Sniper: Ghost Warrior Contracts [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 16.12.2019 um 13:40

 

Zielgenau!

 

Ego-Shooter sind seit der Zeit von „DOOM“ nicht mehr aus dem Video- und Computerspiel-Sektor wegzudenken. Egal ob fantastisches Setting oder Nachbildungen realer Situationen wie dem Zweiten Weltkrieg, das Genre ist mittlerweile auf jeder Plattform und in jedem Zeitalter angekommen.

Während sich vereinzelte Spiele noch mit Singleplayer-Kampagnen beschäftigen, sind aber vor allem Mutiplayer-Inhalte wichtiger denn je. Und genau dort trifft man auch auf diese bestimmte Art Spieler, der sich mit seinem Scharfschützengewehr auf die Lauer legt und den Feind hinterrücks aus großer Distanz erledigt.

Um diese Spielart hat sich in den letzten Jahren ein komplett eigenes Genre gebildet, das entweder mit vollwertigen Reihen wie eben „Sniper: Ghost Warrior“ oder Spielmodi wie in „Hitman“ bedient wird.

Mit „Sniper: Ghost Warrior Contracts“ geht die Reihe von CI Games mittlerweile in die fünfte Runde und schickt euch in den Kampf gegen einen bösen Diktator. Wir haben die Scharfschützen-Sim für PS4 getestet und verraten euch nun, ob sich der Kauf lohnt.

 

Lang lebe Sibirien!

 

In einer nahen Zukunft spaltet sich Sibirien vom Rest Russlands ab und wird als eigene Republik neu gegründet. Anfangs ist die Euphorie noch groß und die Unterstützung für den Revolutionsführer ebenso, aber recht schnell kristallisiert sich heraus, dass dieser ein ganz schön fieser Kerl ist und nur seine eigene Diktatur schaffen wollte.
Und da kommt ihr ins Spiel. Als furchtloser Scharfschütze, ausgerüstet mit den modernsten Techniken, zieht ihr in den Kampf gegen den Bösewicht und seine mindestens genauso böse Entourage.

Dabei müsst ihr euch nicht nur mit den Feinden vor Ort auseinandersetzen, auch Sibirien selber erweist sich als nicht gerade gemütlicher Platz zum Erledigen von Geheimmissionen und weitreichenden, politischen Aufträgen.

 


 

Auf die Flugbahn kommt es an!

 

Im Grunde handelt es sich bei „Sniper: Ghost Warrior Contracts“ um einen Egoshooter mit dem Schwerpunkt auf die Scharfschützen-Mechanik. Und diese ist auch etwas herausfordernder als in normalen Genre-Vertretern. Denn hier müsst ihr auf die Flugbahn der Kugel und die Entfernung des Ziels achten.

Hierfür gibt es allerlei Anzeigen in eurem Visier, so dass ihr nach ein paar Versuchen den richtigen Dreh raus habt. Um das Gewehr ruhig zu halten, könnt ihr im passenden Moment außerdem die Luft anhalten.

Aber auch andere Waffen könnt ihr für eure Missionen benutzen. So habt ihr mindestens immer eine normale Handfeuerwaffe bei euch, aber auch Maschinengewehre kommen zum Einsatz. Für das lautlose Vorgehen setzt ihr auf Messer & Co. Es ist also für jeden etwas dabei, wobei das ruhige Taktieren eher belohnt wird als Rambo-haftes Vorgehen. 

Und das passt auch zum Aufbau der Level, die kleiner als im Vorgänger sind, aber euch allerlei Möglichkeiten geben, das Missionsziel zu erreichen. Meist müsst ihr Person XY finden, dieser eine Zugangskarte abnehmen oder euch in irgendeinen Laptop hacken.

 

Der Mann mit der Maske

 

Zu Beginn händigt euch euer Auftraggeber eine Maske aus, die euch in den Missionen und Einsätzen von großer Hilfe sein kann. Durch Druck auf L1 scannt diese die Umgebung und markiert euch interessante Objekte oder Punkte auf der Karte, weiterhin nehmt ihr so Umgebungsgeräusche deutlicher wahr. So könnt ihr zum Beispiel Kanten sehen an denen ihr hochklettern könnt oder werdet auf Objekte für Ablenkungsmanöver hingewiesen. 

Das in den Missionen verdiente Geld könnt ihr in zahlreiche Verbesserungen stecken, die in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt sind. Aber auch wuchtigere Waffen oder nette Gadgets wie eine Drohen lassen sich von dem hart erschossenen Geld kaufen.

 


 

 

Das ist die CryEngine?

 

Man darf sich bei „Sniper: Ghost Warrior Contracts“ nicht an die frühere Überlegenheit der CryEngine erinnern, denn sonst macht das den Spieler sehr traurig. Die hier verwendete Grafikmaschine von CryTek ist anscheinend nur noch ein Schatten ihrer selbst oder wird von CI Games einfach nicht beherrscht. Matschtexturen, grobe Auflösung, kantige Objekte…die Liste ist endlos. 

Dazu kommt eine unendlich dumme KI. Feinde reagieren eigentlich nur bei direktem Beschuss, oft kümmert es niemanden wenn ein Kamerad neben ihm von einem eurer Projektile getroffen wird. Superleises Vorgehen ist auch nicht unbedingt nötig, denn die Feinde bemerken euch wie gesagt sowieso nur recht spät.

Die Steuerung wirkt zu Beginn recht überladen, aber hier ist auch das schlechte Tutorial schuld, das die Gameplay-Eigenheiten einfach nicht gut erklärt und den Spieler schlecht leitet. 

Die musikalische Untermalung geht in Ordnung, wenigstens die Soundeffekte sind wuchtig. Aber dann verärgert einen das Spiel wieder mit ärgerlichen Designentscheidungen wie der fehlenden Möglichkeit den Introfilm vor den Missionen zu überspringen. 

 

FAZIT: Ein Schuss in’s Knie!

 

„Sniper: Ghost Warrior Contracts“ hätte ein ziemlich gutes Spiel werden können. Dank der Sandbox-Level, die eine sehr gute Größe haben, hätte man sich mit viel Kreativität an das Erledigen der Missionen machen können, aber leider kommt das nie an Schleichperlen wie „Hitman“ heran. Dafür ist das Missionsdesign zu ähnlich und die Gegner zu dumm. Immerhin sorgen die freischaltbaren Gadgets für ein bißchen mehr Abwechslung im Gameplay.

Technisch ist das Spiel nur Mittelmaß und kommt nie wirklich über dieses Hinaus. Zum Glück hatten wir während unseres Tests nicht mit Rucklern oder Abstürzen zu kämpfen, aber die Gesamtoptik wirkt einfach wie aus PlayStation3-Zeiten.

Da helfen auch keine Spielereien wie der Zeitlupenflug des Projektils samt Kill-Cam oder die anfangs hochgelobte Hightech-Maske. Diese Features sind genau so egal wie Story oder  unser Hauptcharakter und bleiben so blass wie die sibirische Einöde.