Pokémon Purpur [Nintendo Switch – Review]

Taschenmonster im Überfluss

„Pokémon“-Spiele waren bis vor einigen Jahren noch etwas Besonderes und tauchten höchstens alle paar Jahre mal auf dem jeweiligen System wie dem Game Boy, dem DS oder dem 3DS auf. Doch seitdem die Reihe auf der Switch angekommen ist, wird man beinahe erschlagen von der Vielfalt an „Pokémon“-Spielen. So werden Jahre ohne Haupt-Teil mit Remakes wie „Strahlender Diamant/Leuchtende Perle“ gefüllt oder man bringt kleinere Titel wie „Pokémon Unite“ oder „Pokémon Quest“ auf die Hybrid-Konsole. Eine ganz besondere Neuerung stellt hier das Jahr 2022 dar, denn in den letzten zwölf Monaten gab es doch glatt zwei große „Pokémon“-Spiele für die Switch. Während „Pokémon Legenden: Arceus“ einen komplett neuen Weg einschlug und auf die Vorgeschichte der Taschenmonster einging, erhaltet ihr mit dem neuen „Purpur/Karmesin“-Ableger wieder klassische „Pokémon“-Kost.

Wir haben uns „Pokémon Purpur“ mal genauer angeschaut und verraten euch in unserem Review, warum man wieder mal etwas kritischer beim Spielen sein sollte.

Ab in die Schule!

In „Pokémon Purpur“ schlüpft ihr in die Rolle eines selbsterstellten Charakters, der kurz vor seinem ersten Schultag an der Trauben-Akademie steht. Neben allerlei nützlichen Unterrichtsfächern wie Mathematik oder Biologie lernt ihr dort auch alles wissenswerte über die Pokémon. Doch natürlich werdet ihr nur ein Vorzeigeschüler, wenn ihr hinaus in die Welt der Paldea-Region geht und euer Können dort beweist.

Unter dem „Schatzsuche“-Motto müsst ihr euch so erst einmal für einen von drei Wegen entscheiden. Strebt ihr das klassische Dasein als Pokémon-Trainer an, solltet ihr euch für den Weg des Champs entscheiden. Wollt ihr euch dagegen den Rüpeln von Team Star entgegenstellen, wählt ihr die Straße der Sterne. Zu guter Letzt habt ihr aber auch die Möglichkeit, den Pfad der Legenden zu gehen und euch dort mit allerlei – der Name verrät es schon – legendären Pokémon auseinanderzusetzen. Generell habt ihr aber zu jedem Zeitpunkt die Qual der Missionswahl und könnt zwischen Arena-Kämpfen auch legendäre Pokémon jagen oder das Team Star bekämpfen.

Begleitet werdet ihr dabei immer wieder mal von der Schulsprecherin Nemila und natürlich eurem – aus bis zu sechs Pokémon bestehenden – Team. 

 

 

Klassisch!

Nachdem ihr die ersten Schritte in Paldea gemacht habt, müsst ihr euch wie gewohnt für eines von drei Starter-Pokémon entscheiden. Die „Purpur“-Version des Spiels stellt euch hier Felori, Krokel oder Kwaks an die Seite. Schon früh lernt ihr außerdem wie ihr euer Team dank gezielter Würfe mit dem Pokéball erweitern könnt.

Generell empfängt euch das Spiel mit einer sehr offenen Welt, in der es höchstens durch sehr hochstufige Pokémon Grenzen gibt. In der Verfolger-Ansicht steuert ihr also nun eure Figur durch unterschiedliche Vegetationen und lasst eure Pokémon in Kämpfen antreten, damit diese stärker werden. So kennt man es auch aus den alten Teilen.

Auseinandersetzungen startet ihr entweder durch die Berührung eines Taschenmonsters oder ihr werft einen Pokéball auf dieses. In diesem Moment zeigt euch das Spiel dann sowohl das Level als auch – sofern schon bekannt – den Namen des Pokémon an.

Die Kämpfe an sich sind erneut rundenbasiert und entsprechen dem altbekannten Schere, Stein, Papier-Format. Dank unterschiedlicher Attacken und Angriffen, die das Verhalten eures Gegenübers beeinträchtigen könnten, entsteht hier eine schöne Dynamik.

Immerhin doch eine Neuerung!

Ganz neu hinzugekommen ist hier die sogenannte Tera-Form eures Pokémon. Nutzt ihr diese Verwandlungsform ist euer Begleiter natürlich wesentlich stärker und sieht dank Kristall-Optik leider aus wie ein Kronleuchter. Diese Verwandlung ist in der Regel aber nur einmal pro Kampf einsetzbar und sollte daher gut überlegt werden. Der dazugehörige Tera-Kristall kann unter anderem an den Pokémon-Center aufgeladen werden.

