Hostel 2

  • Informationen zum Film
  • Hostel 2

  • Originaltitel:
    Hostel: Part II
    Genre:
    Thriller, Horror
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2007
    Kinostart Österreich:
    15.06.2007
    Kinostart Deutschland:
    14.06.2007
    Kinostart USA:
    08.06.2007
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Die Fortsetzung des sensationell erfolgreichen Horrorhits begibt sich auf die Spur von drei jungen Amerikanerinnen, die während des Sommersemesters in Rom Kunst studieren. Bei einem Wochenendausflug werden sie in das berüchtigte slowakische Hostel gelockt. Schon bald erfahren sie das düstere Geheimnis dieses Ortes äußerst schmerzhaft am eigenen Leib – und erleben die Hölle auf Erden ...

Userkritik zu Hostel 2

hudeley
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Bewertung: 9/10 Punkte

Hostel 2

Das Problem von "Hostel" war sein Ruf. Als härtester Film aller Zeiten von Mainstream Kritikern beschrieben, sorgte er für falsche Erwartungen unter Fans des extremen Genres und Gelächter im Anschluss. Für diejenigen aber, die mit den Tiefen des Horrorfilms nicht vertraut waren, war "Hostel" jedoch entschieden zu hart. Obwohl der Film ein Erfolg war, konnte er bei beiden Seiten seiner Zuschauerschaft nicht punkten und sein wahre Qualität erkannte, bzw. wird man erst im Laufe der Zeit erkennen. "Hostel" war kein Horrorfilm - er war auch kein Folterfilm (obwohl er ironischerweise mehr zu diesem Genre beitrug, als es Kritikern und Fans recht war) - er war ein Krimi. Zwar ein harter, schmerzhafter Krimi, aber definitiv ein Krimi.
"Hostel 2" musste sich jetzt also entscheiden: Wird er wieder auch für's Mainstream Publikum ansehbar sein, oder darf sich der Horrorfan, der möglicherweise schon Filme wie "Mordum", "Murder Set Pieces" oder Klassiker wie "Last House On Dead End Street" hinter sich gebracht hatte, schon die Zunge blutig lecken? Regisseur Eli Roth, welcher offenkundig ein riesiger Horrorfan ist und aufgrund seiner Liebe zu "Cannibal Holocaust" dessen Regisseur Ruggero Deodato zu einem Cameoauftritt in "Hostel 2" überreden konnte, hat sich Gott sei Dank richtig entschieden: Aus einem harten Krimi wurde ein harter Psyschothriller, der sehr von seiner Charakterentwicklung lebt. Und obwohl "Hostel 2" Szenen bietet, die hart an der Grenze zum NC-17 Rating standen und im Hochglanzhorrorbereich mit zu den Härtesten gehören, darf man auch hier nicht auf plakativ durchgedroschene, sinnlose Gewalt hoffen.
Mainstream Fans des ersten Teil, der für sie hart an der Grenze zum Ertragbaren lag, waren von "Hostel 2" mehr als enttäuscht, da dieser im Vergleich zu seinem Vorgänger schon deutlich in seiner Härte gesteigert war. Die (trotzdem sinnlose) Beschlagnahme kam ausnahmsweise mal auch nicht von ungefähr und unter Horrorfans fiel er größtenteils schon im Voraus durch - der "lasche" erste Teil ließ grüßen.

Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Wer sich "Hostel 2" einmal ganz unvoreingenommen anschaut, wird nämlich erst feststellen, was seine wirklichen Stärken sind. Ich gebe zu, dass ich auch meine zwei, drei Anläufe gebraucht habe, ehe ich seine wahre Qualität erkannt habe. Seitdem rotiert der Streifen in regelmäßiger Häufigkeit, öfters als so manch anderer Film, in meinem Player.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, gestaltet man die Charaktereinführung, bzw. Hinführung zum eigentlichen Geschehen hier wesentlich besser. Ja, ich räume ein, dass einige Szenen vielleicht etwas unsinnig daherkommen (geklauter iPod usw.). Aber wer einen Blick nach unten auf den Zeitzähler wirft, wird erkennen, dass "Hostel 2" nicht ungewöhnlich viel Zeit für - auf den ersten Blick - Belangloses verschwendet. Wir haben eine circa 10 minütige Intro / Appetizer Sequenz und gleichzeitig ein Wiedersehen mit Paxton, dem Hauptcharakter aus dem ersten Teil, danach folgen circa Minuten Storyaufbau (der alles andere als langweilig ist), ehe der Film ungefähr bei Minute 45 mit einem Knall loslegt. Die 30 Minuten Hinführung hätten gerne 10 Minuten weniger sein können - andererseits erfordern 5 Protagonisten natürlich ihre Zeit, um sich zu entwickeln.
Hier liegt auch die erneute Stärke von Eli Roth's Inszenierung, denn wie schon in Teil 1 bedeuten die Charaktere dem Zuschauer etwas. Klar, "Hostel 2" ist kein "Green Mile", aber gerade für einen Horrorfilm gibt es hier schon eine enorme Bindung an unsere Protagonisten. Interessant ist auch, dass man hier den Schritt wagte, auch zwei Folterer als Sympathieträger zu etablieren. Dadurch, dass einer der Brüder den anderen dazu überredete, seinem langweiligen, von seiner Frau dominierten Leben, durch die Perversion eines kaufbaren Mordes aufzupeppen, dieser jedoch starke Gewissenbisse hat, haben wir hier recht unterschiedliche und interessante Charaktere. Der Plottwist am Ende, als sich ihre Attitüden scheinbar austauschen und einer durchdreht, während der andere angewidert die Notbremse zieht, schlägt genau in diese Kerbe und bietet dem Film eine gute Charaktertiefe.

