Final Fantasy VII Remake [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 30.04.2020 um 16:32

 

 

Von der Tech-Demo zum ernstgemeinten Remake

 

„Final Fantasy VII“ ist ein echter Meilenstein gewesen. Und das nicht nur in Sachen Inhalt - satte drei Discs benötigte der Titel - auch technisch setzte Square damals neue Maßstäbe. Denn erstmals in der Serien-Geschichte wurde das Geschehen mit der Hilfe von Polygonen und modernen Renderhintergründen dargestellt. Dass man damals außerdem Nintendo den Rücken kehrte und das JRPG für die Konkurrenzkonsole PlayStation veröffentlichte, war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Reihe.

Als man im Jahr 2005 schließlich eine Tech-Demo zur Enthüllung der PlayStation3 zeigte, die Material des Spiels in einer modernen Form präsentierte, wurden auch die Rufe nach einer Neuauflage von Seiten der Fans immer lauter. Doch erst zur E3 2015 sollte es die offizielle Ankündigung zum Remake von „Final Fantasy VII“ geben.

Was folgte, waren aber Jahre der Ungewissheit. Eine Zeit lang war es so ruhig um das Spiel, dass man schon Angst um dessen Veröffentlichung haben musste. Doch im vergangenen Jahr zog Square Enix das Tempo an und hatte eine Info nach der anderen für die wartenden Fans parat. Und nun ist es also endlich erschienen, „Final Fantasy VII Remake“. Ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat, verraten wir euch in unserem Test.

 

Avalanche for Future!


Das Stadtbild von Midgar wird vom Stromriesen Shinra bestimmt. Denn während dessen Angestellten ein beschauliches Leben im ruhigen Vorstadtidyll leben und riesige Reaktoren im Hintergrund die Energie aus dem Planeten saugen, lebt ein Großteil der Bevölkerung am Grund der Stadt in heruntergekommenen Slums.

Dort hat sich auch die Rebellentruppe Avalanche formiert, die vom heißblütigen Barret angeführt wird und die sich nun auf einen Terroranschlag auf einen der Reaktoren vorbereiten. Unterstützung dafür haben sie sich bei dem Ex-Soldat-Mitglied Cloud Strife geholt, der sie auf ihrer aktuellen Mission unterstützen soll, sich aber letztlich nur für die Bezahlung interessiert und weniger für die Hintergründe der Truppe.

Nachdem ihnen der Anschlag geglückt ist, überschlagen sich jedoch die Ereignisse und Cloud kommt nicht so recht los von der Truppe. Dafür sorgt nicht nur seine Jugendfreundin Tifa, sondern auch das langsame Umdenken seinerseits.

 

 

Actionreich statt Rundenkampf


Eine der größten Änderungen in „Final Fantasy VII Remake“ erwartet euch gleich zu Beginn des Spiels. Denn Kämpfe finden diesmal nicht als rundenbasierte Events statt, sondern spielen sich in Echtzeit ab. 

Hierfür gibt es einen Knopf für einen Standardangriff, der bei längerem Drücken einen besonders harten Schlag auslöst. Im Falle von Cloud kann man durch den Druck auf die Dreiecks-Taste außerdem von einem schnellen in einen langsameren, aber kräftigeren Angriffsmodus wechseln. Während ihr eure Feinde attackiert, lädt sich der ATB-Balken auf, der in zwei Segmente unterteilt ist. Habt ihr mindestens eines der beiden aufgefüllt, könnt ihr durch den Druck auf den X-Button einen Magie-Angriff, eine Fertigkeit oder das Benutzen eines Items für die nächste Aktion eurer Figur auswählen. Wer ohne Herumgestöber in Menüs kämpfen will, kann außerdem die Shortcut-Funktion einiger Fertigkeiten nutzen und diese mit einer Kombination aus Schulter- und Aktionstaste ausführen.

Sobald ihr mehrere Charaktere in eurer Party habt, könnt ihr außerdem mit einem Druck auf die Richtungstaste nach oben oder unten durch die Figuren schalten und somit auch in die Rolle von Barret, Tifa oder Aerith schlüpfen. Das fühlt sich zu Beginn zwar alles recht hektisch an, man gewöhnt sich mit der Zeit aber daran.

 

Von Schläuchen und Semi-Open World


In Sachen Level- und Weltenstruktur präsentiert sich „Final Fantasy VII Remake“ sehr linear. Zwar gibt es immer wieder Kapitel, in denen es euch in größere Gebiete wie den Wallmarkt oder die verschiedenen Slums verschlägt, dafür sind viele Ausflüge in Shinras Anlagen sehr klar und nehmen fast schon Schlauchlevel-Ausmaße an. Hin und wieder werdet ihr sogar von euren Party-Mitgliedern davon abgehalten in eine andere Richtung als vorgesehen zu laufen.

Neben der Hauptgeschichte gibt es in diesen offeneren Abschnitten auch einige Nebenmissionen zu erledigen, diese folgen aber meist einem recht simplen Prinzip. Mal müsst ihr entflohene Katzen suchen, mal einen Friedhof von Bestien säubern. Weiterhin trefft ihr auf verschiedene Händler bei denen ihr euch mit neuen Waffen, Ausrüstungsteilen oder Hilfsitems eindeckt. In sogenannten VR-Missionen tretet ihr außerdem den Esper entgegen, die euch nach einem erfolgreichen Kampf künftig zur Seite stehen. 

