Nioh 2 [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 19.03.2020 um 11:17

 

Der allgegenwärtige Bildschirmtod

 

Mit dem Release von „Demon’s Souls“ begann der Erfolgszug des Soulsborne-Genres. Knallharten, actionlastigen Rollenspielen, die wirklich Alles vom Spieler abverlangten und vor allem viel Nerven kosten können.

Zunächst blieb jedoch nur From Software dem Genre treu, erst nach und nach trauten sich auch andere Studios an ähnliche Projekte. Wie zum Beispiel den deutschen Beiträgen „Lords of the Fallen“ und „The Surge“ oder dem, von Team Ninja entwickelten „Nioh“.

Letzteres bekommt nun ganz aktuell einen Nachfolger spendiert, der auch wieder erstmal nur exklusiv auf der PlayStation4 erscheint und der diesmal sogar noch schwerer geraten sein soll als sein Vorgänger.

In unserem Test verraten wir euch, was „Nioh 2“ anders macht und wie schwierig die Schnetzelei durch das feudale Japan wirklich geworden ist.

 

Auserwählt!

 

Irgendwann im 16.Jahrhundert in Japan, also während der Sengoku-Zeit, wird das Inselreich von dämonischen Wesen des Dunklen Reichs heimgesucht, die die Oberhand über die Menschen gewinnen wollen. Doch diese haben die Rechnung nicht mit euch gemacht, denn ihr seid halb Mensch, halb Yokai. Und genau dadurch habt ihr die Fähigkeit, diesen grauenhaften Wesen entgegenzutreten und Japan vor dem Untergang zu bewahren. 

Im Gegensatz zu Teil 1 habt ihr in „Nioh 2“ die volle Kontrolle über die Erstellung eurer Spielfigur. Egal ob Geschlecht, Hautfarbe, Figur oder Aussehen…ihr könnt in einem umfangreichen Editor genau den Charakter erschaffen, den ihr euch vorstellt. Und hier kommt auch schon die erste Besonderheit zum tragen, denn neben eurem menschlichen Aussehen legt ihr auch euer Aussehen als Yokai fest, in dessen Haut ihr hin und wieder schlüpfen müsst.

 


 

Alles beim Alten, oder?

 

Im ersten Abschnitt von „Nioh 2“ wählt ihr zunächst mal zwei aus neun Waffen, darunter ein klassisches Katana, eine Sense oder ein Langschwert. Zusätzlich dazu entscheidet ihr euch für einen Schutzgeist, der euch ein Plus auf diverse Attribute gibt, aber euch auch mit speziellen Angriffen unterstützen kann. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier schon einmal ein Tutorial absolvieren und dabei einen ersten Blick auf den Wucht-Konter werfen, der relativ wichtig im Kampf gegen die Feinde sein wird.

Danach kann es eigentlich losgehen und wie schon in Teil 1, könnt ihr die Level und Missionen anhand einer Weltkarte auswählen. Außerdem habt ihr eine Hütte als Rückzugsmöglichkeit, die ihr mit diversen Gegenständen verzieren und in der ihr an eurer Ausrüstung feilschen könnt. Von dort könnt ihr auch auf ein Dojo zugreifen, in dem ihr allerlei Gameplay-Kniffe und -Mechaniken übt und verinnerlicht.

Doch starten wir mal in die erste Mission, in der gleich das typische „Nioh“-Feeling aufkommt. In den Grundzügen gibt sich der Nachfolger recht serientreu und lasst euch aus einem schweren und einem leichten Schlag wählen, der euch natürlich unterschiedlich viel Ausdauer beim Benutzen kostet. Drückt ihr aber im richtigen Moment R1, könnt ihr dadurch verbrauchte Ausdauer viel schneller wieder auffüllen als regulär. Auch die Haltung eurer Waffe könnt ihr wieder ändern und legt so den Schwerpunkt auf eine eher schwache Defensive, aber schnelle Angriffsfolge oder auf eine sehr gute Deckung und langsamere Attacken. 

Neben zwei Standardwaffen erlangt ihr recht schnell auch noch einen Bogen, wie weiter oben schon beschrieben sind aber vor allem eure Yokai-Kräfte recht essentiell. Neben dem Wucht-Konter und diversen Yokai-Attacken könnt ihr euch nämlich auch kurzfristig in eine Dämonengestalt verwandeln und seid in dieser Zeit stärker und weniger verwundbar.

 

Muss…stärker…werden!

 

Für jeden erlegten Gegner vergibt „Nioh 2“ wieder sogenannte Amrita, die ihr an den Schreinen in der Spielwelt gegen Stufenaufstiege eintauschen könnt. Wie auch im Vorgänger bekommt ihr aber auch eine ordentliche Anzahl an Loot in Form von neuen Waffen, neuen Rüstungsteilen oder hilfreichen Gegenständen von den Gegnern hinterlassen.

