, als dass sie mir schlicht und ergreifend besser gefällt als jene, die uns in den Planet der Affen-Fortsetzungen dargebracht wurde und in abgewandelter Form auch hier wieder zum Vorschein kommt.

"Prevolution" ist eine weitere dieser eigenwilligen Mischformen aus Prequel/Sequel und Re-Boot, wie sie in den letzten Jahren in Hollywood zunehmend in Mode gekommen sind ("X-Men: First Class", "Superman Returns", "Terminator: Salvation"). Man fühlt sich zwar nicht an die Ereignisse aus den Fortsetzungen gebunden, versucht aber doch zumindest, dem Original-"Planet der Affen"-Film ein würdiges und schlüssiges Prequel zu sein, was durchaus gut gelingt. Etwas durchmischt sehe ich hingegen die zahlreichen Anspielungen auf den ersten Teil. Während einiges davon angenehm subtil und damit gelungen gehandhabt wird (wie die Icarus-Mission, oder auch der ein kleines Modell der Freiheitsstatue zusammenbastelnde Caesar), wirkt anderes doch etwas zu aufdringlich und damit billig (wie Tom Felton's "Get your stinking hands off me you damn dirty ape").

Doch nicht nur an "Planet der Affen" hat mich diese "Prevolution" teilweise erinnert, sondern auch an einige andere Filme – auch wenn es in diesen Fällen wohl eher unfreiwillig und ungewollt gewesen sein dürfte. So offenbart die Handlung doch einige Ähnlichkeiten zu "Deep Blue Sea" (Wissenschaftler forschen im Auftrag eines natürlich in erster Linie an Profit interessiertem Unternehmens an einem Mittel gegen Alzheimer, machen dafür Tiere schlauer, die sich daraufhin gegen ihre Peiniger wenden und versuchen, in die Freiheit zu entkommen), und gegen Ende hin fühlte ich mich gelegentlich auch an "12 Monkeys" erinnert (natürlich nicht nur wegen des Namens, sondern in erster Linie bei Szenen wie jener, als die Affen über die Brücke in die Freiheit fliehen wollen, oder auch am Ende (ACHTUNG SPOILER!) bei der Verbreitung eines Virus mittels Flugzeug (SPOILER ENDE). Natürlich findet man in der heutigen Zeit so gut wie keine originellen Ideen mehr (vor allem in Hollywood) – es ist halt mittlerweile doch schon fast alles einmal da gewesen – aber die Ähnlichkeiten mit den angegebenen Filmen waren mir dann stellenweise doch etwas zu frappant und damit aufdringlich.

Was hingegen fast uneingeschränkt überzeugen kann, sind die Spezialeffekte. "Prevolution" bietet zwar erst gegen hin ein Action-Spektakel, und selbst dieses gibt sich erstaunlich (und erfreulich) zurückhaltend und realistisch, dafür gibt es dank der im Computer entstandenen Affen in fast jeder Szene einen – beeindruckenden – Computereffekt zu bestaunen. Natürlich sind sie nicht immer und 100%ig realistisch – gerade bei den actionreicheren Passagen, Massenszenen und schnellen Bewegungen findet sich der eine oder andere Ausreißer – doch diese sind vernachlässigbar. Den überwiegenden Teil des Films wird man jedoch aus dem Staunen nicht mehr herauskommen– vor allem bei Nahaufnahmen, und insbesondere bei Caesar, der ungemein viele Gedanken und Emotionen lediglich über die Mimik zu vermitteln vermag. Schade nur, dass dies so ziemlich das einige an dieser "Prevolution" war, dass mich dazu animieren konnte, gebannt auf die Leinwand zu starren…

Fazit:
"Planet der Affen – Prevolution" ist ohne jeden Zweifel ein guter Film, und mit Abstand der bisher zweitbeste dieser geplagten Filmreihe. Er ist kein hirnloser Blockbuster-Streifen, der sinnlose Actionorgien in den Mittelpunkt stellt, sondern hat tatsächlich eine Geschichte zu erzählen. Die Effekte sind ungemein beeindruckend (der Oscar dürfte WETA nicht mehr zu nehmen sein), und gemeinsam mit den Trick-Spezialisten haucht Andy Serkis wieder einmal einer digitalen Figur ungemein viel Leben ein, und macht Caesar zum emotionalen Dreh- und Angelpunkt des Films. Die menschlichen Figuren haben es leider nicht einmal ansatzweise so gut erwischt, und verdienen eigentlich die Bezeichnung" Charaktere" nicht wirklich, da sie nur durch ihre Funktion für die Geschichte definiert und voneinander zu unterscheiden sind. Es kommt innerhalb des Films mehrmals vor, dass Figuren von einer Szene auf die andere verschwinden, weil sie ihren Zweck für die Handlung erfüllt haben, und danach nicht mehr erwünscht sind. Wie die Figuren so ist auch der gesamte Film sehr formelhaft, und die Grundaussage mag zwar durchaus gefällig sein, wird aber einerseits durch die Herangehensweise teilweise konterkariert, und wurde andererseits im Original um einiges prägnanter und denkwürdiger vermittelt. "Prevolution" bietet zweifelsohne gute Unterhaltung, und ist um einiges tiefgründiger, als man das von Sommer-Blockbustern sonst gewohnt ist, doch für eine bessere Wertung hat er mich einfach zu kalt gelassen…
6/10

Review © Christian Siegel
verfasst am 11. August 2011
geschrieben für und ursprünglich veröffentlicht auf http://www.fictionbox.de

geschrieben am 22.08.2011 um 15:24

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