Star Wars Jedi: Fallen Order [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 24.11.2019 um 12:41

 

Der Murks mit „Star Wars“

 

Als videospielender „Star Wars“-Fan hatte man es in den letzten Jahren nicht leicht. Denn während man die neue Film-Trilogie samt Spinoffs, spannende Comic-Reihen und viele Spielzeugserien genießen konnte, wurde man auf PC und Konsolen nur stiefmütterlich behandelt.

Titel wie „Star Wars Battlefront“ klangen gut, waren aber zum Release weit entfernt von gut spielbar, die fürchterliche Geschichte mit den Lootboxen darf man dabei auch nicht vergessen.

Und sonst? Nichts. EA ging mit dieser Lizenz einfach nicht gut um, der Abschuss war dann das Canceln von Viscerals „Star Wars“-Spiel, das sehr ambitioniert klang und mit viel prominenter Unterstützung entstehen sollte.

Da passt es dann wie die Faust auf’s Auge, dass Respawns „Star Wars Jedi: Fallen Order“ die letzte Hoffnung für die Fans war. Der Entwickler hat sich bisher mit der „Titanfall“-Reihe und dem Battle Royale-Shooter „Apex Legends“ einen recht guten Namen gemacht, also dürfte da nichts schief gehen. Oder doch?

 

Cal im Untergrund

 

Fünf Jahre nach Episode III und somit nach dem verheerenden Angriff auf die Jedi-Gilde schlüpft ihr in die Rolle von Cal Kestis, der sich auf dem Schrottplaneten Bracca seinen Lebensunterhalt verdient. Dieser ist ein Jedi-Schüler gewesen und seit der Order 66 erfolgreich auf der Flucht vor dem Imperium. 

Als er zusammen mit seinem Kollegen einen Auftrag erfüllen will, kommt es jedoch zu einem Unfall und er muss seine Macht einsetzen, um diesen zu retten. Auf der Rückfahrt nach Hause schmiedet er den Plan, endlich Bracca zu verlassen, da das Imperium auch hier immer präsenter wird und aktiv verbliebene Jedis sucht. Doch soweit kommt es nicht. Bei einer Kontrolle eskaliert die Situation und Cal sieht sich plötzlich mit Sith-Rittern konfrontiert. Glücklicherweise wird er jedoch von Cere Junda, einer ehemaligen Jedi-Ritterin gerettet und auf den Planeten Bogano gebracht. Dort erfährt Cal von der alten Zivilisation der Zeffo und davon, dass es wohl eine Liste mit Macht-begabten Kindern gibt. Diese gilt es nun zu finden und somit dem Imperium vielleicht wieder etwas entgegensetzen zu können. 

 


 

Dark Uncharted Order

 

Bei „Star Wars Jedi: Fallen Order“ handelt es sich um ein klassisches Singleplayer-Erlebnis ohne Games-as-a-service-Aspekte oder Multiplayer-Schnickschnack. Spielerisch orientiert man sich u.a. an Action Adventure-Hits wie „Uncharted“ oder „Tomb Raider“, in Sachen Kampfsystem aber auch an From Software-Titeln wie „Sekiro“ oder „Dark Souls“.

So verfügt Cal über ein umfangreiches Move-Repertoire und kann klettern, springen und Abhänge hinunter rutschen. Dies geht alles recht leicht von der Hand und wirkt zu jeder Zeit flüssig. 

Wenn es um Auseinandersetzungen mit dem Imperium oder der Fauna eines Planeten geht, zückt Cal entweder sein Lichtschwert oder setzt die Macht ein. Bei Auseinandersetzungen mit dem Schwert kommt es dabei auf gutes Timing an. Pariert ihr einen Angriff im rechten Augenblick, könnt ihr den Gegner mit einem Hieb ausschalten, ansonsten winkt ein klassischer Kampf bis der Angreifer erledigt ist. Beschießen euch Sturmtruppler aus der Distanz könnt ihr deren Laserbolzen mit einem gut getimeten Block auf diese zurückwerfen.

Für das Erledigen von Feinden gibt es Erfahrungspunkte, die ihr an Meditationsplätzen in neue Fähigkeiten oder Verbesserungen eurer Lebensenergie bzw. Machtreserve investiert. Wählt ihr an diesen Orten den Punkt „Ausruhen“ lädt sich eure Lebensenergie plus Medikit-Zahl wieder voll auf, aber auch die Feinde sind wieder an ihrem Platz zu finden. 

 

Metroidwarnia

 

Die weitläufigen Planeten-Level laden zum Erkunden ein, öffnen sich aber erst nach und nach dem Spieler komplett. Denn viele Abschnitte erreicht ihr erst, wenn ihr bestimmte Fähigkeiten erlernt habt bzw. euren Droiden BD-1 mit dem entsprechenden Feature ausstatten konntet. So öffnet ihr brüchige Strukturen zum Beispiel mit einem beherzten Machtstoß oder BD-1 fungiert als Seilzug und bringt euch so über unüberwindbare Schluchten.

