Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise [Nintendo Switch]

Langjähriger Kult

Es gibt immer wieder mal solche Titel, die technisch eine Katastrophe sind, aber dennoch einen gewissen Kultstatus unter der Spielerschaft erlangen. Das Paradebeispiel hierfür ist sicherlich „Deadly Premonition“, welches im Jahr 2010 für PlayStation3 und Xbox 360 erschien.

Während die Geschichte rund um den FBI-Agenten Francis York Morgan viel Lob abbekam und oft mit „Twin Peaks“ verglichen wurde, offenbarte das Spiel aber technische Schwächen ohne Ende. Neben einer Steuerung aus der Hölle und unpassender Musikuntermalung spannender oder dramatischer Szenen, wurde auch die Grafik des Spiels erheblich kritisiert. Dennoch schaffte es schon diese Version sich einen besonderen Ruf zu erarbeiten, der 2013 veröffentlichte Director’s Cut machte dann vieles besser und untermauerte den Kult um das Spiel.

Im vergangenen Jahr wurde dann überraschenderweise eine Fortsetzung für die Nintendo Switch angekündigt, die nun vor einigen Wochen in den Handel kam. Hat Chef-Entwickler Swery65 aus den Fehlern des Vorgängers gelernt oder liefert man erneut eine technische Voll-Katastrophe ab? 

Francis is back!

„Deadly Premonition 2“ erzählt seine Geschichte in zwei Zeitebenen, die sich auch spielerisch stark voneinander unterscheiden. Zum einen gibt es da die Handlung in der Gegenwart, in der der gealterte und kranke Agent Morgan von zwei Agenten zu einem Fall im Jahr 2005 befragt wird. Und genau diesen Fall erlebt ihr in der anderen Zeitebene nach.

In der Kleinstadt Le Carré im US-Bundesstaat Louisiana wird ein junges Mädchen ermordet, das von einer der einflussreichsten Familien dort abstammt. Doch leider werden die Ermittlungen jäh unterbrochen als die Leiche des Opfers verschwindet und von einem Riesen die Rede ist, der diese entwendet hat. Glücklicherweise ist aber unser FBI-Agent Francis Morgan gerade vor Ort im Urlaub und übernimmt mit Freude den Fall, stößt dabei aber auf einen Serienkiller und allerlei mysteriöse Gestalten.

 

Befragen und beschießen

Wie eben schon erwähnt, teilt sich die Handlung in zwei Zeitebenen und unterscheidet sich auch spielerisch stark voneinander. Zum einen sind da die Verhör-Abschnitte, in denen ihr in die Rolle der FBI-Agentin Aaliyah Davies schlüpft. Hier wählt ihr verdächtige oder interessante Objekte in Morgans Wohnung aus und befragt den ehemaligen Kollegen dazu, das Gameplay ist also etwas statischer und mehr Visual Novel-haft.

Die Zeitebene im Jahr 2005 gestaltet sich da schon eher wie man es von einem Survivalhorror-Detektiv-Abenteuer erwarten würde. In Thirdperson-Ansicht erkundet ihr das Städtchen Le Carré und führt zunächst einmal viele Gespräche mit den Einheimischen. In eurem Hotel trefft ihr so recht früh auf das Multi-Talent David, der sowohl Koch, Concierge aber auch Page in eurer Unterkunft ist. Außerdem erhaltet ihr Hilfe in Form des Mädchens Patricia Woods, der Tochter des örtlichen Sheriffs, die euch dann auf eurer Killer-Jagd unterstützt und euch aufgrund eurer Gespräche mit dem imaginären Freund Jack immer wieder seltsam beäugt.

Neben den Ermittlungen rund um den Mord an Lise Clarkson hält „Deadly Premonition 2“ aber noch viele Nebenaufgaben bereit. Mal müsst ihr einen Hund vertreiben, mal ein paar Eichhörnchen. Oder ihr organisiert für die Köchin des Imbiss’ bestimmte Zutaten, damit diese euch ein leckeres Gericht kochen kann.

Auch Action-Einlagen gibt es hin und wieder in einer Art Paralledimension namens Anderswelt, diese halten sich aber stark in Grenzen und sind dank der hakeligen Steuerung auch kein Spielspaß-Faktor.

Viel zu tun!

