BioShock: The Collection [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 28.06.2020 um 11:04

 

Vom kühlen Nass bis hoch über die Wolken

 

Als im Jahr 2007 „BioShock“ erschien, hat wohl keiner damit gerechnet, dass der gruselige Shooter zu einem Kult-Klassiker werden wird. Doch neben dem ungewöhnlichen Setting tief im Meer und dem wunderschönen Art Déco-Stil, zog einen die Geschichte rund um die mysteriösen Big Daddies und Little Sisters in ihren Bann.
Nach zwei weiteren Spielen und einem krassen Wechsel des Settings in Teil 3 wurde es jedoch leider ruhig um die Serie. Zwar gibt es eine offizielle Ankündigung eines vierten Teils, dieser scheint jedoch noch in weiter Ferne zu liegen.
Bis dahin können sich Besitzer einer Nintendo Switch nun jedoch über die Veröffentlichung von „BioShock: The Collection“ freuen, welches nicht nur die drei Hauptspiele, sondern auch alle DLCs beinhaltet. Wie die Kollektion auf der Hybrid-Konsole gelungen ist, verraten wir euch in unserem Test.

 

BioShock - So begann alles

 

Nachdem euer Flugzeug abgestürzt ist, findet sich euer Protagonist Jack an einem mysteriösen Leuchtturm wieder, dessen Aufzug euch tief unter die Wasseroberfläche in die geheimnisvolle Stadt Rapture führt.

Diese ist gezeichnet vom Verfall und schnell werdet ihr Zeuge von seltsamen Geschehnissen. Als euch einer der Überlebenden per Funk bittet, seine Familie zu retten, seid ihr mittendrin im Schlamassel. Denn in Rapture wurden seltsame Experimente durchgeführt, die die Bewohner verrückt werden ließen. Und was hat es mit den mysteriösen Big Daddies auf sich?

„BioShock“ ist eine klassische Mischung aus Shooter und Survival-Horror. Neben allerlei Schusswaffen, deren Munition aber meist recht knapp ist und oft gesucht werden muss, besitzt ihr ab einem gewissen Punkt im Spiel aber auch übernatürliche Kräfte. Diese reichen von Telekinese(ihr könnt so zum Beispiel Objekte bewegen) über einen Stromstoss bis hin zu einem Feuerball und werden nicht nur in Kämpfen, sondern auch für Rätsel eingesetzt.

Die weitläufigen Level sind meist miteinander verbunden, verlangen aber auch einiges an Backtracking von euch. An Automaten könnt ihr euch mit neuer Munition, Medikits oder Plasmiden bzw. Tonika versorgen, indem ihr euer ersammeltes Geld investiert. Stichwort Automaten: diese und einige Sicherheitsobjekte wie Drohnen könnt ihr anhand eines kleinen Minispiels hacken. Seid ihr erfolgreich, sind Gegenstände günstiger oder die manipulierte Drohne unterstützt euch im Kampf.
Eure Kräfte könnt ihr nach und nach verbessern und erweitern, hierfür sind die Kämpfe gegen die Big Daddies essentiell. Denn habt ihr einmal so einen Riesen erledigt, könnt ihr seine Little Sister entweder retten oder ausbeuten. Letzteres bringt euch zwar weniger ADAM-Punkte, dafür erhaltet ihr hin und wieder hilfreiche Geschenke.

 


 

BioShock 2 - Rollenwechsel

 

Die Fortsetzung von „BioShock“ ist acht Jahre nach den Geschehnissen des Erstlings angesiedelt und beginnt mit einem Paukenschlag. Denn diesmal schlüpft ihr in die Rolle eines Big Daddies namens Delta. Dieser fungierte damals als Prototyp für die Beschützer, macht sich jetzt aber auf die Suche nach seiner ehemaligen Little Sister Eleanor. Diese geriet nämlich in die Fänge von Sofia Lamb, die Rapture mit einer Hand des Schreckens leitet und Eleanors Leben bedroht.

Geschuldet dem Rollenwechsel von einem Menschen zu einem Big Daddy ist das Spieltempo von „BioShock 2“ etwas langsamer als beim Erstling. Auch Unterwasserabschnitte gibt es schon recht früh im Spiel. Aber auch hier habt ihr wieder Zugriff auf Schusswaffen oder den Einsatz von Plasmiden. Zusätzlich verfügt Delta noch über einen Bohrer, der sich prima als Waffe einsetzen lässt.

Im Gegensatz zu Teil 1 wurde an einigen Mechaniken geschraubt, so wurde das Minispiel zum Hacken von Kameras oder Drohnen abgeändert. Generell könnt ihr nun dank einer Hack-Pistole entsprechende Pfeile auf Steuerungseinheiten schießen, so dass auch das Hacken von weiter entfernten Geräten möglich ist. Waren im ersten Teil noch die Bid Daddies euer größtes Problem, sind es nun die flinken Big Sisters.

