Death Stranding [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 30.11.2019 um 10:48

 

Kojima Mastermind

 

Hideo Kojima und Konami. Ein Team, welches schon in 1980er Jahren zusammen fand und u.a. für Spiele wie „Snatchers“ oder „Policenauts“ verantwortlich war. Natürlich verbindet man die beiden Namen aber am ehesten mit der „Metal Gear“-Reihe, die ihren Anfang auf dem MXS2 und dem NES nahm.

Dank der Hardware-Power der PlayStation wurde „Metal Gear Solid“ zu einem Meilenstein der Videospielgeschichte und legte den Grundstein für den Kultstatus den die Reihe bis zum umstrittenen fünften Teil inne hatte. Bei diesem überwarf sich Kojima mit Konami, angeblich weil er zu lange für dessen Produktion brauchte und diese einfach viel zu teuer wurde. Das merkte man dem Spiel leider vor allem in der zweiten Hälfte an und somit verblasste Kojimas Stern ein wenig.

Fast schon über Nacht verließ Kojima seinen einstigen Brötchengeber und gründete relativ schnell Kojima Productions. Deren erstes Spiel sollte „Death Stranding“ werden, was in relativ vielen kryptischen Trailern vorgestellt wurde, aber bereits da schon mit vielen Cameos von Schauspielern und Regisseuren hervorstach. Nach etlichen Jahren des Wartens und Spekulierens erschien „Death Stranding“ nun Anfang November endlich für die PlayStation4. Ob sich das Warten gelohnt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Brücken bauen für die Präsidentin

 

Nachdem die USA fast ausgelöscht wurde, haben sich die wenigen Überlebenden in Bunkern unter der Erde gesammelt und verlassen kaum noch diesen Schutzbereich. Denn außer dem Zeitregen, der alles was er trifft rapide altern lässt, tauchen hin und wieder auch Wesen aus der Welt zwischen Leben und Tod, genannt GDs, auf und reißen die Menschen mit in ihre Welt.

Zum Glück gibt es solche tapferen Männer wie Sam Porter Bridges, der sich als Lieferbote seinen Unterhalt verdient. Eines Tages wird er nach einem Auftrag in die Stadt Capital Knot City gerufen, da ihn die Präsidentin der United Cities of America sehen will. Diese hat einen besonderen Auftrag für Sam. Denn er soll nicht nur die einzelnen Städte wieder miteinander verbinden, sondern auch die potentielle Nachfolgerin der Präsidentin aus ihrer Gefangenschaft retten.

Dabei stellen sich Sam nicht nur die genannten GDs in den Weg, auch auf Feinde namens MULEs trifft er während seiner Reise. Außerdem wird er von einem Bridge Baby begleitet und darf natürlich auch seinen Zulieferer-Job nicht aus den Augen verlieren. Klingt alles ziemlich verrückt? Ja, das ist es.

 


 

Liefern & Craften

 

Während die ersten zwei Stunden von „Death Stranding“ zu einem Großteil aus Zwischensequenzen bestehen, die viele der Begrifflichkeiten einführen und natürlich die Storygrundlage schaffen, öffnet sich die Spielwelt mit einem sehr gemächlichen Tempo. Denn zunächst lernt ihr einmal die Grundlagen des Auslieferns von Paketen. Denn seid ihr zu schwer oder zu unausgeglichen bepackt, verliert ihr schnell mal das Gleichgewicht und fallt hin. Dann nehmen auch die Pakete Schaden, was den Empfängern natürlich gar nicht passt und Auswirkung auf eure Bewertung hat.

In der weitläufigen und kargen Spielwelt findet ihr hin und wieder auch verlorenes Gepäck von anderen Boten, welches ihr entweder mit zur nächsten Basis nehmen oder an einem Briefkasten abgeben könnt.

Diese Briefkästen könnt ihr mit Hilfe eures Craftingsystems relativ schnell selber bauen, die Auswahl wird später um Brücken oder einen Wachturm ergänzt. Diese Bauten können auch von anderen Spielern benutzt werden und stellen somit das zentrale Element „Verbindungen schaffen“ dar. Auf den Wegen zwischen den Empfängern und Basen müsst ihr nämlich über Stock und Stein klettern oder Flüsse durchqueren. Um euch das leichter zu machen, könnt ihr euch mit Leitern oder Seilen ausstatten, die euch und anderen Spielern das Weiterkommen wesentlich leichter machen. Wurden diese genutzt oder habt ihr eine Leiter eines anderen Users erklettert, gibt es dafür Likes, die euren Status als Bote verbessern und euch zum Beispiel belastbarer machen. 

 

Schleichen und Schlägern

 

Doch natürlich ist es nicht nur damit getan Pakete auszuliefern und neue Wege zwischen den Städten bzw. Bunkeranlagen zu erschaffen. Denn zum einen gibt es da den Zeitregen, der nicht nur Objekte schneller altern lässt, sondern auch dafür sorgt, dass die GDs auftauchen. Glücklicherweise hat Sam einen Sensor und BB dabei, die ihn auf das Erscheinen der körperlosen Wesen hinweisen. Dank dem Sensor wisst ihr auch in welcher Richtung sich die GDs befinden und wie weit diese entfernt sind.

Trefft ihr auf diese Wesen müsst ihr euch an diesen vorbeischleichen oder ihr erwehrt euch mit Blutgranaten falls diese zu übermächtig sind. Um wirklich ganz still an den GDs vorbeizukommen, kann Sam sogar die Luft für eine bestimmte Zeit anhalten.

