Maneater [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 31.05.2020 um 10:54

 

Der Schrecken der Meere

 

Unheimliches Getier aus dem feuchten Nass sorgte schon vor Hunderten von Jahren für Schauermärchen und literarische Werke wie „Moby Dick“. Spätestens mit „Der weiße Hai“ hielt der Tierhorror auch Einzug in den Mainstream-Film und sorgte außerdem dafür, dass der Hai fortan als blutgieriges Monster galt. Wer sich nur etwas näher mit den Tieren an sich befasst, kennt die Wahrheit und weiß, dass sie nicht ihrem Ruf gerecht werden. Aber wir sind hier ja nicht im Biologie-Unterricht…

Der Hai als Figur in Videospielen ist aber generell eher selten genutzt, meist ist er doch in der Rolle des Antagonisten unterwegs und will eurem Charakter an die Gurgel. Von einigen Versoftungen des Spielberg-Films abgesehen, war man also als Hai-Fan bisher auf dem Abstellgleis unterwegs. Doch nun erschien „Maneater“ für die aktuellen Plattformen, in dem ihr euch bis an die Spitze der Nahrungskette fressen könnt. Wie die PS4-Version des trashigen Abenteuers gelungen ist, verraten wir euch in unserem Test.

 

Rache ist ein Gericht, das am besten im kalten Nass serviert wird

 

„Maneater“ versetzt euch zunächst in die Rolle eines weiblichen Bullenhais, der eines schönen Nachmittags auf Menschenjagd geht und sich an einem schönen Strand einige Bissen erlaubt. Doch wir haben dabei nicht mit dem Fischer Scaly Pete gerechnet, der uns leider erwischt und aufschlitzt.

Und da kommt ihr zum Vorschein. Denn die Bullenhai-Dame war schwanger und hatte einen Mini-Hai in ihrem Bauch. Als uns der Fischer am Arm zappeln lässt, beißen wir ihm diesen kurzerhand ab und verschwinden damit in den Weiten des Gewässers. Fortan sind wir nicht nur damit beschäftigt, uns zu einem ausgewachsenen Bullenhai zu entwickeln, auch Rache an Scaly Pete steht auf unserem Plan.

 


 

Vom Jüngling zum Mega-Raubtier

 

Bei „Maneater“ handelt es sich offiziell um ein Rollenspiel, in dem ihr euren Hai stets weiterentwickeln und zum Über-Raubtier machen müsst. Während ihr auf Stufe 1 nicht gerade eine Gefahr für andere seid, sieht das später im Spiel schon ganz anders aus. Durch das Fressen von anderen Wasserbewohnern und Menschen bekommt ihr nicht nur hilfreiche Nährstoffe, die für die kommenden Evolutionsstufen unverzichtbar sind, auch Erfahrungspunkte werden eurem Konto gutgeschrieben.

Das Spiel hält acht verschiedene Gebiete für euch parat, die von versumpften Bayous über einen schicken Vorstadthafen bis hin zum Ozean gehen und euch somit mit den unterschiedlichsten Meeresbewohnern und Aufgaben konfrontiert. Neben Hauptmissionen wie dem Beseitigen eines Jägerschiffs oder dem Besiegen eines gefährlichen Tiers, gibt es auch zahlreiche Nebenmissionen und Sammelaufgaben. Bei letzteren sucht ihr zum Beispiel Kisten mit Nährstoffen oder Schilder, deren Zerstörung immer eine kleine Geschichte bereithält.

In den einzelnen Abschnitten gibt es auch viele Geheimnisse zu entdecken, so sind einige tiefere Stellen durch Gitter versperrt oder erst nach einem Tunnellabyrinth zu erreichen. Einige dieser Areale sind oft nur erreichbar, wenn euer Hai ein bestimmtes Level erreicht hat, wodurch es auch immer wieder mal zu Backtracking kommt.

 

Werde der Stärkste!

 

Wie oben schon erwähnt, geht es aber auch darum, euren Hai zum Über-Raubtier zu machen. Durch das Erledigen von Aufgaben und dem Erreichen bestimmter Level schaltet ihr hierfür zahlreiche neue Organe und Verbesserungen eurer Körperteile frei.

