Phoenix - Blutige Stadt

  • Informationen zum Film
  • Phoenix - Blutige Stadt

  • Originaltitel:
    Phoeni
    Genre:
    Krimi, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1998
    Kinostart USA:
    04.09.1998

Userkritik zu Phoenix - Blutige Stadt

Melvin Smiley
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Bewertung: 9/10 Punkte

Spätestens seit Martin Scorseses Meisterwerk "Goodfellas" ist ja bekannt, dass Ray Liotta ein hervorragender Schauspieler ist.
Warum der gute Mann allerdings größtenteils ein Dasein im B-Movie-Sektor fristen muss und sich mit meist mittelprächtigen, wie kostengünstigen Produktionen herumschlagen darf, die ihm kaum Raum zur Entfaltung seines Potentials bieten, ist allerdings eine Frage, die sich der findige Filmfreund durchaus stellen kann und sollte.

Eine dieser eher unbekannten Produktionen ist auch das 1998 heimlich, still und leise erschienene Cop-Drama "Phoenix – Blutige Stadt", welches es Herrn Liotta gleichtut und ein ähnliches Schattendasein fristen muss, obwohl der Film wohl zu den besten und unbedingt sehenswertesten Beiträgen des Cop-Thrillers gehört. Lässt man die stiefmütterliche Behandlung dieser kleinen Perle für einen Moment außer Acht, so bietet sich dem Zuschauer schon bei Betrachtung des Casts eine famose Zusammenstellung namenhafter, wie fähiger Darsteller aus der oberen Hollywood-Mittelklasse.

Und bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass wir es hier mit einem Prachtexemplar von einem düsteren und pessimistischen Thriller zu tun haben, welches vor Energie nur so strotzt und in bester Film-Noir-Manier unweigerlich auf eine finale Katastrophe zusteuert.

Die Geschichte um Korruption, Verrat und Mord innerhalb polizeiinterner Kreise ist zwar alles andere als innovativ und wartet mit nur wenigen wirklichen Überraschungen auf, aber die Umsetzung des Stoffes ist meisterhaft in Szene gesetzt und der Film fesselt von der ersten Minute an, indem bei aller Düsternis noch ein permanenter Galgenhumor mitschwingt.

"Phoenix" ist hervorragendes Darstellerkino und verlässt sich nicht auf eine ausgefeilte Story, sondern vordergründig auf seine Akteure, die alle zusammen perfekt harmonieren, was besonders auf das im Fokus des geschehens stehende Polizisten-Quartett zutrifft, welches hervorragend von Liotta koordiniert und geleitet wird.

Sein grundehrlicher, aber auch heruntergekommener und in der Bredouille steckender Charakter ruft durchgängig eine Ambivalenz an Gefühlen beim Betrachter hervor und man kann sich nicht entscheiden, ob man den Mann bewundern, oder bedauern soll. Klar ist nur, dass es für ihn kein Entrinnen aus der sich ständig fortbewegenden Abwärtsspirale geben wird und dass sein Glück ihn über kurz oder lang komplett verlassen wird.
Glück ist gleichsam eines der Hauptmotive des Filmes und die Jagd danach zieht sich, genau wie der Aberglaube, durch den kompletten Film, was immer wieder zu skurrilen und komischen Situationen/Dialogen führt und den Zuschauer nur zusätzlich bei bester Laune hält.

Optisch kommt der Film, konträr zum dreckig-schmuddeligen Setting, sehr hochwertig daher und neben Regie, Schnitt und Kameraführung weiß auch der dezente und niemals aufdringliche Score zu gefallen. Qualitativ hat man es hier jedenfalls mit einem ausgereiften Produkt zu tun, auch, wenn es an aufregenden/spektakulären Schauplätzen mangelt.

Die Action ist in dieser Mischung aus Drama, Thriller und Film-Noir eher nebensächlich und beschränkt sich auf einige wenige Scharmützel, bei denen effektvoll Leben durch Schusswaffengebrauch beendet werden ; alles sehr sauber und gekonnt inszeniert, doch der Fokus liegt eindeutig auf der Story und dem desaströsen Zusammenspiel der Charaktere.

Gewalt bietet der Film trotz mangelnder Action dennoch reichlich, da am laufenden Meter bedroht, beschimpft, geschlagen oder eben auch mal geschossen wird, sodass man definitiv eine gewisse Kaltblütigkeit in Verbindung mit Geringschätzung menschlichen Lebens attestieren muss, was sich allerdings hervorragend dem düsteren Tenor des Filmes anpasst.

"Phoenix - Blutige Stadt" ist kein großer und schon gar kein bekannter Film, aber hiervon sollte man sich nicht abschrecken lassen, da man ansonsten einen sehenswerten Beitrag des pessimistischen Thrillers-Kinos verpassen würde. Es braucht keine Hollywood-A-Klasse, um hervorragendes Entertainment abzuliefern ; es braucht lediglich gute Darsteller und eine fesselnde Inszenierung. Eine glasklare, bittersüße Empfehlung ! (8,75/10)

geschrieben am 12.05.2013 um 03:44

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