Andere Elemente der Kämpfe beinhalten spezielle TM-Fertigkeiten, mit denen ihr die Pokémon ausrüsten könnt oder Items, die euer Tierchen dauerhaft trägt und zum Beispiel vor bestimmten Status-Beeinflussungen schützen kann.

In Sachen Gameplay bietet das Spiel ebenfalls bekannte Mechanismen. Um zum Beispiel gegen den jeweiligen Arenaleiter antreten zu können, müsst ihr vorher eine Prüfung bestehen. So sollt ihr mal eine riesige Olive über einen Hindernisparcours manövrieren, mal eine Meeresfrucht auf dem Markt ersteigern. Auch der Einstieg um gegen die Team Star-Mitglieder zu kämpfen, bietet Abwechslung vom gewohnten Rundenkampf. So müsst ihr den jeweiligen Basen-Leiter erst einmal herauslocken und schickt dafür eure Pokémon in flotte Echtzeitkämpfe. Mit einem einfachen Druck auf den R-Button sendet ihr diese nämlich aus und so kämpfen sie ohne euer Zutun gegen andere Taschenmonster. 

 

 

Drei Worte: Grau-en-haft!

„Pokémon Purpur“ setzt den Trend fort und ist – wie so viele Switch-Spiele in diesem Jahr – eine technische Frechheit und Sauerei. Bedenkt man, dass Entwickler Game Freak schon zu Anfang 2022 genug Kritik für „Pokémon Legenden: Arceus“ einstecken musste, scheint man dort den Ignore-Modus eingestellt zu haben. Denn hier gibt es quasi die selben Baustellen und Schwächen. Die Weitsicht geht im Groben in Ordnung, viele Details ploppen aber erst spät ins Bild. Schlimmer sind hier nur die beweglichen Objekte, die nicht direkt vor der Nase des Protagonisten sind. Denn diese werden in Sachen Framerate so heruntergedreht, dass sie scheinbar nur noch zwei oder drei Animationsphasen haben und im Hintergrund munter vor sich hin zucken. 

Generell läuft aber das komplette Spiel mit nicht einmal 30fps, obendrein darf man sich auch noch über Treppcheneffekte an den Kanten erfreuen. Das alles sorgt für solch ein wunderschönes Gesamtbild, dass man sich glatt dreißig Jahre zurückversetzt fühlt. Einige PlayStation-Spiele sahen in den 90er Jahren schon besser aus.

Mal wieder verzichtet man außerdem auf eine Vertonung der Figuren und Charaktere. So bleiben diese immer noch stumm, die nervtötende Dudelmusik im Hintergrund wird dadurch nochmal verstärkt.

  • Story/ Inhalt
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
3.3

FAZIT: Könnte ein nettes Spiel sein, wenn…

„Pokémon Purpur“ ist im Kern ein gelungenes RPG light. Es macht wieder mal viel Spaß auf Pokémon-Jagd zu gehen, diese zu sammeln und gegeneinander antreten zu lassen. Auch die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten mit den drei unterschiedlichen Wegen, sorgen für Unterhaltung und Abwechslung.

Das Alles würde also richtig viel Spaß machen, wenn es da nur nicht diese zwei Kritikpunkte gäbe. Zum einen – und das fand ich schon bei „Schwert/Schild“ anstrengend – sind mir persönlich die Pokémon in ihren Designs mittlerweile viel zu skurril geworden. Was man da bei den Streifzügen in Paldea teilweise trifft, ist gräßlich und wirkt fast so als hätte man die Dinger per Zufallseditor zusammengeschustert. Das macht auch die neue Tera-Funktion nicht besser! Will ich mit einem Pokémon oder einem Swarowski-Kristall kämpfen?!? Man muss sich schon wirklich wundern…Der gestalterische Abschuss ist hier aber das Pokémon-Motorrad namens Miraidon, das euch nicht mal wesentlich schneller beim Durchqueren der Spielwelt macht und einfach nicht cool aussieht.

Die Katastrophe ist und bleibt aber der technische Zustand von „Pokémon Purpur“. Dass die Switch mittlerweile recht veraltet ist, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Warum passe ich dann das Spiel aber nicht auf die Hardware an und veröffentliche einen Titel, der nicht mit Ruckeln, grober Grafik und Bugs zu kämpfen hat. Bei Kämpfen fährt die Kamera oft ein Stück zu weit runter, so dass man unter den Boden schauen kann. Bei Abgründen verliert sich die Figur erst einmal in einer seltsamen Animationsschleife und man kann kaum bewusst hinunterspringen. Wirklich ein Trauerspiel!

Nachdem das Spiel nun schon eine Weile auf dem Markt ist, scheinen diese Unzulänglichkeiten aber nicht viele zu stören. Nur so lassen sich die millionenfach verkauften Exemplare erklären…

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Benutzer-Bewertung
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Über Christian Suessmeier 3144 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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