Dreams [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 20.02.2020 um 12:28

 

Bastelmeister

 

Media Molecule stehen eigentlich schon seit ihrem ersten Spiel „Little Big Planet“ für kreative Meisterleistungen. Während man mit dem Hauptcharakter zumindest zeitweise sogar ein neues PlayStation-Maskottchen zu verantworten hatte, überzeugte das Jump’n Run vor allem mit seinem umfangreichen Editor, der zu Bauen und Basteln einlud und einige sehenswerte Spiele hervorbrachte.

Auch mit dem PlayStation Vita-Titel „Tearaway“ bewies man ein weiteres Mal seine kreative Vielfalt und zeigte zum Launch, welche Features Sonys Handheld seinen Käufern bieten kann.

Seit einigen Jahren nun arbeitete man bei den Briten an „Dreams“, einem mächtigen Editor zum Erstellen von eigenen Spielen, Designs, Filmen usw. Nach einer Betaphase erscheint der Titel nun endlich auch offiziell und wir verraten euch in unserem Test, wie gut Media Molecule seine Hausaufgaben gemacht hat.

 

Für Kreative

 

„Dreams“ lädt euch schon ab der ersten Minute dazu ein, eigene Kreationen zu erschaffen bzw. bereits Bestehendes zu verändern und nach eurem Geschmack zu gestalten. Nachdem ihr euch für einen Wichtel entschieden habt, der euch fortan als Avatar im Traumiversum begleitet, lernt ihr einige Grundlagen der Steuerung und könnt euer Zuhause individuell einrichten. Hierfür müsst ihr euch aber nicht gleich als Designer beweisen, denn von Haus aus verfügt „Dreams“ über eine große Bibliothek an Objekten, Gegenständen und Figuren. 

Habt ihr die Steuerungsbasics erlernt, dürft ihr in den eigentlichen Editor starten. Und dessen Möglichkeiten sind quasi unendlich. So könnt ihr anhand des Dualshock-Controllers(per Sticks oder Bewegungserkennung) oder mit den Move-Controllern freihändig in allen Formen und Farben zeichnen und malen oder ihr nehmt euch Grundformen und bearbeitet diese nach eurem Geschmack. Auch Items von anderen Usern kann man herunterladen und bei Bedarf bearbeiten bzw. in die eigenen Welten einbauen.

Wollt ihr euch nicht unbedingt gleich mit einem eigenen Spiel auseinandersetzen, könnt ihr nämlich auch ganz einfach ein Szenario bauen oder Objekte erschaffen. Auch Dinge wie Animationen, Musik und die Abläufe eines Gegenstandes im Spiel lassen sich in zahlreichen Menüs festlegen.

Da die Möglichkeiten anfangs recht erschlagend wirken, gibt es zahlreiche Tutorials und Masterclass-Videos, in denen euch hilfreiche Tipps gegeben werden und einem die recht umfangreiche Steuerung erklärt wird. Wie oben schon kurz angerissen, könnt ihr eigene Kreationen mit anderen Usern teilen oder deren Items nutzen.

 


 

Für Spieler

 

Neben dem umfangreichen Editor bietet „Dreams“ aber auch spannende Inhalte für weniger kreative Menschen. Im Modus „Traumsurfen“ könnt ihr nämlich auf die Spiele anderer User zugreifen und euch dort austoben. 

Zunächst seien euch aber auch die Spiele von Media Molecule selber empfohlen, vor allem das grandiose „Arts Traum“. Dieses Abenteuer vereint Jump’n Run-Parts mit klassischen Adventure-Elementen und einer großartigen, musikalischen Inszenierung. Großes Kino! Daneben gibt es noch andere kleinere Spiele des Entwicklers, die alle natürlich in dem Editor entstanden sind und von Geschicklichkeit über Puzzle bis hin zu Jump’n Runs einiges zu bieten haben. Kleines Gimmick während ihr die Titel von Media Molecule spielt: sammelbare, blaue Blasen erweitern euren Grundstock an Items für den „Traumformen“-Modus, also dem Editor.

