Dead or School [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 13.03.2020 um 10:55

 

Mini-Spiele

 

Für aktuelle AAA-Titel braucht man heutzutage ein Team mit mehreren Hundert Angestellten und mindestens ein Budget im zweistelligen Millionenbetrag. Und auch manche Indieproduktion wird immer größer und beschäftigt unzählige Designer und Programmier für ihre Werke.

Dennoch gibt es auch immer wieder diese Mini-Produktionen, deren Team aus zwei oder drei Menschen besteht und die gemessen an dieser Größe Unglaubliches erschaffen. Jüngst zum Beispiel der Shooter „Blazing Chrome“, der von einem brasilianischen Duo geschaffen wurde. Auch „Dead or School“ gehört zu solch einer Produktion, die bei Studio Nanafushi entstand und an der drei Personen beteiligt waren. Nach einer gescheiterten Indiegogo-Kampagne für eine PC-Version, erschien 2019 letztlich doch eine Version auf Steam, die nun auch für PS4 und Switch erscheinen wird.
Wir haben uns die Version für die Nintendo-Hardware angeschaut und verraten euch, wie sich der actionreiche 2,5D-Sidescroller spielt.

 

Schule ist doch schöner als Endzeit!

 

Hisako lebt, seit sie sich zurückerinnern kann, tief unter der Erde in einem U-Bahn-Schacht. Vor einigen Jahrzehnten wurde die Menschheit nämlich von einem seltsamen Virus befallen und verwandelte die meisten in blutgierige Wesen. Die gesunden Erdbewohner zogen sich daraufhin in die U-Bahn-Tunnel zurück und siedelten dort neu an.
Eines Tages bekommt Hisako jedoch mit, wie sich zwei ihrer Freundinnen über einen geheimen Aufzug unterhalten, der Richtung Erdoberfläche geht. Angetrieben von ihrer Neugier und den Erzählungen der Großmutter, die von der heilen Welt mit Schulalltag und Co. erzählt, macht sich Hisako auf den Weg in die verseuchten Gebiete. Denn alles was sie möchte, ist ein normaler Alltag außerhalb der Enge der Tunnel. Begleitet wird sie dabei von allerlei Helfern, die sie bei ihrer Reise an die Erdoberfläche unterstützen möchten.

 


 

Schnetzeln, ballern, hüpfen

 

„Dead or School“ ist im Grunde ein klassisches Actionspiel im 2,5D-Gewand. Neben einem Doppelsprung und einer Ausweichrolle, kann sich Hisako mit mehreren Waffen gleichzeitig gegen die mutierten Wesen zur Wehr setzen. Die Hauptwaffen sind dabei ein Schwert, begleitet von einem Raketenwerfer und einem Gewehr. Eure Hauptfigur findet nach und nach immer bessere Versionen dieser Waffen und kann sie aber auch mit einigen Zusätzen ausrüsten. So wird deren Wirkung verstärkt, ihr bekommt mehr Munition oder eure Ausdauer erhöht sich. Neben der regulären Energieleiste müsst ihr nämlich immer auch ein Auge auf Hisakos Kondition haben, die mit jeder Aktion sinkt, sich aber nach einer kurzen Ruhephase regeneriert. 

Beachtenswert ist außerdem der Munitionsvorrat eurer Waffen bzw. die Haltbarkeit eures Schwertes. Die nimmt nämlich mit jeder Aktion ab, kann aber an jedem Speicherpunkt wieder aufgefrischt werden. Bei vielen Kämpfen aber dennoch ein nicht zu verachtender Aspekt und auch ein bißchen nervig.

In Sachen Gegnern wirft euch „Dead or School“ allerlei Kreaturen entgegen, von normalen Zombies mit oder ohne Waffen über feuerspeiende Frösche bis hin zu Hochhaus-großen Mutanten ist da alles dabei. Immerhin entlohnt euch das Spiel für deren Beseitigung ordentlich.

 

Halbnacktes Aufleveln

 

Denn eure Gegner hinterlassen nicht nur Materialien, Waffen oder hilfreiche Items, ihr bekommt auch Erfahrungspunkte für deren Ableben. Diese verbessern nach und nach eure Werte und verschaffen euch außerdem Skillpunkte, die ihr in drei unterschiedlichen Kategorien investieren könnt. Dadurch werden eure Angriffe stärker, eure Energie steigt oder ihr lernt neue Angriffsarten kennen. 

