Das Fenster zum Hof

  • Informationen zum Film
  • Das Fenster zum Hof

  • Originaltitel:
    Rear Window
    Genre:
    Romanze, Thriller, Mystery
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1954
    Kinostart Österreich:
    05.08.1955
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Jeff (James Stewart) ist Pressefotograf und durch einen Beinbruch an den Rollstuhl und seine Wohnung gefesselt. Um der drohenden Langeweile zu entkommen, beobachtet er aus seinem Fenster zum Hof die Nachbarschaft und lernt sie so bestens und von allen Seiten kennen. Seine Freundin Lisa (Grace Kelly) ist zunächst wenig begeistert davon, aber schließlich ist die Neugier doch stärker. Als die beiden im Leben ihres Nachbarn von gegenüber, Mr. Thorwald (Raymund Burr), einige Merkwürdigkeiten beobachten, keimt in ihnen der Verdacht, dass mit dessen Frau etwas nicht stimmt. Jeff wittert Mord und lässt den Hinterhof von nun an nicht eine Sekunde aus den Augen ...

Userkritik zu Das Fenster zum Hof

Hitchcock_89
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Bewertung: 10/10 Punkte

Ältere Filme - egal wer der Regisseur war, egal welches Genre, egal wieviel Auszeichnungen - waren für mich lange kein Thema. Ich konnte mich einfach nicht mit den Filmen anfreunden, weil ich oft wohl nur die veraltete Fassade sehen konnte und den Film der sich dahinter verbirgt gar nicht richtig gesehen habe. Irgendwann mal hab ich mir aber selbst gesagt "Das kann doch nicht sein!" und hab mich dazu entschlossen mich mit Alfred Hitchcock auseinanderzusetzen und mit ihm meine Karriere von Klassikern zu starten. Ich hätte wohl einen Fehlgriff machen können und etwa einen Film wie Marnie oder Cocktail für eine Leiche erwischen, die mich nicht so begeistern konnten. Allerdings begann alles mit DAS FENSTER ZUM HOF und seitdem bin ich Hitchcocks Werken schlichtweg verfallen...

In den ersten knapp 4 Minuten hat sich Hitchcock vorgenommen dem Zuseher die Szenerie vorzustellen in der sich der ganze Film abspielen wird. Das wird von toller, immer heiter werdenden Musik begleitet und ist von ganz besonderer Bedeutung, denn was der Zuseher noch nicht weiß: der ganze Film wird bis auf eine einzige Szene aus Sicht eines einzigen Raumes gedreht. Die Bilder der Eröffnungsequenz lernt man also erst später zu schätzen. Dass die Kamera aber nirgends sonst positioniert wurde als innerhalb dieser wenigen Meter hat einen besonderen Hintergrund, der Hitchcocks Genialität entsprungen ist. Hierzu möchte ich erst kurz auf die Story eingehen: Jeff (James Stewart) ist ein ehrgeiziger und abenteuerlustiger Fotograf, der nun aber aufgrund eines Gipsbeines für einige Wochen an den Rollstuhl gebunden ist. Gepflegt wird er von seiner Haushälterin, aber auch seine Geliebte Lisa (Grace Kelly) sieht so oft sie kann nach dem Rechten und will in der Beziehung zu Jeff den nächsten Schritt wagen, der davon nicht ganz so überzeugt ist. Das wird allerdings hintergründig, wenn Jeff glaubt einen Mord in der Nachbarschaft beobachtet zu haben...

Dass man lediglich Aufnahmen aus dem Fenster zu sehen bekommt durch das auch der Hauptprotagonist blickt hat den Ursprung in Hitchcocks Idee eine Verbindung zwischen dem Kinozuseher und dem Charakter herzustellen. Genauso wenig wie ein Zuschauer der einen Film sieht kann Jeff etwas tun wenn er ein Verbrechen glaubt zu sehen, da er an den Rollstuhl gebunden ist. Aber dennoch ist es die Neugierde in ihm die ihn dazu veranlasst trotzdem hinzusehen und dem nachzugehen, wie es auch auf den Zuschauer zutrifft. Eine solch geniale Parallele zwischen Charakter und Publikum habe ich bisher noch in keinem anderen Film ausfindig machen können. Das aber ist bei weitem nicht die einzige Besonderheit, die der Meister des Suspense in diesem Film untergebracht hat...

