Disaster Report 4: Summer Memories [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 01.04.2020 um 11:53

 

Katastrophen-Tradition

 

Schon seit Zeiten der PlayStation2 gibt es die „Disaster Report“-Reihe, die es auch immer wieder einmal mit mehr oder weniger Änderungen zu uns geschafft hat. Denn im Grunde spielt der Titel mit einem uns eher fremden Thema, Erdbeben und Naturkatastrophen.

Und das war letztlich auch der Grund für die lange Zeit zwischen dem dritten und dem jetzt erschienenen vierten Teil von „Disaster Report“. Denn ursprünglich sollte der Titel im April 2011 noch für die PlayStation3 erscheinen, verschwand jedoch aufgrund der schlimmen Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan  desselben Jahres im Giftschrank. Nachdem dann die Rechte von Irem an Granzella verkauft wurden und somit an den eigentlichen Spieleschöpfer zurückgingen, nahm man die Entwicklung von „Disaster Report 4: Summer Memories“ wieder auf und veröffentlichte den Titel letztlich 2018 in Japan. Nun erscheint dieser Anfang April auch in unseren Breitengraden für die PlayStation4 und die Switch. Wir haben uns die Version für die Nintendo-Hardware genauer angesehen und verraten euch in unserem Test, ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat. 

 

Mitten im Chaos

 

Zunächst erwartet euch in „Disaster Report 4: Summer Memories“ ein Persönlichkeitstest, der euch einige Fragen stellt, wie ihr euch in einem Katastrophenfall verhalten würdet. Richtige Auswirkungen auf das eigentliche Spiel hat dieser nicht, soll aber schon einmal auf die kommenden Geschehnisse und euer dortiges Vorgehen einstimmen.

Unsere Protagonistin befindet sich auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch in der Innenstadt als ein Erdbeben die Region erschüttert. Der Bus, in dem ihr euch befindet, verunglückt darauf und nach einer kurzen Ohnmacht findet ihr euch mitten im Chaos wieder. Überall sind verwirrte Menschen anzutreffen, Autos ineinander gekracht und ganze Straßenzüge wurden durch das Beben zerstört. Ihr zieht nun von einem Bezirk in den nächsten und helft dort Opfern und Betroffenen, werdet aber auch mit einigen Gefahren konfrontiert.

 


 

Suchen und Finden

 

Bei „Disaster Report 4“ handelt es sich um ein klassisches Action-Adventure in der Thirdperson-Ansicht. Die einzelnen Levelabschnitte sind meist recht übersichtlich geraten und verlangen von euch verschiedene Aufgaben zu lösen bevor es dann weiter zum nächsten Gebiet geht. Als Beispiel sei hier der erste Abschnitt genannt. Dort müsst ihr zum Beispiel drei Schülerinnen für eine Lehrerin finden und ihr enttarnt einen schmierigen Markt-Angestellten, der aus der Katastrophe Profit schlagen will und Wasser und Nahrungsmittel für den zehnfachen Preis verkauft. Diese Aufgaben löst ihr eigentlich immer durch Herumlaufen, Suchen und Dialoge führen. Bei letzteren stehen euch unterschiedliche Optionen zur Wahl, die von Gutmensch bis Idiot reichen und die euch mit Moralpunkten versorgen. Leider ist auch dieses System einer der vielen Punkte, der aber ohne große Konsequenzen bleibt.

Auch mit anderen Passanten könnt ihr sprechen, meist beschränkt sich dies aber nur auf kurze Informationen und Gesprächshappen. Sollte ein NPC Story-relevant sein, schaltet das Spiel automatisch in eine Cutscene. Häufig müsst ihr zum Weiterkommen auch bestimmte Punkte passieren, denn gelegentlich kollabieren Gebäude oder andere Bauten, die dann einen neuen Weg freischalten.

 

Natürliche Bedürfnisse

 

Doch nicht nur um die Probleme und Bedürfnisse anderer Menschen solltet ihr euch in dem Spiel kümmern. Denn auch eure Figur hat zum Beispiel Hunger, Durst oder muss auf die Toilette. Steigen diese Werte zu sehr an, wirkt sich das auf euer Stresslevel und somit eure Lebensenergie aus. Glücklicherweise finden sich immer wieder mal Convenience Stores, in denen ihr euch mit Wasser und Essen ausstatten und in denen ihr auch die Toilette nutzen könnt.