Euer kleiner Begleiter ist euch aber auch auf andere Art ein großer Helfer. So scannt er geschichtsträchtige Objekte oder die verschiedenen Tiere und Gegnertypen, aber auch beim Auffinden von neuen Teilen für euer Lichtschwert oder neuen Kleidungsfarben ist BD-1 unverzichtbar. Gut versteckte Macht- und Lebensessenzen steigern eure jeweilige Anzeige, auch die Zahl der Medipacks lässt sich nach und nach vergrößern.

BD-1 zeigt euch außerdem per Druck auf das Touchpad des Controllers eine ausführliche Hologramm-Karte der jeweiligen Welt an. Diese ist zu Beginn noch etwas unübersichtlich, hat man sich aber mal dran gewöhnt, wirklich hilfreich.

Mit dem Raumschiff Mantis und dessen Crew fliegt ihr von Planet zu Planet und nutzt den Gleiter ähnlich wie einen Hub. Von dort aus wählt ihr euer nächstes Ziel an, quatscht mit der Besatzung oder begutachtet die Pflanzen, die aus gefundenen Samen wachsen. In eurem Raum könnt ihr nicht nur meditieren, sondern auch euer Lichtschwert mit den gefundenen Teilen und Materialien verändern und so eurem eigenen Geschmack anpassen.

 


 

Gruselige Augen und Unschärfe

 

Bisher orientiert sich „Star Wars Jedi: Fallen Order“ also sehr gelungen an Branchen-König Nathan und -Königin Lara, aber kann der Titel auch technisch mithalten? Jein. Denn eigentlich sieht das Spiel dank Unreal Engine 4 richtig schick aus, kämpft aber mit so einigen Schwierigkeiten. 

Während der Rest der Figuren ganz gut ausschaut, starren die Augen dieser oft und wirken schlecht beleuchtet. Das Weiß ist zu hell und die Pupille zu dunkel, so dass die Augen oft wie ein Fremdkörper im Gesicht wirken. Ansonsten sind die Charaktermodelle aber sehr gut gelungen und detailliert, selbiges kann man über Mimik und Gestik sagen.

Die verschiedenen Planeten samt Flora und Fauna und Gebäuden sind super gestaltet und wirken dank der großartigen musikalischen Untermalung und Soundeffekt-Kulisse wie aus einem Film der klassischen Trilogie. Wunderbar! So kommt echtes „Star Wars“-Feeling auf. In manchen Außengebieten kommt es aber zu gelegentlichen Rucklern, vor allem bei den Kämpfen und Sprungpassagen wirkt das störend. Manche Gebiete kämpfen außerdem extrem mit nachladenden Texturen oder ins Bild ploppenden Figuren oder Gegenständen, so zum Beispiel Kashyyyk. Hier lief das Spiel teilweise so schlecht, dass man um den Zustand der PS4 Angst hatte.

In den meisten Innenräumen oder kleineren Arealen läuft Cals Abenteuer aber flüssig, und die eben erwähnte Extremsituation war im Rest des Spiels so nicht mehr zu sehen. 

 

FAZIT: Die Macht ist mit Respawn!

 

Endlich ist es da! Das erste runde „Star Wars“-Spiel seit…ja, seit „Kotor“ vermutlich. „Star Wars Jedi: Fallen Order“ ist ein tolles Spiel geworden und bestätigt, dass Respawn Entertainment richtig fähige Menschen an Bord hat. Zum einen muss man in Zeiten von Lootboxen und Microtransactions erst einmal das komplette Fehlen dieser loben. Man kann keine XP-Boosts oder kosmetische Items mit Echtgeld kaufen. Es gibt keinerlei Online-Kram…wirklich erfrischend. 

Aber auch spielerisch kann der Titel überzeugen. Während die Sprung- und Kletterpassagen zwar nicht gerade fordernd, dafür aber spaßig inszeniert sind, ist das Kampfsystem ein echtes Highlight. Fans von „Sekiro“ und Co. können auf den höheren Schwierigkeitsgraden packende Duelle wie in From Softwares Spielen erwarten, aber auch ungeübtere Spieler kommen auf den niedrigeren Stufen gut damit zurecht.

Die technischen Mängel ärgern einen und reißen den Spieler hin und wieder etwas aus der Spielwelt heraus, aber alles in allem hat man schon lange nicht mehr so ein tolles „Star Wars“-Erlebnis auf Konsolen gehabt wie hier. So kurz vorm Start von Epsiode IX ist „Jedi: Fallen Order“ der perfekte Anheizer für den Aufstieg Skywalkers.