Pokémon Schwert [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 24.11.2019 um 12:39

 

Endlich zuhause angekommen!

 

Es ist schon seltsam. „Pokémon“ ist sicherlich eine der erfolgreichsten Spiele-Marken auf Nintendo-Hardware, aber bisher waren die Teile nur Handheld-Usern vorenthalten. Während es die beliebten Taschenmonster bereits seit Zeiten des klassischen Gameboy gibt, sind unzählige Konsolen des Unternehmens aus Kyoto erschienen, aber ein richtiges „Pokémon“-RPG für diese war bisher Fehlanzeige.
Dabei war das letztjährige „Pokémon: Let’s Go!“ für die Switch ein erster Schritt in die richtige Richtung, ließ aber viele Features der eigentlichen Hauptspiele der Reihe vermissen, war also eher ein Zwischenschritt für Entwickler Game Freak. Denn die Fans warteten eigentlich auf „Pokémon Schwert und Schild“, die das volle „Pokémon“-Erlebnis auf die Konsole bringen sollten.

Bereits im Vorfeld gab es aber einiges an Kritik, vor allem die Entscheidung nicht alle 800+ Pokémon ins Spiel einzubauen, erzürnte einige Fans. 

Ob der Titel, in unserem Fall „Pokémon Schwert“, dennoch den Charme der Serie auf die Switch bringen kann, verraten wir euch in unserem Test.

 

Welcome to Galar!

 

Nach unserem Ausflug in die Alola-Region in „Pokémon Sonne/Mond“ verschlägt uns die Reihe nun nach Galar, das ganz klar Großbritannien nachempfunden wurde. Nachdem wir uns für einen Charakter entschieden haben, treffen wir auf unseren Freund Hop, dessen Bruder Delion einer der ganz großen Pokémon-Trainer und amtierender Champ in Galar ist. Natürlich will Hop ähnlich erfolgreich sein, muss dafür aber zunächst an den Arena-Wettkämpfen teilnehmen.

Ihr werdet dabei irgendwie mit rein gezogen und entscheidet euch dafür, Hop auf seiner Reise zu begleiten. Bei einem Testkampf bekommt ihr auch prompt euer erstes Pokémon von Hops Bruder. Dabei habt ihr die Wahl aus drei Kreaturen und zwar Chimpep, Hopplo oder Memmeon. 

Wie schon erwähnt, um der Champion der Galar-Region zu werden, müsst ihr erst einmal erfolgreich die Arena-Tour bestreiten. Während dieser warten unterschiedliche Trainer auf euch und eure Pokémon. Werdet ihr schon bald der oder die Beste sein?

 


 

Fangen, kämpfen, leveln

 

Die Basics aller „Pokémon“-Spiele sind gleich. Mit einem Team aus bis zu sechs Taschenmonstern zieht ihr durch die jeweilige Region und stellt euch allerlei Kämpfen. Diese sind in „Pokémon Schwert“ nicht zufallsbasiert, denn ihr seht eure Gegner auf der Karte und könnt dann meistens frei darüber entscheiden, ob ihr euch mit dem Pokémon duelliert. Nettes Feature: die Pokémon entsprechen endlich ihrer wahren Größe, was einige der Wesen schon recht beeindruckend macht und zweimal überlegen lässt, ob man den Kampf nun angeht oder sein lässt.

Die Auseinandersetzungen basieren dabei immer auf dem Schere, Stein, Papier-Prinzip, so ist ein Wasser-Pokémon natürlich besonders effektiv gegen eines mit Feuer-Angriffen. Neben klassischen Attacken wie einem Tackle oder Biss, können auch die Zustände der Pokémon beeinflusst werden. Ein Silberblick senkt zum Beispiel die Abwehrwerte. Habt ihr einen Gegner ausreichend geschwächt, kann dieser mit einem Poké-Ball gefangen werden.

Zwischen den Arenen, deren Zugang meist mit einer kleinen Rätseleinlage verbunden ist, reist ihr auf den bekannten Routen hin und her, meistert Kämpfe oder durchquert Dungeons. In Städten und Dörfern findet ihr Pokémon-Center, in denen ihr eure Tierchen wieder aufpeppeln könnt oder hilfreiche Items in den Shops kauf.

 

Und was ist jetzt neu?

