Tokyo Mirage Sessions #FE Encore [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 03.02.2020 um 16:43

 

Eine Welt voller Idols

 

Die Uhr der Musikbranche tickt in Japan etwas anders als im Rest der Welt. So werden dort nicht nur immer noch massig CDs verkauft, neben den üblichen Genres hat sich auch ein ganz besonderer Teil der Industrie etabliert, der der Idols.
Hier handelt es sich vor allem um junge Frauen und Mädchen, die so meist ihre ersten Schritte im Business machen und es so zu großem Ruhm schaffen wollen. Ehrlich gesagt überzeugen diese häufig aber eher durch ihr Aussehen bzw. die Vermarktung als durch ihre Musik, die man im seichten Pop ansiedeln kann. Neben Einzelprojekten bildeten sich in den letzten Jahren auch Mega-Bands wie AKB48 oder Morning Musume, die man mittlerweile auch im Westen kennt. Aber auch ernsthafte Künstlerinnen wie Ayumi Hamasaki entstanden aus diesem Zweig der Musikbranche.
Warum ich euch das alles erzähle? Nun, „Tokyo Mirage Sessions #FE Encore“ handelt genau von dieser Szene und verbindet diese mit klassischem JRPG-Gameplay. Ob der WiiU-Port auch auf der Switch überzeugen kann, lest ihr in unserem Test.

 

Japan sucht den Superstar

 

Während die kleine Tsubasa zusammen mit ihrer Schwester eine Oper besucht, geschieht das Unglaubliche. Alle Besucher, Musiker und Schauspieler verschwinden wie aus dem Nichts, nur Tsubasa bleibt übrig.

Fünf Jahre später hat sich das Mädchen von diesem Schock einigermaßen erholt und möchte nun bei einem Talentwettbewerb auftreten, um als Idol erfolgreich werden. Begleitet wird sie dabei von ihrem Schulkollegen Itsuki Aoi, der Hauptfigur des Spiels.

Doch erneut kommt es zu einem übersinnlichen Zwischenfall und die beiden werden in die sogenannte Idolasphere gezogen, wo sie plötzlich fiesen Gegnern, den Mirages, gegenüberstehen. In dieser heiklen Situation erwachen die Perfoma, quasi ein übernatürliches Abbild der beiden, und schlagen die Mirages in die Flucht. Das war aber leider nur der Beginn einer Reihe von Vorfällen, von denen Tokyo heimgesucht wird und die den Einsatz von Itsukis und Tsubasas Performas und Mirages verlangen.

 


 

Musikalisches „Persona“

 

„Tokyo Mirage Sessions #FE Encore“ basiert in Sachen Gameplay auf der „Shin Megami Tensei“-Reihe, die auch als Ursprung der „Persona“-Serie bekannt ist. Daher haben wir es hier im Grunde mit einem klassischen JRPG zu tun, das uns in zahlreiche Dungeons schickt und mit rundenbasierten Kämpfen auf Trab hält. Gespickt wird das Ganze dann noch mit Figuren aus der „Fire Emblem“-Reihe, die aber fast alle nur als „gutartige“ Mirages während der Kämpfe im Spiel  als Helfer auftauchen.

Als wäre dieses Crossover nicht schon ungewöhnlich genug, hat man mit dem Einbau der Musikindustrie und dem Idol-Dasein noch ein paar spannende Ideen eingebaut.

Im Spiel bewegt ihr euch in der Thirdperson-Ansicht durch die Areale, die ihr über eine Karte von Tokyo einzeln anwählen könnt. So stattet ihr zum Beispiel Vierteln wie Shibuya oder Harajuku einen Besuch ab, die zwar ihrem realen Vorbild recht ähnlich sind, aber teilweise in winzige Areale unterteilt sind, die nur schlecht einsehbar sind.

Als Hauptzentrale dient euch dabei das Büro des Musikverlags, wo ihr auch den Bloom Palace findet, in dem ihr euch und eure Mirages verbessern könnt oder in Dungeons auflevelt bzw. rare Items sucht.

Die Missionen finden dann aber in gesonderten Dungeons, eben der Idolasphere statt, die meist über mehrere Stockwerke gehen und hin und wieder einige Rätsel für euch bereithalten. Feinde tauchen dort in Form von geisterhaften Gestalten auf und können somit bewusst attackiert werden. Habt ihr mal keine Lust auf eine Auseinandersetzung, könnt ihr auch vor den Feinden davon laufen.

