Kleine Morde unter Freunden

  • Informationen zum Film
  • Kleine Morde unter Freunden

  • Originaltitel:
    Shallow Grave
    Genre:
    Krimi, Thriller
    Produktionsland:
    UK
    Produktionsjahr:
    1994
    Kinostart Deutschland:
    03.08.1995
    Kinostart USA:
    10.02.1995
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Krankenschwester Juliet, Buchhalter David und Journalist Alex suchen für ihre WG einen neuen Mitbewohner. Sie entscheiden sich für den mysteriösen Hugo, den sie am nächsten Tag tot auffinden. Seine Hinterlassenschaft: eine Schublade mit Drogen und ein Koffer voll Geld. Nach langem Hin und Her beschließen sie, das Geld zu behalten und die Leiche zu vergraben.

Userkritik zu Kleine Morde unter Freunden

Dreamer Deceiver
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Bewertung: 9/10 Punkte

Danny Boyles erster Spielfilm handelt von drei Freunden, die in einer WG Mitte der 1990er Jahre in Edinburgh leben.
Sie sind die typischen „young adults“ ihrer Generation, einer mittelständischen, egozentrischen Spaßgesellschaft. Das bekommt der Zuschauer bereits in den ersten Minuten, während der opening credits, vermittelt, als man die Drei dabei sieht, wie sie potenzielle Mitbewohner „casten“ und mit Genuss erniedrigen. Auch das Verhältnis der Drei zueinander wird transparent gemacht: Reporter Alex (Ewan McGregors gelungenes Debüt als Hauptdarsteller) und Ärztin Juliet (tadellose Performance von Kerry Fox) empfinden sich selbst als cool, während sie den langweiligen Buchhalter David (Christopher Eccleston in Höchstform) nur dulden, weil er sich zumindest bemüht mit ihnen mitzuhalten. Untermalt wird diese Sequenz durch Leftfields Soundtrack, der wohl nur Fans elektronischer Musik zusagen dürfte, auf andere Zuseher aber wahrscheinlich eine genauso nervende Wirkung hat, wie die drei Protagonisten.

Man entscheidet sich schließlich für den dubiosen Hugo (mit enfant terrible Keith Allen gut besetzt) als neuen Mitbewohner. Schon am nächsten Tag entdecken sie ihn an einer Überdosis verstorben in seinem Zimmer.
Alex sieht darin eine Story und entdeckt, als er in Hugos Zimmer herumstöbert, einen Koffer voll Geld, den sie seiner Meinung nach behalten sollten. Juliet betrachtet die Situation zunächst sachlich, für sie handelt es sich um einen Leichnam. Als Alex ihr das Geld unter die Nase reibt, hat sie zunächst noch moralische Skrupel, lässt sich aber schnell umstimmen. David hingegen reagiert geschockt, da er noch nie einen Toten gesehen hat. Das Geld zu behalten findet er nicht in Ordnung, aber auch er ändert schlussendlich seine Meinung.

Um nicht in Verbindung mit Hugo und dem Geld gebracht werden zu können, müssen sie zunächst Hugo entsorgen, indem sie ihn unidentifizierbar machen und im Wald vergraben. Damit fangen die Probleme erst richtig an und erste Risse in ihrer Freundschaft zeichnen sich ab. Jetzt gerät der Film ins Rollen und wir sehen, wie sich die drei Freunde sowie die Dynamiken zwischen ihnen verändern.

Am interessantesten ist die Entwicklung des sensiblen Davids (der auch als Erzähler fungiert), der die Geschehnisse nicht verarbeiten kann und mit Alex und Juliet auch keine Vertrauenspersonen hat, mit denen er darüber reden kann. Er ist ängstlich und zudem zutiefst verletzt, als er sich von seinen Freunden betrogen sieht. Eben jene Freunde tragen auch wesentlich zu seinem Wesenswandel bei. So gibt es z.B. eine Szene, in der sich seine unterdrückten Emotionen in Form von Aggressivität entladen und er einem Mann damit droht in einem Müllsack zu enden. Das ist das erste Mal, dass er in Alex' und Juliets Augen cool und männlich wirkt.

Die Story hat zwar ein paar plotholes, da es ein paar Punkte gibt, über die der Zuschauer im Unklaren gelassen wird, aber insgesamt ist der Film so spannend und temporeich inszeniert, dass man gerne darüber hinwegsieht. Man kann sich den Film auch öfters ansehen, ohne davon gelangweilt zu werden, da er auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Wie bei vielen anderen Thrillern ist der Überraschungseffekt nach dem ersten Mal weg, dafür zündet der schwarze Humor meist erst so richtig, wenn man schon weiß, was passieren wird, was das Vergnügen bei erneutem Ansehen steigert.

Auch visuell hat der Film einiges zu bieten (damit meine ich nicht nur die Anleihe bei berühmten Kunstwerken wie „Der Tod des Marat“). Es gibt drei Elemente, die sich durch den ganzen Film ziehen und einzelne Szenen, wie auch den Film insgesamt, verknüpfen. Das wäre zum einen die Farbe Rot, die sich in der title card, der Außenseite der Wohnungstür, Hugos Bettdecke, dem Telefon, usw. (natürlich auch im Blut und blutgefärbten Wasser) finden lässt. Zum anderen das Spiel mit Licht und Dunkelheit, das man vor allem in den Dachgeschossszenen, aber auch z.B. im Wald entdeckt (die beiden Motive können sich auch verbinden, etwa als David mit der Taschenlampe durch seine Hand leuchtet). Schlussendlich wären da noch die sich drehenden close-ups von Davids Gesicht, mit starren geöffneten Augen, auf weißem Untergrund, am Beginn, turning-point und Ende des Films.

Andy Williams Version von „Happy Heart” am Ende des Films sorgt nicht nur für ein Schmunzeln beim Zuseher, sondern ist auch Kontrast zur Titelmusik (die man im Abspann noch mal zu hören bekommt).

Fazit: Es ist nicht nur Hugos Grab, das „shallow“ ist, der Film selber ist es aber bei weitem nicht.

geschrieben am 21.10.2012 um 22:46

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