Womit die "Hostel" Reihe (wenn ich von Reihe rede, wage ich es nichtmal im Ansatz an den missratenen, dritten Teil zu denken) schon immer punkten konnte, war mit ihrem wahnsinnig tollen Set. Und der Moment, als man wieder diese alte Fabrik betritt, hat ein beachtliches Déjà-vu zur Folge. Das Setting ist dreckig, vergammelt, pervers und faszinierend zugleich. Man hat hier außerdem die ganze Idee, rund um die Menschenhandelsorganisation ausgebaut und es geschafft, das Universum dieser Filmreihe auszubauen. Wir wissen jetzt, wer dahintersteht, wie die Kunden zu ihren Opfern kommen und wie der ganze Tagesablauf in diesem Betrieb vor sich geht.
Mit eine der besten Szenen ist die, in der unsere 3 Mädels unfreiwillig Teil einer Online-Auktion werden. In der Sekunde, als die Auktion, bei welcher man sich ein Opfer ersteigern kann, losgeht, sehen wir Leute um den ganzen Erdball, die auf sie bieten. Von gelangweilten Geschäftsmännern in Japan, bishin zu älteren Frauen, Opas, Muttersöhnchen am Esstisch oder einem Mann, der gerade mit seinem Sohn Eis essen ist, ist alles vertreten und Eli Roth zeigt, dass potentiell jeder der perverse Folterknecht sein kann.
Und das ist das Erschreckende an der Filmreihe: Man kann nicht behaupten, sie sei nicht realistisch. Roth selbst meinte, dass ihn eine Internetseite aus Japan, die Menschen zum Töten anbot, auf die Idee zu "Hostel" brachte. Ob das ein Werbegag war oder nicht - Fakt ist, in einer Welt wie der unseren ist so ein Gewerbe denkbar. Ob hier bei uns, oder auf der anderen Erdhalbkugel, ist dabei irrelevant.
Somit bietet "Hostel 2" einen Realismus, den ich an Filmen schätze. Klar, ich kann mir auch "Tokyo Gore Police" anschauen und mich prächtig dabei amüsieren, aber ein Horrorfilm muss schocken. Und wenn ich an Filme zurückdenke, die mir zentral eine ins Gesicht geknallt haben, dann sind es beispielswei Streifen wie "Eden Lake", "Cannibal", "8mm" oder Vertreter des Pseudo Snuff Genres. Gemeinsam habe sie alle eine bodenständige und nachvollziehbare Grundidee, die durch geschickte Filmtechniken bloß verstärkt werden.

In "Hostel 2" sind das - neben dem guten Drehbuch und wirklich guten Schauspielern - natürlich die Effekte. Verantwortlich dafür waren erneut "KNB FX", die mit Greg Nicotero definitiv einen der größten Effektekünstler aller Zeiten an vorderster Spitze stehen haben. Alleine Lorna's Folterszene und die mehr als nur schmerzhaft anzusehende Kastration am Ende, sind ein Beweis seines Talentes und helfen einem Film wie "Hostel 2" ungemein. Auch hier gibt es keine sinnlosen Blutfontänen, sondern es sind meistens Gewaltspitzen, die sich dafür umso intensiver in das Hirn des Zuschauers bohren.

Als letzten Punkt möchte ich eigentlich noch schnell auf die Amtosphäre und Stimmung des Filmes eingehen. Besonders wenn ich an den kurzen Zusammenschnitt denke, als Todd und sein Bruder in ihre Verließe geführt werden, während im Hintergrund diese - ich nenne sie mal - arienartige Musik ertönt, ist mehr als nur intensiv. Als Zuschauer hatte ich das Gefühl, mitten drin zu stecken. Und man fiebert extrem mit Todd mit (der grotesker Weise zu einer Identifikationsfigur stilisiert wurde), da man weiß, dass er gerade sein ganzes Leben auf den Kopf stellen wird, aber gerade keinen Ausweg mehr aus dieser Tötugnsmaschinerie findet. Somit sehen wir in der Szene zwei Opfer: Beth, Todd's Opfer und Todd selbst. Beide sind unfreiwillig hier und beide werden gleich etwas erleben, was einen krassen Einschnitt in ihr Leben darstellt. Umso härter kommt anschließend Todd's Umschwung, der gleichzeitig mit einer Charakterwandlung Beth's einhergeht. Zusammen mit ihm, verliert auch sie in rasender Schneller ihre Sympathie und obwohl man theoretisch auf ihrer Seite sein müsste, ist man erschrocken von ihrem Vorgehen. Eli Roth bricht somit auf recht interessante Art und Weise die Erwartungen des Zuschauers und erzeugt damit richtige Spannung, da der Film trotz seiner konventionellen Art, doch unerwartete Haken schlägt.

Ein Blick auf meine Kritik zeigt, dass ich an "Hostel 2" wenig auszusetzen habe. Minimale Schwächen bei der Hinführung, sowie merkwürdige, unnötig humoristische 10 Sekunden direkt am Ende des Filmes, sind Kleinigkeiten. Ansonsten bietet der Film harte Erwachsenenunterhaltung und ist in Sachen Charakterentwicklung, Setdesign und Effekte alles andere als zu verachten. Das wird mit folgender Punktzahl honoriert:

9/10

geschrieben am 16.07.2013 um 00:19

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