Olympische Spiele Tokyo 2020 – Das offizielle Videospiel [PlayStation4 – Review]

Olympische Spiele 2020…ne, 2021

Eigentlich sollten die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo ein Fest werden. Denn nach den Spielen von 1964, die für Japan einen besonderen Stellenwert hatten – schließlich wollte man sich nach dem Zweiten Weltkrieg von seiner positiven und vor allem modernen Seite zeigen – waren auch die Absichten hinter der Austragung dieses Events nur gute. Doch knapp ein Jahr und eine Verschiebung später, hat sich bei den Japaner*innen sowas wie Olympia-Müdigkeit eingestellt. Viele haben keine Lust auf die Spiele und sehen vor allem die hohen Kosten, die dem japanischen Staat dafür entstanden sind, als negativ an. Aber auch Corona, das auch in Japan immer noch nicht vom Tisch ist, nimmt vielen das Interesse an dem Sport-Event. Hinzu kommen Korruptionsvorwürfe, ein fragwürdiger Austragungstermin zur heißesten Zeit des Jahres und so weiter und so fort…

Doch kommen wir zurück zu den Videospielen. Bereits im November 2019 brachte Sega einen Ableger seiner „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen“-Reihe für Tokyo 2020 heraus, auch ein offizielles Spiel war in Japan zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht. Dessen Release im Westen wurde dann erst einmal auf Eis gelegt und so erscheint „Olympische Spiele Tokyo 2020 – Das offizielle Videospiel“ nun gut zwei Jahre nach Veröffentlichung in Japan auch endlich bei uns. 

Go for Gold!

Zu Beginn von „Olympische Spiele Tokyo 2020 – Das offizielle Videospiel“ entscheidet ihr euch für ein Alter Ego und legt dessen Geschlecht, Aussehen und Grundattribute fest. Und hier wird auch schon klar gemacht, dass das Spiel keine bierernste Simulation sein will. Denn spätestens beim Make-up mit Kabukimaske oder Katzengesicht wird der Fun-Charakter des Spiels deutlich. Unterstrichen wird das später nochmal im Outfit-Menü, in dem man seine Charaktere in die beklopptesten Kostüme stecken kann, generell ist schon das Charakterdesign aber eher comic-hafter Natur. 

Aber wichtig sind erst einmal die verschiedenen Olympia-Disziplinen in denen ihr euch austoben könnt. Hiervon gibt es 18 – beziehungsweise 20 wenn man Tischtennis- und Tennisdoppel mitrechnet – Wettbewerbe, die von Athletik über Trendsport bis hin zu Ballsport gehen. Natürlich darf der 100m-Lauf ebenso wenig fehlen wie 100m Freistil oder das Hammerwerfen. Spezieller wird es dann aber schon beim BMX-Wettbewerb oder dem Sportklettern.

Auch die große Auswahl an Ballsportarten wie Fußball, Beachvolleyball, Tennis und Rugby haben wirklich überrascht und sind – wie auch alle anderen Wettbewerbe – in mehrere Runden unterteilt. So müsst ihr euch meist über Viertel- und Halbfinale hinweg für das Finale und somit den Kampf um die Medaillen qualifizieren.

Neben dem olympischen Wettbewerb könnt ihr euch auch online mit anderen Spieler*innen messen oder ihr trainiert im Übungsmenü die einzeln Disziplinen bis ihr sie im Schlaf könnt. Wer Lust hat, kann sich auch sein eigenes Turnier erstellen und dies sogar auf der heimischen Couch mit einem zweiten Spieler genießen. Für jedes Match gibt es außerdem Ingame-Währung, die ihr dann im Outfitshop ausgeben könnt oder mit der ihr neue Attribute für euren Charakter erwerbt. 

 

 

Steuerungsvielfalt

Das offizielle Videospiel zu Tokyo 2020 will den Einstieg für die Spieler*innen leicht machen und somit lassen sich viele Disziplinen häufig mit einer übersichtlichen Steuerung spielen. Wie gewohnt muss man zum Beispiel beim 100m-Lauf möglichst schnell auf die X-Taste hämmern, um der Konkurrenz zu enteilen. Wollt ihr aber im Finale oder auf einem höheren Schwierigkeitsgrad erfolgreich sein, solltet ihr euch die erweiterte Steuerung genauer anschauen. Bleibt man beim Beispiel 100m-Lauf kann man sich nämlich mit gedrückter L2-Taste einen Vorteil beim Start verschaffen, außerdem könnt ihr eure Figur durch einen Tastendruck nach vorne lehnen lassen was bei einem spannenden Schlussspurt Richtung Ziellinie über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. 