In den Level findet ihr immer wieder auch neue Gegenstände wie eine größere Tasche oder neue Klamotten. Vor allem diese sind aber rein optischer Natur und können auch getrost ignoriert werden. Außerdem nehmen diese etwas vom Ernst der Situation, denn warum braucht meine Protagonistin ein Cowgirl-Kostüm? Gleiches gilt für die auffindbaren Kompasse, die in Sachen Design immer noch einen draufsetzen und von Surfer über Wrestlingring bis hin zu Kleeblatt reichen. 

Auch wenn ihr über eine Karte des Gebiets verfügt, gestaltet sich das Suchen nach den Aufgaben meist als recht langwierig. Oft muss man erst einen bestimmten Punkt erreichen, dass ein gewisses Ereignis ausgelöst wird, was euch dann weiterbringt. Neben den Hauptgeschichten gibt es auch einige NPCs, die euch für Nebenmissionen engagieren. So trefft ihr zum Beispiel auf einen Mann, der euch einen Schlüssel für ein Schließfach gibt. Dessen Inhalt soll zu einer bestimmten Person gebracht werden, die ihr erst später im Spiel trefft. 

 


 

Die Hölle!

 

Bisher klingt das alles nicht so schlecht, oder? Doch leider macht die Technik der Switch einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Das fängt schon mit dem Modell eurer Figur an, die seltsam kantig an einigen Stellen wie den Haaren wirkt und beim Umschalten in Zwischensequenzen seltsam grob aufgelöst wird. 

Während man recht viel Arbeit in die zerstöre Umwelt gelegt hat und diese durch die vielen Menschen recht lebendig wirkt, sieht das alles aber leider sehr nach PlayStation2 oder früher PlayStation3 aus. So sind Feuereffekte noch recht schick, zusammenstürzende Gebäude wirken eher amateurhaft. Texturen von Rissen in den Wänden oder ähnlichem wiederholen sich außerdem unentwegt und wirken daher irgendwann ermüdend. 

Die Animationen vieler NPCs sind altbacken, einige Gesichtszüge sehen gräßlich aus und passen in keinster Weise zum Dialog. Auch einige Gameplay-Elemente wirken aufgrund der veralteten Technik künstlich schwer, trauriges Highlight ist eine Sequenz in der euer Charakter gefesselt über den Boden rutschen und dabei dem Scheinwerferlicht des Bösewichts ausweichen muss. Das sieht nicht nur übel aus, sondern spielt sich auch frustrierend.

Das alles wäre noch zu verschmerzen, wenn die Framerate stabil bleiben und die Kamera nicht Übelkeit erzeugen würde. Doch die Kombination aus der Ruckelei und der widerspenstigen Perspektive wird bei Menschen mit Hang zur Motion Sickness zu keiner großen Freude führen. Grässlich!

 

FAZIT: Es könnte echt gut sein…

 

„Disaster Report 4: Summer Memories“ ist auf der Switch leider ein kompletter Reinfall. In Sachen Gameplay ist das alles nicht so verkehrt, auch die Inszenierung ist in manchen Teilen echt gelungen und man wird auf eine realistische Art und Weise mit solch einer Extremsituation konfrontiert.

Doch wie kann man einen solchen Port auf die Nintendo-Hardware bringen? Miese Auflösung, fürchterliche Bildrate und eben die Kameraführung sorgen für Kopfschmerzen und Übelkeit. Natürlich stammt die Ursprungsversion von der überlegenen PlayStation4, aber mehr als das Niveau der Vorgängerkonsole erreicht diese auch nie bei diesem Spiel. Ports wie das gelungene „Metro Redux“ oder „The Witcher III“ zeigen eindrucksvoll, was die Switch kann, wenn der Entwickler Bock drauf hat. So wirkt „Disaster Report 4: Summer Memories“ nur wie die schnelle Abzock-Methode. Wenn euch der Titel interessiert, schaut euch mal die Demo auf der PlayStation4 an. Denn wie gesagt, inhaltlich ist das Alles nicht so verkehrt. Von überflüssigen Inhalten wie den Zusatzkostümen oder den nutzlosen Kompassen mal abgesehen.