NieR Replicant ver. 1.22474487139… [PlayStation4 – Review]

Späte Ehre

Yoko Taros JRPG „Nier“ gilt heute als Klassiker, war bei seinem Release im Jahr 2010 für PlayStation3 und Xbox 360 aber eher ein Nischentitel. Das mag zum einen an vielen Genre-fremden Gameplay-Inhalten gelegen haben, zum anderen aber auch an der seltsamen Entscheidung von Publisher Square Enix, den Hauptprotagonisten für den Westen einfach mal auszutauschen.

In der Neuauflage „NieR Replicant ver. 1.22474487139…“ kommen nun alle Spielerinnen und Spieler in den Genuss des eigentlich jugendlichen Protagonisten, zusätzlich dazu kann das Spiel sicherlich vom großen Erfolg von „NieR: Automata“ profitieren, das im Jahr 2017 für Begeisterungsstürme sorgte.

Wir haben uns die PlayStation4-Version von „NieR Replicant“ mal genauer angeschaut und verraten euch in unserem Test, ob das JRPG auch noch elf Jahre nach seiner Erstveröffentlichung überzeugen kann.

Simple Story

Die Geschichte von „NieR Replicant“ spielt weit in der Zukunft, nämlich im Jahr 3465. Von der einstigen, hochtechnologischen Welt ist kaum noch etwas übrig und die Menschen leben wieder in eine Art Mittelalter. Ihr schlüpft dabei in die Rolle eines namenlosen Helden, der mit seiner Schwester Yonah in einem kleinen Bergdorf wohnt. Doch Yonah leidet unter der Runenpest, an der sie langsam aber sicher sterben wird. 

Auf der Suche nach einem Heilmittel findet unser Held das Buch Grimoire Weiss, das nicht nur fliegen, sondern auch sprechen kann und euch von den versiegelten Versen erzählt, die Yonahs Krankheit heilen könnten. In Begleitung des Buchs, das fortan an eurer Seite kämpft, macht ihr euch also auf den Weg durch die verschiedenen Ländereien um die Verse zu finden.

 

 

Rollenspiel mit Action-Einschlag

Wer damals „NieR: Automata“ gespielt hat, findet sich auch in „NieR Replicant“ schnell zurecht. So erwehrt ihr euch euren Feinden nicht nur durch Nahkampfattacken mit Schwert, Speer oder Zweihänder in einem Kombo-basierten Kampfsystem, dank Grimoire Weiss könnt ihr euren Gegnern außerdem magische Attacken entgegenwerfen. Von diesen lernt ihr nach und nach Neue hinzu, was vor allem bei den dicken Brocken von Endbossen recht nützlich ist. Egal ob Dauerfeuer, eine riesige Faust oder ein Doppelgänger von euch, dieser Einsatz von Magie kostet euch etwas von der Magie-Leiste die sich aber glücklicherweise immer wieder auffüllt.

Während ihr am Anfang noch alleine unterwegs seid, kommen später bis zu zwei Begleiter – das Buch mal nicht mitgerechnet – hinzu und unterstützen euch im Kampf.

Im Verlauf des Spiels findet ihr außerdem stärkere Waffen und könnt diese beim lokalen Waffenschmied verbessern. Neben dem Aufleveln eures Charakters und somit höheren Werten für Lebens- und Magieleiste, findet ihr außerdem Worte, die euch zusätzliche Status-Boni geben. So könnt ihr mehr Erfahrungspunkte aus den Kämpfen gewinnen, verbessert eure Angriffskraft oder stärkt eure Verteidigung. 

Sammeln und Helfen

Neben der eigentlichen Geschichte rund um das Geschwisterpaar, bietet euch die Spielwelt recht viele Nebengeschichten. Egal ob in der Wüstenstadt Fassade, in einer alten Fabrik oder in einem Märchenwald, überall warten NPCs auf eure Hilfe. Diese Missionen beschränken sich aber doch recht häufig auf „Bringe Gegenstand A nach B“ oder „Erledige Monster XY“. Auch die dadurch erlangten Items sind meist regulär in den Shops zu bekommen und motivieren jetzt nicht unbedingt zum Erledigen der Quests. Was natürlich in einem JRPG im Jahr 2021 nicht fehlen darf, ist die Möglichkeit Fische zu fangen und zu Farmen, was den ein oder anderen sicherlich für einige Zeit beschäftigen kann.