Neben den Haupt- und Nebenmissionen gibt es in Swery65s Mystery-Thriller auch ein paar Minispiele wie Bowling oder Bootsfahrten, ansonsten bietet das Südstaaten-Kaff aber nicht so viel Unterhaltung. Viel Zeit kann man in das Craften von Voodoo-Talismanen stecken für die man zahlreiche Items braucht, die man nicht unbedingt leicht findet. Diese verbessern dann eure Attribute, Waffen oder das Skateboard.

Ja, richtig gelesen…das Skateboard. Mit dem fährt man nämlich in der Stadt umher, da Morgans Auto geklaut wurde. Euer fahrbarer Untersatz nutzt sich mit der Zeit zwar ab, kann aber in entsprechenden Werkstätten wieder repariert werden. Relativ früh kann man aber auch eine Schnellreise-Funktion freischalten, die ruckelfreieres und schnelleres Reisen ermöglicht.

Überall in der Stadt verteilt sind außerdem kleine Rastplätze mit einer Feuertonne, einem Koffer und einem Gartenstuhl. Seid ihr nämlich nachts unterwegs, greifen euch seltsame Gestalten oder wilde Tiere an. Das Feuer schützt euch vor diesen Kreaturen, ebenso kann man in dem Koffer Items lagern, die nicht mehr in die eigene Tasche passen. So habt ihr auch fernab eures Hotelzimmers immer Zugriff auf euer Inventar. 

 

Der pure Horror!

Technisch gesehen ist „Deadly Premonition 2“ sicherlich etwas runder als der Erstling, dennoch bekleckert man sich hier sicherlich nicht mit Ruhm. Während die Auflösung des Spiels sowohl im TV- als auch Handheld-Modus ganz in Ordnung geht, sind die Animationen hölzern und direkt aus dem Jahr 2010. Gleiches gilt für einige grafische Effekte wie die Beschleunigungslinien beim Skateboardfahren. Diese wirken einfach nur antiquiert und unterstreichen zusätzlich das extrem starke Ruckeln beim Herumbewegen in der Stadt.

Auch von optischer Vielfalt hält Entwickler Toybox anscheinend nicht viel, denn fast jede Ecke des Städtchens sieht gleich aus, auch Settings wie das Kühlhaus strotzen nicht gerade vor optischen Highlights. Unterstrichen wird diese Tristesse durch die blasse Farbgebung des Spiels…alles nicht besonders schön.

Ganz gut gelungen ist hingegen die akustische Seite des Spiels, vor allem die Vertonung der Figuren gefällt mit passenden Akzenten und lebendigen Sprecherinnen und Sprechern. Einige musikalische Themes wiederholen sich vielleicht ein bißchen zu oft.

FAZIT: Ein echtes Lowlight!

Leider kann man „Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise“ nur hartgesottenen Spielerinnen und Spielern empfehlen, die auch mal den ein oder anderen Fehler verzeihen können und die vor allem Zeit haben.

Denn das Missionsdesign ist oft sehr schleppend und verlangt vom User Wartezeiten. Da jeder Bewohner der Stadt seinem festen Tagesplan nachgeht, muss man diese häufig genauer beobachten bzw. auf Hinweise aus deren Umfeld achten. Kommt eine Figur erst nach 22 Uhr nach Hause, heißt es: warten…zwar gibt es einige Mechaniken, um diese Zeit zu verkürzen, dennoch wirkt es sehr altbacken und bremst die Geschichte unnötig aus. Gleiches gilt für fehlende Hinweise beim Erledigen von Nebenmissionen. 

Dazu kommt eine technische Umsetzung wie man sie im Jahr 2020 eigentlich nicht mehr erwarten würde und die so auch kaum zu fassen ist. Mittlerweile gibt es doch Engines, die leicht zu beherrschen sind und mit denen auch weniger begabte Entwickler gute Ergebnisse erzielen können, oder? Oder ist das hier alles pures Kalkül um einen ähnlichen Effekt wie beim Erstling zu erzielen?
Nötig hätte es das Spiel nicht, denn „Deadly Premonition 2“ bietet eine tolle, schrullige Story mit vielen schönen Querverweisen auf Filme wie „Angel Heart“ oder „Katzenmenschen“ und andere popkulturelle Dinge, aber versagt eben in Sachen Gameplay und Technik komplett. 

Über Christian Suessmeier 54 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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