Highlight sind aber natürlich die Kreationen der Spieler selbst, die mittlerweile Titel wie „Fallout 4“ nachgebaut haben oder Szenerien wie das Dorf aus „Stardew Valley“. Natürlich sind aber auch unzählige eigene Spieleideen umgesetzt worden, die ihr munter ausprobieren könnt. Fandet ihr das Erlebte besonders gut, könnt ihr es bewerten oder anderen empfehlen. 

Die geteilten Inhalte müssen aber nicht nur Titel für einen oder mehrere Spieler sein, häufig gibt es auch einfach Grafik-Präsentation. Besonders beeindruckt während des Tests haben fast fotorealistische Inhalte, zum Beispiel bei einem Tisch voller Speisen. Wahnsinn!

 

Universell 

 

An dieser Stelle etwas über die Technik von „Dreams“ zu schreiben, ist etwas schwierig, immerhin ist jeder Spielemacher selber dafür zuständig. Die von Media Molecule integrierten Spiele sehen gut aus und zeigen, wie eindrucksvoll und umfangreich man mit dem Editor arbeiten kann.

Das Erlebnis von „Dreams“ als Spieler steht und fällt aber ganz immens mit der Qualität eures heimischen Internets, denn die Titel anderer User müssen natürlich geladen werden, was bei aufwendigeren Spielen schon mal dauern kann. In unserem Test kam es leider häufiger zu starken Verzögerungen beim Starten eines Titels, auch ein Absturz des Spiels kam mal vor.

Beeindruckend ist hingegen wie Media Molecule die eigentlich überbordende Steuerung eins solchen Titels realisiert hat. Das Hin- und Herschalten zwischen verschiedenen Werkzeugen funktioniert sehr gut, auch die reguläre Bedienung mit der Bewegungssteuerung gefiel mit ihrer hohen Genauigkeit.

Beim Zeichnen war es allerdings vorbei mit der Herrlichkeit. Hier muss man schon ein SEHR ruhiges Händchen beweisen, um unfallfrei gerade Linien zeichnen zu können. Da könnte der Einsatz eines Move-Controllers Abhilfe schaffen, dieser stand aber leider nicht zu unserem Test zur Verfügung.

 


 

FAZIT: Traum-Editor

 

Jeder, der sich schon einmal mit dem Gedanken befasst hat, ein eigenes Spiel zu kreieren, sollte ein genaueres Auge auf „Dreams“ werfen. Neben den sowieso schon tollen, enthaltenen Spielen von Media Molecule, ist der Titel außerdem eine wahre Schatzkiste an Eigenentwicklungen von anderen Usern.

Natürlich sollte man auch hier nicht erwarten, dass man nach zehn Minuten ein aufwändiges Spiel mit Musikuntermalung und tollen Animationen erstellt hat. Da braucht es schon etwas Einarbeitungszeit, aber genau dafür stellt der Entwickler wirkliche viele hilfreiche Tools und Tutorials bereit.

Dennoch gibt es kleine Kritikpunkte. Zum einen war das das doch leicht überlastete Netzwerk, das zu langen Ladezeiten der Spiele führt, zum anderen die Steuerung im Editor. Wie schon gesagt, bietet euch das Spiel ja einiges an Möglichkeiten der Befehlseingabe, aber für kleinteilige Arbeiten braucht man schon einiges an Fingerspitzengefühl. Hier wäre eine Mausunterstützung viellicht nicht schlecht, oder man erlaubt zum Beispiel den Import bestimmter Dateien in das Spiel. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…Media Molecule hat noch einige Pläne mit dem Titel, so zum Beispiel einen VR-Modus. Ein spannendes Projekt, das aufgrund seiner Offenheit und dem User-kreierten Inhalten bei uns aber keine Wertung bekommt.