Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 09.03.2020 um 12:23

 

Die ultimative „Pokémon“-Plattform

 

Nachdem die „Pokémon“-Reihe jahrzehntelang vor allem Handheld-Usern vorenthalten war, bekommt die Switch nun ihren fünften Titel der Reihe innerhalb von drei Jahren spendiert. Neben den großen „Pokémon Let’s Go!“-Titeln und „Pokémon Schwert/Schild“ konntet ihr euch auf Nintendos Hardware schon mit den Taschenmonstern in Arenen kloppen und habt euch in „Pokémon Quest“ actionreiche Echtzeitkämpfe geliefert. 

Nun kommt mit „Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX“ ein neuer Teil des Dungeoncrawlers auf die Konsole, bei dem es sich um eine Neuauflage des Game Boy Advance- bzw. Nintendo DS-Titels handelt.

Entwickelt werden diese Spiele traditionell von Spike Chunsoft, die neben allerlei Visual Novels und Anime-Adaptionen von „One Piece“ oder „One-Punch Man“ auch schon einschlägige Dungeoncrawler-Erfahrung mit Spielen wie „Etrian Mystery Dungeon“ gesammelt haben.

Was „Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX“ jetzt so speziell macht und ob es sich auch für Nicht-Pokémon-Fans lohnt, lest ihr in unserem Test.

 

Du bist ein Pokémon!

 

Die erste Hürde in „Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX“ nehmt ihr bereits nach ein paar Sekunden. Denn ein Persönlichkeitstest verlangt einige Informationen über euer Denken und mögliche Handlungsarten und stellt euch dann ein passendes Pokémon als Avatar vor. Unverständlicherweise wurde dem Schreiber dieser Zeilen Enton als mögliches Alter Ego vorgestellt, glücklicherweise kann man sich aber auch für ein anderes Pokémon entscheiden. Nachdem ihr euch noch für einen Partner entschieden habt, den ihr wie euch selbst aus einer Zahl von 16 Taschenmonstern wählen könnt, geht es in euer neues Zuhause und eure Karriere als Retterteam startet.

Zunächst müsst ihr euch jedoch noch auf die Aushänge im Dorf verlassen, da noch niemand von eurem Team weiß. Nach und nach werdet ihr jedoch bekannter, so dass viele unterschiedliche Pokémon mit Aufträgen an euch herantreten.

 


 

Dungeoncrawling

 

Von einer Hubwelt aus, dazu später mehr, startet ihr in die jeweiligen, zufallsgenerierten Dungeons, die ihr über ein Menü auswählen könnt und die mehrere Etagen haben. Eure Missionen reichen dabei vom Finden eines bestimmten Items oder Pokémons bis hin zur Rettung eines Taschenmonsters aus der Gefangenschaft von anderen Pokémon. 

Wie in anderen Vertretern des Genres üblich seht ihr das Geschehen aus einer leicht angeschrägten Vogelperspektive und steuert dabei immer nur euer Haupt-Pokémon, die anderen folgen euch aber auf Schritt und Tritt. Neben auffindbaren Items oder Geld, müsst ihr euch aber natürlich auch mit Feinden herumschlagen. Diese bewegen sich aber nur, wenn auch ihr euch fortbewegt, was eine gewisse taktische Komponente mit sich bringt.

Müsst ihr euch dennoch einmal mit anderen Pokémon auseinandersetzen, habt ihr auf dem A-Button einen Standardangriff zur Verfügung, für weitere Attacken drückt ihr ZL und eine der vier Tasten A, B, X oder Y. Wie auch schon in den anderen „Pokémon“-Spielen, ist die Anzahl der Attacken begrenzt, deshalb empfiehlt sich ein abwechslungsreiches Angriffsrepertoire. 

Auch bekannt sind verschiedene Items wie Äther oder diverse Beeren, in „Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX“ außerdem wichtig sind Items zum Stillen eures Hungers. Denn das Erkunden von Dungeons macht hungrig und somit verfügt euer Pokémon über eine Anzeige neben euren KP, die den Füllstand eures Magens anzeigt. Fällt dieser auf 0 kann sich euer Monsterchen nicht mehr bewegen. Habt daher immer einen Apfel dabei! 

