Trials of Mana [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 19.05.2020 um 13:53

 

Tradition seit 1991

 

Obwohl schon der Erstling der „Mana-Reihe, bei uns unter „Mystic Quest“ bekannt, viel Lob bekam, wurde die Reihe erst mit „Secret of Mana“ richtig groß und berühmt. Doch nach dem Action-Rollenspiel für das SNES wurde es relativ schnell wieder ruhig um Squares Spiel, zumindest bei uns im Westen. Was blieb, war sein guter Ruf.

In Japan wurde die „Seiken Densetsu“-Serie hingegen regelmäßig mit neuen Einträgen versehen, neben Videospielen gab es auch einen Manga und Ableger für mobile Endgeräte. Doch auch hier geschah in den vergangenen Jahren nicht mehr viel. Bis auf eine Kollektion mit den ersten drei Teilen der Reihe für die Nintendo Switch, gab es nur noch das unsägliche Remake von „Secret of Mana“, welches viel vom Zauber des Originals vermissen ließ und mit einer fürchterlichen Grafik die Fans vergraulte.

Nun folgt mit „Trials of Mana“ ein weiteres Remake, explizit handelt es sich hier um den dritten Teil, der damals für das SNES erschien. Aufgrund des späten Releasedatums - 1995 war die PlayStation schon veröffentlicht - fand der Titel aber nie seinen Weg zu uns in den Westen.

Wie sich das vorliegende Remake schlägt und ob es besser als die „Secret of Mana“-Neuauflage geworden ist, verraten wir euch nun in unserem Test.

 

Die Suche nach dem Weltenbaum

 

Schon gleich nach dem Titelbildschirm lässt euch „Trials of Mana“ erst einmal eure Party zusammenstellen. Denn auch wenn es bis zur finalen Zusammenkunft der drei Figuren locker zwei Stunden braucht, hängt die erzählte Grundgeschichte stark von eurer Wahl ab.

Wir entscheiden uns für den Schwertkämpfer Durand als Hauptfigur, weiterhin wählen wir die Amazone Resi und den faustschwingenden Bestienmann Kevin. Die Hintergrundgeschichten der beiden letzt genannten erfahren wir jeweils beim ersten Aufeinandertreffen mit diesen, in die Story von Durand steigen wir prompt in der ersten Minute des Spiels ein.

Als der böse Purpurzauberer Durands Heimatdorf angreift, muss unser tapferer Held feststellen, dass er keinerlei Chance gegen den Bösewicht hat. Also fasst er die Entscheidung, sein Dorf zu verlassen, um stärker zu werden und sich dem Zauberer entgegenstellen zu können. Doch der Wechsel seiner Klasse ist nicht so einfach wie er denkt und als er plötzlich auch noch von einer Fee gebeten wird, den Mana-Baum und somit die Welt zu retten, kann er natürlich nicht ablehnen. Zusammen mit seinen beiden anderen Begleitern beginnt eine abenteuerliche Reise...

 

 

Klassische Kost

 

„Trials of Mana“ bietet dem Spieler ganz klassische Action-Rollenspiel-Kost aus der Thirdperson-Ansicht. Während ihr einen Button zum Sprung und einen für eine Ausweichrolle habt, könnt ihr mit Kreis- und Dreiecktaste verschieden schwere Angriffe auf eure Gegner loslassen. Außerdem könnt ihr besonders mächtige Attacken oder Gruppenangriffe mit einer Kombination aus L1 und einem Aktionsknopf starten.

Euer Move-Repertoire ist dabei natürlich von der Wahl eurer Party-Mitglieder abhängig, neben regulären Kämpfern gibt es natürlich auch magisch begabte Charaktere und Figuren, die eher auf Distanzangriffe spezialisiert sind. Insgesamt stehen euch sechs unterschiedliche Kämpferinnen und Kämpfer zur Verfügung, aus denen ihr wie oben schon erwähnt drei auswählen müsst.

Eure Gegner seht ihr in „Trials of Mana“ zu jeder Zeit und könnt Auseinandersetzungen somit auch aus dem Weg gehen. Während ihr eine Figur in diesen aktiv steuert, werden die anderen beiden von der CPU übernommen. Im Menü könnt ihr eine Taktik für die Kollegen vorgeben und ihnen auch erlauben, wie viele Items wie zum Beispiel Heiltränke sie von sich aus nutzen dürfen. Per Druck auf L2 kann man aber auch durch die einzelnen Figuren schalten und diese je nach Belieben steuern.

Nach einem erfolgreichen Kampf gibt es Erfahrungspunkte, für jeden Levelaufstieg einen Punkt. Mit diesen Punkten erweitert ihr die Fähigkeiten eurer Party und macht sie nicht nur stärker, sondern könnt auch neue Attacken oder Perks erwerben.