Auch an einige Minispiele hat man bei Square Enix gedacht. Unter anderem sorgen so ein kurzweiliges Kisten-zerstören-Spiel oder ein Kniebeugenwettkampf für Abwechslung. 

 

 

Das A und O der Ausrüstung


Wie in jedem anderen Rollenspiel, bietet euch auch „Final Fantasy VII Remake“ ein umfangreiches System für eure Charakterentwicklung. Neben den üblichen Erfahrungspunkten, die für Stufenaufstiege sorgen, könnt ihr mit Hilfe der Waffenpunkte eure Fertigkeiten weiter verbessern. Dies reicht von der Erhöhung der Trefferpunkte über stärkere Angriffswerte bis hin zu einem schnelleren Aufladen des ATB-Balken bei niedriger Gesundheit. Wer sich nicht so ausführlich damit beschäftigen will, kann dies auch der CPU überlassen und stellt die WP-Verteilung auf den automatischen Modus um.

Interessant wird es auch nochmal bei der Zuordnung der Materia-Fertigkeiten. Die dazu notwendigen Orbs findet ihr teilweise in der Spielwelt, könnt sie aber auch gezielt kaufen. Jede Waffe hat dabei eine bestimmte Zahl an Materia-Slots, die euch dann den Einsatz spezieller Fertigkeiten oder Zauber erlaubt. 

Neben den ausgerüsteten Waffen solltet ihr auch ein Auge auf die erhältlichen Rüstungsteile und Gegenstände haben. So stattet ihr eure Party-Mitgliedern mit stärkenden Schutzwesten aus oder legt ihnen Ohrringe an, die für einen verbesserten Magie-Einsatz sorgen. Leider wird dies nicht optisch an den Figuren dargestellt, sondern äußert sich nur in veränderten Status-Werten. 

 

Generationen-Highlight


Kommen wir nun zur technischen Umsetzung des Rollenspiels. „Final Fantasy VII Remake“ ist in seinen schönsten Momenten sicherlich eines der bestaussehenden Spiele dieser Generation. Das beginnt bei den wunderschönen und detaillierten Charaktermodellen - wer sich nicht in Aerith oder Tifa verliebt, ist ein Klotz - geht über das tolle Industriedesign der Spielwelt und endet bei den klassischen, sehr übersichtlichen Menüs.

Die Level wirken zu einem großen Teil sehr organisch und lebendig, die Slums oder der Wallmarkt sind sehr belebt und erzeugen eine großartige Atmosphäre. Dennoch gibt es hin und wieder die schon genannten Schlauch-Abschnitte, die gegenüber dem Rest optisch etwas abfallen. Hier kommen häufig sehr eintönige Texturen zum Einsatz, die oftmals auch einiges an Auflösung vermissen lassen.

Weiterhin hat das Spiel extreme Probleme mit dem Laden von Texturen, so dass einige Objekte erst sehr spät wirklich deutlich werden. Aber auch hier schleusen sich immer wieder grobe Texturen ein, die an selige PS2-Zeiten erinnern. Schaut euch zum Beispiel mal Spiegel an...brrrrr.

Wie schon erwähnt, die Steuerung in den Kämpfen mit mehreren Party-Mitgliedern ist zu Beginn etwas wirr, wird aber mit der Zeit besser. Ein größeres Problem - und das trotz Lockon-Funktion - stellt die Kamera dar, die es nicht schafft, einen vernünftigen Überblick über das Kampfgeschehen zu bieten. Dafür passiert da viel zu viel gleichzeitig.

 

FAZIT: Ein tolles Remake mit kleinen Einbußen

 

Mit „Final Fantasy VII Remake“ hat Square Enix eigentlich alles richtig gemacht. Sicherlich, es gibt streitbare Änderungen in der Story und manche Parts des Spiels wirken wirklich arg in die Länge gezogen. Und ja, auch Auswirkungen durch die Unterteilung in mehrere Episoden werden vermutlich erst wirklich deutlich, wenn dann mal der ganze Opus erschienen ist. 

Aber die Neuauflage des Rollenspiel-Hits hat einfach Herz. Egal ob Dramatik, Spannung, Romantik oder Humor...hier wird für jeden was geboten. Durch die Aufteilung in mehrere Teile hat man hier nämlich auch Zeit für Figuren, die im Original damals kaum von Interesse waren. Allen voran zum Beispiel Avalanche-Mitglied Jesse, die Cloud schöne Augen macht und über deren Familie wir in einer Mission mehr erfahren als eigentlich bisher bekannt.

Aufgrund dieser schönen Momente, die übrigens mal wieder von einem einzigartigen Soundtrack begleitet werden, kann man wohl auch besser über die technischen Mängel wie nachladende Texturen, kantige Gegenstände oder ein etwas unübersichtliches Kampfgeschehen hinwegsehen. Square Enix zeigt nach Capcoms „Resident Evil 2“ eindrucksvoll wie man einen Klassiker modernisiert ohne den Zauber des Originals zu zerstören. Das Remake enthält übrigens auch eine komplette deutsche Synchronisation, die aber eher Geschmacksache ist. Reinhören solltet ihr mal, im Test gefiel uns die japanische Synchro aber am besten.