An den Speicherpunkten, die auch für die Schnellreise dienen, könnt ihr euch im Shop mit Items ausstatten und verwaltet eure Waffen. Wie weiter oben schon beschrieben, könnt ihr diese mit Zusätzen ausrüsten und somit stärker machen oder ihr modifiziert sie bzw. levelt sie mit gefundenen Materialien auf. 

Eine kleine Besonderheit hält das Kampfsystem aber noch bereit: denn wenn Hisako einen kritischen Bereich in Sachen Energie erreicht hat, werden ihre Klamotten zerrissen. Dies hat eine Steigerung ihrer Statuswerte zufolge, was Hisako stärker und effizienter werden lässt. Allerdings verpufft dieser Effekt etwas, da man mit so wenig Energie wirklich schnell in’s virtuelle Gras beißt.

 


 

Zweckmäßig, mehr nicht

 

„Dead or School“ sieht man sein geringes Budget schon sehr deutlich an. Das beginnt bei einigen recht groben Texturen, geht über sehr kleinteilige und nicht sonderlich ausgefeilte Menüs und endet bei den limitierten Animationen. Besonders ärgerlich ist letzteres, da die Charaktermodelle eigentlich recht schön sind, aber wenn der Figur schon eine Animation für das Laufen über einen Stein oder ein Gefälle fehlt, zeugt das vom extrem kleinen Budget des Teams.

Sehr häufig schleichen sich auch Ruckler ins das Spielgeschehen ein, am schwierigsten macht einem das Leben aber die Kameraperspektive. Denn diese ist oft so weit vom Geschehen weg, dass man die Übersicht verliert. Immerhin markiert das Spiel Hisako bei besonders kniffligen Sprungpassagen mit einem grünen Pfeil. Dennoch steigt die Unübersichtlichkeit im Handheld-Modus extrem an.

Die Story wird anhand von Dialogsequenzen erzählt, auch einige schön gezeichnete Bilder gibt es immer wieder mal zu sehen. Aber auch hier fällt das geringe Budget auf, denn die Animationen werden meist nur durch das Verzerren bestimmter Körperteile oder Figuren dargestellt. In Sachen Musik überzeugt „Dead or School“ mit treibenden Beats, aber nicht mit den oft sehr plötzlichen Stil-Wechseln.

 

FAZIT: Zweischneidig wie Hinakos Schwert

 

„Dead or School“ ist in seinen Grundzügen ein überzeugendes Actionspiel mit zahlreichen Möglichkeiten im Gestalten seiner Figur und des eigenen Kampfstils. Dank der vielen Waffen und den noch mannigfaltigeren Zuätzen kann man da schon einiges herumexperimentieren und seinen Spaß für einigen Stunden haben.

Aufgrund der Teamgröße von Studio Nanafushi kann man hier auch nicht über solche Dinge wie die Zwischensequenzen oder die nicht gerade vielfältigen Gegner meckern, aber über solche Designentscheidungen wie die Haltbarkeit des Schwertes. Natürlich bringt das ein gewissen Taktieren mit sich und zwingt Spieler, sich auch einmal mit den anderen Waffen auseinanderzusetzen, aber es bringt einen oft in Bedrängnis und zwingt dann wieder zum Zurückkehren an den letzten Speicherpunkt. Gemessen an dem vielen Backtracking, das das Spiel sowieso schon verlangt, ist das sehr ärgerlich und ein extremer Zeitfresser. 

Wirklich problematisch ist aber, vor allem im Handheld-Modus, der Bildschirmausschnitt. Statt diesen mit so vielen Grafiken und Infodaten zuzukleistern, wäre hier weniger deutlich mehr gewesen. So verliert man viel zu schnell die Übersicht über das Geschehen.

„Dead or School“ ist ein kleiner Actiontitel, der auch nicht mehr sein will und sicherlich seine Probleme hat, aber mit seinem variantenreichen Gameplay doch Spaß macht.