Bayonetta & Vanquish 10th Anniversary Bundle [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.02.2020 um 15:05

 

Hit & Miss

 

Seit seiner Gründung im Jahr 2007 hat Platinum Games immer wieder bewiesen, dass man ein angestaubtes Genre wie z.B. das der Hack’n Slays mit besonderen Kniffen im Kampfsystem oder einer besonders beeindruckenden Inszenierung leicht in die Moderne transportieren kann.

Neben vielen eigenen Hits wie „Bayonetta“ oder dem jüngst erschienenen „Astral Chain“, bekam man es auch immer wieder mit genialen Auftragsarbeiten von Platinum Games zu tun, so dem wahnsinnigen „Metal Gear Rising“ oder dem philosophischen „NieR: Automata“. Dass dabei aber nicht alles immer gut ging, zeigen Gurken wie das sehr unglückliche „Star Fox Zero“ oder die Komplettkatastrophe „Teenage Mutant Ninja Turtles“.

Eines ist jedoch sicher: ohne Platinum Games wäre die Games-Industrie nur halb so spannend und wir sind froh, dass es das Studio gibt.

 

Hexen und Mechas

 

Eine der erfolgreichsten Marken von Platinum Games ist sicherlich „Bayonetta“, das im Jahr 2009 für PS3 und Xbox 360 erschien und mit einer großartigen Inszenierung und einem tollen Kombo-Kampfsystem auf sich aufmerksam machte. Nicht minder bedeutend für den Erfolg war sicherlich aber auch die titelgebende Hexe, die bei einigen Spezialangriffen sehr viel nackte Haut zeigte und die sich einigen sehr lasziven Posen hingab.

Ein knappes Jahr nach „Bayonetta“ erschien dann mit „Vanquish“ der nächste Titel von Platinum Games, bei dem es sich diesmal um einen astreinen Thirdperson-Shooter handelte. Hauptfigur Sam war ein Held wie wir ihn aus den Filmen der 80er Jahre kennen. Wortkarg, übercool und immer mit einer Kippe im Mund.

Diese beiden Action-Kracher wurden nun anlässlich deren zehnten Geburtstags in einer Kollektion zusammengefasst und an moderne Technik angepasst. Neben optionaler 4K-Optik kann man das Geschehen nun nämlich auch in 60fps erleben.

 


 

Bayonetta - Magie, Engel und Haarpracht

 

Bei „Bayonetta“ handelt es sich um ein klassisches Hack’n Slay, wie sie Ende der 2000er Jahre beliebt waren. In der Rolle der titelgebenden Hexe schießt, tretet und schlagt ihr euch durch eine bizarre Welt, die an das mediterrane Europa erinnert und die euch immer wieder mit Hochhaus-großen Gegnern wie mehrköpfigen Drachen oder Engeln konfrontiert.

Vor allem das Kampfsystem weiß hier besonders zu gefallen, nicht nur wegen der Kombination aus Nahkampfwaffen und Bayonettas Pistolen. Weicht ihr nämlich im richtigen Moment Attacken aus, aktiviert ihr die Hexenzeit und könnt die Gegner unbeschadet mit Angriffen eindecken. Durch erfolgreiche Attacken ladet ihr außerdem die Magie-Anzeige auf, durch die ihr dann Folterangriffe auf die Feinde loslassen könnt. Vor allem bei großen Gegnern kann das ganz schön beeindruckend sein und lässt einem so manches Mal die Kinnlade runterklappen.

Zwischen den Level könnt ihr euch hilfreiche Items in dem Bonusspiel Angel Attack verdienen oder ihr gebt eure verdienten Ringe im Höllen-Shop aus und verbessert so eure Angriffsvielfalt, erwerbt neue Waffen oder hilfreiche Zusatzitems.

 

Vanquish - Mechs, Zigaretten und Zeitlupe

 

Auch der SciFi-Shooter „Vanquish“ orientiert sich in seinem Gameplay an damals modernen Genre-Veteranen wie der „Gears of War“-Reihe. Im Grunde handelt es sich hier nämlich um einen klassischen Deckungsshooter, der allerdings von Platinum Games mit einem kleinen Kniff aufgemotzt wurde. Denn unser Held Sam steckt in einem ganz besonderen Anzug, mit dem er bei Bedarf in hoher Geschwindigkeit über den Boden flitzen kann und während dessen seine Gegner aufs Korn nehmen kann. Auch für übermenschliche Nahkampfangriffe kann die Energie des Anzugs genutzt werden, allerdings muss er sich bei beiden Moves erst wieder abkühlen bevor man ihn wieder nutzen kann.