Wie in einem Rollenspiel üblich kann man einfach sehr viele Items und andere Sachen finden. Neben einfacher Medizin können das Teile für das Verbessern von Waffen sein oder die schon angesprochenen Worte. Hin und wieder hinterlassen Feinde auch ganze Text-Tutorials, wie man bestimmte Gegner besiegen kann oder die Tipps für andere Gameplay-Inhalte geben. Durch die vielen sammelbaren Items findet man sich häufiger im Menü wieder und vergleicht zum Beispiel die erlangten Worte auf ihre Wirksamkeit. Mit Hilfe einer Komfortfunktion kann man diese Worte aber auch automatisch aussuchen lassen und sich somit optimal ausrüsten.

Nach einigen Stunden schalten sich für das viele Hin- und Herreisen immerhin zwei Hilfen frei. Zum einen wartet ein Wildschwein am Beginn eines jeden Gebiets, auf dem ihr dann schneller durch die Gegend reiten könnt. Zum anderen gibt es ein Schiff, welches euch zu den einzelnen Orten bringen kann.

 

 

Das Alter sieht man dann doch…

Auch wenn es sich bei „NieR Replicant“ um eine Neuauflage handelt, sieht man dem Spiel sein Alter deutlich an. So wirkt die Spielwelt außerhalb der Städte recht karg und ist in den typischen Farben der PS3- und Xbox 360-Ära gehalten, oft also mit einem recht deutlichen Grau- und Braunton versehen. Da wirken selbst grüne Wiesen eher blass…

Die Hauptfiguren hingegen können sich sehen lassen und gefallen mit ihren Details und den Animationen, bei den NPCs kochte man allerdings auf Sparflamme. Oft hat man diesen nicht mal Lippenbewegungen beim Sprechen spendiert. Aber egal ob wuchtige Magie-Aktion oder eine Kombo aus Schwerthieben, in Action sieht das Spiel schon echt cool aus. 

Wie schon bei „NieR: Automata“ sticht bei der audio-visuellen Präsentation aber vor allem die Musik heraus, die euch mal wieder mit zauberhaften Melodien verwöhnt. Egal ob in Kämpfen oder in eher ruhigen Momenten, das ist ganz großes musikalisches Kino und ein Paradebeispiel für einen tollen Videospiel-Sound.

Wir haben die PS4-Version von „NieR Replicant“ auf einer PlayStation5 gespielt und konnten keine eklatanten technischen Probleme feststellen. Lediglich die Ladezeiten hätten seltener und kürzer sein können, vor allem beim Wechsel von Gebäuden ins Freie ist sowas nicht mehr zeitgemäß.

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
4.1

FAZIT: Ein Klassiker für moderne Konsolen

Mit dem Release von „NieR Replicant“ hat man nun keine Ausrede mehr, Yoko Taros Werk nicht gespielt zu haben. Auch wenn es in einigen Gameplay-Elementen schlecht gealtert ist und die Spielzeit sicherlich durch die vielen und langen Laufwege künstlich in die Länge gezogen wird, ist es in erzählerischer Hinsicht einfach der Knaller. Neben mehreren Enden beziehungsweise anderen Sichtweisen auf die Geschehnisse nach dem erstmaligen Durchspielen, ist hier einiges für’s Geld geboten.

Ein großer Pluspunkt ist schlichtweg die Inszenierung und die spielerische Vielfalt in „NieR Replicant“. Neben klassischen Missionen aus der Thirdperson-Ansicht, geht es auch mal in eine Villa mit festen Kameraperspektiven(an was das wohl erinnern soll?), selbst ein Text-Adventure-Part ist enthalten. Dazu kommen die packenden Kämpfe, die eine tolle Mischung aus Nah- und Fernkampf bieten und euch mit Genre-fremden Dingen wie Bullethell-Action auf Trapp halten. 

Auch wenn die grafische Seite nicht ganz den aktuellen Standards entspricht, überwiegt hier einfach der Ideenreichtum und die spielerische  Abwechslung, die „NieR Replicant ver. 1.22474487139…“ zu einem einzigartigen Erlebnis machen. 

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Über Christian Suessmeier 1185 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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