Darksiders Genesis [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 14.02.2020 um 11:18

 

Der „Zelda“-Killer?

 

Als im Jahr 2010 der erste Teil der „Darksiders“-Reihe auf den Markt kam, überschlug sich die Kritik mit Lob. Vielerorts fiel auch immer wieder Nintendos Kultserie „The Legend of Zelda“ als Vergleich, so sehr beeindruckte das Action-Adventure die Massen. Nur eben in einer erwachseneren Version.

Die Saga um die vier apokalyptischen Reiter wurde zwei Jahre später fortgesetzt, geriet dann aber aufgrund der Schieflage von THQ etwas ins Wanken. Letztlich kamen wir im Jahr 2018 in den Genuss von „Darksiders 3“, welches in unserem Test aber nicht wirklich überzeugen konnte. So orientierte man sich in Sachen Kampfsystem zu sehr an „Dark Souls“, ohne aber jedoch dessen Qualität erreichen zu können. Auch bei der Inszenierung und dem technischen Gesamteindruck konnte der dritte Teil der Reihe nicht überzeugen.

Verwundert die Augen rieben sich dann aber viele als „Darksiders Genesis“ angekündigt wurde. Denn dieses schmeißt die bisher bekannte Thirdperson-Ansicht über Bord und tauscht diese gegen eine isometrische Kamera, die sofort Assoziationen mit „Diablo“ hervorruft. Doch wie sehr beeinflusst diese neue Ansicht das „Darksiders“-Gameplay? Oder handelt es sich hier wirklich nur um eine Kopie von Blizzards Action-RPG-Reihe?

 

War is back!

 

Nachdem wir in den ersten drei Teilen mit War, Death und Fury in den Kampf zogen, haben wir es diesmal mit dem Duo aus War und Strife zu tun. Diese werden vom Rat auf eine besondere Mission geschickt, denn sie müssen den Höllenkönig höchstpersönlich, Luzifer, aufhalten.

Denn Luzifer will das Gleichgewicht der Mächte stören und benötigt hierfür die Hilfe einiger Meisterdämonen. Und genau diese müsst ihr in Gestalt von War und Strife aufsuchen und solltet sie tunlichst aufhalten. Denn sonst droht alles im Chaos zu versinken.

 


 

Hack’n Collect

 

Nach dem schicken Intro von „Darksiders Genesis“ habt ihr zunächst die Wahl, ob ihr das Spiel offline spielen oder es anderen Spielern per Adhoc- oder Onlinefunktion der Switch ermöglichen wollt, eurer Partie beizutreten.

Danach werdet ihr in die unsäglichen Höllenlandschaften entlassen, die auf den ersten Blick wirklich wie aus „Diablo“ wirken. Spielt ihr alleine könnt ihr jederzeit per Druck auf L- und B-Taste euren Kämpfer wählen. Während War ein mächtiges Schwert als Nahkampfwaffe nutzt, verfügt Strife zusätzlich über eine Handfeuerwaffe. Zu deren Nutzen aber später mehr. Im Grunde basiert das Kampfsystem aber auf Kombos, wie man es schon aus den Vorgängern kennt.

Um in den weitläufigen Welten auch mal schneller von A nach B zu kommen, könnt ihr jederzeit ein Pferd rufen. Auf dessen Rücken könnt ihr euch auch mit den Gegnern messen, es gibt aber einige Bereiche in die das Ross nicht kann.

Feinde greifen meist in größeren Gruppen an und verfügen über eine sichtbare Energieleiste. Sobald ihr diese auf ein bestimmtes Maß verringert habt, könnt ihr mit dem A-Knopf einen Finisher auslösen. Bringt ihr Gegner auf diese Art und Weise ums Eck, erhaltet ihr als Belohnung mehr Items. Neben grünen Orbs für eure Gesundheitsleiste und gelbe Orbs für eure Zornleiste, die ihr für Spezialangriffe benötigt, bekommt Strife auch immer etwas Munitionsvorrat zurück.

Am wertvollsten sind aber die hinterlassenen Seelen, die ihr nach dem ersten Kapitel bei Vulgrim gegen hilfreiche Items eintauschen könnt. Diese bekommt ihr nicht nur durch das Abschlachten eurer Feinde, sondern findet sie gelegentlich auch in Schatztruhen.

 

Kreaturenkerne und zahlreiche Attacken

 

Das wichtigste System in „Darksiders Genesis“ ist aber das der Kreaturenkerne. Diese werden teilweise von Gegnern hinterlassen, können aber in begrenzter Stückzahl auch bei Vulgrim erworben werden. Dank diesem System könnt ihr eure beiden Krieger immer weiter in ihren Attributen verstärken, und das ist auch wirklich nötig.

