"Ein Verborgenes Leben" - Valerie Pachner im Interview

Verfasst von Jakob Weber am 31.01.2020 um 23:47

 

Ein sehr enttäuschender Aspekt der diesjährigen Viennale war die sehr spartanische Präsentation von „A Hidden Life“, dem neuen Historienepos von Regie-Legende Terrence Malick. Das Bio-pick über den National-Helden Franz Jägerstätter wurde nahezu gänzlich mit österreichischen und deutschen Schauspielern gedreht, deren Anwesenheit die beiden Viennale Screenings sicher aufgewertet hätte.  


Dieses Versäumnis machte der Österreichische Verleih „Filmladen“ mithilfe der Tageszeitung „Der Standard“ wieder gut, indem er vergangene Woche Mittwoch eine Vorstellung mit Präsenz der beiden Hauptdarsteller August Diehl und Valerie Pachner, sowie einem Überraschungsbesuch von Tobias Moretti, organisierte. Alle drei blieben den ganzen Film über im Saal, was bei solchen Veranstaltungen eher selten ist. Ebenfalls im Publikum befand sich der österreichische Kultregisseur und Schauspieler Paulus Manker, welcher bereits in der schwarzhumorigen Komödie „Slumming“ an der Seite von August Diehl gearbeitet hatte. Über die Bühne ging das Ganze im Stadtkino am Burgring.  
Die Oberösterreicherin Valerie Pachner, die im Film Franziska, die Frau Franz Jägerstätters verkörperte, war sogar bereit uns ein Interview zu geben: 
 
 
 
Wieviel Bezug hatten sie zu Regisseur Terence Malick, bevor sie den Film gedreht hatten? 

 Pachner: Zum Zeitpunkt als ich den Anruf für das Casting bekommen hab, war ich noch nicht so mit seinem Werk vertraut. Ich habe mir vor dem Casting ein paar seiner Filme angesehen, und als ich die Rolle bekommen hab mir dann alle angeschaut. Das war dann aber wirklich erst so im Laufe der Zusammenarbeit. Ich glaub das war insofern ganz gut, weil ich dadurch nicht so einen „Legendenrespekt“, sondern nur einen normalen „Menschenrespekt“ vor ihm hatte.  

 

Welcher Malick (A Hidden Life ausgenommen) ist laut ihnen am empfehlenswertesten?  

 Pachner: Badlands!  

 

Bei „A Hidden Life“ handelt es sich ja um ihren ersten englischsprachigen Film. Was sind so die unterschiede beim Schauspiel in der Mutter- bzw“Nichtmuttersprache“, und wie gewöhnungsbedürftig ist die Umstellung?  
Pachner: Eigentlich ist mir das ganze ab der zweiten Woche nicht mehr so wirklich aufgefallen und dadurch, dass wir immer zwischen Deutsch und Englisch hin und her gehüpft sind, haben sich die Grenzen zwischen den beiden Sprachen ein bisschen aufgelöst und es war dann im Endeffekt wichtiger was gesprochen wird, als in welcher Sprache das ganze formuliert wurde.  

 

 
Guter Übergang zur nächsten Frage! Waren die Deutsch-Englisch Wechsel eigentlich willkürlich?  
Pachner: Ja! Also das war teilweise dem geschuldet, dass manche Schauspieler im Englischen jetzt nicht so bewandert waren oder nicht so fließend gesprochen haben. Dann hat „Terry“ manchmal gemeint: „Machs nochmal auf Deutsch.“  Teilweise hatte es auch damit zu tun, dass die Statisten kein Englisch, sondern halt nur Deutsch konnten, weshalb wir dann mit ihnen auf Deutsch gesprochen haben. Aber ansonsten war da keine größere Idee dahinter warum manche Menschen im Film Deutsch sprechen und andere nicht, sondern das war wirklich eher dem geschuldet, was sich in der Improvisation ergeben hat und was dann im Schnitt am stimmigsten gewirkt hat. 


 
Sie sprachen bereits auf der Bühne über Malicks Aufgeschlossenheit bezüglich Improvisation. Hätten sie vielleicht ein Beispiel für eine solche Szene? 
Pachner: Zum Beispiel die ganzen Aspekte, dass Franziska auch einen Moment des großen Zweifels hat und auch einen Zweifel an ihrem Glauben, was am Anfang des letzten Drittels durchkommt. Das war von mir. Auch als sie dann auf die Erde und gegen den Zaun drischt, das sind alles Sachen gewesen, die in der Improvisation entstanden sind. Dieser ganze Aspekt, dass sie ein bisschen weniger heilig und ein bisschen weniger einfach die brave Frau ist, die einfach nur an der Seite ihres Mannes mit ihm übereinstimmt, also alles was so ein wenig in Richtung Eigenwilligkeit ging, kam von mir.  


 
Bei dem beinahe drei Jahre langen Schnittprozess kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass es einen ganzen Haufen Rohmaterial gegeben hat. Gibt es irgendwelche Szenen oder Momente, die ihnen im fertigen Film abgehen?  
Pachner: Es ist lustig, denn es war viel mehr Material, aber ich habe in dem Moment, in dem ich den fertigen Schnitt gesehen habe, ihn dann total als das angenommen, was er ist und alles andere vergessen (lacht). 
Ich dachte dann einfach nur: „ok das ist er“ und ich muss auch sagen das fast alle Momente bei denen man auch selbst als Schauspielerin im Kopf hatte: „das war wirklich besonders, oder da ist in der Szene wirklich was passiert“, die sind dann im Schnitt auch drinnen. 


 
Wie lang dauerte der Dreh und gab es „Reshoots“?  
Pachner: Es waren 8 Wochen Drehzeit und im Winter darauf gab es dann noch zwei Tage die ich nur mit unserem Kameramann in den Südtiroler Alpen gedreht hab.  
 
Aufgrund der Medienscheue ihres Regisseurs haben sie und August Diehl, die Aufgabe übernommen den Film international zu bewerben. Können sie sich in naher Zukunft vorstellen, in weiteren englischsprachigen oder Internationalen Filmen mitzuwirken, oder wollen sie sich zunächst wieder eher auf heimische Produktionen konzentrieren?  
Pachner: Ich habe jetzt eine Agentur in LA und bin sozusagen ein bisschen am Jonglieren oder Spagat machen oder wie auch immer, aber ehrlich gesagt ist es mir wirklich nicht so wichtig, wo ich drehe, sondern was, und mir ist wichtig, dass ich die Filme mag und dass es gute Projekte sind. 


 
Haben sie vielleicht etwas „anzuteasern“?  
Pachner: Also „The King’s man“ kommt jetzt dann im Herbst raus. 

 
Der stand gar nicht in ihrer IMDB-Filmographie. Haben wir uns da grad eine exklusive Info ergattert?  
Pachner: Naja, vielleicht bin ich auch rausgeschnitten worden (lacht). Nein, ich habe eine „ADR-Session“ nächste Woche also glaub ich schon, dass ich doch im Film bin. Den habe ich aber noch nicht gesehen, also weiß ich nicht wie groß meine Rolle letztendlich geworden ist.