Aus dem Reich der Toten

  • Informationen zum Film
  • Aus dem Reich der Toten

  • Originaltitel:
    Vertigo
    Genre:
    Romanze, Krimi, Thriller, Mystery
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1958
    Kinostart Österreich:
    21.09.2012

Userkritik zu Aus dem Reich der Toten

Hitchcock_89
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Bewertung: 8/10 Punkte

Lange habe ich gebraucht bis ich meinen ersten Film von Alfred Hitchcock sehen durfte, doch der hat mich wie ein Faustschlag im Gesicht getroffen sodass ich nicht genug davon bekommen konnte. Die Folge war logischerweise der Konsum von diversen Hitchcock-Filmen, vorab hab ich mich aber stets ein wenig informiert. Liest oder hört man von seinen besten Filmen fällt neben Das Fenster zum Hof oder Psycho auch immer VERTIGO. An der Story kann das nicht liegen, dachte ich mir, aber ganz unbegründet wird's schon nicht sein. So hab ich mir den Film mit erhöhten Erwartungen angesehen und wurde nicht ganz so umgehauen. Seitdem ist aber eine Weile vergangen, sodass ich dem Film bereitwillig noch eine Chance geben und das Vertrauen in ihn nicht verloren habe...

Zunächst ein paar Worte zum Inhalt: John - auch "Scottie" genannt" - quittiert seinen Dienst bei der Polizei und kann einige Geschehnisse vergangener Tage einfach nicht vergessen: Er hat zu verantworten, dass einer seiner ehemaligen Kollegen mehrere Stöcke in die Tiefe stürzte. Ein alter Freund bittet ihn anschließend seine Frau zu beschatten, denn er würde um ihr Leben fürchten. Doch was auf den da Detektiv zukommt sprengt wohl seine Vorstellungskraft...

Was macht einen Hitchcock-Film für mich aus? Sympathische Darsteller mit deren Charakteren man sich schnell und gerne identifiziert, tolle Filmmusik, ein sehr gutes Drehbuch und eine noch bessere, makellose Inszenierung desselben. Nun, in all diesen Punkten konnte mich VERTIGO leider nicht begeistern, aber mal der Reihe nach:

Absolutes Highlight dürfte 1958 wohl Hitchcock's technische Handhabung bei diesem Film für Staunen gesorgt haben. Denn der Filmtitel, VERTIGO, hat nicht nur inhaltliche, sondern auch inszenatorische Bedeutung. Ausgedrückt wird durch diesen Begriff ein Schwindelgefühl, ein drehendes insbesondere. Diesen hat sich der Meisterregisseur hier zu Eigen gemacht und nicht nur in die Story eingeflochten, sondern hat auch sein Handwerk danach orientiert. Der Film strotzt nur vor genialen, abwechslungsreichen und damals neuartigen Kamerafahrten, -sichten und -stilmitteln. Vor allem der dabei entstandene und nach dem Film benannte Vertigo-Effekt bei dem die Kamera auf ihr Objekt zufährt und gleichzeitig davon weg zoomt revolutionierte die filmische Kameraführung. Dass sich beispielsweise Steven Spielberg diesen Effekt bei seinem Klassiker Der weiße Hai zu Nutze machte dürfte Bestätigung genug sein. Die farbenfrohen Traumsequenzen waren jetzt nicht unbedingt eines meiner Highlights, denn auch wenn solche Effekte aus dieser Zeit für mich Neuland waren (bzw. gerade deswegen), waren diese doch ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Um ein paar Worte über die Darsteller zu verlieren möchte ich nun vor allem auf die beiden Hauptdarsteller eingehen. James Stewart ist grandios wie eh und je und zeigt abermals welch vielfältige Rollen er mit unglaublicher Authentizität verkörpern kann. Sympathisch wie in Das Fenster zum Hof, neugierig wie in Cocktail für eine Leiche, zielstrebig wie in Der Mann, der zu viel wusste - er verleiht auch VERTIGO seinen einzigartigen Charme. Was diesen Film aber von den eben genannten unterscheidet ist sein Gegenpart. Kim Novak war mir von Beginn an unsympathisch und auch wenn sich das gegen Ende bessern sollte, konnte sie das Ruder nicht herumreißen. Ich möchte sie keineswegs als schlechte Darstellerin bezeichnen, doch diesen Ersteindruck hätte sie mit einer umwerfenden Leistung wohl doch noch beheben können wie ich's auch schon in anderen Filmen erleben durfte. Wie gesagt, gegen Ende komme ich immer besser mit ihr klar, doch kein Vergleich etwa mit einer Doris Day, Eva Marie Saint oder Grace Kelly.

Hitchcock selbst hat VERTIGO immer als einen seiner persönlichsten Filme gesehen und das merkt man ihm auch an (im positiven Sinn), was in Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht? sehr gut beschrieben ist. An seiner Inszenierung gibt es wie so oft nichts auszusetzen, vor allem da auch hier schon nach knapp der Hälfte der scheinbare Höhepunkt erreicht wurde und Hitchcock den Zuschauer dennoch bis zum Ende bei sich hält, wenn auch nicht so fesselt wie er es mit anderen Filmen vermochte. Viel mehr mitreißen als der eigentliche Spannungsbogen (der durchaus vorhanden ist) konnte mich aber sein eindrucksvolles Spiel von Angst und Überwindung, von Liebe und Besessenheit. Damit konnte mich Hitchcock wieder einmal in seinen Bann ziehen der von Stewart's Leistung angetrieben wird - sehr intensiv und absolut brillant! Vor allem in den letzten 15-20 Minuten nimmt die Spannung immer mehr Fahrt auf bis zum großen Knall am Ende, der den Zuschauer (oder zumindest mich) sprachlos zurücklässt.

VERTIGO ist ein weiteres Meisterwerk von Alfred Hitchcock und zwar ein ganz besonderes. Hitchcock zeigt nicht nur sein Genie, sondern verblüfft auch mit spektakulären Bildern. Das Finale ist schlichtweg perfekt und setzt diesem beeindruckenden Werk die Krone auf - Pflichtfilm!

9/10 rubinrote Halsketten

geschrieben am 25.11.2015 um 14:55

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ø Wertung: 8,5/10 | Wertungen: 13 | Kritiken: 1