Echter Filmschatz unter dem Hammer, bietet online mit!

Verfasst von Kamurocho-Ryu am 01.04.2020 um 13:15

 

Zum 100-jährigen Geburtstag von „Das Cabinet des Dr. Caligari“ gibt’s eine besondere Auktion.

Dieser Film kann mit Fug und Recht als DIE Geburtsstunde des deutschen Kinos und der Horror-Filme im Allgemeinen, gewertet werden. Nie Zuvor hat ein Film solch einen Einfluss auf das öffentliche Leben der normalen Bürger gehabt, wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“.

Bereits Wochen vor dem Filmstart wurden Plakate aufgehängt mit kryptischen Botschaften und Zeichnungen. Dieser Film ist gleichzeitig der Einzug des Mediums in die Welt der Kunst und auch der erste Horror-Film überhaupt. Ja, von nun an galten auch Filme als Kunstwerke.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, wollten die Menschen das Neue, das Andere. Studenten und Philosophen richteten sich gegen die männerbündische Gesellschaft der Politiker mit ihren Normen und Ansichten, der verstärkten Rückgriffe auf die Ideale des Deutschen Kaiserreichs. In den Augen der Gegner dieser Politik, muss der Weltkrieg wohl als Konsequenz aus dieser Rückständigkeit gelten.

Zu dieser Zeit wurde auch der Stil des Expressionismus in Kunst und Literatur immer beliebter. Dieser Stil zelebriert den Umbruch, das Unförmige, der Umgang mit Farbe und Form wurde frei.

Für mich bedeutet dieser Stil vor allem aber das Ausdrücken der inneren Gefühle. Wo beim entgegengesetzten Naturalismus alles so echt wie möglich sein sollte, setzten die Expressionisten auf kantige Formen, zersprungene Gesichter, grelle Farben und spitze Winkel.

Diese eingangs erwähnten Gruppierungen, fanden im Expressionismus einen Stil, um die Umwälzungen, die sie sich wünschten, auszudrücken.

Zu dieser Zeit kam den Inhabern der DECLA-Filmgesellschaft auch die Idee, einen Film zu drehen, welcher sich komplett von all den anderen kurzen Sketschen und Nachrichtensendungen, welche das Kino damals dominierten, unterscheiden sollte. Er sollte, ähnlich dem Theater, eine in sich geschlossene Handlung aufzeigen und vor allem einen Erkennungswert, also einen Stil besitzen! So wurde auch hier auf den Expressionismus zurückgegriffen.

Die Drehbuchautoren Carl Mayer und Hans Janowitz schrieben eine sehr gewagte Geschichte über den Kuriositätenaussteller Caligari, welcher bei Tag einen Somnambulen Cesare (Schlafwandler für alle Nicht-Lateiner) ausstellt, der auf seinen Befehl hin kurz erwacht und den Leuten die Zukunft vorhersagt. Die Freunde Alan und Franzis lassen sich dieses Ereignis, wie viele andere Menschen, freilich nicht entgehen! Alan wird daraufhin der Tod vorhergesagt. Alan wird tatsächlich noch in dieser Nacht getötet. Franzis glaubt, Dr. Caligari und sein Somnambule stehen in direktem Zusammenhang mit den Morden. Was er, mit dem Zuschauer zusammen, aber herausfindet, überrascht uns wie eine Ohrfeige, wie der französische Filmkritiker Louis Delluc so treffend schrieb.

Man muss sich vorstellen: Zu dieser Zeit hat der Film wie ein Rausch, wie pure Aufregung gewirkt: Die gezeigten Morde, der Somnambule, der nachts durch die Strassen schleicht, die Szene, in welcher er zum ersten Mal die Augen öffnet, all das hatte eine wahnsinnig beängstigende Wirkung auf die Menschen von damals. Das Kino, einst ein Ort der Unterhaltung, wurde zu einem Ort des Schreckens und der Angst. Zumindest sagten dies die „bringt uns unseren Kaiser Wilhelm“-Anhänger. Diese dürften aber eher auf andere Details geachtet haben: Früher war es unsittlich, beispielsweise eine offene Jacke zu tragen, durch die Straßen zu schlendern und den Hut schief auf dem Kopf zu tragen…Nun, all das tut unser Held in der Geschichte und nicht nur er, die ganzen Menschen im Film haben diese bohemische Art zu Leben. Der Spaß am Leben siegt über den Ernst. Die Freizeit wird wichtiger als die Arbeit.
Caligari war also auch der erste Film der polarisiert hat, der Diskussionen aufwarf und der sich mit dem Thema Wahnsinn befasste.

Vor allem aber, war es dieser Film, der den Ruf der Deutschen als das Filmland Nummer 1 zementierte. Es ist bis heute beispiellos in der Filmgeschichte eines Landes, was in den Jahren 1920-1927 für hochkarätige, höchst unterschiedliche, Filme in so dichter Zeit entstanden. „Der Golem“, „Schloß Vogeloed“, „Nosferatu“, „Die Nibelungen“, „Dr. Mabuse“, „Der letzte Mann“, „Faust“, „Metropolis“ um nur einige zu nennen. Hollywood schaute neidisch auf uns und kopierte fleißig unsere Ideen, Themen und sogar die Spezialeffekte (später auch unsere Regisseure, aber die gingen eher freiwillig, denn der Nationalsozialismus warf seine Schatten voraus).
Apropos Nationalsozialismus: Im Nachhinein sehen viele eine Warnung vor eben diesem in dem Film. Denn wie Dr. Caligari die Menschenmassen mit großen Versprechen anlockt und seinen Willen dem jungen Cesare aufdrückt, ihn regelrecht steuert, deutet auf die vielleicht insgeheime Sehnsucht der Deutschen nach einem Führer hin, einem dem man folgen möchte, der sagt was zu tun ist.

Fakt ist jedoch, dass sich durch den Film der Begriff Caligarismus formte…

Zu eben diesem historischen Film hat Sothebys gerade 55 Original-Fotos zur Auktion.

Der Startpreis liegt bei 13.000Dollar. Die Auktion läuft noch bis zum 03.April um 17:00Uhr. Hier könnt Ihr online mitbieten:


Wenn Ihr also etwas Geld übrig habt und an einem wahren Filmhistorischen Schatz interessiert seid, bietet mit!