Returnal [PlayStation5 – Review]

Unter dem Radar

Auch wenn es den finnischen Entwickler Housemarque schon seit 1996 gibt, machte man sich erst in den Jahren 2007 beziehungsweise 2010 einen Namen. In dieser Zeit erschienen nämlich „Super Stardust HD“ und „Dead Nation“, die schon damals das Talent des Studios für gelungene Arcade-Ballereien deutlich machten und den Indie-Hype weiter befeuerten.

Frühen PlayStation4-Besitzern dürfte außerdem „Resogun“ ein Begriff sein, das es damals kostenlos im Rahmen des PlayStation Plus-Services gab und das als einer der besten Launch-Titel der Konsole gilt. Auch hier standen erneut klassische Gameplay-Elemente im Mittelpunkt, gemischt mit einem treibenden Soundtrack und einer gelungenen Optik im Voxel.-Look. Sprechen sollte man an dieser Stelle auch über „Nex Machina“, das zweifelsohne zu einem der besten Indie-Spiele auf der PS4 gehört und einige Mechaniken des neuesten Housemarque-Titels vorwegnimmt.

Dieser hört auf den Namen „Returnal“ und ist just exklusiv für die PlayStation5 erschienen. Wir haben uns den Roguelike-Shooter genauer angeschaut und verraten euch in unserem Test, ob Housemarque auch AAA-Titel kann.

Und täglich grüßt das Alien!

In „Returnal“ schlüpft man in die Rolle der Astronautin Selene Vassos, die im Auftrag der ASTRA Corporation unterwegs ist und gegen die Anweisung ihres Vorgesetzten auf dem Planeten Atropos landet. Angezogen von einem Signal namens Weißer Schatten geht die Landung aber ziemlich schief und das Schiff erleidet gehörigen Schaden. Auch die ersten Schritte aus Atropos hat sich Selene sicherlich anders vorgestellt, denn vor Ort trifft sie auf eine Leiche, die ihre Kennnummer trägt.

Schon bald stellt sich heraus, dass sie nach jedem Tod von neuem auf Atropos abstürzt und sich erneut den Gefahren des Planeten stellen muss. Was es damit und mit den mysteriösen Flashbacks in ihrem alten Familienhaus auf sich hat, muss Selene nun also herausfinden. Dass es dabei nicht allzu zimperlich vorgeht, versteht sich fast schon von selbst. Vor allem die einheimischen Aliens machen ihr nämlich das Leben recht schwer…

 

 

Bullethell – aber in 3D

Vom Grundmechanismus her handelt es sich bei „Returnal“ um einen Thirdperson-Shooter mit Roguelike-Elementen. Dabei verändert sich die Levelstruktur bei jedem neuen Run und legt Räume und Feinde anders an. Das gilt auch für die Items, die immer an anderen Stellen liegen und sich natürlich auch in ihrer Wirkung immer wieder unterscheiden.

Zunächst ist Selene mit einer Sprung- und einer Dash-Funktion ausgerüstet, außerdem hat sie eine normale Handfeuerwaffe, um sich gegen die ersten Aliens zur Wehr setzen zu können. Die Waffe verfügt dabei über unendlich Munition, muss aber nach einer bestimmten Anzahl an Schüssen wieder abkühlen. Diese Abklingzeit kann durch einen gut getimten Druck auf den Schuss-Button verkürzt werden, so dass die Waffe schnell wieder einsatzfähig ist. Drückt ihr L2 voll durch, aktiviert ihr den Alt-Feuer-Modus, mit dem ihr einen vernichtenden Spezialangriff startet, der sich aber nach Gebrauch erst wieder aufladen muss. Nach einiger Zeit bekommt ihr außerdem eine Klinge, mit der ihr nicht nur in den Nahkampf gehen könnt, sondern auch bestimmte Energiebarrieren zerstört.

Die Feinde sind dabei natürlich die größte Gefahr auf Atropos und machen euch das Leben mit Tentakeln, unzähligen Projektilen und Geschossen oder direkten physischen Angriffen schwer. Neben fliegenden Aliens gibt es auch noch seltsame Wesen, die sich durch den Boden bewegen und plötzlich vor euch auftauchen oder riesige, feurige Bestien, die euch Maschinengewehr-mäßig  beschießen. Am Ende eines jeden Bioms, also Levels, wartet außerdem ein dicker Bossgegner auf euch.

Aber was ist denn jetzt daran besonders?

So weit, so bekannt. Doch Housemarque wäre nicht so ein gutes Studio, wenn sie „Returnal“ nicht einige besondere Kniffe verpasst hätten. Und hier kommen die Parasiten ins Spiel, mit denen sich Selene ausrüsten kann. Diese bewirken zwar häufig einen negativen Effekt(zum Beispiel erhöhten Fallschaden), haben aber durchaus auch positiv Auswirkungen auf Fähigkeiten und spendieren euch mehr Energie oder Feuerpower. Hier muss man immer den Kosten-Nutzen-Faktor abwägen.