Denn die einzelnen Level haben auch immer eine entsprechende Stärke-Empfehlung, die ihr ernst nehmen solltet. Gerade einige große Kreaturen können euch selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad mit einem Schlag schon gehörig viel Energie abziehen.

Doch War und Strife sind ja wie schon gesagt keine Mauerblümchen. Zusätzlich zu ihren Standardangriffen können sie auch noch drei Spezialangriffe lernen, die eure Zornleiste aufbrauchen. Wie oben schon erwähnt, kann Strife außerdem noch von seiner Schusswaffe Gebrauch machen, die ihr mit verschiedenen Schussarten aufrüsten könnt.

Zusätzlich zu den Waffen können die beiden Protagonisten auch noch auf einige hilfreiche Items  wie einen Greifhacken oder andere Spezialwerkzeuge zurückgreifen, die allerdings dazu führen, dass die Steuerung ab einem gewissen Punkt total überladen ist.

In der Zwischenwelt aus der ihr in die verschiedenen Level starten könnt, gibt es neben Vulgrim auch noch andere Möglichkeiten einzukaufen. So könnt ihr dort zum Beispiel auch das Move-Repertoire von Strife und War erweitern. 

Dank einer Übersichtskarte kann man jederzeit einen Blick auf die Größe des Levels und die dort verborgenen Schätze werfen, allerdings sieht man leider nicht wo sich die Figur befindet. 

 


 

Knallbunt, aber verwaschen

 

„Darksiders Genesis“ entspricht in Sachen Optik genau dem, was wir von der Reihe bisher gewohnt sind. Sehr bunte, dennoch atmosphärische Grafiken und ein sehr cooles Charakterdesign wissen zu gefallen. Dazu kommt eine sehr epische Musik, die das Gameplay perfekt unterstreicht und eine recht gute deutsche Vertonung, die sich nur selten vergreift.

Das dicke ABER kommt aber leider noch. Denn „Darksiders Genesis“ sieht auf der Switch im TV-Modus passabel aus und läuft flüssig, gefällt aber mit der geringen Auflösung nicht gerade gut.

Schlimmer wird das Ganze im Handheldmodus, in dem das Bild stark verwaschen wirkt und man hin und wieder von Rucklern(beim Übergang von einem Kartenabschnitt in den nächsten) gestört wird. Aufgrund der geringen Bildschirmgröße kommt es auch immer wieder mal zu Übersichtsproblemen, da der Charakter zu sehr mit dem Hintergrund verschwimmt oder man einen Gegner einfach übersieht. Über die etwas zu langen Ladezeiten kann man da noch hinwegsehen.

Absolut unverständlich ist aber die vollkommen überladene Steuerung, an die man sich wirklich erst einige Stunden gewöhnen und die man für manche Kämpfe wirklich vollkommen verinnerlicht haben muss. Vor allem die Aktionen für die man einen der Schulterbuttons und einen der Aktionsknöpfe drücken muss, sind im Eifer des Gefechts einfach viel zu viel.

 

FAZIT: Ist das jetzt so gut wie „Diablo“?

 

Zunächst eine Klarstellung: auch wenn die Perspektive sehr ähnlich ist, hat „Darksiders Genesis“ nur wenig mit Blizzards Vorzeigereihe zu tun. Zwar wird auch hier Hack’n Slay-Gameplay geboten, allerdings ohne den großen Loot-Faktor von „Diablo“. Außerdem hat das neue „Darksiders“ einen wesentlich größeren Fokus auf Rätsel- und Sprungeinlagen.

Natürlich fühlt es sich so etwas frischer an als wenn man den Spielern hier ein weiteres Thirdperson-Spiel geboten hätte, aber die neue Kamera bringt auch einige Probleme mit sich. Es ist ja schön und gut, dass man den eigenen Charakter durch die Sicht versperrende Objekte mit einem blauen Schatten sichtbar macht, aber was ist mit den Feinden? Sind diese von einem Fels oder Baum verdeckt, hat man keine Chance vernünftig anzugreifen.

Ähnliches Problem bei Sprungpassagen: häufig kann man nur schlecht einschätzen, ob man im richtigen Winkel oder weit genug springt. Sehr nervig! Dazu blieb unsere Figur immer wieder einmal in der Levelarchitektur hängen und war kaum zu befreien. 

„Darksiders Genesis“ macht schon Spaß, ist aber weit entfernt von perfekt und leidet an einigen Design-Fehlern, die einem die Freude daran nehmen können. Das beginnt bei der unglücklichen Kameraperspektive, geht über die überladene Steuerung und endet beim schlechten Balancing der Feinde. Vom mauen technischen Zustand mal abgesehen…leider beendete sich das Spiel sogar zweimal komplett während des Übergangs von einem Level zur Hub-Welt.