Sniper Elite 5 [PlayStation5 – Review]

Snipern für den guten Zweck!

Scharfschützen sind in Videospielen ein zweischneidiges Schwert. Als regulärer Fußsoldat verteufelt man die kampierenden Elite-Söldner in Spielen wie „Call of Duty“ & Co., da man dem ein oder anderen früher oder später gewiss vor die Flinte läuft. Anders verhält es sich, wenn man selbst den Scharfschützen spielt und aus einer bequemen Situation heraus seine Feinde in die Jagdgründe schicken kann.

Dass sich das Konzept dieses Söldners auch für ein Einzelspiel anbietet, hat Entwickler Rebellion schon vor 17 Jahren erkannt und „Sniper Elite“ auf den Markt gebracht. In der Rolle von Karl Fairburne machte man seitdem in mehreren Teilen Jagd auf Nazi-Pack, außerdem sorgte die Spin-off-Reihe „Zombie Army“ für allerlei untoten Baller-Spaß und eine gehörige Prise Trash.

Jüngst erschien nun „Sniper Elite 5“ für die aktuelle Konsolengeneration und bringt einige Neuerungen mit sich. Wir haben uns die PlayStation5-Version mal genauer angeschaut und verraten euch in unserem Test, wie diese gelungen ist.

Vive la France!

Diesmal verschlägt es unseren Helden Karl Fairburne, von seinen Feinden nur ehrfürchtig „Der Schatten“ genannt, ins Frankreich des Jahres 1944. Dort unterstützt er die Widerstandsbewegung im Kampf gegen die Nazis und will deren mysteriöses Projekt „Operation Krake“ stoppen.

Daher kämpft ihr euch in neun Missionen von der Atlantikküste über ausladende Ländereien mit französischen Adels-Villen bis hin zu Hochsicherheitsbunkern tief in den Bergen durch allerlei feindliches Gebiet. Und das in eurem gewünschten Spielstil. Denn „Sniper Elite 5“ lässt euch entweder den Rambo raushängen und euch wild durch die Gegend ballern ohne Rücksicht auf Verluste, gibt euch aber auch zahlreiche Features an die Hand, um die Level ohne großes Aufsehen zu beenden und dem Spitznamen von Karl gerecht zu werden.

 

 

Schatten oder Blitz!

„Sniper Elite 5“ steuert ihr aus der Thirdperson-Ansicht heraus, bei Schusswechseln schaltet das Spiel aber in die Ego-Perspektive um. Bevor ihr jedoch in die Mission startet, geht es erst einmal um eure Ausrüstung. So wählt ihr aus einem Gewehr, einer MG und einer Pistole, zusätzlich dazu könnt ihr noch allerlei – mit der Zeit freigespieltes – Zubehör anbringen und euch Items wie Granaten, Verbandskits und Minen einpacken. Abschließend werft ihr noch einen Blick auf die Karte samt Aufgaben und dann kann es eigentlich losgehen!

Zunächst ist es immer recht empfehlenswert das Fernglas auszupacken und erst einmal die Gegend zu studieren. Zum Glück könnt ihr damit sichtbare Feinde und interessante Objekte wie Munitionskisten, Fahrzeuge oder Alarmanlagen markieren und euch somit schon mal einen guten Eindruck vom Level verschaffen.

Die Level geben euch zahlreiche Gelegenheiten euch relativ unbemerkt an eure Ziele anzuschleichen. So sind viele Mauern, Büsche und hohe Gräser vorhanden, zur Not muss es aber auch mal über das offene Feld gehen. Glücklicherweise könnt ihr euch nicht nur geduckt, sondern auch kriechend fortbewegen.

Auch wenn euch das Spiel schon vor der Mission das Hauptziel nennt, können während eines Levels neue Aufgaben und Ziele hinzukommen. Diese findet ihr zum Beispiel mal auf einem Schreibtisch in einem Arbeitszimmer oder durch das Belauschen eurer Feinde.

Immer besser!

Während das Schießen mit den regulären Schusswaffen eher unspektakulär ist, hat Rebellion in die Scharfschützen-Elemente einiges an Inhalt gepackt. Je nach Schwierigkeitsgrad kann man verschiedene Einstellungen vornehmen und so muss nicht nur die Atmung sondern auch die Flugkurve der Kugel beachtet werden.

Und natürlich darf auch die berühmt-berüchtigte Kill-Cam nicht fehlen, die euch in schönsten Zeitlupensequenzen zeigt, wie eurem Feind der Schädel wegfliegt. Das kann teilweise ganz schön hart sein, ist auf der anderen Seite aber auch wieder komplett überzogen dargestellt, auf Wunsch auch deaktivierbar. 