Wesentlich actionreicher können die Auseinandersetzungen mit den MULEs geraten, die sich häufig in Lagern sammeln und die euch bzw. die Signatur eurer Pakete auf große Distanz erkennen können. Auch hier könnt ihr den leisen Schleichweg wählen um diese außer Gefecht zu setzen oder ihr greift auf Waffen zurück, die ihr ab einem bestimmten Zeitpunkt craften könnt. 

Auch auf Fahrzeuge könnt ihr während eurer Reise durch die Staaten zurückgreifen. So finden sich Motorräder aber auch Trucks, diese müsst ihr allerdings an Generatoren aufladen oder sogar reparieren wenn sie zu lange dem Zeitregen ausgesetzt waren.

 


 

Spaß mit Sam

 

Zwischen den Aufträgen und Missionen könnt ihr Sam auch mal eine Pause gönnen und in einem der geschützen Bunker Ruhe finden. In diesen Räumen kann man Sams Ausrüstung ändern, sich mit BB beschäftigen oder dem Soundtrack mit Tracks von Bring me the Horizon oder Chvrches lauschen.

Ganz abgefahren wird es, wenn ihr Sam auf die Toilette schickt(zum kleinen oder großen Geschäft) oder ihn per Kamera ärgert. Schwenkt ihr diese auf seinen Fuß wackelt er mit diesem, zielt ihr auf seinen Schritt verdeckt er diesen beschämt. Geht er an das Waschbecken samt Spiegel kann man allerlei Grimassen ausführen…skurril. 

Etwas fehl am Platz in einem Spiel mit allerlei Gesellschaftskritik wirkt da die Produktplatzierung eines gewissen Energydrinks, der Sams Ausdauer wieder auffüllt. Bedenkt man die sonstige Abwesenheit irgendwelcher Marken wirkt das schon sehr falsch.

Neben den vielen Zwischensequenzen sorgen auch die zahlreichen Mails für einen detailreichen Blick auf die Welt und was in dieser alles passiert. Außerdem gibt es viele Infotexte im Menü zu den zahlreichen Begriffen und Eigenheiten von „Death Stranding“.

 

Technisch poliert

 

„Deaath Stranding“ lief in unserem Test auf einer regulären PS4 zu jederzeit flüssig und stabil. Auch wenn die Spielwelt recht karg ist, ist sie doch voller kleiner Details und auch die Weitsicht weiß zu überzeugen. Dies trägt zu einem stimmigen Gesamtbild bei.

Die Charaktermodelle sind sehr hochwertig gestaltet, Mimik und Gestik wirken zum Großteil realistisch und sehen sehr gut aus. Die Menüs sind teilweise etwas zu verschachtelt geraten und könnten intuitiver gestaltet sein. So gerät deren Handhabung etwas zu fummelig, am meisten muss man sich aber über die winzigen Texteinblendungen ärgern. Ein schrecklicher Trend in den letzten Monaten. Nicht jeder spielt über einen Beamer oder einen Riesen-TV, liebe Entwickler!

Ein richtiges Highlight ist die musikalische Untermalung des Spiels, vor allem wenn diese bei längeren Botenaufträgen einsetzt und die Kamera etwas weiter nach hinten fährt. Dann kommt eine Atmosphäre auf wie sie passender nicht sein könnte. Wow! Neben einem überzeugenden Score sind auch die bereits erwähnten Songs von Major Lazer oder Au/Ra richtige Ohrschmeichler.

 

FAZIT: Kunst oder Spiel?

 

Diese Frage muss man sich bei „Death Stranding“ definitiv stellen. So hat Kojima eine klare Botschaft, die er mit dem Spiel transportieren will und für die er auch viel Raum in Anspruch nimmt. Man muss sich auf dieses Erlebnis einlassen können und sich vor allem Zeit nehmen. Kojimas Spiel ist kein Titel, den man abends mal kurz für eine halbe Stunde einlegt.

In Sachen Gameplay bietet „Death Stranding“ nicht viel Neues, böse Zungen könnten sogar behaupten, dass es zum Großteil recht langweilig ist, stundenlang durch die Ödnis zu laufen und irgendwelche Pakete auszuliefern. Einige Elemente erinnern andererseits frappierend an „Metal Gear Solid 5“, so zum Beispiel die Schleich-Mechanik und das Infiltrieren von MULE-Camps.

Mit dem großen Staraufgebot von Mads Mikkelsen über Lea Seydoux bis hin zu Margaret Qualley hat „Death Stranding“ ein echtes Highlight zu bieten. Auch wenn die deutsche Synchro gut ist, empfehlen wir den O-Ton für ein rundum rundes Film- bzw. Spielerlebnis.

Aber kann man „Death Stranding“ nun uneingeschränkt empfehlen? Schwierig. Wie schon gesagt, man muss sich auf das gemächliche Tempo ähnlich wie in „Red Dead Redemption 2“ einlassen können. Hat man keine Lust auf lange Zwischensequenzen, kryptische Aussagen oder auch mal ereignisloses Gameplay, sollte man sich den Kauf zweimal überlegen. Will man sich aber mal auf etwas Neues einlassen und kann auch Spiele abseits von „Call of Duty“ oder „FIFA“ genießen, müsst ihr Kojimas Werk eine Chance geben.