Dies kann man eigentlich auf alle anderen Disziplinen umlegen. Im Grunde und häufig nur mit wenigen Tasten recht einfach steuerbar, aber sobald das Spiel etwas mehr Anspruch hat, müsst ihr auch die erweiterte Bedienung beherrschen. 

Die Steuerung ist recht vielfältig und nutzt eigentlich alle Buttons des PlayStation-Controllers. Mal müsst ihr die Analogsticks gleichmäßig drehen(Hammerwerfen), ein andermal mit gut getimten Druck auf eine Taste den perfekten Moment abpassen. In vielen Sportarten habt ihr außerdem noch eine Spezialleiste, die sich nach und nach auffüllt und mit deren Hilfe man dann einen Spezialangriff auslösen kann. Gerade bei Sportarten wie Volleyball oder Fußball kommt hier dann ein bißchen „Mila Superstar“- oder „Captain Tsubasa“-Feeling auf.

Leicht angestaubt

Das „Olympische Spiele Tokyo 2020 – Das offizielle Videospiel“ mittlerweile eigentlich schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, sieht man dem Titel leider auch an. Zwar ist der gesamte Grafikstil recht rund und stimmig, das Spiel leidet aber unter immenser Detailarmut. Leider sieht es teilweise eher nach Handyspiel aus und nicht wie ein Konsolen-Titel. Auch die Präsentation bemüht sich zwar um ein paar Tokyo 2020-spezifische Details und zu Beginn der Disziplinen gibt es einen kleinen Überblick über den Austragungsort, das alles war in „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokyo 2020“ aber wesentlich liebe- und stimmungsvoller umgesetzt.

Bei den verschiedenen Wettbewerben gibt es einen Kommentator, der aber recht einsilbig unterwegs ist und nur sehr verhalten mal Punktestände oder Endergebnisse durchgibt. Auch die Musik hält sich sehr im Hintergrund, ebenso das Publikum. Zumindest beim Fußball stimmt dies auch mal Fangesänge an, das alles klingt aber recht blechern und aufgesetzt.

Ein Pluspunkt für den einfachen Einstieg ist die leichte Steuerung der Disziplinen, allerdings wird diese recht verwirrend sobald man sich mit den erweiterten Eingabemöglichkeiten vertraut macht. Mal liegt der Spezialangriff auf R1 und L1, dann wieder mal nur auf L1 oder einer Kombination aus Knöpfen. Alles recht wirr und undurchdacht.

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
3

FAZIT: Für’s Treppchen reicht es nicht

Schon die ersten Import-Tests vor knapp zwei Jahren ließen die Erwartungen an „Olympische Spiele Tokyo 2020“ sinken. Eigentlich hat Sega mit den „Mario und Sonic“-Spielen und ihrer Arcade-Verbundenheit doch die perfekten Voraussetzungen ein solches Spiel auf Hochglanz poliert zu veröffentlichen. Doch am Ende ist das offizielle Videospiel zu Tokyo 2020 eher was für die Olympia-Ultras, die wirklich alles zum größten Sportevent des Jahres besitzen müssen. 

Lobenswert ist die Vielfalt an Disziplinen, hier findet sich sicherlich für jeden etwas. Während die Athletik-Wettbewerbe noch ganz klassisch an alte „Track & Field“-Zeiten erinnern, sind Fußball, Baseball oder Tennis nur rudimentäre Abbilder des Sports und konzentrieren sich auf die Grundlagen. Das macht mal echt Spaß – zum Beispiel beim Boxen, Hammerwerfen oder eben Fußball – mal machen einem blöde Designentscheidungen einen Strich durch die Rechnung. Aktiviert ein Gegner beim Tennis oder Tischtennis zum Beispiel seinen Spezialschlag schaltet die Kamera in eine spezielle Ansicht um, die es euch fast unmöglich macht den Schlag zu kontern. Die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Disziplinen sind einfach leider zu groß, auch die technische Seite reißt nicht vom Hocker. Und warum man sich so extrem auf die Kostüme und Co. konzentriert, kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Da wäre es spannender gewesen, wenn man die Attribute seiner Figur individuell verbessern könnte statt nur mit vorgefertigten Paketen zu arbeiten.

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Über Christian Suessmeier 1665 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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