 

Trainieren, campen und anderer Zeitvertreib

 

Zwischen euren Aufträgen könnt ihr euch die Zeit in der Hubwelt, dem Pokémon-Dorf vertreiben. Dort könnt ihr euer hart verdientes Geld auf ein Konto bei der Bank einzahlen(dieses und Items verliert ihr nämlich, wenn ihr in einem Dungeon scheitert) oder ihr füllt eure Items beim heimischen Shop auf.

Bei Schluppuck hingegen könnt ihr eure Angriffe kombinieren und so mächtiger machen, außerdem könnt ihr euch im Dojo bei Makuhita Erfahrungspunkte verdienen, indem ihr euch gestellte Aufgaben erledigt. Dafür braucht es allerdings Tickets, die ihr wiederum für das Erledigen von Missionen bekommt. Auch ein häufig besuchter Anlaufpunkt ist das Kangama-Lager, da ihr in relativ kurzer Zeit viele Items sammelt, die ihr nicht alle mit euch herumtragen könnt. 

Wichtig für die Vielfalt eures Teams sind außerdem freischaltbare Camps, in die ihr die jeweiligen Pokémon-Freunde schicken und bei Bedarf dort abholen könnt. Habt ihr euch in einem Dungeon mit einem Pokémon angefreundet, aber noch nicht deren entsprechendes Camp freigeschaltet, kann dieses noch nicht eurem Team beitreten. Insgesamt kann euer Team aus drei steuerbaren Pokémon bestehen, in den Dungeons selbst begleiten euch hin und wieder aber einige weitere NPC-Monster.

 


 

Schöner Stil

 

„Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX“ hebt sich angenehm von anderen Spielen der Reihe ab, denn hier präsentiert man die knuffigen Taschenmonster in einem wirklich schönen Look mit aquarellhafter Kolorierung und Schraffuren, die alles sehr plastisch wirken lassen. Zusätzlich dazu gibt es noch einen ganz feinen Celshading-Look, der den guten Gesamteindruck abrundet.

Technisch kann man bei dem Dungeoncrawler auch nicht viel meckern, denn hier waren weder Probleme mit Rucklern, der Auflösung oder andere Schwierigkeiten zu bemerken. Zugegebenermaßen sind jedoch vor allem die Dungeons keine Schönheiten. 

Die Menüs sind klar strukturiert und sind auch im Handheld-Modus der Switch noch prima erkennbar, ein bißchen eintönig aber ist die musikalische Untermalung. Das dudelt schon ganz schön vor sich hin. Dass die Gespräche unter den Pokémon nicht vertont sind, dürfte klar sein. Hier hört man lediglich den Textsound. 

Die Steuerung ist angenehm übersichtlich und wird in ausführlichen Tutorials gut erklärt, lediglich das Nintendo-typische Nachfragen in einigen Menüs kann etwas nerven. Eigentlich langt es, wenn man den User einmal fragt, ob er Aktion XY wirklich ausführen will.

 

FAZIT: Spaßiges, aber altbackenes „Pokémon“-Spinoff!

 

Die größte Stärke der „Pokémon“-Marke ist sicherlich ihre große Bandbreite an möglichen Genres und Spielarten und das zeigt auch „Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX“ auch wieder deutlich. 

Sicherlich hat das Spiel dennoch mit einigen Problemen zu kämpfen und wirkt in seinem Grundgerüst ziemlich altbacken. Hier merkt man deutlich die Herkunft von Game Boy Advance bzw. Nintendo DS und hätte sich einige Komfortfunktionen und mehr Detailverbesserungen gewünscht. Gleiches gilt für die Grafik, die wirklich hübsch ist, aber dennoch recht triste Dungeons und etwas steife Animationen bietet. Das hätte man im Jahr 2020 etwas spannender gestalten können, aber das hat ja bereits „Pokémon Schwert/Schild“ nicht geschafft.

Wer sich am Sammeln von Pokémons erfreuen kann und Lust auf die zufallsgenerierten Dungeons mit etwas reduzierten Kämpfen Lust hat, wird hier sicherlich einige spaßige Stunden haben. Ob das Spiel aber für Gelegenheitsspieler mit geringer „Pokémon“-Affinität geeignet ist, darf bezweifelt werden. Dafür bietet es spielerisch und in Sachen Story dann doch zu wenig Inhalt.