Um euren Feinden nicht unterlegen zu sein, immerhin kommen später auch noch Elite-Scharfschützen und Panzer auf der Nazi-Seite dazu, kann Karl seine Fähigkeiten verbessern. So bringt jeder Kill oder besondere Aktion Erfahrungspunkte ein und die erspielten Fertigkeitspunkte können dann in eure Vitalwerte, die Ausrüstung oder Kampfwerte gesteckt werden.

Zu guter Letzt bietet „Sniper Elite 5“ auch noch einen umfangreichen Multiplayer-Modus an. Neben regulären und bekannten Modi und einem Wellen-Modus, ist der Star hier aber die Invasion anderer Spieler*innen. Ähnlich wie bei „Bloodborne“ oder „Dark Souls“ kann man nämlich in das Spiel eines anderen eindringen und macht als deutscher Scharfschütze Jagd auf Karl Fairburne. Eine interessante neue Spielweise für einen Shooter, die definitiv Spaß macht.

 

 

KI so dumm wie Nazis

„Sniper Elite 5“ ist grafisch sicherlich keine Granate, überzeugt aber mit einem harmonischen Stil, vielen Details in den Levels und einer tollen Ausleuchtung der Spielwelt. Rebellion hat hier wirklich viel Wert darauf gelegt, dass sich diese realistisch anfühlt und einfach gut aussieht.

Dank rasendschneller Ladezeiten, kommt auch kaum Wartezeit auf, der DualSense macht mit seinen adaptiven Triggern außerdem einen guten Job und sorgt für zusätzliche Immersion.

Auch die Vertonung ist super geworden und überzeugt mit tollen englischen und deutschen Sprecher*innen. Generell gefällt die Akustik mit ihren wuchtigen Schusseffekten, den tollen Explosionen und nicht zuletzt mit der atmosphärischen Musik.

Sehr unschön sind so einige technische Patzer im Spiel. Denn manchmal ist die KI unfassbar dumm. Auch wenn man sich hier anscheinend dem IQ von Nazis anpassen wollte, hätte eine Gehirnzelle mehr schon gut getan. So laufen viele blind in den Hinterhalt und sind somit recht gutes Kanonenfutter. Auch das Umschalten der Aufmerksamkeit von Suche zu Kampf hat manchmal nicht so astrein funktioniert und so verloren sich manche Feinde in einer Schleife aus „oh, da ist jemand“ bis „ach, war nix“. 

Das größte Ärgernis war aber der einmalige Abrutsch in die Level-Architektur aus der es kein Entkommen gab und man sich schon um den Spielfortschritt sorgen machten musste. Hier half nur ein Neustart und die vielen Autosaves, die „Sniper Elite 5“ zum Glück gemacht hat.

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
4.3

FAZIT: Kleine Schönheitsmängel, aber sonst echt gut

„Sniper Elite 5“ ist ein tolles Spiel geworden und schafft es in Sachen Umfang mit ordentlichen Inhalten zu überzeugen. So bietet die Kampagne schöne große Level mit vielen Möglichkeiten, die Feinde zu umgehen oder zu erledigen. Auch die beliebten Umgebungskills dürfen dabei nicht fehlen und so lässt man dem Nazi gerne mal eine Palette auf den Kopf fallen.

Generell überzeugt das Spiel mit einer coolen Atmosphäre und erinnert teilweise ein bißchen an Nazisploitation und Filme wie „Inglourious Basterds“. Karl hat ein paar schöne Onliner parat und die Texte über die markierten Feinde sind oft zum schießen.

Hin und wieder nervt aber eben die KI und Bugs trüben das Spielgeschehen. Hier hätte ein bißchen mehr Polish gut getan. Gerade solche Aussetzer wie oben beschrieben oder dass man als Invadierer durchaus auch mal an anderen Soldaten einfach nicht vorbeikommt, nerven. Am ärgerlichsten empfand ich aber die Einschränkungen der Fortbewegung. Viele Büsche oder Mauern konnte Karl nicht überqueren, oft waren dumme Umwege nötig. Zwar kann man klettern und Hindernisse überwinden, aber eben nur an den Stellen, die einem das Spiel als solche markiert. Das schränkt den Spielspaß etwas ein und sieht wirklich albern aus, wenn der Elite-Scharfschütze am Erklettern einer blöden Mauer scheitert.

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Über Christian Suessmeier 2403 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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