The Last of Us: Part II [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 13.06.2020 um 18:01

 

Meisterhaft

 

Ohne Zweifel…die „Crash Bandicoot“-Spiele waren zu ihrer Zeit wirklich gut, aber „Jak and Daxter“zeigten zum ersten Mal richtig eindrucksvoll, was Naughty Dog alles aus der PlayStation2 zaubern kann.

Deshalb tat Sony auch gut daran, dass man sich im Jahr 2001 die Dienste des Studios exklusiv sicherte, indem man es aufkaufte. Nach einigen weiteren „Jak“-Abenteuern widmete sich Naughty Dog dann aber den Geschichten rund um Nathan Drake und „Uncharted“ und legte damit den Grundstein für den Status, den sie mittlerweile inne haben.

Neben einer filmreifen Inszenierung können die Damen und Herren dort nämlich auch richtig tolle Geschichten erzählen, was man im Jahr 2013 mit „The Last of Us“ eindrucksvoll bewies. Auch wenn das Spiel in Sachen Gameplay sicherlich keinen Innovationspreis gewinnen kann, riss die Story bis zur letzten Minute mit und begeisterte mit einzigartigen Momenten.
Nach vielen Jahren Ungewissheit und Wartezeit erscheint nun „The Last of Us: Part II“, welches im Vorfeld des Releases mit einigen Ärgernissen zu kämpfen hatte. Zum einen gab es da die Geschichten über schlechte Arbeitsbedingungen beim Entwicklerstudio, dann fluteten auch noch zahlreiche Spoiler und Leaks zur Story das Netz. Was letztlich aus Naughty Dogs neuestem Spiel geworden ist, verraten wir euch nun in unserem Test.

 

Endzeitliche Rache

 

In Sachen Story möchten wir spoilerfrei bleiben und den Leserinnen und Leser möglichst viele Überraschungen bieten. Deshalb solltet ihr euch nicht über die folgende, recht knappe Zusammenfassung des Inhalts wundern.

Vier Jahre nach den Geschehnissen aus Teil 1 leben Joel und Ellie zusammen mit anderen bekannten Gesichtern wie Tommy oder Maria in dem kleinen Städtchen Jackson. Dieses hat sich gut gegen die Bedrohung durch die Infizierten abgesichert und verfügt über fast alle Annehmlichkeiten wie eine normale Stadt.
Doch um die Sicherheit weiterhin zu gewährleisten, werden täglich Patrouillen durch die Berge und Wälder geschickt. Diese nehmen nicht nur hilfesuchende Zivilisten auf, sondern erfassen auch die Zahlen an Infizierten. Zusammen mit ihrer Freundin Dina macht sich Ellie eines Tages auf eine dieser Touren, deren Ausgang sie wohl so nicht erwartet hätte. Denn die Ereignisse überschlagen sich und plötzlich wird Ellie mit einem grausigen Erlebnis konfrontiert. Dies führt letztlich dazu, dass sie sich Richtung Seattle aufmacht und einer mysteriösen Gruppierung gegenüberstellt…

 


 

Schleichen oder Konfrontation?

 

In den Grundzügen des Gameplays ist „The Last of Us: Part II“ dem Erstling sehr ähnlich. In der Thirdperson-Perspektive sucht ihr euch euren Weg durch das endzeitliche Seattle und werdet hin und wieder mit Feinden konfrontiert.

Neben den feindlich gesinnten Menschen, die euch mit allerlei Waffengewalt an den Kragen wollen, sind es aber vor allem wieder die Infizierten, die euch einen kalten Schauer über den Rücken jagen werden. Deren Arten sind vielfältig, von den blinden Clickern, die euch nur über Geräusche wahrnehmen bis hin zu den gefährlichen Bloatern, die euch sofort töten wenn sie euch einmal erwischt haben. Ganz hinterhältig sind die Stalker, die sich so leise bewegen, dass Ellie sie mit Lauschen nicht wahrnehmen kann und sich dann plötzlich aus irgendeinem Eck eines Zimmers auf euch stürzen.

Nochmal kurz zurück zu den menschlichen Feinden: hier hat sich eine Neuerung eingeschlichen, denn diese erhalten diesmal Unterstützung von Hunden, die eure Fährte aufnehmen können. So müsst ihr immer wieder eure Deckung ändern und euch ein neues Versteck suchen. 

Hierfür sind Ellies Fähigkeiten auch vielfacher geworden. Denn während ihr euch geduckt durch hohes Gras oder Büsche schleicht oder mit einem Sprung durch ein offenes Fenster oder über eine niedrige Wand hüpft, könnt ihr euch in niedrigerem Gras auch kriechend fortbewegen. Generell hat Naughty Dog etwas an der Beweglichkeit eurer Spielfigur gearbeitet und somit das Gameplay etwas flüssiger und vielfältiger gestaltet. Dies wird auch in den hin und wieder eingestreuten Rätseln verwendet und erweitert das Spiel sehr sinnvoll.

 

Allerlei Gimmicks

 

Um sich gegen die Feinde wehren zu können, kann Ellie auf allerlei Waffen und Items zurückgreifen. Während sie für den Nahkampf immer etwas wie einen Hammer, ein Messer oder eine Machete bereithält, gibt es natürlich auch zahlreiche Waffen für den Fernkampf. Eine Pistole und ein Gewehr hat sie von Anfang an, nach und nach lassen sich auch ein Bogen oder eine Schrotflinte finden.