Anders sieht es mit den Fehlfunktionen des Anzugs aus, die ihr hin und wieder abbekommt. Diese bringen euch eigentlich nur negative Effekte, die man durch das Erledigen vorgegebener Aufgaben wieder beheben kann. „Returnal“ ist also voller sammelbarer Gegenstände, so zum Beispiel auch Äther, das euch nach eurem Tod übrig bleibt und als Währung an diversen Stationen dient. Neben weiteren Rohstoffen, die eure Werte und die eurer Waffen verbessern können, ist besonders das Obolit unverzichtbar für euren spielerischen Erfolg. Die gelb leuchtende Währung wird von erledigten Feinden hinterlassen – verschwindet aber auch sehr schnell wieder – oder kann in Obolitsäulen beziehungsweise manchen Statuen gefunden werden(achtet auf die gelben Augen!). Mit Obolit kauft ihr an den dazugehörigen Stationen nämlich Artefakte, die euch das Leben einfacher machen können. Es lohnt sich zum Beispiel immer in eine Astronauten-Figur zu investieren, diese dient nämlich als Extraleben.

Dadurch dass ihr eine Waffe regelmäßig benutzt, wird diese immer besser und schaltet Extra-Funktion wie zielsuchende Raketen frei. In den Level kann man aber auch höherwertige Schusswaffen finden, die euch mit einigen Bonus-Effekten die Kämpfe etwas leichter machen. 

 

 

Next Gen-Power

„Returnal“ ist der erste große Exklusivtitel für die PlayStation5 seit deren Launch und zeigt somit eindrucksvoll einige der Features der Next Gen-Hardware. So läuft das Spiel in 4K-Auflösung bei relativ konstanten 60fps und bietet Raytracing-Effekte, die natürlich prädestiniert für ein optisches Spektakel wie „Returnal“ sind. Egal ob die leuchtenden Tentakel der Feinde oder wabernde Nebel, das sieht schon sehr gut aus.

Die richtigen Highlights sind aber im Bereich der Akustik und der Haptik zu finden. Denn „Returnal“ klingt grandios! Das beginnt bei den krachenden Waffengeräuschen, geht über die atmosphärische Hintergrundmusik bis hin zu den Soundeffekten von Items, Mechanismen & Co. Ein wahres Fest für die Ohren und vor allem für Nutzer von Headsets mit 3D-Sound eine Empfehlung. Aber auch die Features des DualSense werden hier sinnvoll eingebaut, so spürt man zum Beispiel den Untergrund oder Regen durch die Vibrationen des Controllers. Auch das Mikro wird regelmäßig genutzt und unterstreicht den Sound des Spiels nochmals. Gewöhnungsbedürftig ist die Einbindung der adaptiven Trigger und somit die Benutzung des Alt-Feuer-Modus’. So zielt ihr durch das halbe Eindrücken von L2, den Spezialangriff nutzt ihr durch das volle Durchdrücken. Das geht im Eifer des Gefechts doch gern mal unter, kann zur Not aber auch auf einen anderen Button gelegt werden.

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
4

FAZIT: Bockschwer, fordernd, spaßig

Auch wenn „Returnal“ in seinen Grundelementen viel von Housemarques Arcade-Genen versprüht, hebt es sich durch die vielen Roguelike-Inhalte deutlich davon ab. Vor allem in Sachen Schwierigkeitsgrad machen die Finnen hier einen gehörigen Sprung in Richtung From Software, denn „Returnal“ verzeiht nicht. Und das ist auch das größte Problem des Spiels, denn während man sich in Spielen wie „Dark Souls“ durch Leveln und dem Studieren der Feinde verbessern kann, verhindert das bei Selenes Ballerorgie das Zufallskonzept eines Roguelikes. Ein Run mit minderwertigen Waffen und Items? Durchaus möglich und dann quasi verschenkte Zeit. Dadurch macht sich auch ein anderer, schon anderweitig kritisierter Punkt, bemerkbar. Denn bei „Returnal“ kann man nicht abspeichern. Zwar werden die Wege zu den jeweiligen Bossen und Leveln kürzer, da ihr verschiedene Schnellreisepunkte freischaltet, aber eigentlich solltet ihr immer mindestens eine Stunde für einen Run einplanen.

Dennoch macht das Spiel schon Spaß. Das Ballern ist wuchtig, die Feinde sehr kreativ und die Atmosphäre auf Atropos erinnert einen immer wieder an das geniale „Alien“-Universum. Hinzu kommt die sehr saubere Technik und die tolle Einbindung einiger PlayStation5-Features. Dank SSD seid ihr übrigens innerhalb weniger Sekunden mittendrin im Spiel, Ladezeiten gibt es keine. 

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Benutzer-Bewertung
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Über Christian Suessmeier 1497 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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