 

BioShock Infinite - Über den Wolken

 

Während die beiden ersten Teile jeweils tief unter dem Meeresspiegel gespielt haben, versetzt euch Teil 3 hoch über die Wolken. In der Rolle des Privatdetektivs Booker DeWitt habt ihr eigentlich nur den Auftrag, eine gewisse Eilzabeth zu befreien und somit alte Schulden zu begleichen. Doch dass euch diese Mission in die Wolkenstadt Columbia führt, hättet ihr nicht gedacht. Dort befindet ihr euch schnell mittendrin in den Auseinandersetzungen zwischen den Gründern und der Widerstandsgruppe Vox Populi und auch Elizabeth hat ein Geheimnis mit dem man nicht unbedingt gerechnet hätte.

Auch bei Teil 3 der „BioShock“-Reihe ging man komplett neue Wege und änderte nicht nur das Setting auf eine extreme Weise. Zum einen entfällt der Survival Horror-Aspekt der Vorgänger nun komplett, und auch der Spielstil ist wesentlich schneller und mehrdimensionaler als bei den anderen beiden Teilen. Recht früh im Spiel bekommt ihr nämlich einen Greifhaken, der nicht nur als Nahkampfwaffe dient, sondern mit dem ihr euch auch über größere Abgründe bewegen könnt. Außerdem könnt ihr damit die Sky-Lines nutzen, die euch schnell von A nach B bringen, an denen ihr euch aber hin und wieder auch mit Gegnern auseinandersetzen müsst.
Neben normalen Schusswaffen kann sich Booker auch mit einigen Kräften zur Wehr setzen, so zum Beispiel Besitz von Gegnern erlangen oder einen Schwarm Krähen auf sie loslassen. Wie üblich könnt ihr euch an Automaten mit Munition oder Medikits versorgen oder ihr lootet einfach eure Umgebung, die auch immer wieder zahlreiche Items für euch bereithält.

 


 

Betagt und dann doch wieder schön

 

Generell kann man zur technischen Umsetzung von „BioShock: The Collection“ nicht viel Negatives sagen. Die Spiele laufen alle flüssig, sowohl im mobilen Modus wie auch am heimischen TV. Die Steuerung ist mit dem Pro Controller insgesamt etwas runder, wie bei fast allen Egoshootern auf der Switch muss man mit den fummeligen Joy Con-Sticks erst einmal warm werden beziehungsweise deren Ansprechverhalten nachjustieren.

Grafisch sind alle drei Spiele sehr gelungen, wobei „BioShock“ in manchen Momenten sehr pixelig ist. Das fiel bei den anderen beiden Spielen nicht so stark auf. Vor allem der Erstling hat auch mit seinem altbackenen HUD zu kämpfen, teilweise sieht das sehr antik aus. Was hingegen dadurch sehr positiv ausfällt, ist die verwendete Schriftgröße. Wie oft musste man diese in den vergangenen Monaten gerade auf der Switch aufgrund der mikroskopischen Größe kritisieren, hier passt aber alles wunderbar.

Ein echtes Highlight bei allen drei Titeln ist die akustische Untermalung des Geschehens. Neben vollsynchronisierten Gesprächen sind es vor allem die vielen eingespielten Songs, die die Atmosphäre perfekt machen.
Nicht ganz so gelungen ist der enorme Speicherbedarf der Spiele. Leider hat es 2K auch hier wieder versäumt ein Modul zu verwenden, welches genug Platz für alle Spiele plus DLCs hat. Wer alle drei Titel gleichzeitig auf seiner Konsole haben will, sollte vor dem Kauf über eine neue Speicherkarte nachdenken.

 

FAZIT: Drei Klassiker in einem! Was will man mehr?

 

„BioShock: The Collection“ ist ein fast perfektes Spielepaket. Sollte man die drei Spiele früher verpasst haben, kann man hier bedenkenlos zugreifen und so noch einmal in den Genuss der „BioShock“-Saga kommen.

Auch wenn kleinere Mängel wie die nicht ganz perfekte Steuerung über die JoyCons oder einige recht veraltet wirkende Grafiken und Menüdesigns etwas den Gesamteindruck schmälern, hat 2K hier ganze Arbeit geleistet. Das Worldbuilding ist in allen drei Teilen so exzellent, dass einen die Atmosphäre komplett vereinnahmt.

Hinzu kommen Themen, vor allem im dritten Teil, die aktueller nicht sein könnten. Denn da geht es vor allem um Rassismus und religiösen Fanatismus, den man auch heute leider noch in all seinen Facetten erleben muss.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis von „BioShock: The Collection“ ist einmalig und so seid ihr unzählige Stunden mit den Haupttiteln und deren DLCs beschäftigt. Einziges Manko ist wirklich die Handhabung 2Ks mit den Modulgrößen. So werden physische Fassungen einfach obsolet, denn was bringt einem eine Cartridge auf der sich nur ein Bruchteil der Spiele befindet? Ärgerlich, vor allem als Sammler oder als User mit langsamer Internetleitung.