Doch Achtung: Munition ist knapp, daher sollte man immer erst einmal die Schleichmethode wählen, um die Gegner von hinten zu überraschen und so zu überlisten. An Werkbänken könnt ihr eure Waffen in Kategorien wie Magazingröße oder Feuerkraft verstärken, außerdem findet ihr Hefte und Bücher, die euch die Herstellung weiterer Gegenstände zeigen. Neben Molotovcocktails oder Tretminen, kann Ellie bald auch Schalldämpfer oder Sprengpfeile herstellen.

Wie weiter oben schon erwähnt, hat eure Protagonistin auch wieder die Fähigkeit, Gegner zu erlauschen. Beim Druck auf R1 verfärbt sich der Bildschirm schwarz-weiß und ihr seht die Silhouetten der Feinde(je nach deren Entfernung).

In der Spielwelt selbst sind neben Munition und Rohstoffen für das Crafting der Zusatz-Waffen auch einige Sammelgegenstände versteckt. So sucht sich Ellie leidenschaftlich die Sammelkarten einer Comicserie zusammen, aber auch sehr viele Briefe sind in den Ruinen zu finden. Diese helfen ungemein beim Worldbuilding, geben aber auch Hinweise auf vermeintliche Gefahren oder verraten euch Safecodes. Obwohl „The Last of Us: Part II“ auch Nebenmissionen hat, sind diese wesentlich eleganter ins Spiel eingebaut. Es gibt keinen direkten Questgeber, meist gibt es Hinweise durch einen Brief, den man zum Beispiel bei einer Leiche findet und der euch den Besuch eines bestimmten Gebäudes empfiehlt.

 


 

Generations-Referenz

 

Naughty Dog beherrscht die Technik der PlayStation4 vermutlich wie kein anderes Studio. Nur so lässt es sich erklären, was man hier noch aus der betagten Hardware herauskitzelt. Wahnsinn! Zum einen sind da die Figuren, die mit ihrer realistischen Mimik und Gestik überzeugen und die wundervoll detailreich gestaltet sind. Ellie trägt viele der ausgerüsteten Waffen direkt am Körper, außerdem werden ihre Kleider schmutzig oder nass. Fast schon etwas zu realistisch wird die Mimik und die Detailversessenheit beim Töten von Feinden. Egal ob es der angsterfüllte Blick eines Menschen ist, der gerade ein Messer in den Hals gerammt bekommt oder das Flehen eines am Boden liegenden Gegners…“The Last of Us: Part II“ ist definitiv ein hartes Spiel! Extremer wird dies noch durch einen ganz besonderen Kniff, denn die Feinde rufen sich oft beim Namen oder schreien um ihr Leben, wenn sie durch ein Molotovcocktail in Brand gesetzt wurden. Sie haben also definitiv eine Persönlichkeit.

Die Spielwelt an sich ist ebenfalls sehr detailreich und lädt mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen zum Verweilen ein. Wer ein Faible für Ruinen und Endzeitszenarien hat, wird sich hier kaum satt sehen können. Auch wenn sich in einigen Räumen und Häusern viele Gegenstände schnell wiederholen, stimmt hier einfach das Gesamtbild. Nett sind auch viele kleine Anspielungen an Sony und Naughty Dog, aber auch ein anderes Spiel eines kleineren Entwicklers bekommt eine Hommage.

Die deutsche Vertonung ist sehr gelungen, meisterhaft ebenso die Musik. Diese unterstützt das Gameplay immer mit den richtigen Klängen, treibt euch einmal im Kampf an oder treibt euch den Puls bis zum Anschlag, wenn ihr euch nur im Schein der Taschenlampe durch verlassene und dunkle Gebäude schleicht. 

 

FAZIT: Der perfekte Abschluss für diese Generation?

 

War der Erstling eigentlich schon ein unumstrittenes Meisterwerk, setzt „The Last of Us: Part II“ hier noch einen drauf. Was für ein Spiel! Während man sich in Sachen Technik bei einem Naughty Dog-Spiel eigentlich keine Sorgen machen muss und dies hier wieder einmal mit einer sagenhaften Optik und Inszenierung bestätigt wird, ist der Titel eine emotionale Achterbahnfahrt und wohl eines der intensivsten Spiele-Erlebnisse was man je erfahren durfte. 

Auch wenn Ellies Motivation eine der niedrigsten Emotionen überhaupt ist, kann man ihr Handeln und ihre grausame Art verstehen. Hinzu kommen Momente der Ruhe, der Rückbesinnung auf schönere Zeiten…und das alles ist so perfekt umgesetzt wie man es eigentlich nur aus hochwertigen Kinofilmen oder TV-Serien kennt.

Weiterhin setzt das Spiel auch noch ein Zeichen für Diversität und thematisiert Homosexualität oder Glaube im Laufe der Geschichte. Ein in diesen Zeiten wichtiger Aspekt und ein richtiger Weg!

Wäre „The Last of Us: Part II“ nun das letzte Spiel, welches für die PlayStation4 und vor dem Release der PS5 erscheint, wäre das ok. Denn Naughty Dogs neuestes Werk ist ein sagenhafter Titel, der alle Aspekte eines Videospiel-Meisterwerks vereint. Der perfekte Abschluss!