Neben einem stärkeren Sonar für die Ortung eurer Feinde bekommt ihr so zum Beispiel Upgrades für euren Kiefer, so dass ihr beim Zubeißen Stromschläge verteilt oder auch Schiffe kaputt machen könnt. Weitere Verbesserungen gibt es für den Schwanz, den Körper und die Flossen. Irgendwann sieht euer Bullenhai dann aus wie ein Cyber-Ungeheuer vom Mars. Das ist schon ziemlich cool!

Habt ihr ein Upgrade freigeschaltet, kann dieses in mehreren Stufen verbessert werden, wofür ihr die gesammelten Nährstoffe verwendet. Durch unterschiedliche Zusatzfertigkeiten könnt ihr so einen Hai ganz nach eurem Geschmack erstellen.

Generell gibt es im Kampf aber nur zwei Funktionen. Zum einen könnt ihr kleinere Feinde mit einem Schwanzschlag betäuben, beim Zubeißen könnt ihr eure Gegner außerdem durch hin- und herzappeln weiteren Schaden hinzufügen. Auch Sprünge sind mit eurem Hai möglich, so dass ihr auch einmal an Land gehen könnt. Hier müsst ihr aber darauf achten, nicht zu ersticken und wieder rechtzeitig zurück ins Wasser.

 


 

Stilvoll!

 

Man sollte nicht erwarten, dass „Maneater“ die nächste Grafik-Bombe ist, allerdings präsentiert sich der Titel in einem runden und stimmigen Stil. Die leicht überzeichnete Optik mit ihren starken Farben und abwechslungsreichen Settings gefällt schon mal, dazu kommt eine tolle akustische Inszenierung. Neben dem Sprecher, der informative Fakten mit sarkastischen Kommentaren abwechselt, gefielen vor allem die Soundeffekte der anderen Raubtiere unter Wasser. Diese klingen zwar teilweise eher wie fauchende, angriffslustige Großkatzen, das unterstreicht den Trash-Faktor des Spiels aber sehr gut.

Die Steuerung des Hais geht in Ordnung, auch wenn so mancher Angriff hin und wieder zum Buttonmashing verkommt. Etwas verwirrend war hingegen die Kamera, die vor allem bei schnellen Attacken von Feinden nicht immer die volle Übersicht bietet. Hier wäre eine Lock-on-Funktion hilfreich gewesen. Bei der Konfrontation mit Jägern muss man kritisieren, dass diese mit ihren Gewehren gefühlt durch alles schießen können und man so kaum eine Chance zur Flucht hat. 

 

FAZIT: Kleiner Spaß-Happen!

 

„Maneater“ macht schon ab Minute 1 klar, in welche Richtung es geht. Der Titel nimmt sich nicht zu ernst und bewegt sich teilweise eher auf „Sharknado“-Niveau, hat dann aber auch immer wieder einige bissige Kommentare auf die Menschheit und ihre Einstellung zur Natur, im speziellen hier dem Meer natürlich, zu bieten.

Während man als junger Hai noch so seine Probleme hat und gerade im Startgebiet doch immer wieder mit deutlich überlegenen Gegnern konfrontiert wird, steigt der Spaß mit jedem Level-Aufstieg und jedem Upgrade der Fähigkeiten. Dadurch entsteht zwar viel Backtracking, da man aber komfortabel zwischen zwei Gebieten über die Schnellreise vorankommt und man aber auch schnell von A nach B geschwommen ist, wiegt das nicht so schwer wie in anderen Spielen. Etwas ärgerlich ist aber, dass man die Evolution und die Verbesserungen des Hais nur in den Grotten vornehmen kann und nicht einfach im freien Gewässer.

„Maneater“ ist ein spaßiger Titel für Zwischendurch und perfekt zum Abreagieren, hat aber auch seine Probleme. Vor allem die Kameraführung bei Kämpfen ist einfach nur chaotisch, auch fehlt manchmal das klare Feedback über einen Treffer. Und natürlich muss man mit dem extrem schwarzen Humor des Titels klarkommen. Für Zartbesaitete ist das nichts!