Beispielsweise hat der Hauptprotagonist Sicht auf die Nachbarn seiner Siedlung: die einsame Dame, das streitende Ehepaar, die umgarnte Tänzerin oder das Ehepaar, das all seine Liebe nur noch ihrem Hund widmet. Es werden verschiedenste Konstellationen von Liebesbeziehungen gezeigt, die ebenfalls auf James Stewart's Charakter zu übertragen sind. Denn er ist es, der die Beziehung mit der bezaubernden Grace Kelly nicht vertiefen will und Angst vor einer engeren Bindung hat. All die möglichen Alternativen die er selbst zur Auswahl hat werden ihm quasi vorgeführt und veranschaulicht. Diese unterschiedlichen Modelle von Lebensstilen sind typisch Hitchcock bestens durchdacht und toll inszeniert.

Die Bedeutung der Liebesbeziehung ist in DAS FENSTER ZUM HOF übrigens eine sehr große, sodass dieser Thriller durchaus romantische Ansätze beinhaltet. Und auch wenn ich von dieser Filmeigenschaft nicht allzu viel halte hat es Hitchcock hier geschafft mich dazu zu begeistern. Zu gegensätzlich und interessant sind die beiden Charaktere (Jeff & Lisa) was ihre Einstellungen zum Leben betrifft, als dass ich diese vermeintlich spannungsarme Sequenzen weniger packend finden könnte als die Suspense-lastigen. Die Wertigkeit verschiedenster Dinge wurde hier durchaus gesellschaftskritisch behandelt - z.B. das Maß an steigender Materialität was wirklich bewundernswert ist, denn so gesehen ist der Film heute noch genau so wahr wie vor fast 60 Jahren.

Ebenso gut zeigt Hitchcock hier, wie sehr sich der Mensch an das klammert was einem wichtig ist und darauf in jeder noch so verrückten Situation zurückgreift. Hat man eine Bindung zu einer bestimmten Person oder einem Gegenstand aufgebaut, verlässt man sich quasi auf diesen. So wehrt sich der im Rollstuhl sitzende Jeff am Ende gegen den vermeintlichen Mörder mit dem Blitzlicht seiner Kamera, die für ihn als Fotograf allergrößte Bedeutung hat.

Aber nicht nur solche Nebensächlichkeiten sorgen für ganz großes Kino, auch die Story und ihre Inszenierung sind einem Genie entsprungen. Auch wenn der Film klar als Thriller mit Ausuferung zur Romantik zu sehen ist und auf sämtlicheWitze verzichtet hat er eine aufheiternde Wirkung. Dafür sorgt unter anderem die Filmmusik, hauptsächlich tragen dafür aber Dialoge die Verantwortung. Neben dem unschlüssigen Pärchen - James Stewart und Grace Kelly - gibt es ja noch die erwähnte Haushälterin und auch noch einen befreundeten Detektiv. Sie schaffen es mit ihrer unverblümten Ehrlichkeit und mit Sarkasmus durch und durch sympathisch rüberzukommen, wie auch die beiden Hauptdarsteller. Die Dialoge sind ein essentieller Teil des Films, in denen Hitchcock's Perfektionismus ebenso hervorscheint wie in der Insenierung, der Auswahl der Darsteller oder in seiner filmischen Handhabung.

DAS FENSTER ZUM HOF ist ein vielschichter Film, der auf jeder seiner Ebenen ein Meisterwerk ist. Ein Film bei dem ausschließlich alles genau so passt wie's ist - einer von Hitchcocks besten, wenn nicht sein bester.

10/10 Stadtkoffer

geschrieben am 17.08.2011 um 22:38

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ø Wertung: 9,8/10 | Wertungen: 13 | Kritiken: 1