Tragt ihr zu viele unnütze Sachen mit euch herum, könnt ihr diese an den Schreinen gegen Amrita eintauschen. Sammeln lohnt sich also! In der Schmiede veredelt ihr eure Hauptwaffen und könnt sie somit noch stärker machen.

Neu in „Nioh 2“ ist ein sehr umfangreicher Talentbaum, der sich nicht nur auf Magie-, Samurai- oder Ninjafähigkeiten konzentriert, sondern mit dem ihr auch euer Moverepertoire stetig erweitern könnt. Nutzt ihr zum Beispiel die Axt recht häufig und erfolgreich, bekommt ihr einen Fähigkeitenpunkt für den entsprechenden Zweig des Talentbaums. 

Stichwort „Loot“: wer sich früh coole und starke Ausrüstung sichern will, sollte die roten Gräber in den Missionen ansteuern. Hier liegen etwas stärkere Geister verstorbener Spieler, die meist lohnenswerte Items mit sich herumtragen. Hilfreich hingegen sind die blauen Gräber an denen ihr NPCs als Begleitung beschwören könnt. Dies kostet euch allerdings einen Ochoko-Becher, den ihr für das Besiegen von Feinden bekommt oder kaufen könnt.

Auch online darf wieder gekämpft werden, so dass ihr auch mit Freunden gegen die monströsen Dämonenwesen losziehen könnt. Und das mit bis zu zwei anderen Mitspielern!

 


 

Schön, aber auch ein bißchen eintönig!

 

Vielerorts hörte man schon, dass sich „Nioh 2“ wie ein achtzigstündiger DLC des ersten Teils anfühlt. Und ganz so unrecht haben diese Stimmen nicht, denn egal ob Präsentation oder Grafik…irgendwie kommt einem alles schon recht bekannt vor, wenn man den Vorgänger gespielt hat.

Die Level sind verwinkelt gestaltet und haben hin und wieder einige recht schöne Ecken zu bieten, dennoch erreicht man hier trotz freischaltbarer Abkürzungen nie die Genialität eines „Dark Souls“ und dessen Worldbuilding. Ein echtes Highlight sind aber wieder einmal die Designs der Yokai, die immer noch eine große Frische bieten und für Abwechslung im Genre sorgen. Was sich Team Ninja hier bei einigen Standard- und Endgegnern hat einfallen lassen, ist echt super.

Die Musik untermalt den fernöstlichen Aspekt des Spiels perfekt und sorgt in den Auseinandersetzungen für die entsprechende Atmosphäre. Die Synchro ist entweder auf Englisch oder Japanisch verfügbar, wobei letzteres natürlich die authentischere Wahl darstellt.

Das Spiel lässt euch übrigens wieder zwischen verschiedenen Grafik-Modi wählen, die entweder einen Fokus auf eine stabile Framerate oder eine hohe Auflösung legen. Generell lief „Nioh 2“ in unserem Test auf einer Standard-PS4 recht flüssig und sorgte so für ein gutes Kampferlebnis.

 

FAZIT: Bockschwer! Aber gut!

 

„Nioh“ war in einigen Teilen schon echt brutal schwer, aber der Nachfolger setzt alles daran dies nochmal zu toppen. Schon die ersten Standardgegner können zu fiesen Stolpersteinen werden, wenn man unkonzentriert an die Kämpfe herangeht. Essentiell bei den Auseinandersetzungen ist sicherlich der Einsatz des neuen Wucht-Konters, denn erwischt euch ein Feind mit der passenden Attacke, beißt ihr ganz schnell ins Gras. Das geht soweit, dass manch Yokai euch mit einem einzigen Schlag ins Jenseits befördern kann…puh!

Aber für „Nioh 2“ gilt das allgemeine Soulsborne-Prinzip: man muss einfach Zeit investieren, Movesets der Gegner lesen lernen und vor allem sein Repertoire an Bewegungen voll ausschöpfen. Dann wird das schon irgendwie werden…das Spiel fordert einfach sehr viel Geduld und Leidensfähigkeit. Und gute Reflexe!

In Sachen Inszenierung und Präsentation hätte Team Ninja ein bißchen mehr Abwechslung im Vergleich zum Vorgänger liefern können, hier tat sich leider nicht viel. Auch gegen ein paar abwechslungsreichere Spielabschnitte hätten wohl viele Spieler nichts gesagt. Und wundert euch nicht, dass die Story in diesem Test kaum eine Bedeutung hat, denn das ist im Spiel nicht anders.  Da hat das Studio ein paar Hausaufgaben für einen möglichen dritten Teil.