Dr. Kawashimas Gehirnjogging [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 11.01.2020 um 16:59

 

Joggen für die grauen Zellen!

 

Lernsoftware war auf Konsolen und Handhelds bis zum Aufkommen des Nintendo DS eigentlich überhaupt kein Thema. Aufgrund von Einschränkungen wie Controllern als Eingabegeräte war der PC in solch einem Fall klar vorzuziehen und bot dementsprechend auch wesentlich mehr Auswahl.
Doch mit dem Touchscreen und passendem Stift wurde plötzlich auch der DS interessant für solche Anwendungen und bekam mit „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ eine absolute Killer-Applikation spendiert. Dass der Titel außerdem noch die ganzen Features des DS wie eben Touchscreen oder Mikrofon unterstützte, machte den Titel zu einem perfekten Systemseller. Dies war auch Nintendo klar und startete zusammen mit dem Spiel eine riesige PR-Kampagne, in der zahlreiche Promis ihr geistiges Alter testeten.

Nach einigen Ablegern wurde es dann aber wieder ruhiger um den Doktor und seine Übungen für die grauen Zellen. Zumindest bis Ende 2019 als Nintendo recht überraschend „Dr.Kawashimas Gehirnjogging“ für die Switch ankündigte.

Ob der Titel mit früheren Erfolgen mithalten kann, verraten wir euch in unserem Test, wenn ihr folgende Rechenaufgabe lösen könnt…Späßchen.

 

Der Doktor ist zurück!

 

Schon kurz nach dem Start begrüßt einen der altbekannte Dr. Ryuta Kawashima, den es übrigens wirklich gibt, mit dem klassischen Polygon-Gesicht und einem freundlichen Hallo. Die Switch muss dabei hochkant gehalten werden, zumindest wenn ihr die täglichen Tests machen wollt, die Rechnen, Sudoku und andere Aufgaben beinhalten.

Als Käufer der Modulversion erhaltet ihr übrigens einen Touchpen zum Spiel dazu, damit ihr die Aufgaben mit der nötigen Präzision erledigen könnt. In Kombination mit der Handhabung der Switch im gekippten Modus kommt somit recht schnell wieder DS-Feeling anno 2006 auf.

Aber nicht nur vom Touchscreen der Switch macht das Spiel ordentlich Gebrauch, auch die abgenommenen JoyCons werden für einige Tests benötigt und sind bei Spielen zu zweit sowieso Pflicht. Sogar die Infrarot-Einheit am rechten Joycon wird genutzt und kann zum Beispiel eure Hand erkennen und die erhobenen Finger zählen.

 


 

Schneller Spaß oder Hirntraining?

 

Im Hauptmenü des Spiels habt ihr die Wahl aus zwei unterschiedlichen Punkten. In Schnelles Spiel geht es vor allem um den Wettstreit mit einem zweiten Spieler, in dem ihr zum Beispiel Vögel oder Kisten zählt oder die Richtung einer ausgestreckten Fahne früher als euer Gegenüber erkennt.

Einige dieser Spielchen könnt ihr dann auch für den Hauptmodus von „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ freischalten, den täglichen Übungen. Dort könnt ihr euer geistiges Alter anhand von drei Tests feststellen oder ihr bringt euer Hirn durch das Training zu Höchstleistungen.

Im Training gibt es dann Klassiker wie Rechnen, Zeitung lesen oder Sudoku zu bewerkstelligen, für deren Erledigung ihr vom Doktor einen Stempel in euren Kalender bekommt. Weitere Disziplinen sind zum Beispiel Doppelherausforderung(die höchste Zahl erkennen während man gleichzeitig einen Hürdenläufer über die Hindernisse bringen muss) oder Pianospieler(Noten möglichst flüssig und fehlerfrei nachspielen.

Nach ein paar Trainingseinheiten empfiehlt euch Dr. Kawashima meist, das Training für heute zu beenden oder es mit einer ruhigen Partie Bazillenjagd ausklingen zu lassen. Dieses Spiel ist an Dr. Mario angelehnt und kann für ein paar Minuten beschäftigen, lässt allerdings die schöne Musik und Inszenierung des Originals vermissen.

Aktuell noch nicht freigeschalten ist die Gehirnjogging-Weltmeisterschaft, in der man sich wohl mit anderen Spielern weltweit messen kann. Aktuell kann man seine Ergebnisse nämlich nur mit Freunden teilen.

 

Nüchtern…

 

„Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ ist grafisch sicherlich keine Herausforderung für die Switch. Wie auch schon die Spiele auf Nintendos Handhelds ist die Präsentation nüchtern und sachlich und hat den Sex-Appeal eines Kreuzworträtsels oder einer Excel-Tabelle.

Auch Dr. Kawashimas Kopf-Animationen scheinen direkt aus den DS-Teilen zu stammen und sind höchstens etwas hochauflösender als damals. Gleiches gilt für die Musik und Soundeffekte, die unaufgeregt im Hintergrund bleiben. Vertont ist der Doktor auch heute noch nicht…

Interessanter sind da schon die technischen Features des Spiels, hauptsächlich die Nutzung des Touchscreens und des Infrarotsensors am JoyCon. Letzterer funktionierte in unserem Test recht gut und erkannte Finger sehr zuverlässig. Weniger begeistert waren wir von der Erkennung der Eingaben des Touchpens. Vor allem bei den Zahlen 4 und 5 verweigerte sich das Spiel häufig, was bei Disziplinen auf Zeit ein Nogo ist. Zwar gibt es speziell für das Schreiben der 5 zwei Optionen, aber bei beiden wurden unsere Eingaben nicht zuverlässig erkannt. Ärgerlich!

 


 

FAZIT: Nett, aber nicht mehr so gut wie in 2006

 

Wie in der Einleitung schon beschrieben, hatte das eigentliche „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“ eine große Bedeutung für Nintendo und war nicht nur Systemseller für den DS Lite, sondern war auch medial sehr präsent.

Die Umsetzung für die Nintendo Switch wird sicherlich nicht so groß wie der Erstling und das liegt vor allem an den geringen Innovationen, die das Spiel zu bieten hat. Der Großteil der Spiele fühlt sich entweder zu bekannt an oder macht nur in geringem Maße Spaß. Neuerungen wie der Einsatz des Infrarotsensors zeigen mal wieder, was die Switch für viele ungenutzte Features hat, sind aber auch nur nett.

Motivierend ist sicherlich wieder der Test des geistigen Alters, da man auch sehr gutes Feedback bekommt in welchem Bereich man sich verbessern soll und was man dafür tun kann. Auch die Dutzende an Sudoku-Rätseln in drei Schwierigkeitsstufen können sicherlich für einiges an Langzeitmotivation sorgen.

Große Abzüge in der technischen Bewertung gibt es aber für die schlechte Handschrifterkennung bei den Vierern und Fünfern. Wenn man seine Bestzeit im Rechnen verpasst, nur weil mal wieder die Zahl nicht erkannt wurde, ist das echt ärgerlich. Hoffentlich wird das per Patch noch behoben.