Neben allerlei Schusswaffen, vom MG über einen Raketenwerfer bis hin zu einem Scharfschützengewehr ist alles dabei, kann sich Sam aber auch mit Granaten gegen die größtenteils mechanischen Gegner wehren. Vor allem einige der Zwischenbosse und Endgegner sind riesig und bedürfen bestimmten Taktiken und Methoden.

Alleine seid ihr in „Vanquish“ nur selten unterwegs, denn in der Regel seid ihr mit einem ganzen Squad in die Schießereien verwickelt. Diese übernehmen hin und wieder auch mal kleinere Gegner, sind aber meist doch nur schmückendes Beiwerk. Ist einer eurer Kameraden verwundet, könnt ihr diesen heilen und bekommt dafür Munition oder eine neue Waffe. Diese findet ihr aber auch an Terminals oder in Kisten in den Level verteilt.

 


 

Hochglanz-Optik der letzten Generation

 

Vor allem in den Zwischensequenzen sieht man den beiden Titeln ihr Alter von zehn Jahren deutlich an. Die Charaktere sind alle etwas hüftsteif - Hexe Bayonetta mal ausgenommen - und wirken hölzern. Dennoch sind beide Spiele großartig inszeniert und bieten sagenhafte Actionszenen wie sie nur Platinum Games hinbekommt. Vor allem „Vanquish“ ist purer Action-Trash und nimmt sich nie wirklich ernst.

Während „Bayonetta“ in den Level hin und wieder recht detailarm wirkt, passt die kühlere Optik aber perfekt auf den SciFi-Shooter. Dennoch sind Charaktermodelle und Gegner in beiden Spielen liebevoll gestaltet und protzen mit Details. Allein der Anzug von Sam hat viele kleine Teile und wirkt durchdacht von Kopf bis Fuß. 

Beide Titel haben Spielmechaniken, die einmal verinnerlicht, das Kämpfen wirklich sinnvoll ergänzen und, flüssig aneinandergereiht, wunderschön aussehen. Die Steuerung ist durchdacht und klug auf die Tasten den Controllers gelegt. Auch in Sachen Technik können „Bayonetta“ und „Vanquish“ überzeugen. Frei von Rucklern und mit einer zackigen Ladezeit kann sich das wirklich sehen lassen. 

In Sachen Ton sind beide Titel großes Kino. Während es bei „Bayonetta“ etwas epischer zugeht, treibt einen der Techno-Metal bei „Vanquish“ zu Höchstleistungen an. Ganz fürchterlich ist die deutsche Synchro des Shooters, der einen die Fußnägel aufrollen lässt. Autsch!

 

FAZIT: Oldschool-Action vom Feinsten

 

Auch zehn Jahre nach ihrem Release sind sowohl „Bayonetta“ als auch „Vanquish“ spielerisch immer noch hervorragend und großartig zu spielen. Egal ob das grandiose Kombosystem der langhaarigen Hexe oder die flotten Schießereien von Sam…da merkt man einfach wie hochwertig Platinum Games hier entwickelt hat.

Natürlich haben beide Titel in Sachen Inszenierung etwas von ihrem Charme eingebüßt. Bei „Bayonetta“ sind es besonders die häufigen Standbilder, die etwas störend wirken. Generell sind die Charaktermodelle und deren Animationen einfach sehr altbacken. 

Die Aufbereitung der beiden Spiele kann man nicht kritisieren, dennoch wären ein paar Extras für solch eine Jubiläums-Edition schön gewesen. Making ofs, Trailer oder zumindest ein virtuelles Artbook wären schon cool.

Wer beide Titel noch einmal in modernem Gewand spielen und in einer Kollektion besitzen möchte, dem sei das Anniversary Bundle ans Herz gelegt. Vor allem die Besitzer der PlayStation3-Versionen, die damals nicht sonderlich gut liefen(hier sei besonders „Bayonetta“ erwähnt), sollten sich einen Kauf überlegen, denn hier läuft es endlich mal flüssig.