 

Eine ganze Menge. Fangen wir zunächst mit der - Achtung, Wortspiel - größten Neuerung an. Der Dynamax-Funktion. Einige Pokémon könnt ihr jetzt nämlich auf Godzilla-Größe mutieren lassen, was für drei Runden und nur einmal im Kampf möglich ist. Das deren Attacken und Fähigkeiten natürlich besonders mächtig sind, versteht sich von selbst.

Außerdem sehr wichtig sind die Naturzonen, in denen ihr nicht nur wie gewohnt auf die Jagd nach Pokémon gehen könnt, sondern die irgendwie auch als Hub für das Onlinespiel dienen. Dort findet ihr nämlich Nester besonders mächtiger Pokémon, die ihr zusammen mit drei anderen Mitspielern angreifen könnt. Dass dabei allerlei Belohnungen wie XP und Items winken, versteht sich von selbst. 

Überall in der Spielwelt könnt ihr außerdem die PokéCamping-Funktion nutzen. Dort könnt ihr mit euren Monsterchen spielen und kommunizieren oder ihr kocht ein leckeres Curry-Gericht aus erhaltenen Zutaten und verbessert somit weiter die Werte eurer Pokémon. Auch Camps anderer Spieler lassen sich dabei besuchen.
Ein weiteres Online-Feature ist das Ypsi-Com über das ihr mit anderen Spielerinnen und Spieler kommunizieren könnt. Neben Täuschen kann man hier auch Kämpfe austragen, dies ist entweder über das Internet oder die Link-Funktion möglich. 

Die letzte große Neuerung betrifft das Individualisieren eurer Figur. Jetzt könnt ihr nämlich nicht nur über Hautfarbe und Geschlecht entscheiden, sondern euer schwer erkämpftes Geld für allerlei Outfits und Klamotten ausgeben. 

 


 

3DS lässt grüßen!

 

„Pokémon Schwert“ ist sicherlich keine technische Offenbarung auf der Switch und kein Vergleich zu großen Titeln wie „Breath of the Wild“ oder „Astral Chain“. Ganz im Gegenteil. Denn während die Optik schön bunt und mancherorts detailreich gestaltet ist, lässt einen die Spar-Optik bei den Pokémon leider etwas ratlos zurück. Generell muss man sagen, dass einige Designs der Kreaturen schon arg drüber sind und teilweise sehr bizarr wirken. Da ist man von Kult-Pokémon wie Pikachu oder Glumanda weit weg. Aber warum begnügt man sich immer noch mit den Spar-Animationen in den Kämpfen, die dann auch nicht passend wirken? 

Im Handheld-Modus wirkt das Spiel oft recht pixelig und unscharf, außerdem nerven die Ruckler in der Naturzone. Diese werden noch stärker, wenn man mit dem Internet verbunden ist. Auch die Weitsicht ist erschreckend schlecht, sehr häufig ploppen Figuren sehr spät ins Bild.

Musikalisch ist das Spiel etwas eintönig geraten, dafür ist die Übersetzung aber wieder sehr gut gelungen und charmant.

 

FAZIT: Pokémon mit Schönheitsfehler

 

Auch wenn Game Freak mit „Pokémon: Let’s Go!“ bereits den Umgang mit der Switch erlernen konnte, leidet das neue „Pokémon Schwert“ an einigen Macken. Der Gameplay-Kern ist gut wie immer und wird mit dem Dynamax-Feature um eine nette Spielerei ergänzt, auch die neue Region weiß mit ihren ländlichen Abschnitten und Städten zu begeistern. Hier hat man den Charme Großbritanniens gut eingefangen, ähnlich wie schon beim hawaiianischen Alola vor drei Jahren.

Das große Aber ist leider die Technik bzw. die mangelnde Modernisierung des Spiels. Neben den immer noch gleichen Spar-Animationen in den Kämpfen, sind vor allem Dinge wie Ruckeln, Weitsicht und Auflösung ein echtes Problem und schmälern den Gesamteindruck. 

Für das nächste große „Pokémon“-Spiel hat Game Freak also einige Hausaufgaben und auch Nintendo sollte einmal darüber nachdenken, ob man nicht wirklich langsam eine Switch Pro auf den Markt bringt, die etwas potenter ist. Oder Platinum Games verrät anderen Entwicklern endlich, wie sie „Astral Chain“ so auf der Switch zum laufen bekamen.