Good Job! [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.04.2020 um 12:03

 

Videospiele als Arbeit

 

Eigentlich setzt man sich doch gerne im Feierabend vor den heimischen Fernseher und genießt eine Runde in seinem Lieblingsspiel. Mit 300km/h durch die Prärie rasen, ein griechischer Gott sein oder archäologische Abenteuer rund um den Globus erleben…das macht man doch gerne als Ausgleich zum Alltagsstress. 

Umso verwunderlicher, dass es immer wieder Spiele gibt, die den Arbeitsalltag in den Mittelpunkt stellen. Das mal auf dystopische Art und Weise wie in „Papers please“ oder mal lustig wie in „Job Simulator“.

Für die Nintendo Switch erschien im Rahmen der letzten Direct mini „Good Job!“, ein weiterer Vertreter der Arbeits-Simulatoren mit Puzzle-Faktor. Wie gelungen der kleine Titel von Paladin Studios ist, klären wir in unserem Test.

 

Fleiß zahlt sich aus!

 

Als Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmannes habt ihr die Möglichkeit, dessen Betrieb einmal zu übernehmen. Doch vorher müsst ihr beweisen, dass ihr fleißig und tüchtig seid und euch gestellte Aufgaben schnell und effizient lösen könnt.

Daher müsst ihr vor der Beförderung zum Chef 32 Level durchlaufen, die euch durch die verschiedenen Abteilungen des Familienunternehmens führen. Egal ob Marketing, Forschung oder Poststelle…es gibt überall etwas zu tun!

 


 

Physik-Puzzler mit Zerstörungswahn

 

Schon im Erdgeschoss und dem Empfang des Betriebs wird klar, dass es sich bei „Good Job!“ um einen der beliebten Physik-Puzzler handelt. Denn tretet ihr den Putzeimer um, ist der Boden nass und wird prompt wieder trocken gewischt. Bleibt ihr hingegen am Tisch mit den Kaffeetassen hängen, macht auch das eine riesige Sauerei.

Aus einer isometrischen Ansicht und mit stark vereinfachter Optik müsst ihr euch nun also durch die kommenden neun Stockwerke mit je drei bis vier Level arbeiten und dabei den unterschiedlichsten Aufgaben nachgehen. 

So müsst ihr zum Beispiel einen Projektor in einen Meetingraum bringen. Das Wie bleibt euch jedoch überlassen. Da das gute Stück eine gewisse Größe hat, passt er nicht durch alle Türen, der einzige breitere Durchgang ist aber verschlossen. Nun habt ihr also die Möglichkeit, die Stromzufuhr dieser Tür wieder in Gang zu bringen oder ihr baut euch eine Schleuder-ähnliche Vorrichtung mit der ihr den Projektor quer durch das Großraumbüro schleudert. Dabei gehen aber natürlich so einige Wände und Möbel kaputt. Doch letztlich geht es nur darum, eure Aufgabe zu erledigen.

 

Vielfalt!

 

Ihr seht also, „Good Job!“ bietet euch unterschiedlichste Herangehensweisen. Und genauso vielfältig sind die Aufgaben und Missionen. Einmal müsst ihr pinken Glibber aufwischen, werdet aber immer wieder davon zurückgeworfen, dass entsprechende Maschinen den Boden erneut dreckig machen. Dann seid ihr mal im Museum tätig und müsst dort Bilder an die richtigen Stellen hängen. Dass dabei natürlich allerlei zu Bruch gehen kann, ist klar. Und auch wenn man für wenig zerstörte Gegenstände eine bessere Abschlussnote bekommt, ist das der größte Spaß.

In den Level finden sich außerdem neue Kleidungsstücke für eure Figur und vergoldete Vasen oder Bilder, die den Wert der zerstörten Sachen in die Höhe treiben können.

Auch die Zeit spielt eine Rolle bei der finalen Bewertung. Einige Missionen können mit ein bißchen Hirn sehr schnell erledigt werden, häufig auch ohne großes Chaos. Aber wo bleibt denn da der Spaß?

Paladin Studios hat auch einen Koop-Modus für den Spaß zu Zweit integriert, unter der Kategorie Outfit stattet ihr eure Figur außerdem mit den gefundenen Items aus.

 


 

Minimale Grafik, maximale Wirkung

 

„Good Job!“ hat einen sehr schönen Stil, der mehr auf Minimalismus setzt. Die Figuren sind alle stilisierte, schwarze Männchen und auch die Umgebung bietet nur so viele Details wie nötig. Alles in allem ist der Look aber sehr cool und stylish. Die Soundeffekte von zerberstenden Objekten sind ordentlich gewählt und machen das Zerstören sehr befriedigend, die Musik hält sich eher im Hintergrund und ist unauffällig.

Das Highlight ist sicherlich die Physik-Engine, die manchmal zwar auch zu Übertreibungen neigt, aber zu allerlei Schabernack einlädt. Mit einem Stromkabel eine Schleuder zu bauen und dann die Einrichtung durch die Gegend zu schießen oder mit einer wild gewordenen Poliermaschine über den Boden der Abteilung zu flitzen macht unendlich viel Spaß. Auch die Spielereien mit Lichtern, Wasser oder Robotern sind kreativ eingesetzt und laden zum Experimentieren ein.

Aber auch zwei kleine Kritikpunkte gibt es. So steuert sich eure Figur hin und wieder sehr schwammig und gerade wenn viele Objekte aufeinander oder nebeneinander liegen, kann es passieren, dass man mal daneben greift. Außerdem kommt die Switch bei einem hohen Zerstörungslevel manchmal kurz an ihr Leistungslimit. Sind zu viele Objekte zu berechnen, so zum Beispiel beim explodierenden Staubsauger, ruckelt es hin und wieder leicht.

 

FAZIT: Ein guter Job!

 

Da ist er mal wieder! Einer dieser kleinen Titel, der mit seinem frischen Konzept und der schönen Inszenierung das Zeug zum echten Geheimtipp hat. „Good Job!“ macht einfach einen riesigen Spaß und wirkt wie ein Spielplatz auf dem man allerlei Unsinn machen kann.

Doch gerade die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Aufträge sind das tolle. Egal ob ihr das Chaos liebt und möglichst viel zerstören wollt oder ob ihr lieber der vorsichtige Spieler seid, der einfach nur das Level möglichst heil lassen will. Hier ist alles möglich.

Von eurer Spielweise ist es auch abhängig, wie lange ihr mit „Good Job!“ Spaß habt. Denn einige Missionen lassen sich innerhalb weniger Minuten erledigen, länger als zehn bis fünfzehn Minuten seid ihr aber nie beschäftigt. Außer ihr gebt euch der kompletten Zerstörung hin!

Wenn man von den kleinen Mängeln in der Steuerung und der Technik absehen kann, erwartet einen mit „Good Job!“ ein kleiner Frühjahrs-Hit, den es exklusiv auf der Switch gibt.