High Tension

  • Informationen zum Film
  • High Tension

  • Originaltitel:
    Haute tension
    Genre:
    Thriller, Horror, Drama
    Produktionsland:
    Frankreich
    Produktionsjahr:
    2003
    Kinostart USA:
    10.06.2005

Userkritik zu High Tension

Hitchcock_89
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Bewertung: 9/10 Punkte

Mit HIGH TENSION gelang Alexandre Aja quasi der Durchbruch. Mittlerweile, Dank den Remakes "The Hills have Eyes" und "Piranha 3D" die ich auch beide weit über'm Durchschnitt sehe, ist der junge Regisseur längst in Hollywood angekommen. Um da ¸überhaupt hinzukommen musste er sich aber erstmal in seiner Heimat Frankreich bewähren - und das gelang ihm mit HIGH TENSION eindrucksvoll. Beinahe 6 Jahre ist es schon her, dass ich mir diesen Film ohne Erwartungen erstmals in meine Sammlung geholt habe und auch wenn ich davor schon einige andere Genrefilme sehen durfte, betrachte ich diesen Film hier als einen meiner ersten, keine Ahnung warum. Möglicherweise weil er es damals in meinen persönlichen Horrorcharts auf Anhieb auf Platz 2 schaffte. Seitdem sind einige Jahre vergangen und auch die letzte Sichtung ist schon eine Weile her, umso gespannter bin ich wie seine Wirkung im Jahr 2011 auf mich ist...

Der Plot: Um sich in Ruhe auf ihre Examen vorbereiten, fahren die beiden Studentinnen Alex und Marie zum abgelegenen Landhaus von Alex' Eltern. Plˆtzlich taucht dort ein sadistischer Killer auf, der die ganze Familie abschlachtet und Alex in einen alten Lieferwagen verschleppt. Marie will ihre Freundin retten und so verfolgt sie den Killer in einer gefährlichen Jagd.
Quelle: Moviemaze.de

Der Film beginnt gleich mit verstörenden Stilmitteln in Form von rauschen, penetranten Tönen und intensiven Lichteffekten und sorgt gleich für eine gute Grundstimmung die, wenn sie auch direkt im Anschluss nicht zum Tragen kommt, bald wiederkehrt. Und selbst noch in der recht kurzen heiteren Phase des Films, zu Beginn, kommt schon ein allseits gefürchtetes Horrorelement zum Vorschein mit dem man automatisch Angst verbindet - ein Maisfeld bei Nacht. Und auch wenn die Atmosphäre hier noch eine angenehme, lebensfrohe ist lässt der Regisseur einen spüren, dass er es in der Hand hat dies schlagartig zu ändern und um 180 Grad zu drehen.

Und so kommt es dann auch, denn nach einem kurzen Übergang geht es schon richtig zur Sache - und zwar bis zum bitteren Ende. Mit einem Knackpunkt der mit einem Schlag in die Fresse zu vergleichen ist wird man ruckartig und unweigerlich vom Film gepackt, sodass einem fast hören und sehen vergeht. Das "fast" ist dabei ganz entscheidend, denn was Aja in einigen Minuten der Wortlosigkeit fabriziert ist einfach nur Horror pur, so wie man ihn nicht besser inszenieren kann. Die schleppende, bedrückende Soundkulisse baut eine einzigartige Atmosphäre auf der ich immer wieder komplett erliege. Das ruhige und gelassene Handeln des Killers ist fast noch bedrückender als die verzweifelte Flucht vor ihm, zusammen ergibt dies das für mich beklemmendste Versteckspiel das ich je sehen durfte. Die Protagonisten handelt durchdacht und in jeder Sekunde für den Zuschauer nachvollziehbar, sodass ich mit ihr mitfühle wie mit kaum einer anderen Filmfigur. Hält sie den Atem an, halte ich ihn ebenfalls an. Weifl sie nicht was zu tun ist, wüsste ich es auch nicht. Dennoch kann sie ihr Bewusstsein noch so weit steuern um logisch zu handeln, was aber niemals den Eindruck einer Unmäglichkeit aufkommen lässt. Ihr Handeln wird niemals so abwegig, sodass der Film evtl. an Spannung oder Atmosphäre einbüßen müsste.