 

Eine Masse an Items

 

Während eure Figuren per Levelaufstieg immer stärker werden, könnt ihr deren Werte auch dank neuer Ausrüstungsteile, Accessoires und Waffen verbessern. Diese könnt ihr in den Städten in den jeweiligen Läden erwerben und bei Bedarf umgehend ausrüsten.

In der Spielwelt an sich findet ihr immer wieder Schatzkisten oder Items, durch die ihr euer Inventar um hilfreiche Gegenstände erweitern könnt. Außerdem findet ihr Samen, die ihr in der Herberge in die entsprechenden Töpfe einpflanzen könnt und aus denen dann weitere Items wachsen.

Ganz wie im Original bietet euch „Trials of Mana“ aber abseits der Kampagne kaum Nebenbeschäftigungen. Zwar kann man zahlreiche Figuren in den Dörfern ansprechen, aber außer ein paar Plattitüden haben diese nix für euch parat. Neu ist die Jagd nach dem Kaktusfratz, der euch mit einem Stempel belohnt, wenn ihr ihn gefunden habt. Als Belohnung winken dann in 5-Stufen-Schritten Rabatte in den Shops, das Aufdecken aller Schatzkisten in der Umgebung oder gelegentliche XP-Boosts.

Ach ja...den Koop-Modus aus dem Original hat man im Remake leider nicht berücksichtigt. Dabei hätte es sich hier perfekt angeboten.

 

 

Die volle Retro-Klatsche!

 

Grafisch ist „Trials of Mana“ wesentlich runder und gelungener als das missglückte Remake seines Vorgängers. Die Figuren sind schön modelliert und animiert, außerdem mit vielen Details versehen. Auch die NPCs sind gut gestaltet, einige Gegner wirken fast so niedlich und fantasievoll wie aus der „Dragon Quest“-Reihe. Insgesamt ist die Optik aber ziemlich knallbunt geworden, was sicherlich nicht jedem gefallen könnte.

Das Spielgeschehen an sich läuft sehr rund, von Rucklern war auf der PlayStation4 weit und breit nichts zu sehen. Hin und wieder kämpfte die Engine aber mit dem Nachladen der Texturen, was vor allem in den offeneren Gebieten etwas störte.

Musikalisch könnt ihr in „Trials of Mana“ aus dem klassischen oder dem modernen Soundtrack wählen. Letzterer bietet einige Ohrwürmer, aber mindestens genau so viele nervtötende Stücke. Vor allem weil diese oft nur in einem sehr kurzen Loop immer und wieder die gleiche Melodie bieten, heißt es entweder Ton abschalten oder Musik ändern.

In Sachen Synchro gibt es eine englische und eine japanische Synchro, die sich beide hören lassen können. Etwas verwirrend sind aber die unterschiedlichen Namensgebungen zwischen Synchro und deutschen Texten. Resi heißt zum Beispiel Riesz. Dafür überzeugt die deutsche Übersetzung generell mit schönen Wortspielereien und viel Humor.

 

FAZIT: Spaßiges, aber etwas eintöniges Action-RPG ohne viel Tiefgang

 

Bei „Trials of Mana“ handelt es sich bei weitem um kein schlechtes Spiel. Das flotte Action-Rollenspiel bietet schnörkellose Kämpfe und ein nettes Fortschritt-System, außerdem eine klassische Geschichte um den Kampf Gut gegen Böse.

Leider spielt sich das Ganze aber nicht sonderlich abwechslungsreich und kämpft mit einigen Pacing-Problemen. Bis die Truppe komplett ist, vergehen locker zwei Stunden, außerdem ist gerade das erste Kapitel von viel Backtracking geplagt. Da kommt man also gerade in der Stadt an, muss man schon wieder den Weg zurück und einen Dungeon erkunden. So geht es vor allem in Kapitel 1 hin und her, später wird das Reisen durch eine Landkarte etwas vereinfacht.

Wie schon erwähnt, läuft „Trials of Mana“ technisch relativ sauber, in Sachen UI wissen vor allem die klaren Menüs zu gefallen. Geschmacksache sind vor allem einige der Musikstücke und einige Anime-Klischeefiguren wie die schrille Charlotte. 

Sicherlich zieht die Neuauflage des dritten „Mana“-Teils den Kürzeren, wenn man es mit dem im selben Monat erschienenen „Final Fantasy VII Remake“ vergleicht, aber die beiden Spiele haben definitiv eine unterschiedliche Philosophie. Wer nach einem actionreichen und nicht gerade ausufernden Rollenspiel sucht, wird hiermit sicherlich glücklich.