 

Die Band im Einsatz

 

Habt ihr euch aber für einen Kampf mit einem Gegner entschieden, tretet ihr gegen diese in einer Arena rundenbasiert an. Eine Zeitleiste am oberen Bildschirmrand verrät euch, wer wann am Zug ist. Neben einer regulären Attacke könnt ihr auch aus verschiedenen Skills wählen, die euer Mirage beherrscht und die ihr durch Aufleveln weiter verbessert. Manche dieser Angriffe sind so mächtig, dass ihr damit eine Session auslösen könnt und der Gegner von einem oder mehreren Partymitgliedern attackiert wird. Ob dies möglich ist, könnt ihr an der Schwäche eures Feindes ausmachen oder ihr achtet auf die Ausrufezeichen beim Durchschalten der einzelnen Skills. Habt ihr genug erfolgreiche Attacken ausgeführt, füllt sich auch eure SP-Leiste, durch die ihr dann einen Spezialangriff loslassen könnt, bei dem auch wieder euer Mirage aktiv ins Geschehen eingreift.

Erfolgreiche Kämpfe machen nicht nur eure Figur durch Erfahrungspunkte besser, auch die Skills werden dadurch immer weiter verbessert, erweitert und stärker. Auch Items werden von Feinden häufiger hinterlassen. Stichwort Items: mit diesen könnt ihr euch auch im Supermarkt eindecken, außerdem gibt es in einem anderen Shop hilfreiche Ausrüstungsgegenstände zu kaufen, die einige Statuswerte eurer Figur dauerhaft verbessern.

Neben den vielen Hauptmissionen gibt es natürlich auch Nebenaufgaben mit denen ihr euch die Zeit vertreiben könnt und die ihr auch häufig während eines Dungeons annehmen könnt. Diesen könnt ihr meist zwischen den eigentlichen Kapiteln nachgehen.

 


 

Kunterbunt und treibend

 

Der Stil von „Tokyo Mirage Sessions #FE Encore“ ist perfekt, da wirklich zeitlos. Auch knapp fünf Jahre nach dem Release des WiiU-Titels wirkt die Grafik frisch und kaum veraltet. Die knallbunte Optik ist sicherlich nicht jedermanns Fall und auch nicht so stylish wie bei einem „Persona“, dennoch hat man sich hier einige tolle Sachen einfallen lassen. Am auffälligsten sind zum Beispiel die NPCs, die einfach bunte Schatten sind. Die Menüs hingegen wirken zwar etwas überladen, aber nach einiger Zeit hat man sich da gut zurechtgefunden. 

Wichtige Ereignisse werden in Animesequenzen dargestellt, einfache Dialoge ganz normal in Spielegrafik. Vertont ist das Spiel komplett in Japanisch, die Bildschirmtexte sind leider nur in Englisch vorhanden. Geschmacksache ist sicherlich die musikalische Untermalung des Gezeigten. Ein Faible für Popmusik sollte man schon haben, dann kann man aber einiges an Spaß damit haben.

Technische Mängel sind während unseres Tests eigentlich nicht aufgefallen. Auf dem Display der Switch sieht das alles knackscharf aus und läuft flüssig, lediglich die Auflösung im TV-Modus könnte besser sein. 

 

FAZIT: Unterhaltsames und musikalisches JRPG

 

„Tokyo Mirage Sessions #FE Encore“ ist das etwas andere Rollenspiel aus dem Land der aufgehenden Sonne. Denn vor allem mit der japanischen Musikindustrie hat man hier ein sehr unverbrauchtes Setting gewählt, auch die Kombination mit den Figuren aus „Fire Emblem“ ist echt interessant.

Das Kampfsystem ist spaßig und hat mit den Session- und Spezialangriffen einen ganz besonderen Kniff, dennoch ist der Titel selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad recht fordernd. Da kommen wieder die „Shin Megami Tensei“-Wurzeln durch.

Wie schon gesagt gefällt auch der zeitlose Stil, der kaum gealtert wirkt und durch den das Spiel auch eine aktuelle Entwicklung sein könnte.

Als Kritikpunkte wäre der recht überfordernde Einstieg, der mit unzähligen Namen und Begriffen um sich wirft und viel zu viele Mechaniken auf einmal erklärt. Weiterhin nerven die sehr kleinen Areale in den jeweiligen Stadtteilen, die durch fehlende Kameraeinstellungen und eine blöde Minimap auch noch sehr übersichtlich sind.