The Centennial Case: A Shijima Story [Nintendo Switch – Review]

Spiele zum Lesen?

Visual Novels gehören schon seit Jahrzehnten fest zum Kreis der Videospiel-Genres und haben schon auf früheren Konsolen wie dem NES zum Lesespaß vor dem heimischen TV-Gerät beigetragen. Doch auch hier gibt es nochmal zahlreiche Unter-Kategorien und so haben sich neben klassischen Visual Novels mit wenigen Interaktions-Möglichkeiten vor allem Mystery- und Krimi-Spiele in diesem Genre etabliert. Zu den bekanntesten gehört hier sicherlich die „Phoenix Wright“-Reihe oder Escape Room-Spielereien wie „Virtue’s Last Reward“. Während diese Vertreter auf eine Optik im Anime-Look legen, gibt es aber auch immer wieder Spiele mit richtigen Videosequenzen oder Fotos und echten Darsteller*innen. 

So auch in „The Centennial Case: A Shijima Story“, welches jüngst von Square Enix veröffentlicht wurde und das seine Handlung komplett mit Live Action-Szenen wiedergibt. Wir haben uns die Switch-Version des FMV-Abenteuers mal angesehen und verraten euch in unserem Review, wie interaktiv das Ganze geworden ist. 

Wer war es?

Die Geschichte unserer Murder-Mystery-Story beginnt in der Gegenwart. In der Rolle von Krimi-Autorin Haruka Kagami werdet ihr von einem Bekannten, der euch bei eurem letzten Buch unterstützt hat, Eiji Shijima, um einen Gefallen gebeten. Denn in seiner Familie gab es in den letzten 100 Jahren vier verschiedene Todesfälle, die alle mit der seltsamen Toki-Frucht zusammenhängen. Diese soll dem Konsumenten ewige Jugend verleihen und ist somit sehr begehrt. Aufgrund eurer jahrelangen Tätigkeit als erfolgreiche Autorin solltet ihr laut Eiji also bestens für diesen Job geeignet sein und das Rätsel hinter den Morden klären können.

Doch schon bald nach Harukas Ankunft wird sie von der Shijima-Familie kritisch beäugt und muss sich allerlei Fragen stellen. Um den Mörder zu finden, muss sie sich aber nicht nur in der Gegenwart umsehen, sondern mit Hilfe ihrer guten Vorstellungskraft auch in der Zeit zurückreisen und frühere Vorfälle untersuchen.

 

 

Schauen, lesen, rätseln

„The Centennial Case: A Shijima Story“ ist spielerisch – ähnlich wie viele Genre-Kollegen – recht limitiert und so verbringt ihr viel Zeit damit, den Filmsequenzen zu folgen. Hin und wieder taucht mal ein Hinweis auf, den ihr per Knopfdruck quasi in eurem Gedächtnis ablegt, außerdem kann man ab und zu auch aus mehreren Dialogoptionen wählen und somit die Ermittlungen beeinflussen.

Etwas spannender wird es da schon zwischen den Kapiteln, in denen es um die eigentliche Arbeit und die Suche nach dem Mörder geht. Dann schaltet das Spiel in Harukas Logikraum, in dem ihr einzelne Szenen nochmal anschauen könnt und die Hinweise verschiedenen Fragen zuordnet. Daraus entstehen dann Hypothesen, die euch bei eurer Ermittlung weiterhelfen. Kommt ihr hier mal nicht weiter, helfen euch die sogenannten Geistesblitze. Diese sind limitiert auf eine bestimmte Anzahl und markieren die wichtigsten Hinweise mit einem leuchtenden Ring. Letztlich müsst ihr diese dann nur noch passend an die jeweilige Frage anheften.

Habt ihr innerhalb der Filmszenen das Gefühl etwas verpasst zu haben, könnt ihr nochmal zurückspulen oder eben pausieren. In einem umfangreichen Info-Menü erhaltet ihr einen Überblick über alle beteiligten Figuren, die Rätsel oder sogar die Grundrisse der besuchten Gebäude. Besonders lesenswert wird es im Erläuterungen-Menü, denn dort gibt es die verschiedensten Texte zu sämtlichen Sachverhalten im Spiel und der Handlung.

Japanisches Dorama auf der Switch

Square Enix’ Visual Novel sieht ganz ordentlich aus und befindet sich in Sachen Inszenierung vermutlich auf dem Niveau eines sehr guten Doramas, so der japanische Begriff für heimische Fernsehserien. Das heißt die Schauspieler*innen verfügen über ausreichend Talent, das Set-Design ist detailliert und die Ausstattung auf einem überzeugenden Niveau.  

Die Menüs sind zwar etwas verschachtelt und die Steuerung, vor allem im Logikraum, etwas frickelig, aber nach einiger Zeit kommt man ganz gut damit klar. Einige Texte sind auf dem Display der Switch aber schon nah an „viel zu klein“ und könnten etwas größer sein. 

Neben den FMV-Sequenzen gibt es vor allem während eurer Ermittlung im Logikraum auch immer wieder mal animierte Szenen, die zwar relativ rudimentär gehalten sind und nur das Nötigste verdeutlichen aber für diesen Zweck absolut ausreichend sind.

In Sachen Akustik gefällt „The Centennial Case: A Shijima Story“ vor allem mit seiner japanischen Vertonung, es gibt aber auch eine englische Sprachausgabe(deutsche Bildschirmtexte sind vorhanden). Die Musik bleibt angenehm im Hintergrund und untermalt vor allem die Ermittlungsarbeit recht gut mit ruhigen Klängen.

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
3.8

FAZIT: Spannende Visual Novel mit toller Inszenierung

„The Centennial Case: A Shijima Story“ ist ein toller Genre-Vertreter und sicherlich auch eine spannende Angelegenheit für Visual Novel-Interessierte. Auch wenn das Spiel einige Zeit braucht und der Einstieg etwas zäh ist, wird es spätestens mit dem ersten Mord richtig interessant. Hier sollte man sich auch nicht von den vielen Charakteren abschrecken lassen…zur Not kann man ja nochmal im Info-Menü alles Nötige nachlesen.

Sicherlich muss einem das spielerisch Limitierte zusagen, doch wie ich finde hat die Murder-Mystery hier ein gutes Gleichgewicht aus Filmszenen und interaktiven Momenten geschaffen. Da hat man zum Beispiel beim zuletzt getesteten „Triangle Strategy“ wesentlich länger vor der Switch gesessen und Dialoge über Dialoge verfolgt. Und so ist eben auch der Einstieg ins Genre für interessierte Spieler*innen mit „The Centennial Case: A Shijima Story“ sicherlich eine gute Sache.

Kleine Abzüge in der B-Note gibt es für den ein oder anderen, viel zu kleinen Text, aber alles in allem bekommt man hier eine richtig gute Visual Novel!

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Über Christian Suessmeier 2402 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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