Und auch nach Verlagerung des Versteckspiels, außerhalb des Landhauses, kann die Spannung aufrecht erhalten werden. Aja versteht es neben der unglaublichen Härte - ja, der Film gehört für mich zu den besten Filmen dieses Härtegrads - und der Jagd selbst auch visuell Spannung zu erzeugen, denn neben den verstörenden Sounds die immer wieder Wirkung zeigen hat er auch die ein oder andere tolle Kameraeinstellung bzw. -fahrt die mich wirklich beeindrucken konnte. Beispielsweise schon im Haus, nach dem ersten Mord, aber auch im Wald hat er die Verfolgung toll in Szene gesetzt.

Schauspielerisch kann ich bei HIGH TENSION keine Abzüge machen, denn bis auf ein paar minimalistisch gehaltene Rollen gibt es nur drei Hauptcharaktere. Diese bleiben über weite Strecken sehr wortkarg, spielen ihre Rollen aber wahnsinnig intensiv und authentisch, was ihre Leistung umso mehr aufwertet. Maiwenn Le Besco hat den ganzen Film über eigentlich nur immer wieder dasselbe zu tun, macht das aber mit Überzeugung. Ebenso Philippe Nahon, den man auch aus "Menschenfeind" oder "Irreversible" kennen dürfte. Im Mittelpunkt mit ihrer Figur steht natürlich Cecile De France und auch sie ist lange eine Identifikationsfigur für den Zuseher, dank ihrer tollen Leistung.

Nun möchte ich auf einen entscheidenden Knackpunkt im Film zu sprechen kommen der für viele nicht nur Grund zur Diskussion gibt, sondern auch den Film wesentlich abwertet. Für die folgenden Zeilen möchte ich allerdings eine SPOILERWARNUNG aussprechen...

Gut, wir haben in HIGH TENSION ein fragwürdiges Element das auch schon in "Fight Club" von David Fincher aufgetaucht ist (und sicher auch in anderen Filmen, die mir im Moment aber nicht einfallen). Es handelt sich um ein und die selbe Person, die von zwei völlig unterschiedlichen Darstellern gespielt und in zwei ebenso verschiedenen Rollen existiert. Wie ist es nun möglich gleichzeitig an zwei Orten zu sein? Ganz einfach: es ist NICHT möglich! Sich daran aber zu stören ist für mich die letzte aller Optionen, warum ist ganz einfach erklärt. Es gibt Menschen mit multipler Persönlichkeit, Schizophrenie und weiteren psychische Störungen und wer schon einmal in diesem Gebiet zu tun hatte - sei es beruflich, privat oder wie auch immer - der kann sich immerhin ansatzweise vorstellen wie es in diesen Menschen vorgeht, weiß aber natürlich nicht wie es sich am eigenen Leib gefühlt und kann nicht in die Gedanken anderer blicken. Dennoch sind eben genau solche Handlungsverläufe, wie es quasi der ganze Film einer ist, aus der Sicht dieser Menschen durchaus möglich (das lässt sich auch auf "Fight Club" übertragen). Und da diese Auflösung erst am Schluss zu Tage kommt ist HIGH TENSION für mich ein wahrer Geniestreich. Nach der ersten Sichtung vor einigen Jahren hab auch ich mir Gedanken darüber gemacht und mich geringfügig daran gestört, dass das einfach nicht möglich ist, aber abgesehen von der psychischen Ebene handelt es sich hierbei ja um einen Film. Warum man sich genau diesen her nimmt um ein Mysterieelement zu kritisieren (als das man das evtl. auch bezeichnen könnte) ist mir schleierhaft. Die Wunderheilungen in "The Green Mile" machen den Film ja auch nicht zunichte, oder? Nur als Beispiel...

Fazit: HIGH TENSION gehört seit der ersten Sichtung zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, vor allem im Horrorgenre. Der Film packt mich immer wieder mit seiner unglaublichen Atmosphäre, wie es wirklich kein anderer Film schafft. Obendrein ist das Goreniveau hoch und wird auch ansehnlich in Szene gesetzt. Das Ende, die Auflösung und somit auch der große Aha-Effekt ist nur ein Tüpfelchen auf dem i, schlichtweg ein genialer Wurf von Alexandre Aja. Der Film ist knallhart, elektrisierend und klärt sich meines Erachtens genial auf - viel besser kann man's nicht machen.

9,5/10

geschrieben am 27.06.2015 um 18:24

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ø Wertung: 8,3/10 | Wertungen: 46 | Kritiken: 9